Hamburger Hochbahn und Service am Beispiel Abfallbehälter

Am 23.12.2014 stellte ich – bezüglich der neuen U-Bahnwagen vom Typ DT5 der Hamburger Hochbahn – bei Twitter fest:

Und Mülleimer hat der neue Zug auch nicht mehr. . Also Müll auf die Erde werfen?

Warum wird so ein kleiner, gern gesehener Service wie ein Abfallbehälter eingestellt? Ist das ein Designfehler? Lange Zeit passiert nichts, bis heute, es antwortete der offizielle Twitter-Account der Hochbahn wie folgt:

Müll bitte mitnehmen und nicht auf den Boden werfen. Oder finden Sie volle Müllbehälter in der U-Bahn lecker?

Dass wohl niemand volle Müllbehälter lecker findet, steht außer Frage. Da gibt es ein Wundermittel dagegen: Ausleeren. Und schon ist der Müllbehälter wieder “lecker” leer. Die Hochbahn legt sogar noch nach und erklärt WARUM die Abfallbehälter in den neuen Fahrzeugen vom Typ DT5 nicht vorgesehen sind:

Meistens sind die DT4-Mülleimer mit Coffee to Go-Bechern belegt, da man zu faul ist, d. Deckel abzunehmen

D.h. weil (zahlende!) Kunden den Mülleimer nutzen und (ok, ist schon – nicht ironisch! – asozial) die Becher ohne diese zu “stampfen” in den Müllbehälter packen, werden Müllbehälter abgeschafft? Ja! Weil es – laut Hochbahn “nicht lecker” ist diese Müllbehälter zu leeren. Sorry, aber das leeren von Müllbehälter ist meistens nicht lecker. Und ich habe den Verdacht, dass es vor allem um Kosten geht.

Folgende Rechnung ist SEHR grob und sicherlich nur ein ganz fieses Pi*Daumen*Fensterkreuz-Modell: Ein normaler Wagen vom Typ DT4 (Vorgängermodell) hat pro Doppel-Wagen 20 Müllbehälter (wenn ich mich nicht irre). D.h. durch die neu eingesetzten DT5-Wagen (derzeit sollen es 67 Stück sein) spart man sich – die (mindestens einmal) tägliche Reinigung von 1340 Müllbehälter. Wenn man für jeden Müllbehälter nun eine Reinigungszeit von 25 Sekunden rechnet (inklusive Rüst- und Wegezeiten sowie  Auswischen) kommt man auf eine Arbeitszeit von etwas über 9 Stunden täglich – ausschließlich für die Leerung und Reinigung der Müllbehälter. Das heißt, mindestens eine Arbeitskraft wird ausschließlich für diese Tätigkeit bezahlt. Sollte diese Person (und ich will mal sehr freundlich sein) monatliche Kosten von 3000€ verursachen, wären dies 36.000€ im Jahr, die durch den Wegfall der Müllbehälter im Jahr gespart werden.

In Relation (man sollte nie “das Ganze aus den Augen” verlieren) bedeutet dies: Pro Fahrgast/Nutzung (laut Jahresbericht der Hochbahn aus dem Jahre 2013 waren dies 218 Millionen nur bei der U-Bahn)  werden doch jährlich glatte 0,00001651€ gespart.  Für diese Kostensenkung wird ein Arbeitsplatz eingespart.

Danke Hochbahn für den Service, den ich vermisse, seit dem ich ihn nicht mehr nutzen kann. Denn nun muss ich mein klebriges Bonbon-Papier in der Manteltasche drapieren. Und wer Kinder hat, wird die leeren Sunkist-Pappdinger auch gern noch in der Tasche zum nächsten (externen) Mülleimer mitnehmen.

Gag am Rande: Vorhin erklärte mir ein Arbeitskollege, dass er aus Seiten der S-Bahn gehört habe, dass die Mülleimer vor Allem ein Problem in Sachen Pfandsammler sein sollen. Denn es wirkt störend, wenn diese durch die Züge gehen und die Müllbehälter nach Pfandflaschen absuchen. Dieses wird man als Begründung sicherlich nicht von offizieller Seite erhalten.

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Support a’la AVM – oder willkommen Support des 21sten Jahrhunderts

Ich hatte ein Problem mit einem AVM-Router und daraus erwuchs ein Problem mit AVM sowie die Erkenntnis, dass Support nicht mehr das ist, was er mal war.

