Auch auf hoher See geht es nur um Geld

Während es gestern noch hiess (wobei diese Angaben vom Hamburger Schiffsfinanzierers MPC stammen):

Der Kapitän hatte fast alles richtig gemacht: Er steuerte den Tanker „Longchamp“ im Konvoi durch den Golf von Aden. Er hatte zuvor den Suez-Kanal durchquert und extra einen Tag gewartet, um sich den anderen Schiffen anschließen zu können.

liesst es sich heute so:

Dieser Darstellung widerspricht ein Sprecher der zuständigen EU-Mission „Atalanta“ allerdings heftig. Die „Longchamp“ sei als „Einzelfahrer“ am Rande des Transitkorridors unterwegs gewesen und habe den Konvoi nicht abgewartet, hieß es aus dem Hauptquartier der Operation im britischen Northwood.

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Ähnliches geht auch aus Informationen der Bundeswehr hervor. Ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam sagte dem „Hamburger Abendblatt“, die „Longchamp“ habe nicht auf ihren „group transit“, den Konvoi, gewartet. Eine Stellungnahme des Eigners gibt es dazu bislang nicht.

Die EU bestätigte die Darstellung eines Bundeswehrsprechers vom Vortag, wonach das Schiff es versäumt hatte, sich bei der EU-Mission anzumelden.

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Zudem hegt die EU Zweifel an der Aufmerksamkeit der Besatzung. So werde für die Passage in den Gewässern am Horn von Afrika „dringend ein verstärkter Ausguck“ empfohlen. Die Tatsache, dass der Notruf des Schiffes erst kam, als die Piraten schon an Bord waren, „lässt darauf schließen, dass dies versäumt wurde“.

Was kann man aus den vorliegenden Informationen feststellen und interpretieren?

  1. Eine Verzögerung von 15 Stunden kann den Eigner kann SEHR viel Geld kosten
  2. Die Versicherung mag es GARNICHT, wenn Schiffe – an Gefahrenstellen an denen Schutz zur Verfügung steht – ungeschützt unterwegs sind
  3. Schiffsbesatzungen scheinen Gefahren zu unterschätzen (vielleicht ist das Schiff auch „nur“ unterbesetzt…)

Aber das Lösegeld wird gezahlt werden – entweder zahlt es eine Versicherung, oder die Anleger des Schiffsfinanzierers knabbern an der Rendite. MPC kennt das ja

So nahm das zu den deutschen Marktführern zählende Haus MPC seinen Fonds MPC Offen Flotte 2 vom Markt, weil für die drei dort enthalten- den Zubringerfrachter mit Kapazitäten von je gut 1800 Standardcontainern (TEU) Ende 2009/An- fang 2010 die notwendigen Charterraten nicht zu erreichen gewesen wären.

(Datum 8./9. November 2008 – Quelle Hamburger Abendblatt über EFOND –  PDF) Also stehen auch im Schiffbusiness die Zeichen für Anleger schlecht. Man versucht zwar die Erträge zu maximieren (inklusive des Risikos von Piraten gekapert zu werden), aber am Ende wird es teuer.

Wie heisst es nochmal so schön: Für Abkürzungen haben wir keine Zeit ….

ich – Ich – ICH …… nee doch nicht

Der Fall Mitarbeiterüberwachung bei der Deutschan Bahn AG und das Verhältnis den Chefs Mehdorn bringen noch einen ganz anderen Aspekt ans Licht.

Bei einem „Managertraining“ wurde mir beigebracht, dass die einzig richtige Antwort auf die Frage „Warum wird das so gemacht, wie SIE es wollen“ lautet:“Weil ich die Verantwortung dafür zu tragen habe“. Dieser Satz hat sich bei mir eingeprägt, weil er eine der wenigen Antworten ist, die jedweder Diskussion aus dem Wege gehen.

