Klimawandel – da kann ich doch nichts tun

Vorwort

Des öfteren, wenn ich in meinem Bekanntenkreis über den Klimawandel spreche höre ich das Argument „Klimawandel – da kann ich doch nichts tun“. Stimmt das? Können wir wirklich nichts tun? Oder ist es nicht vielmehr so, dass, wenn wir alle ein bisschen etwas tun, es am Ende dann doch ein bemerkenswertes Ergebnis geben kann? Ich möchte in diesem Beitrag mal ein paar Anregungen geben. Die unten stehende Sammlung ist nach „wie es mir gerade in den Kopf kommt“ sortiert. Die Sortierung soll keineswegs eine Prioritätenliste darstellen. Gern dürft ihr die Anregungen in den Kommentaren diskutieren und auch SEHR gern weitere Ideen hinterlassen.

Sicherheitshinweise

Ich kann und will niemanden nötigen, sein Verhalten zu ändern. Zwang sollte stets das letzte Mittel sein, um menschliches Verhalten zu ändern. Allerdings fürchte ich, dass insbesondere im gewerblichen Bereich diverse gesetzliche Regelungen zwingend erforderlich sind. Denn leider zählt derzeit das Betriebsergebnis mehr als die Erhaltung der Umwelt. Was aber nützen uns Arbeitsplätze, wenn wir alle krank sind, oder gar unser Planet unbewohnbar wird? Alle Beteiligten müssen aus der Komfortzone raus. Wir haben – seit Beginn der industriellen Revolution – unseren Wohlstand gesichert, indem wir den Planeten Erde ausbeuten. Es wird Zeit, dass wir dies auf allen Ebenen sehr zeitnah ändern.

Auch ist mir natürlich bekannt, dass nicht jeder in der Lage ist, jedwede Möglichkeit zu nutzen. Wer einen weiten, „komplizierten“ Arbeitsweg hat, ist auf den PKW angewiesen. Nicht alle Menschen sind finanziell in der Lage Lebensmittel nach moralisch-ethischen Grundsätzen zu kaufen. Manchmal gibt es tatsächlich „Sachzwänge“ (wie ich dieses Wort hasse…). Es geht nicht zwingend darum, alles zwanghaft zu tun, aber – wie eingangs erwähnt: „Klimawandel – da kann ich doch nichts tun“ ist nicht valide.

Urlaub und Erholung

Urlaub muss sein – Entspannung und Tapetenwechsel braucht jeder von uns. Allerdings sollten wir in uns gehen und uns fragen: Was ist uns der Urlaub wert? Nicht nur in Form „Was kann und will ich bezahlen“, sondern auch „Was richte ich an“.

  • Ein langes Wochenende auf Malle? Für ein paar Euro Flug und Vollpension?
  • Auf einem Kreuzfahrtschiff eingepfercht dem Trubel der Großstadt entkommen?
  • Vier Wochen Thailand/Australien – wo auch immer, Hauptsache weit weg?

Es gibt auch in unserer Nähe sicherlich schöne Orte, die es wert sind, erkundet zu werden. Wart ihr schon mal im Harz, an der Ost- oder Nordsee? Im Allgäu soll es auch schön sein (mental note to self: Da war ich zuletzt als kleiner Junge, könnte ich mal wieder hin). Auch Frankreich, Italien, Dänemark, Polen, Österreich und all die anderen Länder um uns herum haben Gegenden die einen Besuch wert sind. Egal ob es euch nach Kultur, Natur – Ruhe oder Trubel zieht. Einfach mal in sich gehen und schauen und sich die Frage stellen: Klimawandel – da kann ich doch nichts tun? Oder doch?

Fortbewegung

Wie komme ich von A nach B? Die Zeit der Postkutschen ist vorbei und wir haben vielfältige Möglichkeiten der Fortbewegung. Auch gibt es unterschiedlichste Gründe sich fortzubewegen. Ich will beide Variablen hier kurz anreißen:

  • Zu Fuß, die wohl älteste Form sich zu bewegen
  • Das Fahrrad, um schnell innerorts oder auch in ländlichen Gebieten relativ kurze Strecken – auch mit Gepäck – zu überwinden
  • Pedelec, E-Scooter u-ä. sind ein Ersatz für Fahrrad oder den Turnschuh.
  • Öffentliche Verkehrsmittel. Bus, Bahn, Flugzeug aber auch Shared-Dienstleister wie Uber etc.pp.
  • Eigenes, motorbetriebenes Mittel, wie Motorrad und PKW