Updates – so auch die Betriebssysteme der Hardware (auch Firmware genannt) – sollten bei Verfügbarkeit aufgespielt werden. Nicht nur, weil neue Firmware oft auch neue Funktionen und Verbesserungen bietet. Wichtiger ist, dass in den meisten Fällen auch Probleme beseitigt und Sicherheitslücken beseitigt werden.

Also rüstete ich meinen kleinen Router Fritzbox 3272 von der Firmwareversion FRITZ!OS 06.03 auf FRITZ!OS 06.20 auf. Keine große Sache, über das Admininterface ist es ein “Klick” und der Rest passiert automatisch. Soweit so gut.

Ein paar Tage später wollte ich wieder mein derzeitiges “Killing-Time zur Enspannung”-Spiel ESO (Elder Scrolls Online) spielen. Aber was war da los? Das Spiel lief äußerst zäh. Eingaben wurden teilweise mit einer Verzögerung von über 12 Sekunden abgearbeitet. Was im wahrsten Sinne des Wortes (wenn auch nur virtuell) tödlich ist, wenn man in der virtuellen Spielwelt von einer Horde wütender Angreifer umstellt ist. Da ist man schon in 10 Sekunden ein Haufen Leichen-Bytes.

Es begann also Ursachenforschung. Da die reine Netzwerkverbindung zwischen dem lokalen PC und den für das Spiel relevanten Servern OK war und nur spielintern diese Latenz zu verzeichnen war, müsste es wohl ein Add-On sein, das da Streit machte. Also alle Add-Ons deinstalliert – keine Besserung. Das gesamte lokale System wurde auf den Kopf gestellt “Was hast Du geändert Du Depp?”. Als Ultima Ratio bleib nur noch ein Downgrade des Routers, denn alles andere war (wahrscheinlich) getestet.

Also tauschte ich die Firmwareversion FRITZ!OS 06.20 wieder durch die Version FRITZ!OS 06.03 aus und ….. Alle Probleme waren beseitigt. Dachte ich …

Denn eines war noch offen: Den Kontakt zu AVM suchen, um DENEN zu helfen einen Fehler im Produkt beseitigen zu können. Also beschrieb ich dem Support mein Problem mit der Firmware 6.30 und dem Spiel ESO – wird ja kein Einzelfall sein. Zumal ich auch von anderen Fitzbox Nutzern von “seltsamen Problemen” mit der Version 6.20 hörte.

Die erste Antwort von AVM war: “Was ist denn Elder Scrolls Online für ein Spiel? Ist das ein Konsolenspiel oder ist das browserbasierend”. Google scheint bei AVM nicht zu den Arbeitsmitteln zu gehören – aber hey, durch blöde Fragen gewinnt man Zeit.

Nachdem ich erklärte, dass ESO ein PC-Spiel ist, wurde mein Problembeschreibung “Latenz” mit der Bitte beantwortet “Bitte deaktivieren Sie alle IP-Filter”. Abgesehen davon, dass Filter, die Latenz verursachen eher buggy sein dürften, denn Filter sollen den Traffic komplett unterbinden, hatte ich (außer Netbios) keine Filter im Einsatz.

Nun, wo auch dies geklärt war, war die nächste Aufforderung: “Wie äußert sich der Fehler? Wie häufig und bei welchen Gelegenheiten tritt er auf?” – nicht, dass ich dies bereits in meiner ersten Mail beschrieben hatte… Auch wurde nach der Reproduzierbarkeit gefragt, welche – wie beschrieben – außer Frage stand.

An dieser Stelle steige ich einfach aus. AVM ist für mich gestorben. In einen 100€-Router investiere ich keinen stundenlangen Support für den Support. Als ich – vor vielen Jahren – noch Support für technisches Gerät machte, holte ich mir alle nötigen Informationen vom betroffenen Kunden und fing an das Problem nachzustellen. AVM hat von mir alle nötigen Informationen erhalten – ICH wäre in der Lage nun meinen Job zu machen. Aber eine Mail schreiben um den Kunden hinzuhalten und Zeit zu gewinnen, ist die preiswertere Möglichkeit. Sorry, aber ich erwarte von meinen Lieferanten zumindest ähnliches, wie auch ich selbst zu leisten bereit war und bin.

Mein nächster Router wird wohl wieder Draytek werden.

