Kratz mich, beiss mich, gib mir Tiernamen

Manchmal könnte ich die Vertreter der Presse einfach nur wegen abgrundtiefer Dummheit windelweich schlagen.  Hat die Presse eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft? Oder sollte man besser fragen „hatte“ – denn dann wäre die Antwort „ja“. Aber dieser Verantwortung stellen sich die Vertreter des Qualitätsjournalismus schon lange nicht mehr. Es geht nur noch um Quote und die Verantwortung liegt nicht gegenüber der Gesellschaft sondern der Griffigkeit der Schlagzeile.

Der Spiegel – das ehemalige Nachrichtenmagazin – überschreibt einen Artikel mit

„20-Cent-Killer“ soll Freundin schwer verletzt haben

HALLO! „20-Cent-Killer„, das macht doch was her. Da ist man nicht mehr der Unbekannte 17-Jährige, sondern man hat sich einen Namen gemacht. Endlich hebt man sich von der Masse der Jugendlichen und Heranwachsenden ab.

Wenn also auch Du aus der Anonymität herauswachsen möchtest und Du es nicht geschafft hast bei Bohlen Demütigungsshow einen Auftritt zu bekommen: Werde zum Mörder! Die Medien machen den Rest – Du wirst zum „Star“.

Wenn Du dann aber vor dem Richter stehst – und das wirst Du, dann bist Du wieder nur ein kleiner Mörder oder Totschläger und wirst danach beURTEILT. Da gibt es keinen Bonus für besonders tolle Namen. Und im Knast sind Menschen die Frauen schlagen auch nicht gerade besonders hoch angesehen – da nutzt der tolle „Medienname“ auch nichts.

Aber so ist das halt bei den Medien. der Verfasser des Spiegelartikels mit dem Kürzel „ala“ darf sich ab sofort mit acht Flaggen schmücken. Wenn er damit fertig ist, kann er sich bei Frau Dyfa informieren, welche Schlagzeilen wir ebenfalls nie wieder sehen wollen.

Die Bundesregierung spart konsequent: Bei den Ärmsten

Nach dem Kabinettsentwurf, der der F.A.Z. vorliegt, sollen die Ausgaben für Arbeit und Soziales um 7,9 Prozent auf 131,8 Milliarden Euro sinken. Die gesamten Ausgaben des Bundes sollen um 3,8 Prozent auf 307,4 Milliarden Euro fallen.

schreibt die FAZ. Und wieder sind die Arbeitslosen und „Bedürftigen“ die Opfer Nummer eins in diesem Staat. Die Millionen Menschen ohne Lobby, die nicht mal eben Politiker kaufen können und keine Aufsichtsratsposten vergeben können.

Verdammte Scheisse, wie lange wollen wir uns das noch gefallen lassen? Merkel sonnt sich in Südafrika im Ruhm der Fußballnationalmannschaft während diese Reise zuletzt von Arbeitslosen und Sozialschwachen finanziert wird. Frau Merkel – sie und ihre Regierung sind widerlich

Putzfrauenpower! TAZ-Artikel Lesebefehl.

Es passiert äusserst selten, dass ich stumpf auf einen anderen Artikel hinweise. Sowas macht man kurz und knapp über Twitter und gut.

Bei diesem Artikel ist es anders, denn es geht um Sozialverhalten, um Solidarität und um die tägliche Abgrenzung von …. Putzkräften. Vor vielen Jahren wurde ich von Manne R. (im Rahmen der Einführung von Mitarbeiterbeteiligung) befragt, welchen Wert man z.B.  der Arbeit von Putzfrauen im Vergleich zu Programmierern zuweisen solle. Meine Antwort war: 100%. Manne schaute mich entsetzt an und bat um eine Erklärung. Diese bekam er dann auch von mir: Wer bringt denn bitte den Müll raus und saugt das Büro, wenn es die Putzkraft nicht tut? Dies ist dann der Programmierer – oder gar Manne (Mitinhaber eines mittelständischen Unternehmens) – selbst. Dann wäre die Arbeitszeit auf einmal werthaltiger, weil der Chef/Programmierer sie ausführt?

Im Stunden/Monatslohn darf und muss es Gehaltsunterschiede geben (aufgrund der Verantwortung und auch den Auswirkungen der Tätigkeit). Bei dem Thema Mitarbeiterbeteiligung hat man allerdings eine hervorragende Möglichkeit den „Kleinen“ seine absolute Wertschätzung zukommen zu lassen und auch höher bezahlte Chargen einmal über die Arbeit der Zuarbeiter nachdenken zu lassen. Denn ohne all die kleinen Leute kriegen die „da oben“ auch nichts bestellt.

Den Artikel den ich meine findet ihr hier, er berichtet über einen ganz normalen Menschen, der klein anfing und mit einer unglaublichen Authentizität das Leben einer Putzkraft führt. Aber gewiss keiner dummen Putze!:

Eine dieser Frauen ist Susanne Neumann in Gelsenkirchen, sie putzt seit 30 Jahren für ein mittelgroßes Gebäudereinigungs-Unternehmen. Sie engagiert sich nicht nur als Betriebsrätin, sie ist auch Bezirksverbandsvorsitzende und Vorsitzende der Bundesfachgruppe Gebäudereiniger in der IG BAU. In ihren zwei Jobs als Putzfrau und Hausmeisterin arbeitet sie 45 Stunden pro Woche.

Der Artikel ist lang und gut. SOLCHE Artikel belohne ich nur zu gern mit euren Flattr-Spenden 🙂