Brauchen wir mehr Blockwarte?

Eigentlich gehört dieser Posting ja nach Tüdelkram, aber da der Fall – in meinen Augen – auch einen gesellschaftlich-soziologischen Apsekt hat, eben hier: Lukas Podolski, der Michael Ballack wärend eine Fussballspieles eine Ohrfeige gehauen hat(haben soll), wurde von einem Unbekannten angezeigt.

Nun ist es in Deutschland so, dass eine Körperverletzung eine Sache zwischen zwei Menschen ist: Täter und Opfer. Und nur – ich wiederhole NUR – wenn das Opfer der Körperverletzung Anzeige erstattet, wird die Staatsanwaltschaft auch aktiv.

Was erdreistet sich ein anonym bleibender Mensch also, der Podolski anzeigt? Glaubt er, dass Ballack zwar Millionen verdient, aber sich nicht selbst vertreten kann? Nee, ist ganz anders:

Die Person, die Podolski angezeigt habe, argumentiere damit, dass es ein schlechtes Vorbild sei, vor Millionen von Fernsehzuschauern bei einem Streit handgreiflich zu werden.

schreibt der Spiegel. Ob der Ersteller der Anzeige als Blockwart nun selbst ein gutes Beispiel gibt?

Das BKA pressemitteilt sich aus dem Debakel (Versuch 2)

Ja, ich ahnte schon, warum ich in diesem Posting die Extension „Versuch 1“ der Überschrift hintenan stellte. Ich kann nämlich wahrsagen! Da BKA legt nämlich heute nochmal – in Form einer Pressemitteilung – nach:

Wie bereits in den Pressemitteilungen vom 02.04.2009 und 03.04.2009 dargestellt, hat das BKA selbst keine Rasterfahndung durchgeführt.

….

„Als Folge der Terroranschläge in den USA beschlossen die Gremien der Ständigen Konferenz der Innenminister und -senatoren der Länder (IMK), Rasterfahndungsmaßnahmen auf der Grundlage der jeweiligen landesgesetzlichen Regelung in den Ländern durchzuführen und beauftragten das BKA in dessen Funktion als Zentralstelle der Polizeien des Bundes und der Länder damit, hierbei unterstützend tätig zu werden.

In der Folgezeit haben die Länder personenbezogene Daten bei Universitäten, Einwohnermeldeämtern und dem Ausländerzentralregister erhoben und die Datenbestände anschließend anhand bestimmter, zuvor festgelegter Rasterkriterien gegeneinander „gerastert“. Der daraus resultierende Datenbestand wurde dem BKA übermittelt und von diesem in eine zuvor errichtete Verbunddatei eingestellt.“

Aufgabe des BKA war es damals, die von den Ländern eigenständig erhobenen und in eine Verbunddatei eingestellten Daten mit anderen Datenbeständen abzugleichen. Auf diese Weise sollte eine inhaltliche Informationsanreicherung bzw. -verdichtung der Länderdatensätze erfolgen.

Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: „Wir haben nicht gerastert – wir haben die Anderen rastern lassen, wir haben die – von Anderen!!!!!! – gerasterten Daten nur genutzt“.

Ich kann den Freunden des tiefsinnigen, perfiden Humors nur anraten diese Pressemitteilung des BKA zu lesen, sie ist wunderschön.

Maul halten und wegziehen!

Es ist immer wieder das gleiche. Egal ob es die Bewohner in Flughafennähe sind, die sich über Fluglärm beschweren. Ob es der Stadtmensch ist, der aufs Land zieht und gegen den hahn klagt, weil der Morgens kräht, oder eben die Bewohner des Wohnprojekt Max-B. sind, die in unmittelbarer Nähe der Bahngleise wohnen.

