A-Sozialstaat Deutschland drischt auf Schwache

Ein jeder soll seinen Teil dazu beitragen, wenn es dem Staat schlecht geht – oder nach Kennedy:“ Frage nicht, was dein Land für dich, sondern was du für dein Land tun kannst.“. Und die Bundeskanzlerin lässt zu dass ihr Kabinett eine Politik „treibt“ die folgendes zulässt (Quelle Spiegel):

Aus dem Referentenentwurf von Familienministerin Kristina Schröder gehe hervor, dass die schwarz-gelbe Koalition den Beziehern höherer Einkommen deutlich weniger zumute als den ärmsten Eltern. So wolle die Regierung etwa 155 Millionen Euro durch ein niedrigeres Elterngeld bei Nettoeinkommen von mehr als 1240 Euro im Monat sparen. Fast dreimal so hoch seien die Kürzungen bei den ärmeren Familien – sie summieren sich auf 440 Millionen Euro. Zur Begründung werde in dem Entwurf darauf verwiesen, dass es für erwerbsfähige Hartz-IV- Bezieher stärkere Anreize geben müsse, eine Arbeit aufzunehmen.

Stärkere Anreize eine Arbeit aufzunehmen? Warum nicht Arbeitslosengeld und Hartz-IV ganz streichen? Wie menschenverachtend kann man Politik eigentlich noch machen? Und während das asozial-Ministerium der Frau Dr Kristina Schröder solche widerlichen Ideen ausheckt, twittert sie von Ihrem Arbeitstag:

Ja, da war ich, Redaktionsbesuch bei der Brigitte.

Fahre gerade von Ba-Wü-Tour nach Hause nach Wiesbaden. Am Titisee eine Kita eingeweiht, Auftritte in Villingen-Schwenningen und Rottweil.

Habe gerade Bürgersprechstunde in Wiesbaden-Nordenstadt veranstaltet. Themen: Gesundheitsreform, FSJ, Sanierung einer Jugendherberge, Demenz

Gerade in Brandenburg eine Kita besucht, in der 2 männliche Erzieher arbeiten.Will Projekt starten, um mehr Männer als Erzieher zu gewinnen.

Da fragt man sich doch: „Ist das gerecht gegenüber denen, die arbeiten?“ Mit dieser Rundreise- und Besichtigungstätigkeit erwirbt Dr Kristina Schröder eine staatliche, lebenslange Alimentierung Rente, die ein vielfaches des Hartz-IV Anspruches einer 4 köpfigen Familie ausmacht. „Ist das gerecht gegenüber denen, die arbeiten?

Und wir füttern diese „Arbeitenden“ durch – mit unseren Steuergeldern.

11 Gedanken zu „A-Sozialstaat Deutschland drischt auf Schwache

  1. „Zur Begründung werde in dem Entwurf darauf verwiesen, dass es für erwerbsfähige Hartz-IV- Bezieher stärkere Anreize geben müsse, eine Arbeit aufzunehmen.“

    Das Argument ist so geil abgeleiert… Anreize steigern. Das könnte man ultimativ zu Zwangsarbeit (bei 4Mio arbeitslosen und ein paar 100tausend offenen Stellen) zuspitzen. Die Richtung steht ja schon mit 1-Euro Jobs und „Bürgerarbeit“ und was ist mehr Anreiz als Arbeitslager?

    Was ich nicht schnalle… wie stellen die sich das vor. Sind doch alles so wirtschaftlich denkende Menschen, oder?
    Als ich vor kurzem den kracher mit 1 Euro Stundenlohn in der Reinigungsbranche hörte (natürlich ein Extrembeispiel) fragte ich mich wozu man das machen soll. Für 1 Euro sammel ich Flaschen, da kommt mehr bei raus und ich muß mich nicht verarschen lassen.
    Die Strassen sind voll von Flaschensammlern, das sind hier in Harburg inzwischen oftmals eindeutig Rentner, die ziemlich geplant mit Taschenlampen durch die Mülleimer forschen und ihre Rente aufstocken.
    Und für die die noch Saft und kraft in den Knochen haben bleibt doch auch die Frage… wozu noch Krumm machen, wenn du kaum durchkommst und der Arsch der Nation bist. Da ist doch der Grenzwert Omas Handtaschen zu klauen, Drogen zu dealen oder nen Bruch zu machen deutlich höher, man lernt ja auch von den ganz grossen wie Middelhof, Zumwinkel und Co daß ein grosser krimineller Coup die Sorgen der ZUkungt mildert. Genau diese Logik habe ich jetzt schon mehrfach in HipHop Texten deutscher Prolo-Kapellen wahrgenommen. Dafür braucht man auch nicht lange nachzudenken … die Sache mit dem „Anreize schaffen“ hat ihre Grenzen, da Einzelpersonen und Familien eben keine Unternehmen sind die einfach Insolvenz anmelden wenn die Kasse leer ist. Noch weiter an der Polizei zu sparen wird bei der Politik also irgendwann böse enden.