Nachtrag: Auch andere Benutzer berichten von teilweise seltsamsten Problemen bei Nutzung der AVM Firmware 6.20 in einer Fritzbox. So sollen z.B. SSH-Sessions über eine WLAN-Verbindung ebenfalls sehr störanfällig sein.

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Parteiwechsel mit Direkt- oder Listenmandat

Ist es ein Unterschied, ob ein Parteiwechsler mit einem Direktmandat oder über einen Listenplatz in ein Parlament eingezogen ist? Ich kann hier nur  meine (subjektiv-moralische) Sichtweise wiedergeben.

Politische Vertretung sollte mit Vertrauen einher gehen. Allein aus diesem Grunde fand ich den Standpunkt der Piraten “Themen statt Köpfe” suboptimal. Denn einem Individuum kann ich persönlich mehr Vertrauen entgegen bringen, als einer diffusen Gruppe von Menschen.

Daraus ergibt sich, dass ich – wenn ich einen Kandidaten mittels Direktmandat wähle – eben diese Person wähle. Nahezu unabhängig der Parteizugehörigkeit, spreche ich meinem Vertreter das Vertrauen aus, meine Belange vertrauensvoll wahrzunehmen. Sollte diese Person nach einer Wahl feststellen, dass sich seine innere Überzeugung nicht mehr mit seinem Parteibuch deckt, so wird er die Partei wechseln oder Parteilos das Mandat weiter führen. Dieses Verhalten deckt sich – im günstigen Falle – mit genau der Erwartungshaltung, aufgrund welcher die Wähler ihr Vertrauen aussprachen. Die Mitnahme des Mandates ist an dieser Stelle angezeigt.

Bei Listenkandidaten sieht der Fall gänzlich anders aus. Denn hier hat der Wähler NICHT dem Mandatsträger, sondern der Partei das Vertrauen ausgesprochen. Ob der jeweilige Listenplatzinhaber zum Volksvertreter wird, ist nur von zwei Faktoren abhängig: Bekommt er parteiintern einen Listenplatz und bekommt die Partei genügend Wählerstimmen, dass sein Listenplatz ein Mandatplatz bedeutet. Aus diesem Grunde sollten Listenplatzinhaber ihr Mandat an die Partei zurück geben, wenn Sie die Partei verlassen. Allein aus moralisch-ethischen Gründen. Denn – auch wenn sie es gern anders sehen – sie persönlich sind nicht vom Volk gewählt. Sie sind innerhalb der Partei austauschbar.

Subjektive Essenz: Listenplätze sind parteigebunden, Direktmandate sind personengebunden. Auch wenn das Verfassungsgerichtshof des Saarlandes diesen Fall schon einmal anders wertete.

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Schade Ingress: Leider bist Du nicht für die Ewigkeit gemacht

Eine Phase hat ein Ende: Ich habe mich entschlossen mich komplett vom “Online und Draussen”-Game Ingress zu verabschieden. Der Grund: Der Spielwitz und die Motivation ist nach einiger Zeit und viel gutem Willen einfach komplett ausgelutscht.

Aber von Anfang an. Schon sehr früh (20.11.2012) bekam ich meine Einladung. Ich durfte an der Beta, des damals noch komplett unbekannten Spiels Ingress teilnehmen. Ich gebe zu: Der Anfang ging bei mir mächtig schleppend. Ich schaute eher gar nicht in das interne Chatsystem (die “Com”) und war überhaupt eher minderaktiv. Dies sollte sich im Frühsommer 2013 ändern – und zwar massiv. Ich hatte damals sehr viel Zeit und mit Hilfe der lokalen Community (natürlich Resistance – Widerstand) habe ich das mein Heimatgebiet sehr schnell “gerockt”. Ich habe damals (und auch später) wahrlich unglaublich sympatische Menschen kennen gelernt, mit denen auch gemeinsame Aktionen unglaublich viel Spaß machten. Wir machten die Nacht zum Tage um Hamburg blau (Farbe des Widerstandes) zu machen und fuhren Samstags morgens “mal eben” nach Lübeck, um dort ein Nest der “gegnerischen” Partei zu eliminieren.

Ohnehin wurde – und wird – bei den mir bekannten Spielern die Geselligkeit sehr groß geschrieben. Und ja, ich würde mich sehr-sehr freuen, wenn ich den Kontakt zu einigen der Spieler (und natürlich auch Spielerinnen!) aufrecht erhalten könnte. Denn sie haben alle einen an der Waffel (womit sie sich nicht von mir unterscheiden!) und genau DAS macht den typischen Ingress-Spieler eben sympatisch.

