Vuvuzelas und der Reichsparteitag

Eines gleich vorweg: Ich weiss nicht wer diese ausgeprägt suizidgefährdeten Personen waren, die sich in einer Sollstärke von 8 Personen ca. 50 Meter von meinem Schlafplatz entfernt auf dem Bürgersteig der ansonsten SEHR ruhigen Strasse zusammen fanden. Was ich aber weiss ist, dass die Gefahr dass es Tote gibt wenn die beim nächsten Schland Spiel den Blödsinn nochmal machen ist ausserordentlich hoch. Ich habe nichts gegen feiern auf Feiern (Wortwitz HAHA) und damit verbundener fröhlicher Lautstärke. Aber irgendwann ist Schluss. Wenn man sich schon hat das Gehirn rausnehmen lassen muss man dieses doch nicht um 01:00 dem arbeitenden (und deshalb schlafenden) Teil der Bevölkerung lautstark mitteilen? Es würde mich nicht wundern, wenn – auch aufgrund der Wundertröte Vuvuzela  – ein Totschlag oder mindestens eine schwere Körperverletzung aktenkundig wird.

Und nun zu weniger ernsten Themen: Die Springerpresse beweist mal wieder ihr krankes Weltbild in dem es ausschliesslich „linke Gewalt“ und männliche Sportreporter geben darf:

Aufregung in der Halbzeitpause des deutschen WM-Spiels: ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein sprach von einem „inneren Reichsparteitag“. (Welt)

Auch der Spiegel – das ehemalige Nachrichtenmagazin – drischt nun auf Katrin Müller-Hohenstein ein und dramatisiert, dass es eine wahre Freude ist

Stefan Niggemeier hat sich der Sache angenommen und weist die Welt in ihre Schranken, denn diese „sprachliche Entgleisung“ hat es auch schon mehrfach in die Welt geschafft. Aber eine Frau darf sowas natürlich nicht sagen. Niggemeier zeigt wunderbar den wirklichen Grund für die Empörung der „Welt“ auf, denn es geht nicht um diesen Einzelfall, es geht um Frauen die die Männerdomaine „Sportreporter“ besetzen. Sowas kann und darf nicht sein.

Meine Güte. Ich hoffe, dass am Freitag ein Bombenwetter herrscht bei dem wir den Sieg nach Hause holen! Unsere kopfballstarken Jungs sollen die Luftüberlegenheit im gegnerischen Strafraum holen und unsere Stürmer sollen mehrere Granaten in das gegnerische  Tor knallen. Verdammich.

Wo sind eigentlich die deutschen Blogger wenn sie gebraucht werden?

OK, auch ich ziehe mir den Schuh an: Wir Blogger haben versagt: ALLE und KLÄGLICH!

Zu der „Freiheit statt Angst“ Demo schaffen wir es Tausende auf die Strasse zu bringen – wenn es aber um Themen geht, die nicht im absoluten Nerd-Mittelpunkt stehen, sondern die gesamte Gesellschaft betreffen, verkacken wir. Kaum einer hat über die Demonstrationen gebloggt die heute in Berlin und Stuttgart gegen das Sparpaket der Regierung statt fanden. Über Twitter kam mal kurz was vorbei geflogen, das war’s dann auch.

Bei zwei Großdemonstrationen in Stuttgart und Berlin haben mehrere Zehntausend Menschen gegen Sozialabbau und das Kürzungspaket der Bundesregierung protestiert. Zu den Kundgebungen hatte das Bündnis „Wir zahlen nicht für Eure Krise“ aufgerufen. Ihm gehören mehr als 100 Organisationen und Initiativen an, darunter der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Parteien SPD, Grüne und Die Linke. (Tagesschau)

Auch die Piratenpartei hat an der Stelle versagt, weil auch sie nicht zu der Demo aufgerufen – sich nicht massgeblich beteiligt hat.  Sorry, ist so.

Aber wir können aus unseren Fehlern lernen! Wir können (mit) dafür sorgen, dass die Demo (hoffentlich) nächste und übernächste Woche wieder stattfinden. Wir können helfen, die Menschen auch in anderen Städten auf die Strasse zu bringen um „denen da oben“ zu zeigen, was des Volkes Wille ist. Der Wille DES Volkes, dass durch die Regierenden vertreten wird.

Wir sind in Parteien vertreten oder haben Kontakte zu diesen. Lasst uns mehr daraus machen – VIEL mehr! Gerade WEIL gerade  die Fußballweltmeisterschaft ist, müssen wir zusammen stehen und die Strasse füllen!

Montagsdemos hatten wir – lasst und Dienstagsdemos machen!

Heute ist die Demo gegen das Sparpaket auf Rivva nicht vertreten – lasst es uns ändern!

Deutsche Reeder retten die Statistiken

Wenn ich im Spiegel folgende Zeilen lese:

Im April haben somalische Piraten einen deutschen Frachter überfallen – nun stellen einige Reeder private Sicherheitskräfte ein, um ihre Besatzungen zu schützen. Der Verband Deutscher Reeder verlangt, dass die Bundespolizei auf deutschen Schiffen mitfährt.

gehe ich davon aus, dass sehr viele deutsche Reeder ihre Schiffe (die unter der Billigflagge fahren) bei wieder in den Bliigländern ausflaggen und unter deutscher Flagge fahren lassen. Denn wie die Frankfurter Rundschau 2008 schrieb:

Aktuell fahren 485 Schiffe unter deutscher Flagge. Gemessen an den rund 2700 deutschen Schiffen, die unter fremder Flagge fahren, erscheint Behrendts Erfolgsmeldung jedoch keineswegs makellos.

sind die deutlich meisten „deutschen“ Schiffe rein rechtlich gar nicht der Bundesrepublik zuzurechnen.

Oder haben die deutschen Reeder etwa vor ihre unter Billigflagge fahrenden Schiffe von deutschen Steuergelder schützen zu lassen? Sollen die ihre Schiffe doch von den Sicherheitsorganen von Antigua und Barbuda beschützen lassen, denn laut Frankfurter Rundschau:

Das beliebteste Ausweichland der Verbandsmitglieder ist Antigua und Barbuda. Unter der Flagge des Inselstaates am Rande der Karibik fahren mit 961 Schiffen doppelt so viele wie unter deutscher.

scheint das ja wohl DER Ansprechpartner für diesbezügliche Fragen zu sein.

Immer schön Geld sparen – Erträge steuerbegünstigt einfahren, aber die deutschen Steuerzahler dann das Hab und Gut sichern lassen. Ich glaube es hackt!

Ich bin dafür deutsche Schiffe zu schützen, aber eben NUR deutsche Schiffe die auch unter deutscher Flagge fahren.