Wieviel Öl passt ins Meer – wieviele Lügen tischt uns BP noch auf?

Im schlimmsten Fall müsse von bis zu 100.000 Barrel (15,9 Millionen Litern) pro Tag ausgegangen werden, die aus der Ölquelle im Golf von Mexiko austreten, heißt es. Das wären zwei Drittel mehr als im „Worst Case Scenario“ der US-Regierung, das von maximal 60.000 Barrel ausging. Sollte das Leck tatsächlich so groß sein, wäre in den mehr als 60 Tagen seit Beginn der Katastrophe am 20. April inzwischen fast eine Milliarde Liter Öl ausgetreten.

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„Das Dokument wirft die sehr beunruhigenden Fragen auf, was BP gewusst hat und wann sie es gewusst haben“, teilte Markey mit. „Es ist klar, dass BP von Anfang an in Bezug auf das wirkliche Ausmaß des Öl-Lecks nicht ehrlich mit der Regierung und dem amerikanischem Volk umgegangen ist.“ (Welt)

Ich bin dafür das Unternehmen BP – um ein Exempel zu statuieren – zu zerschlagen, sämtliche Aktien als ungültig zu deklarieren und jegliche Verantwortungsträger direkt vor Richter zu stellen. Anklage: Verbrechen gegen die Menschheit. Wir müssen einfach eine Anklagemöglichkeit schaffen, die es ermöglicht die gesamte Ertragskette (vom Aktionär über Vorstand bis Aufsichtsrat) zur Rechenschaft zu ziehen. Und diese Massnahme wird für ALLE Unternehmen angewandt, die sich durch Habgier grosse Schuld aufladen.

Erst wenn Aktionäre Gefahr laufen anstelle von Superrenditen einen Totalverlust zu riskieren, wird die Gier vielleicht ein wenig eingeschränkt werden. Solange aber Aktionäre unverschämten Shareholdervalue einfordern, werden sich Katastrophen wiederholen. Denn egal ob Banken-/ Immobilienkrise oder Umweltverschmutzung – der wahre Grund ist immer die widerliche Gier nach übertriebener Kapitalvermehrung.

Lasst uns dem BP-Chef Tony Hayward danken

Es gibt Manager, die eine grosse Menge Energie investieren um gegenüber dem Mob, dem Pöbel zu verschleiern, wie arrogant sie sind und wie egal ihnen die Scheisse ist, die sie anrichten.

Aber Tony Hayward ist aus anderem Holz geschnitzt. Der kackt vor dem US-Kongress so RICHTIG ab, und verliert das Krisenmanagement. Was würde eine normaler Arbeiter – der die Verantwortung für Millionen Liter ausgelaufener, die Umwelt verschmutzendes Öl trägt – an seiner Stelle nun tun? Sich einschliessen? Bereuen?

Tony Hayward ist weit von dem entfernt – er tut, was man als Manager so tut, wenn man ein paar Tage frei machen kann:

Gerade war er aus dem Katastrophengebiet im Golf von Mexiko abgezogen worden, schon unternimmt BP-Chef Tony Hayward daheim in Großbritannien eine Segelregatta mit seiner Luxusyacht. (Süddeutsche)

Tja, so abgewichst muss man erstmal sein. Das Elend der Welt geht diesem Drecksack am Arsch vorbei – er hat schliesslich seine Yacht und vor England gibt es noch sauberes Wasser – so what?

Wir sollten Hayward dankbar sein, dass er uns eine Lektion erteilt, wie in Managerkreisen der Begriff skrupellos buchstabiert wird.

Rücktritte und Rückrufe

Nachdem wir die letzten Wochen den Kopf über diverse Rücktritte schütteln konnten (einige Aspiranten kleben immer noch an ihren Plätzen), geht es nun mit Rückrufen weiter:

Fangen wir an mit dem Netto-Markt und Humana-Milchreis:

Die Firma Humana Milchindustrie ruft Milchreis der Marke Paradiso zurück. Verkauft in Netto Supermärkten. Paradiso ist eine Hausmarke des Discounters. Der Milchreis kann die Chemikalie Wasserstoffperoxid enthalten.

Dann gehen wir über zu den Kinderhochstühle der Firma Ardek:

Der Rückruf betrifft die Kinderhochstühle Mark und Kombi. Beim Modell Mark kann ein Kunststoffteil brechen. Die Bruchstücke sind gefährlich: Kinder könnten sie verschlucken. Auch das verstellbare Essbrett ist nicht optimal konstruiert. In einer bestimmten Stellung könnten sich Kinder die Finger quetschen. Ardek ruft den Hochstuhl vorsorglich zurück. Modell Mark, Artikelnummer 831 0192, Baujahr 2009.

und mit Damenschuhen der Firma Hotline Fashion abzuschliessen:

Die Firma Hotline Fashion ruft Damenschuhe zurück. Betroffen sind Damen-Sabots und Damen-Sandaletten mit dem Decksohlenaufdruck „Jolyne“. Verkauft bei Kaufland und EDEKA. Die Schuhe können das Biozid Dimethylfumerat (DMF) enthalten. DMF kann Allergien auslösen.

Alle Meldungen kamen heute über den Newsletter der Stiftung Warentest rein.