Wie Armut Menschen verändern kann

Es gibt Dinge, die passieren einfach – man nimmt sie für sich als selbstverständlich hin. Dennoch sollte man stets auch das eigene Handeln mal ein wenig überdenken, teilweise sind die Erkenntnisse hochgradig interessant.

Ich bin süchtig, Raucher. Gerade in der Hartz-IV-Zeit war der Tabakkonsum (und der Erwerb der Rauchwaren) ein massives kostentechnisches Problem. Dankenswerter Weise sind Zigarillos aufgrund der reduzierten Tabaksteuer preiswerter zu erwerben und ich fand die preiswerte Marke Tourbillion bei meinem Minimal-Markt (jetzt Rewe). Diese Zigarillomarke hatte eine zeitlang ein Produktionsproblem: Es klebten immer zwei Schachteln zusammen und so ergab es sich, das des öfteren meine beiden Schachteln von der Kassiererin als eine Schachtel gescannt wurde. Damals (ich gebe es ungern zu, will aber ehrlich bleiben) freute ich mich über die Ersparniss.

Ich will euch nicht mit einer Beichte langweilen, sondern komme auf obige Bewandnis, da sich mein Verhalten heute geändert hat. Vor 2 Wochen wollte ich eine Stange Zigaretten  „Big-Box“ erwerben (Stangenpreis 40€), bekam aber zu diesem Preis irrtümlich eine Stange Maxi-Pack (Stangenpreis 48€) ausgehändigt. Erst Zuhause stellte ich fest, dass diese Schachteln irgendwie grösser waren. Am nächsten Tag besuchte ich den Tabakhändler und erklärte ihm, dass er sich vergriffen hätte und er noch acht Euro von mir bekommt.

Was haben diese beiden Erlebnisse/Verhaltensweisen miteinander zu tun?

  1. Es macht sicher einen Unterschied, ob der Geschäftspartner ein anonymes Großunternehmen oder ein kleiner Einzelhändler ist, aber
  2. Wenn man es sich erlauben kann, ist man gern ehrlich. Es bereitet Freude.(Gieriges Managergesocks einmal ausgenommen *gg*)
  3. Mit begrenzten Mitteln fällt es deutlich schwieriger sich den Luxus zu erlauben ehrlich zu sein.
  4. Wer mit knappen Mitteln in diesen Situationen besteht verdient Respekt.
  5. Wer mit ausreichenden Mitteln in diesen Situationen versagt, verdient Schlaflosigkeit und tagelangen Dünnpfiff!

Ich mit sicherlich kein Engeln und weit davon entfernt vom Papst seelig oder gar heilig gesprochen zu werden. Aber es ist doch sehr interessant, wie unterschiedlich der mensch in unterschiedlichen Situationen und unter unterschiedlichen Bedingungen sein Verhalten ändert.

(Politiker)Blut ist dicker als Wasser

Was gab es für einen Aufschrei als der ehemalige Berliner Finanzsenator Sarrazin gegenüber der Lettre International ein Interview gab in dem er sich – wieder einmal – (man möchte es fast denunzierend nennen) über das Prekariat äusserte.

Nun – nach dem Kompetenzentzug durch die Bundesbank – bekommt Sarrazin Beistand (nicht nur) von seiner Partei:

Vertreter von CDU und SPD kritisieren die Bundesbank, die ihrem umstrittenen Vorstand Sarrazin Kompetenzen entzieht.

schreibt die Süddeutsche. Und ja, ich kann das nachvollziehen. Man muss immer nach der Motivation für eine Aussage oder ein Handeln fragen. Denn dann ergeben sich Bilder, die einen Sinn ergeben. Warum sollte sich die SPD, die Sarrazin für das Interview kritisierte(!) nun hinter den SPDler stellen? Der Sinn könnte darin liegen, dass auch ehemaligen Politiker eine „Restimmunität“ zugesprochen werden soll. Das normale Politikerleben sieht vor, dass man – wenn man mal so richtig Scheisse gebaut hat – von den Medien so richtig abgewatscht wird, aber ernsthafte Folgen? Also Entschuldigung mal, ernsthafte Folgen haben im Selbstverständnis eines Politikers nichts zu suchen. Ein Politiker wird nicht fristlos entlassen, nur weil er mal eine Freakadelle gegessen hat. Nur um auf die Titelseite der Bild zu kommen muss ein Politiker schon deutlich unangenehmer auffallen. Was ist da schon eine Aussage, die zu einem Reputationsverlust der Bundesbank führen kann? Peanuts!