Alle haben gemeinsam, dass sie erst die günstigen Miet- oder Kaufobjekte suchen und dann anschliessend nörgeln, dass die Wohnqualität aber doch suboptimal ist. Über das Wohnprojekt Max-B.wird in der Hamburger Morgenpost gerade berichtet. Lokale Medien brauchen ja lokale Themen:

Wie Helena geht es vielen Anwohnern im Wohnprojekt Max-B. an der Max-Brauer-Allee im Stadtteil Altona-Nord. Der Lärm der anliegenden Bahnstrecke nervt sie, obwohl jede Wohnung Lärmschutzfenster hat. Das Rattern und Quietschen der Züge dringt trotzdem in die Küchen und Schlafzimmer. „Manchmal reißen uns die Züge nachts aus dem Schlaf“, sagt Helenas Vater Martin Düllmann (39). Die Fenster bleiben bei den Düllmanns daher immer geschlossen, auch wenn es im Sommer drückend heiß in der Wohnung wird.

Ich bin etwas älter als Martin Düllmann, und ich bin als Jugendlicher des öfteren in der Gegend gewesen und kenne die Brücke und die Wohngegend. Schon vor 30 Jahren war das eine der „Ecken“ wo man als normaler Wohnraumsuchender sagt:“ DA ziehe ich nie ein, das ist GANZ sicher zu laut“. Wer die Gegend nicht kennt, wird sich spätestens bei der Wohnraumbesichtigung zügig verabschieden, da er die vorbeifahrenden Züge GANZ sicher hört. Wer allerdings unkritisch und vorschnell bei billigem Wohnraum: „Schatz, überlege mal was wir da an Miete sparen, da können wir ZWEImal im Jahr nach Spanien fliegen“ gierig wird, muss halt mit den Konsequenzen leben.

Schön finde ich den Kommentar eines Bahnsprechers in der Folgeausgabe der Morgenpost:

Der Bahnsprecher kann die Aufregung der Anwohner nicht verstehen: „Die Menschen haben doch schon beim Einzug 2006 gewusst, dass sie neben eine Bahnstrecke ziehen.“

Und recht hat der Mann! Ich habe eine Wohnung gesucht – und mich dann doch entschieden mit meiner Prinzessin in der bisherigen Wohnung zu bleiben. Es gab zwei Kernpunkte auf die ich achtete: Die Wohnunh MUSS eine Badewanne haben (meine prinzessin badet doch so gern) und sie darf keinesfalls in einer „lauten“ Ecke sein. Ich habe zweimal in meinem Leben in billigerem Wohnraum an Haupverkehrsstrassen gewohnt, aber diese Strassen waren vor mir da.

Der Mieterverein Hamburg stellt das Wohnprojekt wie folgt vor:

Heute ist das Projekt Realität. Im September 2006 ist Ingrid L. in ihre 60 Quadratmeter große „Traumwohnung“ eingezogen. „Arbeiten, Wohnen, Kultur und Kinderbetreuung sind in dem Projekt Max-B eng miteinander verbunden, außerdem ist im Hinterhof eine kleine grüne Oase entstanden“, erklärt die Architektin Iris Neitmann das Vorhaben mit einem Investitionsvolumen von 17,5 Millionen Euro. Frau L., die im Parterre wohnt, hat die „Oase“, die langsam Gestalt annimmt, direkt vor den Augen und fühlt sich „ausgesprochen wohl“ in der acht Parteien umfassenden Hausgemeinschaft im Alter von drei bis 70 Jahren – darunter sieben Kinder. Ihre Nachbarn im Haus 233 arbeiten als Lehrer, Grafik-Designer oder Architekten. Besonders gut gefallen hat der Seniorin, dass alle späteren Bewohner in jeden Planungsschritt eingebunden waren: „Das Grundkonzept stammt zwar von unserer Architektin, wir konnten aber über alles mitentscheiden – von der Farbe für die Außenfassade bis zur Gestaltung des Gartenkomplexes.“ Heute leben an der Max-Brauer-Allee 231 – 247 in neun Häusern 225 Bewohner jeden Alters.

Naja, wenn dort „Lehrer, Grafik-Designer oder Architekten“ wohnen erklärt das ja so manches.Es gibt auch Stimmen, die sich gegen den Zuzug von zuviel „Mehrverdienern“ in Bereich Altona und SternSCHANZE wehren, denn genau DIESE Klientel ist es, die den ehemaligen schönen Multikulti-Bereich zu einer Schicki-Micki Zone machen.