  2. „Anreize schaffen“ ist an Zynismus und Menschenverachtung kaum mehr zu überbieten.
    Aber so funktioniert unser System: Es gibt immer weniger Menschen, die arbeiten, dafür aber härter ran müssen, sich nicht mehr trauen aufzumucken oder auch krank zu feiern, weil sonst der Abrutsch in HartzIV folgen könnte.
    Das deutsche Privatfernsehen mit seinen nachmittäglichen Sendungen wird nicht müde, HartzIVler zu zeigen, denen es offenbar nicht schlecht geht, und die sich von den Restarbeitnehmern durchfüttern lassen.
    Das schürt den Hass in die Richtung, und so werden Sprüche wie „Anreize schaffen“ für gerecht empfunden.

    Dabei geht das Problem nicht erst bei „Arbeit für alle“ los, sondern vielmehr bei der Definition von Arbeit als einzig erstrebenswerteste Lebenserfüllung. Das ist aber ein anderes Thema.

  3. Pingback: Reizzentrum - Die alleingelassenen Minister der “Generation Springer”

  4. Jeder der hier meckert sollte nicht fragen, was das Land für ihn tun soll (mit welcher Begründung?), sondern was er selbst für sich tun kann. Pflaschensammler wird man in der Regel nicht, wenn man im Leben das Meiste richtig gemacht hat.

  5. @unglaublich:

    Verzeih wenn ich genau DAS schreibe was ich denke wenn ich deine Zeilen lese:

    Wie ignorant kann ein Mensch nur sein, um all diejenigen auszubelnden die nicht in sein neoliberales Weltbild passen. Kranke, Menschen die aufgrund von Pech oder Unglück eher keinen als einen schlechten Start ins Berufsleben hatten.

    Eine Friseurin, die 3 Euro Brutto(!) verdient hat bitte was falsch gemacht? Den falschen Beruf gewählt? Oder im falschen Bundesland (Sachsen) wohnend?

    Komme mal heraus aus deinem unglaublichen Marmorpalast und spreche mit den MENSCHEN die nicht das Glück hatten im Westviertel geboren zu sein.

    Ich komme besser klar als mit Flaschen sammeln. Aber ich habe im Bekanntenkreis ein paar Personen die wahrlich das meiste richtig machten und dennoch zu dem Personenkreis gehören über welche die Medien, Politiker und nicht zuletzt Menschen wie Du herziehen. Wenn man sich aber mal Zeit nimmt, zuhört (und diese Menschen auch auf ihrem Lebensweg begleitet), wird man feststellen, dass es die Gesellschaft ist, welche die Schuld trägt. Das System hat sich überlebt. Natürlich nicht für diejenigen die sich als Schmarotzer aus dem Elend der Armen ihren Wohlstand herauspressen.

    Weisst Du, was die Ursache für die französische Revolution war?

  6. Zunächst ein Mal ist „Neoliberalismus“ im Vergleich zum „Klassischen Liberalismus“ viel ordnungspolitischer. Aber ich geh mal davon aus, dass dieses Wort hier als „Kampfbegriff“ gilt, fern einer scharfen Definition.

    Ich ziehe nicht über Menschen her, die es „schwer haben“. Es ist auch nicht Dein Privileg, Menschen zu kennen, die es schwer haben. Da kennt wohl jeder genug und ich auch, vil. zähl ich auch selbst dazu.

    Ich kritisiere eben die Menschen, die einen Schuldigen für ihr schweres Leben oder Versagen suchen. Dumme schieben den Staat und dem Kapital die Schuld in die Schuhe, die noch Dümmeren den Ausländern. Schlaue schauen, was sie selbst verändern können, was sie anders machen können. Im Kontrast zu den „Schuld bei anderen“- Suchern kenne ich auch viele, der von Dir als „Arme“ denunzierten, die sich nicht im Mitleid für sich selbst und im Hass auf die Welt ergießen.
    Ich will Dir keine bösen Absichten unterstellen, eher noch, dass Du die Welt wirklich verbessern willst. Ich habe lediglich eine andere Meinung.

    Da es ja persönlich wurde: Ich habe keinen Mamorpalast und ich weiß nicht, was das Westviertel ist, da ich scheinbar aus einer anderen Stadt als Du komme.

    Die französische Revolution war ein, wenn auch leider gewalttätiger, liberaler, bürgerlicher Meilenstein.

  7. @unglaublich:

    Auch wenn „Kiel Economics“ herausfindet, dass wir 2014 „nur“ noch 4,5% Arbeitslosenquote haben werden(und dies dann Vollbeschäftigung nennen…), so sind das genügend Schicksale, die den Gürtel ENGSTENS schnallen müssen, obschon es genügend „besser Verdienende“ gibt, die bereit wären einen Teil der finanziellen Last zusätzlich auf ihre Schultern zu nehmen.