Bei dem Mittel der Fortbewegung sollten wir uns stets fragen: Geht es besser? Kann ich anstelle des Fliegers vielleicht auch die Bahn nutzen? Muss ich mit dem PKW einkaufen fahren, oder tut es auch das Fahrrad? Muss ich mein Kind zum Kindergarten fahren, oder geht es auch zu Fuß? Ist mein Kind groß genug, dass es schon selbstständig zur Schule gehen/mit dem Fahrrad fahren kann? Ich fand es früher richtig toll, wenn mein Vater mich mit dem Wagen in der Schule „vorbei brachte“, aber er tat dies nur, wenn es ohnehin auf seinem Weg lag. In meinem gesamten Schulleben vielleicht 3-5 mal.

Fliegen?

Ja, es ist natürlich – je nachdem wie weit man es zum Airport hat – schneller von Hamburg nach München zu fliegen, als die Bahn zu nutzen. Aber – abgesehen einmal von der bizarren Preissituation – ist die An/Abreise denn so zeitkritisch, dass es das Flugzeug sein muss? Kann man auf dem Hin- und Rückweg vielleicht – dem Klima zu liebe – mal ein paar Mehrstunden opfern?

Pedelec und E-Scooter

Dem Thema E-Scooter habe ich bereits an anderer Stelle einen Artikel gegönnt, auf den ich hier schlicht verweisen möchte. Gleiches gilt – in Maßen – auch für die Pedelecs. Natürlich streben wir alle danach, uns das Leben angenehm zu gestalten. Aber dieses Verhalten hat eben auch Folgen: Wir verbrauchen Energie und diese muss 1) Hergestellt werden und 2) fehlt sie eventuell an anderer Stelle.

ÖPNV

Zum ÖPNV ist zu sagen, dass er – insbesondere in Deutschland – wohl deutlich nutzerfreundlicher gestaltet werden könnte. Auch wäre es wünschenswert, wenn die Nutzung stärker als bislang über Umlagen finanziert werden würde. Hier z.B. wäre eine CO2-Steuer gut investiert. Auch mehr Park&Ride-Möglichkeiten für Menschen, die von außerhalb der Großstädte zu ihrem innerstädtischen Arbeitsplatz müssen, wären sinnvoll. etc.pp.

Wenn es denn ein PKW sein muss

Die Deutschen lieben ihr Auto. Seit den Nazis (sorry, aber der Volkswagen sollte doch das Volk ruhig stellen) ist der eigene PKW des Deutschen liebstes Kind. Es gibt viele Menschen in meinem Umfeld, die der festen Meinung sind „Ein Auto muss man haben“. Aber ist dem so? Ist dies ein – vor allem von den deutschen Autoherstellern (und deren Aktionären) – in die Welt gesetztes Ammenmärchen? Ja, es gibt Menschen die wäre ohne PKW echt übel dran. Mein Bruder z.B. hat – mit PKW – einen Arbeitsweg von ca. 15 Minuten. Mit ÖPNV wäre es über eine Stunde. Es sind nicht die berechtigten Sonderfälle die es sich anzuschauen gilt.

Wie viele Menschen fahren denn jeden Tag als Solofahrer in die Großstädte hinein? Hamburg-Süd: Elbbrücken. Jeden Tag der normale Stau. Tausende von PKW quälen sich täglich über die Elbbrücken rein und raus. In (fast) jedem PKW sitzt nur eine Person. Müssen wir wirklich mit „affenartiger“(vielleicht hier sogar sehr treffend der Begriff..) Geschwindigkeit über die Autobahn heizen? So viele Fragen, so wenig Antworten – oder?

Wer es sich – infolge von vorhandener Infrastruktur und finanziellen Möglichkeiten – erlauben kann, sollte natürlich auf alternative Antriebstechniken setzen. Ob es Wasserstoff oder das Elektrofahrzeug sein soll, kann ich nicht wirklich beurteilen. Damit habe ich mich noch nicht hinreichend beschäftigt. Aber gern könnt ihr – solltet ihr zu dem Thema beitragen können – dies in den Kommentaren vermerken.

