Ich sehe Überschriften voraus

Einer Polizeipressemitteilung von heute entnehme ich:

Bei dem Opfer handelt es sich um eine 52-jährige schwerbehinderte Frau, die bei ihren Eltern (78, 80) gelebt hat und von diesen zeitlebens gepflegt wurde.

Die Mordkommission hat die Ermittlungen übernommen. Nach dem jetzigen Erkenntnisstand besteht der Verdacht, dass die 52-Jährige erstickt wurde. Die genauen Tatumstände stehen noch nicht fest. Ein erster Tatverdacht richtet sich gegen die Mutter (78) des Opfers. Sie wird derzeit von den Kriminalbeamten vernommen.

Ich ahne schon die Überschriften des morgigen (und eventuell folgender) Tages: Todesomi erstickt behinderte Tochter.

Ohne die Tat- und Lebensumstände genauer zu kennen: Meine Hochachtung gilt der alten Dame, die wahrscheinlich 52 Jahre lang ihre schwerbehinderte Tochter gepflegt hat. Vielleicht war der Auslöser der Tat, dass die Mutter selbst im Alter von 78-Jahren nicht mehr in der Lage war, ihre Tochter zu pflegen. Ich bitte die Ermittlungsbehörden, den Staatsanwalt und vor allem den Richter um Gnade für die Frau, die – auch wenn Sie jetzt ein Tötungsdelikt begangen haben SOLL – unser aller Respekt, dass sie ihr Leben in den Dienst ihres Kindes stellte.

Ich denke dem Leben, dass meine beiden Kinder gesund sind und mir so viel Freude bereiten. Ich liebe euch …

Pils vs. Pilz

In Holland wurde zum 01. Dezember der Verkauf von „Magic Mushrooms“ verboten.

Der Verkauf von Psycho-Pilzen war in den Niederlanden nach aufsehenerregenden Zwischenfällen im vergangenen Sommer zum 1. Dezember generell verboten worden.

Zuvor war in Amsterdam ein deutscher Tourist im „Mushroom“-Rausch nackt durch die Straßen gelaufen. Ein französischer Teenager stürzte sich nach dem Verzehr von Psycho-Pilzen von einer Amsterdamer Grachtenbrücke in den Tod.

schreibt der Spiegel.

Ich stelle nur einfach mal so die Frage in den Raum, wieviele Menschen in der gleichen Zeit durch den „Genuss“ (Missbrauch?) von Alkohol direkt oder indirekt zu Schaden kamen, oder sich schlicht daneben benahmen.

Was den Grad des daneben benehmen angeht, haben die Ajax-Amsterdam-Fans ja gerade letzte Woche in Hamburg gezeigt, was man unter Alkoholvernebelung so alles anstellen kann (Quelle Welt):

Vor dem Uefa-Cup-Gruppenspiel des Hamburger SV gegen Ajax Amsterdam ist es zu schweren Ausschreitungen gekommen. Selbst von Beamten mit gezückten Dienstwaffen ließen sich die holländischen Hooligans nicht beeindrucken. Die Reeperbahn musste vorübergehend gesperrt werden.

Dann doch lieber ein einzelner Nackter, der Pilze gefressen hat.

Man darf nichtmal mehr das Wort „LOHNNEBENKOSTEN“ benutzen

kaum habe ich hier die meine Interpretation der „Senkung der Lohnnebenkosten“ verbloggt, trifft mich der FAZ-Artikel in die Magengrube:

Die CDU will in der nächsten Legislaturperiode das Steuersystem in Deutschland vereinfachen und die Lohnnebenkosten dauerhaft senken. CDU-Chefin Angela Merkel sagte am Montag auf dem Bundesparteitag ihrer Partei in Stuttgart, Deutschland müsse „stärker“ gemacht werden.

JA! Die Lohnnebenkosten weiter senken. Weniger Lohn für gleiche Arbeit. SUPER!

Dazu gehöre ein „einfacheres und gerechtes“ Steuersystem, dass unter anderem die kalte Progression abschaffe, sagte die Kanzlerin. Zudem sollten durch Änderungen im Arbeitsrecht mehr Menschen eine Beschäftigungsmöglichkeit erhalten. Statt eines Mindestlohns wolle die CDU ein Mindesteinkommen sichern

So wie ich unsere Bundesangie einschätze, heisst „Änderungen im Arbeitsrecht“ ganz gewiss nicht, dass es Arbeitgebern schwerer gemacht wird, sich mit Hungerlöhnen als Arbeitsplatzerrichter feiern zu lassen. Eher werden die rechte der Arbeitnehmer weiter eingeschränkt. Ein Mindesteinkommen haben wir schon heute: Hungerlohn plus Aufstockung durch Hartz-IV. Die Lösung WÄRE, ein Einkommen zu zahlen, dass es einem 40-Stunden arbeitenden Menschen nicht abnötigt, auch noch Hartz-IV zu beziehen. Das aber würde Mindestlohn bedeuten.

Ich gehe mich mal eben mal kurz übergeben.