Bürgergeld ist eine versteckte Subvention

Nie war es so deutlich wie dieser Tage, was Hartz-IV und das von der FDP geforderte Bügergeld (NICHT das z.B. von Götz Werner propagierte!) wirklich werden soll.

Erstens habe ich den Verdacht, dass der Begriff „Bürgergeld“ (der in meinen Augen, wenn ein anständiges Konzept dahinter liegt, eine grosse Zukunft hat) verbrannt werden soll. Ein Teilziel kann es sein, jeden Bundesdeutschen zum stöhnen zu bringen, wenn er den Begriff Bürgergeld hört. Somit hätte man aktiv etwas gegen ein soziales Konzept getan und jegliche Befürworter eines „guten Bügergeldes“ zum Schweigen gebracht.

Zweitens wird das derzeitig angestrebte „Bürgergeld“ als versteckte Subvention für ausbeutende Unternehmen (von denen es in Deutschland genug gibt) installiert. Wenn die FTD schreibt:

Der einzige Punkt, der beim Bürgergeld der FDP überzeugt, sind die großzügigen Anrechnungsregeln für Bürgergeld-Empfänger, die hinzuverdienen.

so wage ich dies deutlich in Frage zu stellen. Überzeugend? Ich las gerade heute (irgendwo…), dass die Bezieher von „Bürgergeld“ bis zu 600€ dazu verdienen dürften. Um einen gewissen Prozent soll dabei dann das „Bürgergeld“ gekürzt werden.

Ich sehe schon die Einstellungsgespräche: „Sie sind Bezieher von Bügergeld, na dann können Sie sich bei uns etwas dazu verdienen – dann können Sie sich in Zukunft etwas leisten“. So werden aus Vollzeitstellen zwei Halbtagsstellen mit geringerer Bezahlung. Und diejenigen, die  eine vernünftig bezahlte Halbtagsstelle haben, werden genötigt mittels Änderungskündigung auf 600€ eine Stelle mit „mehr Geld“ zu erhalten, die aber zum Grossteil vom Staat (UNS!) finanziert wird.Auch und gerade bei den Sozialabgaben kann ein Unternehmen deutlich sparen, wenn der Angestellte sein „Bürgergeld“ aktiviert.

Wir brauchen nicht mehr Billigjobs (welche durch dieses „Bürgergeld“ forciert werden), sondern mehr Möglichkeiten für die Bürger ihr Geld erhobenen Hauptes selbst zu verdienen oder aber echte Alternativen ein menschenwürdiges Leben zu führen, auch wenn die Gesellschaft dem Individuum keine Möglichkeit bieten kann, das Geld selbst zu verdienen.

Anmerkung: Der Autor steht in einem ungekündigten, unbefristeten Arbeitsverhältnis (Probezeit lange vorbei), hat aber bereits eine längere Hartz-IV Zeit hinter sich.

Und nun werde ich zur Geschäftleitung gehen und einen Verbesserungsvorschlag machen: Die Vollzeitstellen werden – nach Einführung des Bürgergeldes – gänzlich in unterbezahlte Halbtagsstellen umgewandelt. Mehr Geld kann das Unternehmen nicht sparen. Ich fordere 10% der Ersparnisse und werde dann nie wieder arbeiten müssen.

Unterstützt die Tabaksteuer kriminelle Vereinigungen?

Ein Artikel im Spiegel liess meine Gedanken gestern schweifen. Unter der Überschrift „Unheimlicher Aufstieg des Ziegenbocks“ wird über die Zigarettenmarke Jin Ling berichtet, die es in Deutschland eigentlich gar nicht auf dem Markt gibt. Dennoch ist sie an Rang 9 der in Deutschland am meisten gerauchten Zigaretten.

