Zensur wird delegiert und ist dann keine Zensur mehr

Wenn der Staat den Zugriff auf Informationen behindert, nennt man das für gewöhnlich Zensur. Wikipedia sagt dazu:

Zensur (censura) ist ein politisches Verfahren,[1] um durch Massenmedien oder im persönlichen Informationsverkehr (etwa per Briefpost) vermittelte Inhalte zu kontrollieren, unerwünschte beziehungsweise Gesetzen zuwiderlaufende Inhalte zu unterdrücken und auf diese Weise dafür zu sorgen, dass nur erwünschte Inhalte veröffentlicht oder ausgetauscht werden.

Das heisst: Wenn politisch(!) Informationen be- oder verhindert werden. Wenn aber die Politik – oder deren Handlanger – privatwirtschaftlich handelnde Unternehme (mittels Listen, welche Inhalt von Verträgen sind) dazu bringt, genau dies zu tun – Informationen zu blocken – dann ist es auf einmal TOTAL legal und auch mit dem Grundgesetz vereinbar:

Darüber hinaus ist festzustellen, dass, sofern es zu einer Sperrung auf der Grundlage eines öffentlich-rechtlichen Vertrages zwischen dem Zugangsanbieter und dem Bundeskriminalamt kommt, es bereits an einem hoheitlichen Eingriff fehlt. Ein Eingriff in das Fernmeldegeheimnis liegt nur dann vor, wenn sich staatliche Stellen ohne Zustimmung der Beteiligten Kenntnis von dem Inhalt oder den Umständen eines fernmeldetechnisch vermittelten Kommunikationsvorgangs verschaffen, die so erlangten Informationen speichern, verwerten oder weitergeben. (…) Es muss sich um eine Kenntnisnahme durch den Staat handeln. (…) Ein solcher Eingriff liegt erkennbar nicht vor.

Nachzulesen ist dasin einem Arbeitspapier, dass von der „Arbeitsgruppe Access Blocking“  erstellt wurde. Zu finden bei Alvar Freude. Alvar kommentiert es wie folgt:

Soll das heissen, die Bundesregierung ist der Ansicht, dass die Grundrechte zwar das Individuum vor staatlichen Eingriffen schützen, wenn aber die Provider aufgrund eines aufgezwungenen Vertrages hier tätig werden, sei das ja kein staatlicher Eingriff? Sprich: Wenn der Staat eine private Einbrecherbande beauftragt, in ein Haus einzusteigen, bleibt die Unverletzlichkeit der Wohnung davon unberührt, weil es der Staat nicht selbst macht?

Dem ist nichts – aber auch GARNICHTS hinzuzufügen. Und unsere Schergen regen sich über südamerikanische Juntas auf. Die sind selbst keinen Deut besser – nur feiger. Die Juntas haben den Arsch in der Hose und setzen die Rechte direkt ausser Kraft und spannen dafür keine Aktiengesellschaften ein.

NARF!!! Geburtstag vergessen – Happy Birthday!

Tja, das kann ja mal untergehen… Ich stellte gerade fest, dass die Domain unter der hier gearbeitet wird schon seit über 10 Jahren in meinem Besitz ist.  Schon am 02.10.1998 feierte koepke.net Geburtstag.

Anlässlich dieses „Ehrentages“ möchte ich kurz mitteilen, wie das damals – vor etwas über 10 Jahren – so mit den Domains in Deutschland aussah:

Ich wurde damals in der „Szene“ angesprochen, wieso ich denn nicht mehr bei $Arbeitgeber arbeiten würde und warum ich umgezogen wäre. Meine Reaktion war Verwirrtheit, denn ich hatte mich weder selbstständig gemacht, noch hatte ich meinen Wohnsitz in ein anderes Bundesland verlegt.

Des Rätsels Lösung: Die Menge der .de-Domains war noch recht übersichtlich und so fiel es der $Szene auf, dass ein Mensch Namens $Vorname $Nachname mit einer 100%igen Variablenübereinstimmung die Domain koepke.de registriert hatte. Da Internetaffinität damals noch nicht so aufgeprägt war, stellte „die Szene“ eindeutig fest: Das ist der Holli. War er aber nicht.

Allerdings setzte diese Fehleinschätzung meine Synapsen in Gang und ich kam auf die Idee mir die koepke.net zu registrieren, bevor ich am Ende domainlos darben müsste – .com war doof. Ja, aber mach das mal im Jahre 1998. Da war  „klicken Sie bitte hier und Sie erhalten .com, .net.org“ noch nicht möglich. Fuer eine .net-Domain musste man damals nachweisen, dass der Domainholder eine „Netzverwaltungseinrichtung“ (Amtsschimmelbezeichnung für Provider o.ä.) sein ist. Also schwupp-di-bupp eine Internettechnology GbR gegründet, ganz viel Geld für die Domain bezahlt und (zu damaliger Zeit) eine „Fuchsschwanzdomain“ (.net) besessen.

Also: Happy Burzeltag koepke.net – und auch ein nachträgliches Happy Birthday an die Domain des anderen Holger, die ein oder zwei Tage älter sein müsste 🙂

PS: Wie kam ich eigentlich darauf, zu schaun wie alt meine Domain ist: Lars Hinrichs twitterte, dass er im Besitz der Domain supermodels.de sei. Ich fragte mich wann er solch eine Domain wohl registriert hatte.. Es war 1998. Und wenn man schon mal dabei ist… Naja, sowas kommt von sowas..

Lass mich etwas essen, sonst kann ich mich nicht übergeben

Das Schreiben, welche die Commerzbank ihren Mitarbeitern schickt (aus dem ich hier dank der FTD zitieren kann), verursacht bei mir gerade eine reziproke Verdauungsphase:

(Es fängt ganz harmlos an)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, für ein Unternehmen gilt der gleiche Grundsatz, den auch jeder Einzelne von Ihnen privat beherzigen wird und den ich am letzten Donnerstag auch in der Öffentlichkeit bereits klar angesprochen habe: Man kann nur das ausgeben, was man eingenommen hat. Anders gesagt: Wo Verluste erwirtschaftet werden, kann auch nichts verteilt werden.

[……]

– Die Commerzbank-Mitarbeiter der Funktionsgruppen 1 bis 3 erhalten ein Monatsgehalt als individuelle Mehrarbeitsvergütung.

– Die Dresdner Bank-Mitarbeiter erhalten ihre vereinbarten Festgehälter sowie eine individuelle Mehrarbeitsvergütung.

Dadurch wollen wir sicherstellen, dass eine faire Gleichbehandlung der Mitarbeiter beider Häuser gewährleistet wird.

Diesem Prinzip folgend, zahlen wir für die Tarifmitarbeiter beider Häuser eine einmalige freiwillige Anerkennungsprämie von 1.000 Euro.

In jedem „normalen“ Unternehmen das ich kenne, werden Gehaltkürzungen verhandelt und das Weihnachtsgeld wird gestrichen. Mitarbeitern die auf die Idee kommen einen Bonus zu fordern, wird nahe gelegt, das Unternehmen zu wechseln. Bei den Banken gibt es aber – wenn die Staatsknete erstmal fliesst „Freibier“ für alle.

Damit man mich nicht falsch versteht: Ich könne dem einfachen(!!) Bankkaufmann jeden Euro, der in seine Gehaltstüte rieselt. Aber ich frage mich, was die kurzarbeitenden Kollegen in der Autoindustrie denken, wenn die sowas lesen? Dass sie den falschen Beruf erlernt haben? In der falschen Branche sind?