Kleidungsdiscounter KiK definiert „sozial gerechtfertigte Kündigung“

Wer sich einmal mit dem Kündigungsschutz auseinander setzen musste (oder dies freiwillig tat), weiss dass (betriebsbedingte) Kündigungen sozial gerechtfertigt sein müssen.  Das Stichwort heisst Sozialauswahl und wird bei Wikipedia wie folgt beschrieben:

Die Sozialauswahl ist ein Begriff aus dem deutschen Arbeitsrecht. Nach § 1 Abs. 3 KSchG ist eine Kündigung auch dann sozialwidrig und damit unwirksam, wenn zwar dringende betriebliche Gründe für eine Kündigung vorliegen, der Arbeitgeber aber bei der Auswahl der zu entlassenden Arbeitnehmer soziale Gesichtspunkte nicht oder nicht ausreichend berücksichtigt hat. Die Notwendigkeit, eine Sozialauswahl vorzunehmen, setzt also in der Regel die Anwendbarkeit des Kündigungsschutzgesetzes voraus und ist nur bei betriebsbedingten Kündigungen erforderlich.

Auch hilft uns Wikipedia, welche sozialen Gesichtspunkte zum Tragen kommen:

  • Dauer der Betriebszugehörigkeit
  • Lebensalter
  • Unterhaltspflichten
  • Schwerbehindertenrecht (Deutschland)

Unterhaltspflichten, aha. Der Welt entnimmt man:

Deutschlands größter Textildiscounter KiK hat über mehrere Jahre systematisch die persönlichen Vermögensverhältnisse seiner vielen tausend Mitarbeiter ausgeforscht. Dies geschah nach Recherchen des ARD-Magazins „Panorama“ mit dem Ziel, sich von ihnen zu trennen, wenn sie in finanziellen Schwierigkeiten steckten. Guido Hagelstede, ein langjähriger KiK-Bezirksleiter, dem bis zu 15 Filialen und mehr als 100 Mitarbeiter unterstanden, schildert in „Panorama“, solche Informationen über die Bonität der KiK-Mitarbeiter seien bei der Auskunftei „Creditreform“ eingeholt worden. Er selbst, so der ehemalige Bezirksleiter, habe sich auf Anweisung von oben wegen solcher Negativauskünfte von Mitarbeitern trennen müssen oder ihre Verträge nicht verlängern dürfen.

Nun ist KiK nicht gerade dafür bekannt, seine Mitarbeiter fürstlich zu entlohnen. Wer bei seiner Bank den Dispokredit nutzt, wird nicht an der Kasse eingesetzt. Lohndumpoing wurde auch bereits 2008 gerichtlich attestiert:

Gerade mal 5,20 Euro zahlte KiK einer Verkäuferin aus Mülheim an der Ruhr. Die verklagte den Textildiscounter dafür – und bekam Recht: Nach einem Urteil des Arbeitsgerichtes Dortmund muss KiK den Stundenlohn der Teilzeit-Angestellten nun um rund drei Euro anheben. Angemessen seien mindestens 8,21 Euro, so das Gericht. Die bisherige Bezahlung der 58-Jährigen sei sittenwidrig.

Ist doch super: Wer wegen des gezahlten Hungerlohns in Schwierigkeiten kommt, fliegt raus. Besonders davon betroffen sind wahrscheinlich alleinerziehende junge Mütter. Das Kündigungsschutzgesetz soll genau DIES verhindern.

Wann wird KiK endlich dichtgemacht? Diese Art der Mitarbeiterbehandlung ist doch schon lange nicht mehr – auch nur ansatzweise – tolerabel.

11 Gedanken zu „Kleidungsdiscounter KiK definiert „sozial gerechtfertigte Kündigung“

  1. Äh … nö. Das KSchG ist nur anwendbar auf Arbeitsverhältnisse, die bereits länger als 6 Monate bestehen, und ebenfalls nicht auf das Auslaufenlassen befristeter Verträge. Nach dem SpON-Artikel sind aber insbesondere Mitarbeiter in der Probezeit und solche mit befristeten Verträgen betroffen gewesen.

