Die wahren Schmarotzer: Selbstständige, die direkt oder indirekt HARTZ IV beziehen

Wieder einmal ist HARTZ-IV ein Thema. Diesmal wird nicht auf die (meist unverschuldet!) Arbeitslosen eingeprügelt, sondern die Dresche geht in eine (zumindest teilweise) berechtigte Ecke:

In der Bundesagentur für Arbeit wächst die Sorge vor einem Missbrauch des Sozialstaats: Laut „Süddeutscher Zeitung“ stocken immer mehr Selbständige ihre Einkünfte mit Hartz IV auf.

Quelle: Spiegel. Bevor man alle über einen Kamm schert, muss man diejenigen Bezieher herausrechnen, die mittels der Selbstständigkeit versuchen aus dem Hartz-IV Bezug auszubrechen. Dass diese (wenn ich es recht entsinne) ein halbes Jahr von der Gesellschaft stabilisierend gefördert werden: Stehe ich hinter. Wenn diese Menschen dadurch den Absprung schaffen – gut gemacht.

Wenn ich aber lese:

Demnach tauchen in den Jobcentern sogar Firmeninhaber mit mehreren Mitarbeitern auf und beantragen Hartz IV – teils mit Erfolg.

platzt mir der Kamm. Denn es ist doch wohl davon auszugehen, dass dann entweder auch die Mitarbeiter nur einen Hungerlohn beziehen und aufgestockt werden müssen, oder der Betreiber des Unternehmens ist ein betrügerischer …..

Denn abgesehen davon, dass diese Aasgeier den Staat durch teilweise gefälschte/“geschönte“ Bilanzen betrügen, darf man wohl auch davon ausgehen, dass sie zu Dumpingpreisen versuchen bereits bestehende Gewerbe zu unterbieten und damit für eine Ausbreitung des sozialen Ungleichgewichts verantwortlich sind.

Und von den Steuerbetrügern auf Vorstandsposten will ich gar nicht reden. Verdammt, wieso lassen wir ehrliche Menschen uns soviel von den Schmarotzern der Gesellschaft gefallen?

12 Gedanken zu „Die wahren Schmarotzer: Selbstständige, die direkt oder indirekt HARTZ IV beziehen

    • @Stefan G.:

      Wer mit seiner Selbstständigkeit – wenn er keine Buchhaltungstricks etc. anwendet – kein Einkommen hat, der sollte sich vor den Spiegel stellen und sich erklären: Ich habe es versucht, aber meine Geschäftsidee ging nicht auf. Daraufhin sollte man sich wieder einen Job suchen und Geld verdienen.

      Das ist keine Schande und mir auch schon passiert 🙂

      Für den Fall, dass „mal am Ende des Monats“ keine liquiden Mittel da sind, hat der anständige Kaufmann Rücklagen. Sind diese aufgebraucht …… Manchmal muss man sich auch eingestehen können, wenn ein Projekt tot ist.

  1. „Daraufhin sollte man sich wieder einen Job suchen und Geld verdienen. “

    Was ja bekanntlich ein Kinderspiel ist, bei so einer Arbeitsstellenschwemme. Wohl eher würde er sich dann als Alternative wieder arbeitslos melden. Und als arbeitsloser wäre er dann auch wieder so ein Schmarotzer, am besten er und Millionen anderer Schmarotzer lösen sich endlich in Luft auf. Oder wie jetzt?

    • @stardust:

      Wenn man etwas kann – eine anständige Ausbildung und/oder Begabung hat – kann man mit Glück und Mühe einen Job bekommen.

      Ohne Begabung/Ausbildung wird das mit der Selbstständigkeit ja eh nix.

      Das Problem sind die Selbständigen/Arbeitgeber, die sich (und ihre eventuellem Angestellten) unter Preis verkaufen um überhaupt ein Einkommen zu erzielen. Denn mit genau diesem Vorgehen wird der Markt kaputt gemacht.

      Als Entree sich vom Arbeitsamt helfen zu lassen, dagegen sollte nichts einzuwenden sein. Aller Anfang ist schwer. Diese Art der Kostendeckung sollte aber nicht der Standard sein. Ich kenne „Selbstständige“ die sehr gut davon leben, dass ihre Angestellten von Hartz-IV leben und sie den dicken Reibach machen.

      Aber: Man darf nicht alle über einen Kamm scheren!

  2. „Das Problem sind die Selbständigen/Arbeitgeber …“

    Schon klar welche Konsorten Du meinst, aber jene werden im Spiegel sicher keine Erwähnung dieser Art finden!

    Muss der Typ selbst Hartz4 beantragen, dann gehört er nicht zu jener relevanten Verdienst und Ausbeutergruppe die Du mit Recht in Zweifel ziehst. Um das zu erkennen braucht man den Artikel nicht mal zu Lesen, allein die Quelle reicht völlig aus um das zu Wissen!

    Unterhalten wir uns doch lieber in diesem Zusammenhang über die echten Schmarotzer von dehnen mit solchen Artikeln abgelenkt werden soll, jene die von leistungslosem Einkommen Leben und damit mein ich nicht die Systemopfer Hartz4, sondern von den Beziehern von Zins und Zinseszins-, sowie Spekulations Einkünften, den Gewinnern dieses Ausbeutungssystems. Statt uns von dehren Propagandamedien gegeneinander aufhetzen zu lassen.

