Freiheitliche Republik China? Staatsrepublik Deutschland?

Diese Frage ist nicht ganz unberechtigt, wenn man folgende Meldung (Tagesschau) liest:

Nach Protesten aus dem Ausland hat China die ab 1. Juli geplante Einführung eines Internet-Filters gegen Pornografie verschoben. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua unter Berufung auf das Ministerium für Informationstechnologie.

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Offiziell sollte so die Verbreitung von Pornografie und gewaltverherrlichenden Bildern verhindert und damit die Jugend geschützt werden.

Irgendwoher kenne ich die Argumentation „soll die Verbreitung von Kinderpornografie verhindern“. Wer war es nochmal, der diesbezüglich schon fast hyperaktiv durch die Lande joggt? Genau, die auch Zensursula genannte Familienministerin Ursula von der Leyen. Aber wo ist das Ausland mit seinen Protesten, wenn es um die Rechte der Deutschen Bürger geht? Vertraut man zukünftigen deutschen Regierungen mehr als den Chinesen? Mutiger Versuch!

Hubert Burda stellt sich den Herausforderungen des digitalen Zeitalters

Hubert Burda fordert eine Umverteilung der Erlöse innerhalb des Netzes. Konkret möchte er an den Werbeeinnahmen der Suchmaschinen beteiligt sein. Er nennt die Entwicklung „die schleichende Enteignung der Verleger durch das Netz“.  Er fordert (via Heise):

  • Das Recht, von den Suchmaschinen nach objektiven Kriterien gefunden zu werden.
  • Das Recht, an den Erlösen der Suchmaschinen fair und zu überprüfbaren Konditionen zu partizipieren.
  • Das Recht auf Neutralität der Plattformen und damit verbunden die Garantie, dass Inhalte von verlegerischen Transaktionsangeboten von Suchmaschinen nicht für eigene Geschäftsmodelle genutzt werden.

Ich hätte da schon eine Idee, wie man – als Suchmaschinenbetreiber – diesem Disput schnellstmöglich aus dem Wege gehen könnte: Ausschliessen der Angebote von Medienunternehmen. Thema durch. Damit wäre gewährleistet, dass z.B. Google keine Einnahmen mehr durch Anzeige von Suchergebnissen Seiten Burda bezieht.

Oder werde ich – als Blog-Betreiber – auch an den Einnahmen von Google beteiligt? Wenn schon, denn schon. Schliesslich produziere ich mehr digitalen Text(müll) als der Profiteur der von Burda geforderten Tantiemenzahlung.

Alles in allem, scheint Hubert Burda wieder ein Unternehmer der alten Generation zu sein, der das neue Zeitalter verschlafen hat und nun versucht an den Erträgen der neuen Technologie zu partizipieren. Als wenn der Droschkenbesitzer (Taxifahrer) Geld von den Bus- und Bahnbetrieben fordert, da sie ja in seinem Teich fischen. Aber wenn man erstmal genug Kapital hat, wird man sich wohl auch der Recht erkaufen können, dieses Geld auf jede erdenkliche Weise zu vermehren. Widerlicher Kapitalismus, sollen sich die „alten“ Medien halt besser von den neuen Medien abgrenzen – im Zweifelsfall mal Rat und Hilfe von Freaks und nicht von den hilflosen Betriebswirten der alten Schule holen.

Geld für Stoppschilder ist da, aber konkrete Hilfe ist zu teuer

Die Berliner Morgenpost beschreibt eine technische Änderung des Berliner Notrufs 110.

Anstelle mehr Stellen innerhalb der Notrufzentrale einzurichten, wird eine Bandansage eingeführt:

„Bitte warten! Polizeinotruf Berlin! Zurzeit sind alle Notrufleitungen belegt, bitte legen Sie nicht auf!“

fast schon hönisch mutet die Eskalationsbeschreibung an:

Um Wartezeiten für Hilfesuchende zu verkürzen, würden die Polizisten in der Notrufzentrale informiert, sobald ein Anrufer länger als 40 Sekunden warten müsse. Dann verfärbe sich ein Button auf dem Annahmebildschirm von Rot auf Gelb.

Ich stelle mir eine konkrete Bedrohungslage vor, in der ich selbst der Bedrohte bin und mich mittels „110“ um Hilfe bemühe. Soll ich dem Verfolger erklären, er möge bitte nochmal eine Runde mit mir um den Block laufen, der Notruf ist gerade besetzt? Oder der Anruf der während eines Überfalls aus dem Nebenraum eines kleinen Geschäftes erfolgt: Bitte nicht flüchten, ich habe ein Kommunikationsproblem!

Wissen die Entscheider, wie lang 40 Sekunden sein können? Es ist schon fast menschenverachtend, dass für alle Mechanismen welche die Freiheitsrechte der Bürger einschränken nahezu endlos Kapital verfügbar ist. Wenn es aber um den Schutz der Bürger geht, wird gespart.

Leider passt dies in mein Bild der heutigen Prioritäten unserer politischen Entscheidungsträger