Aber zurück zum Thema: Bald waren in meinem Umkreis genügend Ingress-Spieler vor Ort, dass man fast problemlos zu jeder Tages- und Nachtzeit eine Farm von Portalen aufbauen konnte. Denn Farmen mit hohem Level bedeuten zum einen, dass 8 verschiedene Spieler die Portale durch “virtuelles bearbeiten” (Einstecken von Resonatoren) auf den höchsten Level (Level 8) aufwerten um danach hochwertige Items aus den Portalen extrahieren (hacken) zu können. Hier in Harburg war quasi immer blau. Wenn die gegnerische Partei abriss, schreckten wir lokale Spieler – auch spät am Abend – hoch vom Sofa um “unsere Hood” zu verteidigen.

Und genau dort sitzt das Problem: Es ist ein ewig wiederkehrender Vorgang. Die Gegenseite tut etwas und man selbst reagiert – oder aber aus den eigenen Reihen kommt eine tolle Idee und die Gegenseite muss reagieren um nicht in der Schmach zu versinken.

Den Ausschlag zu meinem Ausstieg gab mein diesjähriger Urlaub in Paris. Eine Facette des Spieles ist es, über die Spielportale (welche stets besonders sehenswerte Orte sein sollten), mit Hilfe von Ingress zu eben diesen Besonderheiten geleitet zu werden.  Ich hatte mich gut vorbereitet: Eine kostenfreie SIM-Karte (mit unbegrenztem Auslandstraffik – ich habe gelernt, wie beschissen O2 im Ausland ist.) wurde mir von einem Bekannten zur Verfügung gestellt und auch ein mobiles Mobiltelefon-WLAN-Gateway hatte ich in der Tasche. In der angemieteten Unterkunft angekommen stellte ich auch sofort fest, dass zwei der Ingress-Portale vom Sofa aus erreicht werden konnten: Perfekt. Diese Perfektion legte sich aber schnell wieder. Denn bei meinen Ausflügen zum Sacre Coeur, Lourve, Invalidendom etc. pp. stellte ich fest, dass ein stetes starren auf das Mobiltelefon den Blick auf das Wesentliche unmöglich machte. Ich war in PARIS und aus das Handy starren kann ich auch in Hamburg – vom Sofa oder auch im Bett. In Paris möchte ich Bauwerke und die Leute sehen, die Stimmung aufnehmen. Ingress stand dieser Wahrnehmung massiv im Weg. Die Erkenntnis war und ist: Einer der Gründe Ingress zu spielen (das Erkunden von fremden Territorien) wird durch Ingress quasi sabotiert.

Zuhause ist es ein ewiges hin und her, ohne dass man wirklich “voran” kommt (es sei denn man findet seine persönliche Motivation darin möglichst viele Portale zu besuchen, zu hacken etc) und im fremden Gebieten hindert – zumindest mich – Ingress daran der fremden Umgebung nahe zu kommen. Es bleibt das Gefühl: Ingress, ich bin fertig mit dir.

Nachsatz: Liebe Hamburger Spieler: Es würde mich freuen, wenn man sich ab und an nochmal auf ein Bier und einen Klönschnack trifft. Ob es bei einem Stammtisch, einem geplanten “kleineren Kreis” oder spontan statt findet, ist egal. Ich habe (dank Ingress!) wirklich nette Menschen kennen gelernt – oder alte Bekannte wieder getroffen. Da hat Ingress einen bleibenden Wert. Aber dies motiviert mich nicht stundenlang durch die Gegend zu laufen oder fahren nur um einem Unternehmen meine Bewegungsdaten und Sozialkontakte mitzuteilen.

Alle Gute und Danke für den Fisch

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AFD – die gerechte Strafe für die CxU? Das Hamburger Wahlprogramm

Nachdem sich das Mitte/Links Spektrum seit 1978 (Gründung der Bunten Liste) zersplitterte, Parteien wie die Linke und die Piraten hervorbrachte und den Niedergang der SPD einläutete, beginnt nun auch das Mitte/Rechts Spektrum auseinander zu fallen.