    Sicher eben wegen des KSchG. Das Vorgehen von KiK war allein von der Kündigungsseite wohl überwiegend legal, wenn auch sicher nicht fair oder nett. Im Datenschutzbereich sieht das womöglich aber ganz anders aus …

    • Danke für diese Vervollständigung. Den Spiegelartikel hatte ich noch nicht im Reader, als ich den Artikel (basierend auf der Welt) schrieb.

      Dennoch ist es bezeichnend, dass sich KiK offensichtlich genau von DEN Mitarbeitern trennt, die das Einkommen am nötigsten haben. Wahrscheinlich möchte man nur noch die gelangweilten Partner von Studierten haben, die nach Mutter- oder Vaterauszeit wieder ins Berufsleben wollen.

  2. KiK züchtet sich so Ihre nächsten Kunden. Ganz einfach!

    Und der Staat schaut zu und kassiert wohlwollend mit ab. Herrlich.

    Mir fehlen grad noch drölfhundert Finger, die ich mir in den Hals stecken kann.

    Das ist doch alles nicht mehr wahr.

    Grüße.

      • Meine Güte, bist ja ganz schön auf Zinne. Okay, ich schreibe das nächste mal, „unsere Regierung und Ihre Handlanger aus der Wirtschaft“, die da abkassieren. Da zahlen einige bestimmt auch Steuern, wenn auch nicht gerecht verteilt.

        Wer und was ist denn Deiner Meinung nach der Staat ?

        Mag Deinen Blog eigentlich sehr gern und schaue gern vorbei. Aber manchmal ist mir das zu S/W.

        Und überlege vieleicht mal nicht auf jeden Kack von Welt, Spiegel, Faz und deren Freunden aufzuspringen. Dann hätte man vieleicht mal die Ruhe und Zeit, ein Thema richtig abzuhandeln.

        Mir geht es ja oft nicht anders.

        Grüße.

        • Oops, da hast Du mich ein wenig missverstanden – ob meines kurzen Kommentars. Der war nicht harsch gemeint, sondern ausschliesslich daraus resultierend, dass ich nebenbei arbeiten muss und ich schon wieder mit den Gedanken woanders war.

          Wer der Staat ist einfach zu beantworten: Der Staat sind wir Bürger. Wir wählen alle 4 Jahre eine (neue..) Regierung, welche dann unsere Interessen vertritt. Der Staat sind also die menge der Bürger, das Sagen hat die Regierung. Ungefähr auf den Punkt gebracht? 🙂

          • Okay. Liegt dann wohl am Terminus „Staat“. Ich sehe mich da nicht als „Staat“, eher als Staatsbürger der in seinem Staat nix mehr, oder immer weniger zu sagen hat.

            Soweit okay.

            Zu meinem Post:

            Mich hat nur der Artikel (den es komischer Weise nicht mehr gibt) und der Inhalt bei SPON gestört. Warum werden Mitarbeiter bei KiK gekündigt, die in sehr schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen Leben ? Das ist doch deren Kundenzielgruppe, und genau das Klientel, das als Arbeitnehmer bei diesem Unternehmen am ehesten in Frage kommt.

            Hoffe wir verstehen uns jetzt besser.

            Liebe Grüße 🙂

  3. @Andremoda
    ja, leider haben wir als einzelne Bürger immer weniger zu sagen.
    Und leider stellen sich nur wenige Leute auf die Hinterbeine und hinterfragen und wehren sich; nein, man „erduldet“ einfach zu vieles.
    Gruss, Axel

  4. Also wer sich über Kik noch aufregt tut mir nur leid. Jeder der dort das arbeiten anfängt ist meiner Meinung nach selber schuld. Jeder weis über die Zustände dort bescheid, wieso fängt man dann dort an. Die Verkäuferin unterschreibt einen Vertrag und meckert dann darüber wie Schizofren ist das denn? Hat die den Vertrag vorher nicht gelesen oder nicht kapiert?

  5. Ilka, das ist jetzt etwas unfair von dir. Ich glaube, dass jeder heutzutage froh ist, eine Beschäftigung zu haben und damit die Haushaltskasse aufbessern zu können. Da nimmt man so manche Sachen in Kauf, nur um nicht mehr von der ARGE abhängig zu sein.

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