Also werden sich die Politiker weiterhin hinter ihre ehemaligen Kollegen stellen, denn schon bald – so hoffen Sie – haben auch sie einen gutbezahlten Vorstandsjob und dann könnten diese Abstrafungen auch für sie „erreichbar“ sein. DAS geht ja gar nicht!

Immer wieder HSH und Nonnenmacher

Ich als Nordlicht reize ja gern Witze über den bayrischen Filz der CSU. Aber bei dem was hier bei uns im Norden abgeht weiss ich auch nicht, ob ich lachen, fluchen oder weinen soll. Wahrscheinlich raste ich einfach nur aus.

Der Dirk Nonnenmacher, Chef der HSH Nordbank (Zentralbank für Schleswig Holstein und Hamburg), scheint mal eben eine halbe Milliarde „verbrannt“ zu haben. Auch wenn er selbst die Schuld auf einen niederen Angestellten(den dem früheren Leiter der Londoner Niederlassung Luis Marti-Sanchez) abschieben will, so scheint er massgeblich an dieser Kapitalvernichtung beteiligt gewesen zu sein:

Der Kreditantrag zu Omega 55 liegt dem NDR vor. Unterschrieben haben ihn die Vorstände Nonnenmacher, Jochen Friedrich, Peter Rieck, Hartmut Strauß, Bernhard Visker und Vorstandschef Hans Berger. Der Versuch der Bank, die alleinige Verantwortung für Omega 52 und 55 dem früheren Leiter der Londoner Niederlassung Luis Marti-Sanchez, in die Schuhe zu schieben, ist damit wohl gescheitert.

schreibt die Tagesschau. Entweder unterschreibt Nonnenmacher (und seine Vorstandskollegen!) alles was man ihm vorlegt, oder er ist nicht nur ein Lügner sondern auch ein Betrüger. Denn der Vorgang wurde (wieder Tagesschau)

Interne Unterlagen der Bank, die dem NDR vorliegen, zeigen jetzt das Gebräu aus Zockermentalität, Profitgier und krimineller Energie, das sich im Milieu der HSH Nordbank gebildet hat – und über das jetzt führende Manager stolpern könnten. Denn der Kreditantrag belegt, dass die Bankenaufsicht nicht korrekt informiert war: Trotz der von mehreren Abteilungen vorgenommenen sorgfältigen Prüfungen bleibt ein gewisses Risiko, dass die Bankenaufsicht das Geschäft als Maßnahme zur Sicherung des Eigenkapitals nicht akzeptieren wird. (Hervorhebung von mir)

Warum arbeitet die HSH ab der BAFIN vorbei? Auch dieses wird bei der Tagesschau deutlich formuliert:

Auch dafür gibt es eine Erklärung. Professor Peter Nippel: „Außerdem darf man nicht vergessen, dass mit solchen komplexen Transaktionen auch Provisionen und Honorare verdient werden. Daher haben Investmentbanker, Berater und Anwälte ein Interesse an derartigen Dingen, ohne dass dies immer mit den Interessen der Bank im Einklang steht.“

Es wurde also unser Geld von mitverantwortlich von Nonnenmacher verzockt, damit man schön dasteht und fette Gelder einstreichen kann. Und genau DIESER Nonnenmacher hat nochmal fett Geld eingesteckt um seinen Posten zu behalten:

Nur mit der umstrittenen Sonderzahlung von 2,9 Millionen Euro konnten die Eigner der Landesbank ihn überzeugen weiterzumachen. (Spiegel von 17.07.2009)

Das muss man sich einmal genüsslich auf der Zunge zergehen lassen: Nonnenmacher ist mitschuld an der Vernichtung von einer halben Milliarde Euro, verdient mit der Vernichtung Geld und bekommt für diese Sauerei NOCHMAL 2,9 Millionen Euro oben drauf gepackt.

Und wer hat „Schuld“:

Es ist das Problem von renditetrunkenen Politikern, die ihre Etats sanieren wollten. Das Problem von Provinzbankern, die das ganz große Rad drehen wollten. Und ein Problem der Wirtschaftsprüfer: „In der Tat erhebt sich an dieser Stelle die Frage“, so der Bilanzexperte Carl-Christian Freidank, „warum KPMG diese Bilanzierungsstrategie mitgetragen hat“. Denn KPMG hat die Bilanzen der HSH testiert.

ist das Resue der Tagesschau. Die Scheisse zieht sich durch ALLE Etagen der Zuständigkeit. Wieder einmal zahlen die Steuerzahler die Gier der Schwerverdiener. Ich frage mich ja, wann das erste Mal aus den Kellern der Deutsche Bank diesbezügliche Leichen gespült werden. Die ist aber wahrscheinlich mittlerweile so groß, dass der Keller komplett unübersichtlich ist.