Über die Gründe des Zerfalls der ehemaligen “Volksparteien” habe ich schon an anderen Stellen ausgiebig meine Meinung kund getan. Heute möchte ich mit anschauen, was die AFD denn so zu bieten hat: Was macht sie für Wähler interessant? Wofür steht sie? Als Grundlage nehme ich den Entwurf des “Wahlprogramm Bürgerschaftswahl 2015” der “Alternative für Deutschland Landesverband Hamburg”. Darin finden sich einige sehr interessante Passagen. Und ich werde hier gar nicht alles kommentieren können, was kommentierbar ist.

Die AFD beginnt schon in der Präambel ihren Schleier zu lüften:

Denn auch viele andere Bereiche hierzulande wie z.B. die
unzulängliche Einwanderungs-Steuerung [..] dokumentieren
politisches Versagen

Gehört es nicht zur Freiheit eines jeden Menschen sich auszusuchen wo auf diesem Planeten er sich aufhalten möchte, wo er seinen Lebensmittelpunkt setzen will? Muss ich – KANN ich – die Einwanderungen lokal steuern? Oder wäre es – wenn sich zu viele Menschen aus unterschiedlichen Notsituationen heraus dafür entscheiden in Deutschland leben zu wollen – nicht sinnvoller – die Not in den Heimatländern zu lindern? Wer verlässt schon gern seine Heimat? Für die AFD scheint der Standpunkt legitim zu sein: “Bleibt wo ihr seid: Egal ob ihr verhungert, im Krieg sterbt oder aufgrund persönlicher Ansichten/Lebenseinstellungen verfolgt werdet. Wir teilen unseren Wohlstand nicht, der teilweise auf eurem Elend aufgebaut ist”. Dieser Egoismus hat uns in der Vergangenheit viele Kriege beschert und scheint auch ein Teil der unterschiedlichsten derzeitigen Konflikte auf dem Planeten zu sein.

Gleich im nächsten Absatz findet sich die Passage:

Dagegen formiert sich die AfD auf allen politischen Feldern: Wir fühlen uns dabei im Kern dem gesunden Menschenverstand verpflichtet

Ich wage dies allein schon durch meine Interpretation des ersten Zitates zu widerlegen, aber es geht noch weiter.

Gerade unsere Stadt Hamburg steht für solche erfolgreichen, bürgerlichen Lebensformen mit ihrer altehrwürdigen Kultur des Hanseatentums: Mit der Handschlags-Qualität von Verträgen,
kühler Selbstbeherrschung, aus der gegenseitiges Vertrauen wächst, mit Selbstbewusstsein, Freiheitsstreben und Selbstverantwortung – und der gelebten Verpflichtung des Einzelnen gegenüber dem Gemeinwohl und der Gemeinschaft aller Stadtbürger.

Die Hanseatische Handschlags-Qualität beruht auf Vertrauen in mein Gegenüber. Egal ob er ebenfalls Hanseat ist, oder aus dem Baltikum oder der Mongolei stammt. Der Hanseat weiß, dass sein Wohlstand nicht lokal gewachsen ist. Er ist aufgebaut auf Weltoffenheit und dem Austausch der Kulturen. Finden wir diese Weltoffenheit bei der AFD wirklich wieder oder versucht sie sich hier mit fremden Federn zu schmücken, die ihr gar nicht passen?

Auch das jugendlich verwirrte möchte-gern Linke-Spektrum wird erwähnt:

Hamburg wuchs in Jahrzehnten – vom Senat durch Duldung faktisch rechtsfreier Räume kaum gehindert – zur Hochburg des Linksextremismus in Deutschland. Immer wiederkehrende Gewaltexzesse um die ‚Rote Flora‘ und alle Jahre erneute Brutal-Auftritte des ‚Schwarzen Blocks‘ sind nur die Spitze eines Eisbergs. Die etablierten Parteien wollen diese rechtsfreien Räume offenbar nicht beseitigen

Ich vermisse an dieser Stelle die Erwähnung – und sei es nur der Vollständigkeit geschuldet – auch der rechten Gewalt. Ich will und werde die Linken Deppen nicht verharmlosen. Das aber die Rechten Deppen an der Stelle bei der AFD unerwähnt bleiben, könnte Absicht sein.

Bewertungen in Notenform sollen anhand sachlicher Kriterien ab der 2. Klasse erfolgen. Dies gibt Kindern und Eltern Orientierungshilfen und entspricht meist auch dem Wunsch der
Kinder.