  3. Ich zitiere mal von den Nachdenkseiten heute zu dem Thema:

    „Anmerkung Jens Berger: Da dürfen wir ja mal gespannt sein, ob die „verschärften Einkommensstichproben“ der BA auch ihren Weg in die Steuergesetzgebung finden. In der Tat gibt es auch sehr viele sehr gut verdienende Selbstständige, die sich vor der Steuer „arm rechnen“. Wer allerdings die schikanöse Behandlung der BA kennt, wird nicht kaum glauben, dass er sonderlich viele Selbstständige gibt, die so viel Masochismus auf sich nehmen. Der Artikel der SZ und der Kommentar der BA klingen viel mehr nach: Es kann nicht sein, was nicht sein darf.
    Es gibt nämlich sehr viele Selbstständige, bei denen das Einkommen nicht zum Überleben reicht und die Hartz IV in Anspruch nehmen müssen. So lange die Medien sich aber mit ihrem „Aufschwung XXL“ selbst etwas vormachen, ist es auch nicht verwunderlich, dass sie den Kahlschlag im sozialen Wald vor lauter Baumstümpfen nicht sehen. Alleine in Berlin gibt es rund 1.500 freie Journalisten, die auf Hartz-IV-Aufstocker angewiesen sind und auch viele Künstler, wie Schauspieler oder Musiker, werden oft nur projektbezogen verpflichtet und gelten als Freiberufler und somit laut BA zu den Selbstständigen. Die Zahl von 118.000 ist also keinesfalls unglaubwürdig – im Gegenteil, es kann davon ausgegangen werden, dass die Dunkelziffer noch wesentlich höher ist.

    Anmerkung unseres Lesers G.A.: Ich bin einer dieser vermeintlichen Selbständigen.
    Ich habe seit ein paar Jahren eine geringfügige Beschäftigung als Honorarkraft und verdiene die maximalen 100€/Monat. Vor ca. einem Jahr wurde ich von meinem zuständigen Jobcenter (vormals ARGE) von jetzt auf gleich in den Stand der Selbständigen erhoben. Ich bin nicht selbständig und habe es auch nicht vor zu werden! Aber ich bin mit Sicherheit ein Teil dieser Statistik. Bei solchen Meldungen platzt mir der Kragen!

    Anmerkung unseres Lesers H.J.: Die BA betrachtet das Phänomen mit Sorge. Da kann man sich nur fragen, ob die BA die Entwicklung in den letzten 10 Jahren vollkommen verschlafen hat.
    Hier aus einem Bericht aus “Mittelstanddirekt” vom 15.06.2010:

    Viele Kultur-Freiberufler machen sich aus Not selbständig
    Viele Kulturschaffende machten sich selbständig, wenn sie keine feste Stelle finden – die freien Kulturberufe hätten dementsprechend 2009 mit 7,8 Prozent am stärksten zugelegt.

    Diesen Zustand bezeichnet man als: “Notselbständigkeit” Schon mal gehört?
    Seit Hartz IV steigt die Zahl der Menschen in Deutschland, die keine staatlichen Sozialleistungen mehr beantragen wollen. Recherchieren Sie doch einfach einmal, wie viele Menschen in den letzten Jahren versucht haben sich als Freiberufler oder Selbständige durchzuschlagen. Die Zahl ist ständig gewachsen. Das dabei auch die Zahl derjenigen wächst, die auf der Strecke bleiben ist naheliegt.
    Zu vermuten ist auch, dass die Zahl der kleinen Selbstständigen und Freiberufler, die Hartz IV beantragen könnten, aber es nicht tun, noch viel höher ist.“

  4. Vielleicht gehört das nicht hier in das Forum was ich zusagen habe und Ihr könnt es auch gerne verschieben aber:
    Selbstständig heißt eben nun mal ständig selbst was zu schaffen!!!
    Ich will hier auch nicht den kleinen Mann/Frau verurteilen, die versuchen selbst etwas gegen ihre Arbeitslosigkeit zu unternehmen.
    Die Bösen sind die GROßEN die:
    Zum einen ihre Mitarbeiter soweit unterbezahlen um weniger Sozialleistungen in die Kassen zahlen zu müßen.
    Nur als Beispiel:
    Ich kenne eine Frau, die arbeitet als Kindermädchen (Zwillinge 1 1/2 Jahre alt) für ein Paar, sie Heilpraktikerin mit eigener gutgehender Praxis, er Bauunternehmer. Jahresverdienst zusammen ca. € 480.000. Meine Bekannte wohnt in deren Haus in einem kleinen Apartment für € 350 montl. incl. Nebenkosten. Verdient dort bei einer, laut Vertrag, 10-Std.-Woche € 400 (tatsächliche Arb-Zeit 50-60 Std.) und wird von Hartz IV aufgestockt mit knapp € 400. Meine Bekannte hat jetzt nach einer Lohnerhöhung gefragt, diese wurde abgelehnt, weil der Herr des Hauses der Ansicht ist, das sie zusammen mit Hartz IV ja genug Geld bekommen würde und wenn man dann noch die Sozialabgaben und Steuern hochrechnen würde, meine Bekannte auf etwa € 1800 Brutto kommen würde.
    Da frage ich mich doch…wer ist hier der wirkliche Sozialschmarotzer!

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