Maul halten und wegziehen!

Es ist immer wieder das gleiche. Egal ob es die Bewohner in Flughafennähe sind, die sich über Fluglärm beschweren. Ob es der Stadtmensch ist, der aufs Land zieht und gegen den hahn klagt, weil der Morgens kräht, oder eben die Bewohner des Wohnprojekt Max-B. sind, die in unmittelbarer Nähe der Bahngleise wohnen.

Alle haben gemeinsam, dass sie erst die günstigen Miet- oder Kaufobjekte suchen und dann anschliessend nörgeln, dass die Wohnqualität aber doch suboptimal ist. Über das Wohnprojekt Max-B.wird in der Hamburger Morgenpost gerade berichtet. Lokale Medien brauchen ja lokale Themen:

Wie Helena geht es vielen Anwohnern im Wohnprojekt Max-B. an der Max-Brauer-Allee im Stadtteil Altona-Nord. Der Lärm der anliegenden Bahnstrecke nervt sie, obwohl jede Wohnung Lärmschutzfenster hat. Das Rattern und Quietschen der Züge dringt trotzdem in die Küchen und Schlafzimmer. „Manchmal reißen uns die Züge nachts aus dem Schlaf“, sagt Helenas Vater Martin Düllmann (39). Die Fenster bleiben bei den Düllmanns daher immer geschlossen, auch wenn es im Sommer drückend heiß in der Wohnung wird.

Ich bin etwas älter als Martin Düllmann, und ich bin als Jugendlicher des öfteren in der Gegend gewesen und kenne die Brücke und die Wohngegend. Schon vor 30 Jahren war das eine der „Ecken“ wo man als normaler Wohnraumsuchender sagt:“ DA ziehe ich nie ein, das ist GANZ sicher zu laut“. Wer die Gegend nicht kennt, wird sich spätestens bei der Wohnraumbesichtigung zügig verabschieden, da er die vorbeifahrenden Züge GANZ sicher hört. Wer allerdings unkritisch und vorschnell bei billigem Wohnraum: „Schatz, überlege mal was wir da an Miete sparen, da können wir ZWEImal im Jahr nach Spanien fliegen“ gierig wird, muss halt mit den Konsequenzen leben.

Schön finde ich den Kommentar eines Bahnsprechers in der Folgeausgabe der Morgenpost:

Der Bahnsprecher kann die Aufregung der Anwohner nicht verstehen: „Die Menschen haben doch schon beim Einzug 2006 gewusst, dass sie neben eine Bahnstrecke ziehen.“

Und recht hat der Mann! Ich habe eine Wohnung gesucht – und mich dann doch entschieden mit meiner Prinzessin in der bisherigen Wohnung zu bleiben. Es gab zwei Kernpunkte auf die ich achtete: Die Wohnunh MUSS eine Badewanne haben (meine prinzessin badet doch so gern) und sie darf keinesfalls in einer „lauten“ Ecke sein. Ich habe zweimal in meinem Leben in billigerem Wohnraum an Haupverkehrsstrassen gewohnt, aber diese Strassen waren vor mir da.

Der Mieterverein Hamburg stellt das Wohnprojekt wie folgt vor:

Heute ist das Projekt Realität. Im September 2006 ist Ingrid L. in ihre 60 Quadratmeter große „Traumwohnung“ eingezogen. „Arbeiten, Wohnen, Kultur und Kinderbetreuung sind in dem Projekt Max-B eng miteinander verbunden, außerdem ist im Hinterhof eine kleine grüne Oase entstanden“, erklärt die Architektin Iris Neitmann das Vorhaben mit einem Investitionsvolumen von 17,5 Millionen Euro. Frau L., die im Parterre wohnt, hat die „Oase“, die langsam Gestalt annimmt, direkt vor den Augen und fühlt sich „ausgesprochen wohl“ in der acht Parteien umfassenden Hausgemeinschaft im Alter von drei bis 70 Jahren – darunter sieben Kinder. Ihre Nachbarn im Haus 233 arbeiten als Lehrer, Grafik-Designer oder Architekten. Besonders gut gefallen hat der Seniorin, dass alle späteren Bewohner in jeden Planungsschritt eingebunden waren: „Das Grundkonzept stammt zwar von unserer Architektin, wir konnten aber über alles mitentscheiden – von der Farbe für die Außenfassade bis zur Gestaltung des Gartenkomplexes.“ Heute leben an der Max-Brauer-Allee 231 – 247 in neun Häusern 225 Bewohner jeden Alters.

Naja, wenn dort „Lehrer, Grafik-Designer oder Architekten“ wohnen erklärt das ja so manches.Es gibt auch Stimmen, die sich gegen den Zuzug von zuviel „Mehrverdienern“ in Bereich Altona und SternSCHANZE wehren, denn genau DIESE Klientel ist es, die den ehemaligen schönen Multikulti-Bereich zu einer Schicki-Micki Zone machen.