Ob ein Zweitklässler bereits in der Lage ist zu erkennen, welche Vor- und Nachteile die Bewertung in Notenform hat, sei einmal dahin gestellt. Allerdings schimmert für mich hier ein wenig das “Wir haben das schon immer so gemacht und wollen stumpf vergleichbare Leistungen” anstelle von “Wir wollen die Kinder nicht unter Druck setzen und akzeptieren ihre unterschiedliche Entwicklung” durch. Die mir bekannten Studien sprechen durch die Bank GEGEN die frühe Benotung.

Manchmal muss man auch zwischen den Zeilen lesen:

Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf benötigen intensive Betreuung, die nur Förderschulen gewährleisteten können.[..] Die derzeitige Inklusionspolitik erschwert individuelle Förderung. Sie überfordert die Regelschulen, deren Lehrer und die betroffenen Schüler.

Hier versteckt sich die Aussage, dass in irgendeiner Form zu fördernde Kinder aus der Regelschule ausgeschlossen werden sollen. Ich ahne hinter dieser Forderung, den Versuch Kinder mit “besonderen individuellen Merkmalen” in eine Parallelwelt abzuschieben um diese so von den eigenen Kindern fern zu halten. Inklusion erschwert keineswegs, sondern fördert das Zusammenleben von ALLEN Menschen.

Familie und Elternhaus sind die Erstverantwortlichen in der Erziehung ihrer Kinder. [..] Einzelne Eltern vernachlässigen ihre Erziehungs- und Förderpflichten zu Lasten der Zukunft
Ihrer Kinder. Die Zahlungen staatlicher Transferleistungen sollen daran gekoppelt werden, dass Eltern ihren Pflichten nachkommen, z.B. bezüglich regelmäßigen Schulbesuches. Auch
Bußgelder sind möglich.

Das Eltern “erstverantwortlich” sind, steht außer Frage. Interessant ist, dass als erstes die Keule der staatlichen Transferleistungen genannt wird. Der Nachsatz der möglichen Bußgelder wirkt ein wenig wie ein nachträglich eingefügtes Feigenblatt. Vorrangig scheint es darum zu gehen Transferbezieher zu gängeln, anstelle ihnen – offensichtlich mit der Erziehung überfordert – eine Hilfestellung zu geben. Denn auch wenn Familie und Elternhaus vorrangig gefordert sind, so ist es auch Aufgabe der Gesamtgesellschaft sich um die Erziehung des Nachwuchses zu bemühen. Dies geschieht nicht vorrangig durch Bestrafung (aushungern?) der Eltern, sondern durch Anreize für die Kinder.

Integrationsfeindliche Symbole und Kleidung haben in der Schule nichts zu suchen, Vollverschleierung ist abzulehnen. Über Kopftücher muss im Einzelfall entschieden werden. Lehrkräfte sollen generell keine Kopftücher tragen.

Wurde oben nicht bereits altehrwürdige Kultur angesprochen? Was bitte ist gegen das Tragen eines Kopftuches einzuwenden? Wenn ich alte Familienbilder anschaue, so sehe ich dort viele Frauen mit Kopftüchern. Wo bleibt hier die individuelle Freiheit? Über eine Vollverschleierung kann man gern diskutieren, aber Kopftücher? Werden als nächstes Krachlederne gefordert?

Hierzu sind die Klassenstärken bei der Ausstattung mit Ressourcen anzugleichen, derzeit ist u.a. die maximale Klassenstärke bei den Gymnasien deutlich höher als bei den
Stadtteilschulen.

WENN auf den Gymnasien vor allem die leistungsfähigen Heranwachsenden Lerninhalte vermittelt werden, so ist es doch sinnvoll Stadtteilschulen aufgrund des Integrationsauftrages besser auszustatten. Kann in kleinen Klassen nicht besser gelernt, um so den Abstand  zwischen Gymnasium und Stadtteilschule zu verringern? Auf dem weiteren schulischen Weg werden die Lernenden in Hörsälen sitzen in denen noch mehr Gedränge herrscht. Umso schwerer es ein Kind hat Lerninhalte aufzunehmen, desto mehr gezielte Aufmerksamkeit benötigt ist.

Kinder sollen deshalb vor Einschulung ein Jahr täglich an einer Kindergruppe teilgenommen haben. Insbesondere bei Defiziten im Erwerb deutscher Sprachkenntnisse soll der Kindergartenbesuch verpflichtend sein.

