Neutrale Klimarettung

Die Politiker schwadronieren jetzt davon, nachdem sie der Meinung sind, dass es schon hilft, wenn man über Klimarettung redet, eine neutrale Klimarettung zu wollen. Kann neutrale Klimarettung funktionieren und werden Probleme gelöst wenn man darüber nur redet?

Das Reden über neutrale Klimarettung ist wie das Debattieren über das Löschen eines Brandes, ohne dass dem Feuer der Sauerstoff entzogen wird. Reden bringt nix und solange das Feuer noch Sauerstoff bekommt, wird es weiter brennen, bis jegliches brennbare Material zerstört ist.

Gestern bei Markus Lanz sagte Wolfgang Kubicki dass man den Bürgern nicht erklären könne, dass sie auf Flugreisen verzichten müssten. Und ich stelle fest: Herr Kubicki hat die Aufgaben eines Politikers nicht verstanden. Was besonders prekär ist, da er Jurist ist und das Grundgesetz erklärt:

Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit

https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_21.html

Dies ist quasi das, was Walter Scheel einmal wie folgt formulierte:

Es kann nicht die Aufgabe eines Politikers sein, die öffentliche Meinung abzuklopfen und dann das Populäre zu tun. Aufgabe des Politikers ist es, das Richtige zu tun und es populär zu machen.

Die Politik hat die letzten Jahre schlicht versagt, die Bevölkerung zu sensibilisieren und dem Wähler nahe zu bringen, dass es nicht weitergehen kann wie bisher. Wobei die Bevölkerung wahrscheinlich gar nicht dass große Problem ist. Zumindest in meinem Umfeld gibt es ein großes Verständnis dafür, dass wir uns einschränken müssen. In meiner Firma gibt es keinen Mitarbeiter mehr, der mit dem PKW zur Arbeit fährt. Entweder Fahrrad oder ÖPNV: Ich finde es toll, mit solch vernünftigen Kollegen zusammen zu arbeiten.

Wir – die Bürger – müssen umdenken. Wenn es in den 60er-Jahren hieß: „Unsere Kinder sollen es einmal besser haben.“ war dieses sicherlich bestimmt von den Erfahrungen der Entbehrungen der Kriegs- und Nachkriegszeit. Es war sicherlich nicht zu verstehen als „Wir machten Zelturlaub im Harz, unsere Kinder sollen nach Australien fliegen“. Was für Fahrzeuge kaufen sich denn Fahranfänger (wenn es denn ein PKW sein muss) heute? Irgendwas mit ~75KW. Mein Vater fuhr damals einen NSU Prinz mit 22KW. Danach kam dann irgendwann ein VW Käfer. Mit dem Käfer sind wir bis nach Venetien (über 1.400 KM über den Brenner – noch nichts mit Tunnel und Autobahn) gefahren. Das war damals DER Hammer!

Müssen wir tatsächlich die Ferne der Welt erkunden? Müssen wir große Autos fahren? Brauchen wir spätestens alle 2 Jahre ein neues Smartphone? Warum freuen wir uns nicht mehr über das, was wir haben? Warum sind wir derart gierig auf mehr-mehr? Mag es am Kapitalismus und dem Traum von ewigem Wachstum liegen?

Neutrale Klimarettung kann nicht funktionieren. Wir müssen uns einschränken. Wenn zu viele Menschen dies nicht freiwillig tun, muss die Politik mit „Zuckerbrot und Peitsche“ arbeiten. Wer sich klimafreundlich verhält, darf belohnt werden und wer sich wie der Elefant im Porzellanladen verhält, darf dafür auch zahlen müssen. Der Elefant darf dann gern die Mehrkosten tragen und den Personenkreis subventionieren, der mehr für das Klima tut.

Und nun komme ich nochmal zu der Politik und dem Satz von Herrn Scheel: Was kann und muss denn die Politik tun? Nur Reden bringt eher wenig. Insbesondere diejenigen, die an Konsum verdienen, werden massives Marketing gegen jedwede Einschränkung aufwenden. Solange wir Bürger unseren Konsum nicht anpassen, wird sich die Mehr-Mehr-Spirale stets weiter drehen.