Einkauf/Beschaffung/Ernährung

Das Thema Einkaufen/Beschaffung ist sicherlich ein derart umfangreicher Punkt, der einen eigenen Blockeintrag wert wäre. Angefangen mit der Auswahl der Lieferanten, über die Verpackung (muss das sein) bis hin zu dem bereits behandelten Thema Fleisch, vegetarisch oder gleich vegan.

Wo und was beschaffen

Wir lassen uns Ware von überall her senden. Besonders perfide: Wir sind auch Meister im Rücksenden. Involviert sind hier nicht nur unterbezahlte Auslieferungsfahrer welche die Straßen zuparken. Auch produzieren wie Berge von Verpackungsmüll und sorgen teilweise sogar dafür, dass unsere Rücksendung stumpf vernichtet wird: Für die Presse produziert. Ja, es ist praktisch, Dinge online zu bestellen. Ja, der Fachhandel verkommt vielerorts zu einem Clownsgesicht seiner selbst. Aber gewisse Dinge kaufe ich quasi zwanghaft „vor Ort“. Ich käme niemals auf die Idee Kleidung online zu kaufen. Ich will Dinge anprobieren. Ein weiterer Faktor ist, dass ich gewisse Bedürfnisse sofort befriedigen möchte. Und das geht halt nur mit „Jetzt aber los zum shoppen“. Auch kann man sich überlegen, mehr Second-Hand zu nutzen. Sowohl im Bereich Kleidung, als auch bei anderen Dingen ist der Gebrauchtmarkt eine tolle Sache um sich günstig und auch nachhaltig zu versorgen.

Verpackung

Angefangen von den dusseligen Plastikverpackungen, besonders für Artikel die von der Natur bereits super verpackt wurde, bis zu Dingen die man eigentlich nicht im Supermarkt kaufen müsste. Wasser mit und ohne Kohlensäure zum Beispiel. Wer nicht gerade in einem Gebiet wohnt, in dem das Leitungswasser wirklich übel schmeckt, ist gut beraten die Hände von den Plastik-(oder auch Glas-)flaschen zu lassen. Stiftung Warentest stellt fest „Keimbelastet, mineralstoffarm und teuer: Der Stiftung Warentest zufolge lohnt sich die Investition in stilles Mineralwasser nur selten. Leitungswasser enthält zum Teil sogar mehr Mineralstoffe.“. Wenn es Kohlensäure im Wasser sein muss: Ein Produkt wie Sodastream. Man spart Geld UND Volumen und Gewicht beim Einkauf.

Ganz heißer Scheiß sind auch Tupperdosen, die man leer mit zum Einkauf nimmt. (To Go Becher, Mittagessen in Tupperdosen) Bislang haben wir ausschließlich positives Feedback von den Verkaufsstellen gehabt. Und auch im persönlichen Umfeld kam die Idee gut an.

Think global – act local

Leute kauft regional, geht vielleicht auf den Wochenmarkt – so ihr einen erreichbar habt. Es müssen nicht unbedingt die Kiwis sein, die gerade im Angebot sind, oder Erdbeeren im Dezember. OK, der alte Spruch „Why do dogs lick their balls – because they can“ ist ja ganz lustig. Aber zum Schutz der Natur ist die Aussage „Weil ich es kann“ eher minder optimal. Denn es ist eher doof, wenn wir unsere Lebensmittel kreuz und quer über den Erdball transportieren. Und als Norddeutscher möchte ich anmerken, dass die leckeren Nordseekrabben stets einen Kurzbesuch in Marokko hatten: Denn dort werden sie zum pulen hin- und wieder zurück geflogen. Wenn ihr Krabben mögt: Pult doch selbst – und freut euch, dass ihr etwas Gutes tut. Es sind die vielen Kleinigkeiten, mit denen wir etwas erreichen können.

Haushalt und Energie

Wohlfühltemperatur

Im dem Moment in dem ich diesen Artikel schreibe wird wohl im deutschsprachigen Bereich niemand die Heizung nutzen. Dennoch möchte ich mich auch dem Thema Klimatisierung widmen. Denn bei dieser Hitze kommt ein anderer Faktor ins Spiel: Klimaanlagen. Es gibt Menschen, die im Winter die Heizung auf 30° („volle Pulle“) aufdrehen, damit sie auch bei -30° noch im T-Shirt vor dem Fernseher/Computer sitzen können. Wahrscheinlich ist es derselbe Personenkreis, der jetzt im Sommer die Klimaanlage auf 20° stellt. Ich frage mich: Warum? Warum nicht im Winter einen Pullover überziehen, oder im Sommer mal ein wenig mehr Wärme aushalten? Eine Bürotemperatur von 24°/25° ist völlig OK. Habe ich für euch getestet. Und ein Kollege von mir kommt in mein Büro um sich aufzuwärmen, weil sein Bürokumpel die Klimaanlage aus „Arktis“ einstellt.