Wie kommt es dazu? Diese Frage ist ganz einfach zu beantworten: Die diversen deutschen Steuern (Tabaksteuer, Umsatzsteuer) verteuern die normal versteuerten Zigaretten dermassen, dass es sich lohnt, unerlaubt Zigaretten im grossen Stil nach Deutschland zu importieren (oder aus Russland zu exportieren..) und erhebliche Gewinnspannen einzufahren. Aus dem Spiegelartikel:

Für umgerechnet etwa 1,60 Euro verlässt eine Stange Jin Ling die Fabrik in Kaliningrad. In Berlin oder Dortmund kostet die Stange dann knapp 20 Euro. Eine Gewinnspanne, die man selbst im Drogenhandel kaum erreichen kann. Und im illegalen Zigarettengeschäft drohen bei weitem nicht so hohe Strafen.

Ich will nicht über die Qualität der Marke Jin Ling mutmaßen, ich habe diese Zigaretten nie geraucht, aber eines weiss ich ganz sicher: Die Gewinnspanne ist beachtlich.

Schätzungen zufolge gelangen jedes Jahr mindestens fünf Milliarden dieser Zigaretten in die EU, vor allem nach Deutschland und Großbritannien.

Wenn wir von einem Stangeninhalt von 200 Zigaretten ausgehen, so ergibt sich aus obigen Zahlen ein Ertrag von 4,5 Milliarden Euro – abzüglich der „erhöhten Transportkosten“.

Dreiviertel des Zigarettenpreises in Deutschland wird durch die Tabaksteuer generiert. Wenn also die Stange Zigaretten keine 40€ sondern nur noch 10€ Kosten würde (eben unversteuert), wäre ein Ertrag durch das Nichtverzollen nicht erzielbar.Besonders prkär wird die Situation, wenn man sich vor Augen hält, dass die Tabaksteuer erhöht wurde um die Antiterror-Paket zu finanzieren. Damals wurde der Witz gemacht „Rauchen gegen den Terror“.

  • Wer raucht finanziert das Antiterror-Paket,
  • Wer Jin-Ling raucht unterstützt kriminelle Organisationen.
  • Wer Zigaretten so teuer macht, dass der Konsument auf unverzollte Zigaretten ausweicht macht was?

So finanzieren unser Innen- und Finanzminister indirekt krininelle Organisationen, da der „Geiz-ist-Geil“-Konsument gelernt hat preiswert einzukaufen. Und wenn der Zumwinkel Millionenbeträge an der Steuer vorbei manövrieren darf, wer will es dem Arbeitslosen verdenken?

WoW ist ein Killerspiel

Ich gebe zu: Ich spiele WoW. Seit Jahren. Ich kam zu WoW vor allem durch meine Tochter, die mir immer wieder erklärte wie toll das ist. OK, ich habe früher schon andere Computerspiele gedaddelt, auch Onlinespiele habe ich gespielt (Ultima Online, Starwars Galaxy, Anarchy Online und andere). Zu WoW kam ich dann (auch durch meine damalige Arbeitslosigkeit und viel zu viel „Freizeit“) durch einen bekannten, der mir in der Hartz-IV-Zeit das WoW sponsorte, weil er gern mit mir spielen wollte (DANKE Micky – immer noch unvergessen!).

WoW hat zwei Spielstränge:

  1. Den sogenanten PvE (Player versus Environment)-Strang, auf dem man mittels Quests durch die Welten wandert, reitet und fliegt und Aufgaben(Quests) erledigt und für die Erfüllung der Aufgaben Gold, Ausrüstungsgegenstände und Ehre erhält.
  2. Den Bereich PvP (Player versus Player). PvP bedeutet mich, meine Ausrüstung, meine Fingerfertigkeit – meine Art meine Spielfigur zu beherschen  -mit anderen Spielern zu messen.

Es ist jedem Spieler selbst überlassen, welchen Weg er zu gehen gedenkt. Schon die Auswahl der Servers, auf dem man gedenkt seine Freizeit zu verbrennen und im Gegenzug dafür Spielspass zu erleben, unterscheidet zwischen Servern auf dem man stets von Spielern der gegenerischen Fraktion angegriffen werden kann (PvP-Server) oder einem Server auf dem man – der WoW-Geschichte folgend – gegnerischen Fraktionen angehört, aber in der freien Spielwelt nicht von den Spielern der anderen Fraktion „gekillt“ werden kann (PvE-Server).