Ein paar Gedanken:

  • Benzin teurer – mit den Mehreinnahmen den ÖPNV ausbauen und ländliche Gebiete stützen
  • Abkehr vom PKW in den Städten – mehr Platz für Fahrräder und Busse/Straßenbahn
  • Besteuerung von „Güllebauern“ – Unterstützung von Biohöfen
  • CO²-Steuer – Unterstützung von Steuererleichterungen für Geringverdienern.
  • Kohleausstieg – Wiedereinstieg in Forschung/Entwicklung Windkraft/Solar
  • Bürger müssen Verständnis für Windkraft und Überland-Stromleitungen aufbringen
  • Kein oder weniger Fleisch konsumieren
  • etc. pp. Wenn Ihr noch Ideen (oder auch Kritik) habt – gern in die Kommentare

Wir werden keine neutrale Klimarettung schaffen, das tut weh. Noch mehr Schmerzen wird es uns bereiten wenn wir NICHT verdammt kurzfristig vom reden ins agieren wechseln.

Die CDU trägt Mitschuld an den 7 Plagen

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) erklärte bezüglich des Rezo-Videos:

„Ich habe mich gefragt, warum wir nicht eigentlich auch noch verantwortlich sind für die sieben Plagen, die es damals in Ägypten gab“

und sie irrte nur ein wenig. Denn die CDU ist wahrlich nicht für das Elend in Ägypten verantwortlich, aber dieser kleine Lapsus ist wohl nur der Aufregung anzulasten. Denn bei den SIEBEN Plagen irrte Frau AKK offensichtlich nicht. Während das Netz sich über die Anzahl sieben auslässt, stellte Bernd (mein bibelfester ehemaliger Chef 🙂 ) fest, dass sehr wohl 7 Plagen in der Bibel erwähnt werden. Und zwar die sieben Plagen der Johannesapokalypse. Im Gegensatz zu den 10 Plagen, die nur Ägypten betrafen, verheeren die 7 Plagen den gesamten Planeten:

  1. schlimme Geschwüre an denjenigen Menschen, die das Zeichen des Tieres tragen
  2. Meerwasser wird zu Blut und Tod aller Meereslebewesen
  3. Flüsse und Quellen werden zu Blut
  4. Sonne versengt Menschen mit großer Hitze
  5. Reich des Tieres wird verfinstert
  6. Austrocknung des Stromes Euphrat
  7. größtes Erdbeben seit Menschengedenken vernichtet alle Inseln und Berge; großer Hagel fällt auf die Erde hernieder

Und mal ehrlich: Ist es nicht genau das, was jetzt aufgrund der Klimakatastrophe passiert:

  1. Krankheiten (z.B. Krebs) aufgrund des der menschgemachten Umweltschäden
  2. Plastik im Meer
  3. Chemie, Gülle und Plastik in den Flüssen
  4. Erderwärmung
  5. Massives Aussterben der Tierarten
  6. Senkung des Grundwasserspiegels, trockene Sommer
  7. Mehr Starkwetterlagen, Orkane etc.

Insofern bin ich geneigt der Frau AKK meinen Respekt zu zollen für diesen Moment der Einsicht. Ja, die CDU trägt eine Mitschuld an den 7 Plagen und die CDU-Vorsitzende in ihrer großen Weisheit und Güte gibt dieses tatsächlich zu. Ich bin beeindruckt. Nun frage ich mich nur, wann die CDU denn verdammt nochmal anfängt etwas gegen ihr Versagen zu tun..

Veganer und Carnivoren

Wie erkennt man einen Veganer? „Warte einfach und er sagt es dir von selbst“. Diesen Joke erzählte mir meine Frau vor ein paar Tagen und er sagt schon einiges über das Verhältnis zwischen Veganer und Carnivoren – es könnte besser sein. Und bevor hier jetzt alles auf meine Frau schimpfen: Sie ernährt sich selbst vegan – nachdem sie über die Stufe der vegetarischen Ernährung „empor stieg“. Ja, ich achte meine Prinzessin für ihre Fortschritte. Denn durch ihre Änderung der Ernährung esse auch ich weniger Fleisch/produkte – und das ist auch gut so. Denn wir Carnivoren (zu denen ich mich noch zähle) haben eine echt beschissene Ökobilanz.