Wir heizen durch Energiegewinnung die Atmosphäre auf, kühlen unsere Büros, wodurch wir die Atmosphäre weiter aufheizen. Wie unüberlegt können wir Menschen eigentlich sein?

Strom sparen

Jaja, dieser Punkt ist definitiv alt, dennoch muss ich ihn erwähnen: Schaltet Stand-By-Geräte GANZ ab. In Stand-By wird zwar nur relativ wenig Energie verbraucht, aber bei 40 Millionen Haushalten in Deutschland, die nur 1 Watt unnütz verbrauchen, kommt da eben auch eine ganze Menge zusammen. Meine Ecke für Fernseher etc. benötigt im Stand-by schlappe 35 Watt. Aus diesem Grunde habe ich an diversen Punkten Schaltsteckdosen installiert. Diese schalten zu definierten Uhrzeiten den Strom für Stand-By-Geräte stumpf komplett ab und später dann auch wieder an.

LED-Leuchtkörper sollten mittlerweile ohnehin Standard sein.

Special: Energie im Rechenzentrum

Kleiner Exkurs für diejenigen die in einem ähnlichen Bereich arbeiten wie ich: Auch in Rechenzentren und Serverräumen gibt es eine energetische Optimaltemperatur. Früher hat man Rechenzentren stumpf „kalt“ gemacht. Dies ist aber nicht der Weisheit letzter Schluss. Sicherlich kann nicht jeder Admin eines Serverraums eine Relation zwischen „Energiebedarf der Server“ und „Energiebedarf der Klimatechnik“ herstellen. Aber lasst es euch gesagt sein: Server können auch problemlos eine Raumtemperatur von deutlich mehr als 20° ab – sofern die Luftumwälzung stimmt, z.B. Kalt- und Warmgang. So spart ihr immens Energie für die Klimatechnik und tut etwas gegen den Klimawandel.

Schlusswort

Wie bereits Eingangs geschrieben: Nicht jeder kann sich komplett auf „Energie sparen/Umwelt schützen“ umstellen. Bei manchen gibt es „Sachzwänge“ bei anderen definieren die finanziellen Möglichkeiten die Grenzen.
Was aber jeder Mensch machen kann ist, dieses Thema im Bekanntenkreis diskutieren. Sich selbst informieren und sein Umfeld sensibilisieren. Dies klappt viel besser, als man auf dem ersten Blick glauben mag. Überlegt euch, ob ihr nicht bei Parents For Future mitmachen wollt. Wir müssen die Politik leider zwingen, tätig zu werden, um die wirklich dicken Bretter zu bohren, dies können wir Bürger nicht allein.

Eine persönliche Bitte: Solltet ihr noch Ideen, Ratschläge aber auch Kritik haben, so kommentiert und teilt den Eintrag bitte, denn „Klimawandel – da kann ich doch nichts tun“ ist Quatsch! 🙂

Kungelt die Berliner Polizei mit „Rechts“?

Als ich eben den folgenden Artikel im Tagesspiegel bezüglich der gescheiterten Stürmung des Justizministeriums las

Ein Fotograf, der die Aktion beobachtete, kritisierte einen „kumpelhaften Umgang der Polizei mit den Nazis“ und nannte diesen „wirklich skandalös“. Es seien von den „Identitären“ Bengalos abgebrannt und Widerstand geleistet worden. Doch nicht einmal der Sprinter eines Mietwagenunternehmens, in dem die Leitern waren, sei beschlagnahmt worden, „der konnte einfach in Ruhe wegfahren“. Auch der Kameramann der IB, der von Anfang an die ganze Aktion gefilmt habe, habe nicht einmal seine Speicherkarte abgeben müssen.

erinnerte ich mich an ein Erlebnis welche viele Jahre her ist. Wir stellen uns mal kurz vor, das wären „linke Gesellen“ gewesen? Wäre es dort so ebenfalls so „freundlich abgegangen? Irgendwie schwer vorstellbar.