Nun habe ich es getan: Ich habe den Begriff „gekillt“ benutzt und damit WoW zu einem Killerspiel gestempelt. Ein schnelles, unüberlegtes Tippen eines Wortes, dass salopp von den Spielern genutzt wird und schon ist der Beweis geführt: WoW ist ein Killerspiel.

So einfach ist es aber nicht. Nachdem ich meine „WoW-Karriere“ auf einem PvP-Server startete und stets genervt war, dass ich auf freier Wildbahn von Spielern der gegnerischen Fraktion durch Atacken am Spielfluss gestört wurde, transferierte ich meine Charaktere auf einen PvE-Server. Seit dem kann ich mich in (fast… Es gibt Ausnahmen, Gebiete die als PvP ausgewiesen sind, die man aber nicht betreten muss um ungestörten vollumfanglichen Spielspass zu erleben) allen Gebieten frei bewegen ohne gestört zu werden. Das ist schön – meine Charaktere wachsen heran, ich kann die Fähigkeiten wie Bergbau, Kräutersammeln und andere ausüben ohne attackiert zu werden. Für einen friedliebenden Menschen wie mich genau richtig.

Aber Moment mal. Wieso treibe ich mich nach all der friedlichen Zeit in den letzten Monaten zu gern in den PvP-Bereichen rum? Ich gebe zu: Ich habe Gefallen daran gefunden mich mit anderen Spielern im PvP zu messen. Aber „kille“ ich dort einen Spieler? Muss sich meine Prinzessin nun Gedanken machen, dass ich eventuell als „älterer Gewalttäter“ aus der Gesellschaft falle und zum Mörder werde? Ich fürchte, meine Bundeswehrzeit war diesbezüglich eine grössere Gefahr für mein Seelenheil, denn dort wurde ich ausgebildet Menschen definitiv kampfunfähig zu machen. Tue ich dies auch bei WoW?

Nein, bei WoW geschieht keinem Menschen etwas. Auch die Spielfigur ist nicht etwas „tot“ im Sinne von: Das war es jetzt. Fang mal wieder von vorne an. Vielmehr wird der Gedanke der Wiedergeburt aufgenommen und der im Kampf gefallene Recke findet sich beim Geistheiler wieder. In besonderen Situationen – dem PvP-Duell innerhalb der eigenen Fraktion – wird man sogar anschliessend vom Sieger (oder auch Verlierer) geheilt und mit Stärkungszaubern des Weges ziehen lassen.

Das „killen“ eines Spielcharakters ist nichts endgültiges, die Motivation ist das alte Spiel: Wer ist besser, er oder ich. Ein Spielprinzip dass sich in eigentlich jedem spielerisch-sportlichen Vergleich wiederfindet. Auch beim Sport geht es letztendlich oftmals darum herauszufinden, wer die bessere Mannschaft oder der bessere „Einzelkämpfer“ ist. Es geht um Geschick und Training. Wenn ich einen gegnerischen Charakter(!!) in die (nicht) ewigen Jagdgründe schicke, so sitzt der mir gegnerische Spieler weiterhin putzmunter an seinem PC und unterhält sich oftmals sogar weiterhin mit mir. Sehr real wird zwischen Wirklichkeit und Spiel getrennt. Niemand würde auf die Idee kommen Schach als Killerspiel auf einen Index zu setzen, obschon das Prinzip das selbe ist: Man muss Figuren schlagen (aus dem Spiel nehmen, töten) um letztendlich zu siegen. Dieses findet aber ausschliesslich auf dem Spielbrett statt, während die Spieler sich nett unterhalten und sich mit dem Wein gegenseitig zuprosten.

In diesem Sinne…. Musste mal raus.