Das ich selbst bis vor ein paar Monaten noch bekennender und bockiger Carnivore war, liegt vor allem daran, dass mir die Vegetarier vor allem dadurch auffielen dass sie versuchten zu bekehren wie die Kreuzritter. Aber vertraut mir: Es gibt auch stille Vegetarier – und mit einem solchen bin ich glücklich verheiratet. Nur dadurch, dass meine Frau mich niemals versuchte zu „bekehren“ oder mir versuchte zu erklären „ab sofort ist dieser Haushalt vegan!“ hörte ich ihr zu. Wenn die Prinzessin einkaufen ging – und geht – kommt stets die Frage „Soll ich dir Fleisch mitbringen – was möchtest Du?“. Nur dadurch ermöglicht sie es dem kleinen störrischen Reizzentrum auch mal zu sagen „Ach, dass was wir vorhaben zu essen, da brauche ich kein Fleisch dazu“. Und wenn es mich dann tatsächlich mal nach einem Lammfilet gelüstet, dann esse ich halt Lammfilet.

Der Anstoß für diesen Artikel kam übrigens vom Graslutscher, der in seinem Blog eine Artikel über die veganen Burger bei McDonald schrieb. Denn er erwähnt in einem Absatz, dass es Menschen gibt, die es irritierend finden wenn ein Vegetarier sich Fleischersatzstoffe zuführt, die dann – TEUFELSWERK! – nach Fleisch schmecken. Ich muss zugeben, auch ich habe früher gedacht „Wieso wollen Vegetarier vegetarische Freakadellen und/oder vegetarisches Chilli essen?“ (an dieser Stelle ein lieber Gruß an Nicole – falls sie es liest…).

Jetzt weiß ich es, warum „die es wollen“. Auch ich möchte es. Spaghetti Bolognese müssen zwangläufig in der Soße einen Hackanteil haben. HALT! Muss es Hack sein? Geht nicht auch etwas anderes, dass es mir ermöglicht die Bolognese zu genießen – optisch, geschmacklich und auch in der „Bissfreudigkeit“ – ohne dass dort Tier drinnen ist? Meine Frau fragte mich – vor Monaten – ob ich ein Problem damit hätte, wenn sie Bolognese mit Hackersatz machen würde. Da ich mir sicher war und bin, dass meine Madame mich nicht töten will, erwiderte ich „Probieren kann ich das ja mal“ (Ok, um der Wahrheit die Ehre zu geben, es war ein wenig theatralischer…. Aber das sind Details). Diese Bolognese schmecken quasi wie „mit Hack“ – nur eben ohne totes Tier. Also lecker. Gibt es nun öfter.

Als ebenfalls ess- und genießbar stellten sich für mich die vegetarischen Schnitzel vom Aldi heraus. Die schmecken und fühlen sich an wie … naja, wie Schnitzel halt, aber eben auch ohne totes Tier. Auch panierte Blumenkohlröschen – mit würziger Soße nach Wahl – können eine vollständige Mahlzeit sein.

Die Entscheidung heißt nicht „blutiges Fleisch oder Karotten nagen“, sondern wie viel Fleisch will und kann ich mit gutem Gewissen essen. Diese Frage muss jeder Mensch für sich selbst beantworten. Hilfreich kann es sein, wenn jemand nicht bekehrendes mit Ideen für leckere Mahlzeiten neben einem steht – oder man selbst Lust auf „Experimente in der Küche“ hat. DIES ist mir leider so gar nicht gegeben. Ich kann Tee, Kaffee und Wasser kochen sowie Pizza im Ofen erwärmen. Aber meine Prinzessin kocht gern, kreativ und gut.

Auch ich will mit diesem Artikel keineswegs bekehren. Höchstens zum Nachdenken anregen – den Geist öffnen. Müssen wir täglich Fleisch essen? Erinnert sich noch jemand an den Begriff „Sonntagsbraten“? Ja warum hieß der wohl so? Weil Fleisch früher ein Luxusartikel war, den man eben nicht jeden Tag essen konnte. Es ist wie vieles heutzutage: Was früher Luxus war ist uns heute lieb geworden und wir mögen es nicht missen. Ob es die Fahrt mit dem PKW zum Brötchen holen ist, der Pappbecher Kaffee „To Go“, oder eben das tägliche Fleisch. Wir konsumieren auf Teufel komm raus, hetzen von Kaufrausch zu Kaufrausch, um die Kassen anderer Leute zu füllen und dabei gedankenlos mit unserer Umwelt umgehen.

Nachsatz: Ich werde weiterhin Fleisch essen – nur eben weniger. Und ihr könnt machen was ihr wollt, ich werde niemanden diesbezüglich bewerten. Ich wollte nur meine Meinung rauslassen.