Ich war ja vor vielen Jahren einmal Vaterlandsverteidiger (damals, als die Bundeswehr noch den Igel als Symbol der Truppe hatte).

Bundeswehrigel

Die Bundeswehr als defensive Armee

Viele Jahre nach meiner Bundeswehrzeit traf ich einen ehemaligen „Kameraden“ wieder, der nach der Dienstzeit zur Polizei in Berlin ging. Auf meine Frage, was er denn da jetzt mache wurde mir mitgeteilt dass er im Bereitschaftszug ist. Ich war verwundert, war ich doch der Meinung, dass die Frischlinge der Polizisten vorrangig im Bereitschaftszug sind, bis sie fest auf eine andere Dienststelle versetzt werden. Ich fragte nach und bekam die Antwort: „Ich bin freiwillig dort. Nur im Bereitschaftszug kann man den Linken bei Demos so richtig aufs Maul hauen“. Das Treffen wurde dann sehr kurzfristig von mir beendet. Der „Kollege“ stellte sich als resistent heraus, was etwaige Kritik an seiner Meinung angeht. Dieser Vorfall ist aus mehreren Gründen bemerkenswert:

  • Zu seiner Bundeswehrzeit hat er sich niemals derart geäußert. Ich habe eng mit ihm zusammengearbeitet und es wäre mir mit Sicherheit nicht verborgen geblieben, wenn er derartige Ambitionen gehabt hätte. Entweder hat er diese Einstellung damals gut verborgen, oder er wurde erst bei der Berliner Polizei „verdorben“
  • Da dieser Vorfall nun ca. 20 Jahre her ist, dürfte sowohl diese Person – als auch sein damaliges Umfeld – ein paar Stufen der Hierarchie erklommen haben. Ob als verantwortlicher Zugführer, Ausbilder oder ähnliches kann man auch politisch einiges an Einfluss auf Einsätze und junge Polizisten ausüben.

Ich bin überzeugt, es sind Einzelfälle. Aber sie wirken sich aus. Sowohl auf das Bild der Polizei in der Öffentlichkeit, als auch generell gesellschaftlich. Wo ist nur der Schutzmann von früher geblieben? DEN möchte ich gern wiederhaben.

Aufmerksamkeits- oder Lügenpresse?

Wie kommt es, dass den Medien von immer mehr Menschen (so auch mir) nicht mehr der nötige Ernst entgegen gebracht wird? Ist dass was als Lügenpresse bezeichnet wird das vorrangige Problem?

Immer wieder lese ich Überschriften oder Anreißer, die vor allem einen Sinn haben: Den Nutzer auf die Webseite zu lockern. Selbst Banales wird als sehr interessant angerissen. Gerade bin ich über ein Posting der Hamburger Morgenpost gestolpert, welches aufmacht mit: Nichts für schwache Nerven Im Video: Porno-Star wird von Hai gebissen.„. Gibt es schönere Trigger als „nichts für schwache Nerven“ in Verbindung mit „Porno-Star“? Schnell klicken und anschauen, vielleicht kann man nackte Haut sehen und nebenbei wird sogar noch Drama versprochen.

Hat diese Nachricht für den überwiegenden Teil der Bevölkerung einen Nachrichtenwert? Ich denke dem ist nicht so. Warum also wird uns diese „Nachricht“ präsentiert? Der Grund ist banal: Es geht darum den User auf die Webseite  zu ziehen um dort mittels der Werbung Ertrag zu erwirtschaften. Und genau das erscheint in meinen Augen eines der Probleme der Medien in der heutigen Zeit zu sein. Es geht nicht mehr darum zu informieren, sondern den Nutzer als Werbeempfänger zu ködern.

Die Steuerung durch Werbung ist nicht neu

RTL und SAT1 praktizieren es im Fernsehen seit vielen Jahren. Demütige-mich Shows ohne Ende, aber solange es eine ausreichende Anzahl von „Spannern“ gibt, die sich daran ereifern, geht das Konzept aus: Die Zuschauerzahlen stimmen und die Werbung erzielt Ertrag. Auch bei den Printmedien ist das Problem „Wie locke ich Nutzer auf meine Webseiten“ nicht erst seit heute zu beobachten. Was ich allerdings glaube festzustellen ist, dass dieses Problem immer weiter eskaliert.