    Ein guter Freund von mir hat sich – als „abgebrochener Hauptschüler“ – die ersten Jahre seines Lebens als Dachdecker und gerüstbauer durchgeschlagen. Das sind mit die härtesten Jobs, die man so finden konnte. Aber er war stark und gesund. Heute ist er schwach und krank. Rücken, Schulrter, Knie – alles nicht mehr belastbar. Der Mann wird jetzt 50 und hat keine Vorbildung, die es ihm ermöglichen würde ins Büro zu wechseln. Selbst Pförtnerposten gehen an Personen die jünger oder körperlich unverbrauchter sind. Er versucht(e) alles, nach ca. 5 Jahren intensivster Suche hat er die Hoffnung weitgehend aufgegeben. Auch er wird von der derzeitigen Politik ausgehungert. Was war sein fehler? Das seine Mutter starb, als er in der neunten Klasse war und sein Vater ihn verprügelte und er daraufhin die Schule abbrach und versuchte sich irgendwie durchzuschlagen?

    Es ist so einfach den Menschen zuzurufen: Wenn Du nur willst, dann kannst Du auch. Es ist ungleich schwerer diesen Menschen eine Perspektive zu geben.

    Ich glaube Du hast nie 1-Euro-Jobber WIRKLICH kennen gelernt. Du siehst sie auf der Strasse und liest die Kommentare in der WELT. Das ist aber nicht das wirkliche Leben. Da ist viel mehr!

  8. @unglaublich
    „Jeder der hier meckert sollte nicht fragen, was das Land für ihn tun soll (mit welcher Begründung?), sondern was er selbst für sich tun kann. Pflaschensammler wird man in der Regel nicht, wenn man im Leben das Meiste richtig gemacht hat. “

    Lies erstmal richtig… ich sprach klar von Leuten die schon durch das soziale Raster gefallen sind, oder nach deinem Gusto „nicht alles richtig gemacht haben“… wie gut daß du so ein perfekter Deutscher Abziehbildbürger auf dem „richtigen“ Pfad bist, was?
    Vor allem erzähl das mal den Rentnern, die dieses Land mit wiederaufgebaut haben und jetzt in Müllcontainern wühlen dürfen…. was für Versager und Falschmacher. Die könnten sich bei Leistungsträgern wie Middelhof mal ne Scheibe abschneiden, das faule Geschmeiss.

    Aber sich über andere ereifern und Pflaschen schreiben hat schon was. Ride on!

  9. @Karim:

    Nun, Du kennst mich nicht und ich bin garantiert kein Abziehbilddeutscher/-europäer/-weltbürger.
    Ich sage eher, dass ich nonkonformistisch bin.
    Ich sage aber auch, dass jeder Mensch sich selbst die Perspektive geben muss. Es kann nicht sein, dass selbst für die Perspektive schon ein Anderer herangezogen werden soll.

    Mein Weg als „Nichtabziehbild“ war sehr verschlungen und ich hoffe, dass er es auch bleibt.

    @reizzentrum:

    Ich will keine Einzelfalldiskussion. Ich denke, wir könnten eine gefühlte Unendlichkeit einen Einzelfall passend zu Deiner Meinung und dann wieder Einen zu Meiner aneinanderreihen.

    Wenn man aber in 30 Jahren nie auf die Idee gekommen ist, dass man sich weiterbilden sollte und evtl. seinen Schulabschluss nachollen könnte, dann ist das schon sehr sehr komisch. Bizarr wird es dann aber, wenn man solche Fälle benutzt um die Gesellschaft an den Pranger zu stellen.

    Möglichkeiten sich zu entwickeln gibt es viele. Innerhalb des Berufes, auch ohne Abitur oder nebenberuflich an Fachhochschulen und Universitäten, Schulabschlüsse auf dem zweiten Bildungsweg, Selbstständig- und Freiberuflichkeit, Meisterschulen, Techniker und so weiter.

    Leute, ich kenne genug, die vom einfachen Hauptschulabschluss über eine KFZ-Lehre an die Technikerschule und sogar an die FH gekommen sind. In meinem Semester studiert Jemand mit mir, der eigentlich vollberufstätig ist. Andere wechselten über Abendschulen vom Handwerk in die Pädagogik. Ein anderer Kollege sieht sich als Künstler und Fotograf und macht sein Ding.
    Über diese Leute sollte mehr gesprochen werden, anstatt über Beispiele, die einem zur Lethargie verdammen.

    Niemanden kann man da in eine Richtung zwingen. Aber zu wissen, was man will, das kann man von jedem Bürger erwarten, auch wenn dieser Wille sich wechseln darf.

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