Es kann eine politische Zukunft in Deutschland geben

Als ich folgende Zeilen beim Spiegel las, überkam mich ein warmer Schauer der Hoffnung:

Nach tagelangen blutigen Protesten in Tunesien hat Präsident Ben Ali die Regierung aufgelöst. Das gab das Staatsfernsehen bekannt. In der Hauptstadt Tunis demonstrieren Tausende gegen Ben Alis Herrschaft – jetzt steht das Land vor Neuwahlen.

Das nordafrikanische Land wird seit Wochen von gewaltsamen Massendemonstrationen erschüttert. Die offizielle Zahl der Toten wird auf 23 beziffert, die Opposition spricht von dreimal so vielen Todesopfern der Proteste. Viele, vor allem junge Menschen lehnen sich gegen die miserable wirtschaftliche Lage ihres Landes, teure Lebensmittel und Arbeitslosigkeit auf.

Ja, da müsste man nur mal den Arsch hochbekommen, auf die Strasse gehen und sich gegen die selbstgefälligen, asozialen „Eliten“ in Deutschland auflehnen.

Aber drei Dinge sprechen – nach näherer Betrachtung der Umstände – gegen eine erfolgreiche Wandlung der Lage in Deutschland:

  1. Dafür müsste man den Arsch aus dem Sofa lupfen
  2. Es ist egal ob wir Rot-Grün-Gelb-Schwarz oder lila wählen, alle derzeitig präsenten Parteien sind gekauft
  3. Das Betreten des Rasens ist verboten.

8 Gedanken zu „Es kann eine politische Zukunft in Deutschland geben

  1. Du übertreibst. Was in Tunesien abgeht ist für uns weder erstrebenswert, noch mit uns vergleichbar. Wenn Du Dich politischen Utopien hingeben willst, schau mal nach Island. Der neue Bürgermeister von Reykjavik hat u.a. in der Wahl versprochen, freie Handtücher in städtischen Bädern, keine versteckte Korruption mehr, sondern nur noch offene. Keine Drogen mehr im Parlament und last but not least, dass er alle Wahlversprechen doch brechen würde. Die Isländer hatten so die Nase voll, dass sie den gewählt haben. Ansonsten wird in Island grad an einer neuen Verfassung gebastelt. Bedingung für die Mitarbeit: Keine Mitgliedschaft in irgendeiner Partei. Keine Politiker. Ich glaube, dort würde es Dir gefallen. Mußt Dich beeilen, bevor auch die Piraten als Partei wahrgenommen werden …

  2. ich füge mal zu den Punkten, die dagegen sprechen hinzu:

    es interessiert keine Sau (zumindestens in meinem Umfeld und in meinem Alter [~20])! Mittlerweile gehen mir sämtliche Komillitonen und Freunde in politischen Themen aus dem Weg 🙁

  3. Also hier in Stuttgart gehen jeden Montag zwischen tausenden und hunderttausenden auf die Straße. Konsequenz der Politiker? Nada. Von personellen Konsequenzen oder Regierungsauflösung keine Spur. Dazu bedürfte es sowas wie Ehrgefühl oder einfach nur cojones, aber das kannste bei der deutschen Politikelite lange suchen.

    • @daMax:

      Die deutsche Politik-Wirtschaft (oder war es Wirtschaftspolitik?) hat sich seit langer Zeit vorbereitet und bereitet sich weiter vor. Die Medien spielen runter, die Wasserwerfer zerstreuen die Massen. Und der Rest des Volkes ist vom „Valium für die Massen“ betäubt.

  4. @reizzentrum

    Ich hab Deinen Post mit großer Zustimmung gelesen.
    Mir ist auch klar, dass Du übertreibst bzw. zuspitzt.

    Dennoch sehe ich die Entwicklung in Tunesien als Ausgangspunkt einer notwendigen (und sicherlich auch interessanten) Diskussion über die Frage „Was wäre in Deutschland nötig (und möglich), um auch hier solche Ergebnisse zu erzielen?“

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