Verwässerung fehlende Ortsangabe

Ein weiteres Detail ist, dass eine Dramatisierung durch Auslassung von z.B. Ortsangaben geschieht. Generell macht es natürlich keinen Unterschied, wo ein Sack Reis umgefallen ist. Dennoch kann man seine Leser durch das Auslassen von Ortsangaben ködern. Eine Meldung „2 Häuser nach Überschwemmung unbewohnbar“ würde weltweit bei jedem Leser des Teasers für Interesse sorgen. Es könnte ja sein, dass dies in meiner direkten Umgebung stattfand, vielleicht ist ein Verwandter oder Bekannter von mir betroffen. Wenn die Ortsangabe „in Kenia“ im Teaser angegeben ist, wäre die Klickrate sicher deutlich niedriger.

Antriggern von Befindlichkeiten

Gern wird auch mit Befindlichkeiten gearbeitet. Ich habe manchmal das Gefühl, dass die „Journalisten“ in den Onlineredaktionen die sozialen Medien sehr genau verfolgen um dann – quasi nach Befindlichkeit des Tages – Überschriften und Meldungen des Tages platzieren. War die Meldung bezüglich eines Übergriffes einer südländisch aussehenden Person vor 5 Jahren eher minder interessant, so kann man sich heute sicher sein, dass ein gewisser Personenkreis direkt auf die Meldung reagiert. Natürlich wird eine derartige Meldung auch schnell – in gewissen Kreisen – verbreitet. Ziel erreicht.

Nehmen wir heute anders wahr?

Vor der Digitalisierung kaufte der Leser das komplette Exemplar der Zeitschrift. Es ging nicht darum einzelne Artikel besonders hervorzuheben. Die Erlös durch Werbung war abhängig von der Auflage des Ganzen. Der Leser kam vielleicht auch an der Meldung mit dem Pornosternchen und dem Haiangriff vorbei, nahm dies aber im großen Umfeld von politischen und gesellschaftlichen Themen kaum wahr. Heute werden uns gerade die besonders heischenden Meldungen auf diversen Kanälen nur so um die Ohren gehauen. Wir nehmen diese Meldungen heute also verstärkt wahr und werten auch über diese Wahrnehmung die Relevanz des Mediums. Sollte als die Hamburger Morgenpost es schaffen immer wieder mit dieser Art von Meldungen massiv geteilt werden, rutsch sie in unserer Wahrnehmung auf die Ernsthaftigkeit einer schlechten Schülerzeitung herab. Selbst wenn das Medium Morgenpost durchweg auch korrekt recherchierte und informative, wertvolle Meldungen sendet, würden wir anfangen die Morgenpost zu ignorieren.

Das Problem heißt nicht Lügenpresse sondern Monetarisierung

Ich unterstelle, dass es ausreichend Journalisten gibt, die darauf erpicht sind gut recherchierte Artikel zu publizieren. In der heutigen Welt lassen sich aber Artikel schlicht besser (über Werbeeinnahmen) vermarkten, wenn diese reißerisch überschrieben sind. Der Leser wird zwangsläufig enttäuscht zurück gelassen, da der Artikel oftmals nicht das Versprechen der Überschrift halten kann.

Meine persönliche Analyse

Wir haben kein wirkliches Problem mit einer lügenden Presse. Vielmehr liegt das Problem darin begründet, dass die Meldungen oft nicht mehr das halten, was die Überschrift verspricht. Auch die reißerischen Überschriften lassen uns hilflos werden, wenn wir schlicht sinn- und wertvolle Informationen suchen. Medien – die ernst genommen werden wollen – sollten sich von dem eingeschlagenen Weg verabschieden. Sicher ist es quasi unerträglich, dass die Meldung mit dem Porno-Hai große Werbeeinnahmen erzielt, während die gut recherchierte Dokumentation nur sehr schleppend wahrgenommen wird. Es schmerzt, wenn im Medium Fernsehen DSDS mehr Zuschauer anlockt als Formate wie QUER, Report oder ZAPP. Aber die Frage ist doch: Wo wollt ihr hin, liebe Medien? Wenn ihr ernst genommen werden wollt, müsst ihr genau daran arbeiten.