Sollen? Warum soll ich verpflichtet werden mein Kind schon vor der Schule mit einer Zwangsgruppe belasten? Vor allem der stets wiederkehrende Passus mit der deutschen Sprache macht mich sehr nachdenklich. Ich muss da immer an ländliche Gegenden in Bayern denken. Aber ich schweife ab.

Es müssen neue „Anlernberufe“ geschaffen werden, um den schwächeren Jugendlichen eine Chance im Berufsleben zu bieten. [..]Alle Jugendlichen ohne Lehrstelle sollen eine berufliche Ausbildung den Eigenbetrieben des Landes Hamburg erhalten.

DAS wird in Perspektive sehr-sehr teuer werden. Vor allem ist die Frage was mit den angelernten Jugendlichen nach der Ausbildung passiert gänzlich unbeantwortet. Denn der Arbeitsplatz ist noch wichtiger als die Lehrstelle.

Aus der Gründungsgeschichte ergibt sich bis heute, dass die Alternative für Deutschland über ein hohes Maß an ökonomischer und wirtschaftspolitischer Kompetenz verfügt.

Dieser Beweis durch Behauptung ist so gnadenlos schön, den kann ich gar nicht kommentieren. Aber es kommt noch viel dicker:

Niemals sollte es sich lohnen, staatliche Sozialleistungen leistungslos zu kassieren anstatt zu arbeiten, soweit dies Alter und Gesundheit zulassen.

Hinter diesem Satz verbirgt sich nicht weniger als der Einstieg in die Zwangsarbeit für Arbeitslose. Gut verborgen und umschrieben, aber dennoch erkennbar!

Durch die starke Konzentration der Politik auf Europa wächst der Einfluss der Großindustrie überproportional und der Mittelstand hat das Nachsehen. […] Bei allen Maßnahmen werden wir auch weiterhin darauf achten, Nachteile für den Mittelstand zu vermeiden, insbesondere bei Finanzierung und bürokratischen Vorschriften.

Ist es nicht auch gerade der Mittelstand, der von Europa profitiert? Der massive Vorteile durch den Binnenmarkt und die gefallenen Schranken hat? Aber man muss natürlich auf Europa schimpfen wenn man AFD heißt. Vor allem muss man versuchen auch Mittelständler irgendwie einzubinden – man will ja jeden Wähle abgreifen.

Hamburg hat seine Infrastruktur lange vernachlässigt. Längst hat sich dies zu einem echten Standortnachteil ausgewachsen, was jeder Hamburger Autofahrer täglich erfährt. Dies gilt
gerade auch für Hamburger Unternehmen. Für sie bedeuten “Stunden im Stau” massive Verluste. [..] Die AfD fordert  die Erhaltung und Instandsetzung der bestehenden Infrastruktur mit hoher Priorität […]

Kein Wort vom ÖPNV. Keine wirkliche Vision wie der Verkehr in der Innenstadt entlastet wird, sondern schlicht festhalten an dem (nicht) bewährtem. DAS ist nicht fortschrittlich und einer modernen Großstadt nicht würdig.

Die AfD befürwortet die sogenannte Verbindungsdatenspeicherung zur Verhinderung und
besseren Aufklärung Straftaten. Die Daten dürfen nur im Einzelfall und nur aufgrund richterlicher Anordnung genutzt werden.

Jawoll! Endlich kommt Law & Order so richtig durch. Weg mit der Maske des Liberalen und der Freiheit. Her mit dem Überwachungsstaat.

Wir fordern die regelmäßige Anwendung des Erwachsenenstrafrechts bei 18 bis 21-jährigen
Straftätern, so wie es das Jugendgerichtsgesetz vorgibt. Entgegen der Vorgabe des Gesetzes wird bei dieser Altersgruppe überproportional häufig das Jugendstrafrecht
angewendet.

Und wenn die Maske erstmal gefallen ist, fordern wir auch die Nutzung des höchstmöglichen Strafmaßes. Irgendwann muss auch mal Schluss sein mit der Integration und dem guten Willen. Denn harte Strafen waren schon immer gut. Nur in Gefängnissen werden den Heranwachsenden echte Werte vermittelt.

Wir plädieren für die Schaffung eines Gesetzes, dass die erleichterte Ausweisung sogenannter Hassprediger ermöglicht. Wer im Namen der Religion Gewalt anwendet, dazu
aufruft oder damit droht, muss Deutschland verlassen.