Das BKA pressemitteilt sich aus dem Debakel (Versuch 1)

Wie ich hier beschrieb (und die Frankfurter zitierte), hat das BKA massiv auf Daten der Telekom zugegriffen. Sowas lässt das BKA natürlich ungern auf sich sitzen und hat nun per Pressemitteilung versucht zu erklären, was nach dem September 2001 da passierte.

1. Die Rasterfahndungsmaßnahmen im Nachgang der Terroranschläge vom 11.September 2001 wurden auf der Grundlage der jeweiligen landesgesetzlichen Regelungen in den Ländern durchgeführt. Das BKA war seinerzeit lediglich beauftragt, in seiner Funktion als Zentralstelle der Polizeien des Bundes und der Länder (§ 2 BKAG) unterstützend tätig zu werden. Das BKA selbst hat keine Rasterfahndung durchgeführt.

Liest sich so: „Wir selbst sind gar nicht schuld – wir haben nur geholfen.“

2. Das BKA hat bei seiner im Jahre 2001 aus Gründen der Gefahrenabwehr an die Deutsche Telekom AG gerichtete Anfrage folgende Kriterien zugrunde gelegt: Männliches Geschlecht, Alter 18-40 Jahre. Zu berücksichtigen waren Datenbestände ab dem 01.10.1996.

Achso, nur alle 18-40 Jahre alten männlichen Bewohner der Bundesrepublik. DAS ist natürlich ein sehr überschaubarer Personenkreis. Höchstens 10 Millionen Personen deren Datensätze da zur Verfügung gestellt wurden. Von einer Rasterfahndung kann da natürlich KEINE Rede sein!

3. In Anbetracht des Umstandes, dass die Daten bereits im Jahre 2003 gelöscht wurden, liegen beim BKA keine Informationen mehr zum Umfang der damals von der Deutschen Telekom AG mitgeteilten Daten vor.

Wir haben auch nirgendwo dokumentiert was da eigentlich passierte – auch haben wir keine Unterlagen aus denen man Informationen über den Umfang des Datenaustausches recherchieren könnte. Sprich: „*Zungerausstreck* April-April“

4. Eine Benachrichtigung der Betroffenen ist nicht erfolgt, da es seinerzeit keinen Datenabgleich gegeben hat. Im Übrigen hätte die Pflicht zur Benachrichtigung nach Bundesdatenschutzgesetz beim betroffenen Unternehmen gelegen.

Natürlich hat es beim BKA keinen „Datenabgleich gegeben, wenn – siehe Punkt 1 – die Daten abzugreifen. Wenn da genügend Dienststellen zwischen erhebender Institution und dem durchführenden Organ liegen (am Ende die NSA/CIA?), bekommt eh keiner mehr mit, was da genau passiert ist. Sowas nennt man auch Verschleierungstaktik. Kennt man von der Feldwäsche – muss nur durch genügend viele Hände gehen.

Der ABSOLUTE Hammer ist aber die Feststellung, dass das betroffene Unternehmen (hier wohl die Telekom gemeint) Kunden informieren soll. Wenn die Zugriffe mittels §112 TKG erfolgt sind

Der Verpflichtete hat durch technische und organisatorische Maßnahmen sicherzustellen, dass ihm Abrufe nicht zur Kenntnis gelangen können.

soll die Telekom also Kunden über Vorgänge informieren, von denen sie keine Kenntnis haben darf. Ich schätze mal Kristallkugeln werden sich in Zukunft prima verkaufen.

ENTWEDER ist diese Pressemitteilung durch einen Praktikanten geschrieben worden, oder in diesen Vorgängen gibt es noch ganz viel zu recherchieren, nicht zuletzt in die Richtung, was dieser Staat mit uns Bürgern so alles machen kann. Aber wir vertrauen dem Staat ja, ja doll!

Der elektrische Reporter erklärt den Nerd

Und wir (zumindest ich) treffen bei dem elektrischen Reporter ein paar „alte“ Bekannte wieder, die dort zu Wort kommen.

Nerds sind das wandelnde Klischee des gesellschaftlichen Außenseiters: schüchtern und unattraktiv verbringen sie die meiste Zeit vor ihrem Computer und pflegen soziale Kontakte allerhöchstens über die Tastatur. Doch die vermeintlichen Außenseiter haben der Gesellschaft längst ihren Stempel aufgedrückt. Von der E-Mail-Kultur bis zur Wikipedia: Das digitale Zeitalter ruht auf einem Nerd-gebauten Fundament. Der Elektrische Reporter begibt sich auf die Suche nach der Subkultur der Technophilen – und stellt die Frage, ob wir im Gleichschritt mit der Verbreitung des Internets nicht alle irgendwie zu Nerds werden.

httpv://www.youtube.com/watch?v=WPdVUxp9Im4