Auch lassen sich Vorgesetzte ja nur allzu gern feiern, für all ihre überragenden Fähigkeiten, durch welche sie in den Genuss der leistungsbezogenen (Oh Gott, wie sehr ich dieses Wort liebe) Gehälter kommen. Wenn aber dann irgendwas schief läuft, die Kacke am dampfen ist oder der gesellschaftliche Unmut dem Unternehmen/dem Manager entgegenschlägt, dann gibt es da auch nur eine richtige Antwort:

Bahnchef Hartmut Mehdorn hat nach eigenen Angaben nichts von der stillschweigenden Überprüfung von 173.000 Mitarbeitern der Deutschen Bahn durch die Detektei Networks Deutschland GmbH gewusst. „Ich persönlich wusste das nicht“, sagte Mehdorn in Berlin.

(Quelle Tagesschau). Das ist so ungefähr, wie man es (ich kenne es nur als Gag) von den Eltern kennt: DEIN Kind hat die Vase umgeschmissen – MEIN Kind hat gute Zensuren. Sorry Herr Mehrdorn, SIE sind der Chef – SIE tragen die Verantwortung. Frage an diejenigen in leitenden Positionen: Was gehört zwingend zu dem deligieren? Nanananananana? Genau: Kontrolle! Und das hat nichts mit Misstrauen zu tun, eher mit „Cover your ass“.

Die Älteren unter euch kennen vielleicht noch Peggy March, die 1973 folgende Zeilen sang:

Und dann will es keiner gewesen sein
und keiner hat’s geseh’n.
Ja
dann will es keiner gewesen sein
und keiner will’s gesteh’n.

Der Beweis: Bahnmanager Mehdorn schwebt in hoeheren Sphaeren

In der Affäre um die Überprüfung der Daten zehntausender Mitarbeiter der Deutschen Bahn hat der Konzern die Staatsanwaltschaft Berlin eingeschaltet. Bahn-Chef Hartmut Mehdorn sagte in Berlin, er erhoffe sich davon „eine Versachlichung der Debatte und eine Besinnung auf die Fakten“. Derzeit seien viele „Diskussionsbeiträge durch eine unverantwortliche Skandalisierung geprägt“. Dem solle durch das Einschalten der Staatsanwaltschaft „der Boden entzogen“ werden.

beginnt die Tagesschau einen Bericht über den S-K-A-N-D-A-L (ÜBERWACHUNGSSKANDAL!!) bei der Bahn. Wie weit weg vom Boden der rechtstaatlichen Grundordnung muss ein Mann sein – wie wenig Restanstand mag sein Denken, Handeln und Entscheiden beeinflussen, wenn er so vehement die skandalträchtigkeit der Vorgänge innerhalb der Bahn bestreitet. Wenn die Bahn AG 173.000 ihrer rund 240.000 Mitarbeiter überwachen lässt. Hat die Stasi eine ähnliche Durchdringung realisieren können? Aber Mehdron – in seiner ureigenen Welsicht führt weiter aus:

Der Datenabgleich sei nach Ansicht der Bahn rechtlich nicht zu beanstanden, bekräftigte Mehdorn. Dies sei Praxis in vielen Unternehmen und werde von Wirtschaftsprüfern und Staatsanwälten ausdrücklich empfohlen.

Was Mehdorn aber vergisst (und ein Staatsanwalt wird dieses kleine aber wichtige Detail gewiss nicht unter den Tisch fallen lassen) ist, dass der Betriebsrat diesem zustimmen muss und das überwachte Mitarbeiter über diese Überwachung informiert werden müssen. All das weiss der Mehdorn nicht? Dann ist er zu dumm um diese, seine Position zu besetzen. Oder aber er spricht wissentlich nur Halbe Wahrheiten aus – das ist manipulativ und andere sollen beurteilen, ob es eine Lüge ist.

Laut FAZ nötigte Mehdorn durch diese Aussagen auch den Kommentar anderer Unternehmer:

Andere große deutsche Konzerne verwahrten sich am Freitag gegen den Eindruck, das Vorgehen der Bahn sei gängige Praxis.

Hat der eigentlich noch echte Freunde, oder braucht der so viel gehalt, weil er sich auch seine Freunde kaufen muss?