An der Stelle wird es bei großzügiger Auslegung auch für einige Katholiken und Protestanten eng (“Wer sündigt wird in der Hölle darben!”). Aber diese haben ja den Vorteil, dass sie meist deutsch sind und demnach nicht ausgewiesen werden können. Letztendlich kann dieser Passus also dergestalt gewertet werden, dass die AFD hier schlicht “ihre” Religion schützen will.

Die AfD fordert die Aufnahme der Ethnie bzw. des Migrationshintergrunds in der polizeilichen Kriminalstatistik.

WENN, dann bitte auch Protestant oder Katholik erfassen. BTW: Wusstet ihr dass das Land mit der grössten Kriminalitätsrate der Vatikan ist? Mal im ernst: Mensch ist Mensch und Arschloch ist Arschloch und Straftäter ist Straftäter. Dafür brauche ich keinen Migrationshintergrund, keine Ethnie und keine Religion.

Es gelten die Grundsätze: „Keine Partizipation ohne Integration“ und „Integration ist primär eine
Bringschuld der Zuwanderer“.

Ich wage zu widersprechen: Integration kann nur im gegenseitiger Bemühung erfolgreich sein. Ich kenne in Deutschland geborene Menschen, die ein voll integriertes Leben führen, aber dennoch nur aufgrund ihres Aussehens diskriminiert und ausgegrenzt werden. Ein wenig mehr aufeinander zugehen und eben KEINE Angstmacherei wie sie auch von der AFD praktiziert wird.

Es muss verhindert werden, dass vorrangig solche Personen zu uns kommen, die sich von unseren sozialen Leistungen angelockt sehen. Die Anreize zur Einwanderung (Hartz IV oder Kindergeld) in die Sozialsysteme sind zu minimieren! Nur wer über mehrere Jahre hinweg in Deutschland gearbeitet und Steuern gezahlt hat, erwirbt einen Anspruch auf hiesige Sozialleistungen. Allen anderen ist Sozialhilfe nur nach Standard ihrer Herkunftsländer zu gewähren

Wie verhindert man am besten, dass Menschen aus Not nach Deutschland kommen? In dem man ihnen in der Heimat hilft. Es hilft keinem Menschen wenn die westliche Welt deren Heimatländern – aus Interesse an den Bodenschätzen – unsicher macht um dann zu sagen: In deiner Heimat gibt es gar kein Sozialsystem, also verhungere. Sozialhilfe ist eine segensreiche Errungenschaft, die es aber in sehr vielen Ländern unseres Planeten gar nicht gibt. Wer dies nicht in seinen Planungen berücksichtigt ist entweder dumm oder es ist Kalkül.

Angesichts der sich schon seit 1,5 Jahren hinziehenden Armutseinwanderung aus Serbien und Mazedonien in die Sozialsysteme – vor allem sog. Roma – ist eine Aufhebung der
Visafreiheit für diese beiden Staaten anzustreben.

Genau! Endlich wird wieder Angst und Fremdenhass geschürt. Kam gerade etwas zu kurz.

Unangetastet bleibt das Recht auf Asyl für politisch, religiös oder wegen ihrer Rasse oder Nationalität Verfolgte. Hierzu dient das rechtsstaatliche Asylverfahren. Die derzeitige
Anerkennungsquote in Höhe von 1,5 Prozent verdeutlicht, dass die überwiegende Zahl der Flüchtlinge aus wirtschaftlichen Gründen migriert.

1,5% also. OK, schaun wir doch mal nach, was das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge dazu zu sagen hat (Zahlen Jan – Aug 2014):

  •   1,6% Anerkennungen als Asylberechtigte (Art. 16 a GG und Familienasyl)
  • 19,6% Anerkennungen als Flüchtling gem. § 3 Abs. 1 AsylVfG*
  •   5,6% Gewährung von subsidiärem Schutz gem. § 4 Abs. 1 AsylVfG*
  •   1,7% Feststellung eines Abschiebungsverbotes gem. § 60 Abs. 5 o. 7 AufenthG*

Macht in der Summe eine Anerkennungsrate von 28,5% – das ist das Siebzehnfache des Wertes, mit dem die Manipulatoren der AFD hier hausieren gehen.

Und hier verlässt mich einfach die Lust – wer von euch macht weiter? Ich habe die Nase voll von der AFD – auf so vielen Ebenen :)

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