Robert Basic und die Piratenpartei

Robert Basic ist mit seinem ehemaligen Blog „Basicthinking“ in gewissen Kreise recht bekannt geworden. Vor mittlerweile 2 Jahren verkaufte Robert dieses Blog (letztendlich den Namen und die „Leserschaft“) für (so wird es kommuniziert) 49.000€ an den Webhoster Serverloft. Danach wurde es – zumindest in meiner Wahrnehmung – ruhiger um Robert. Er betreibt wieder ein Blog, welches wohl auch eine stattliche Zahl von Lesern hat. Mich hat er vor 2 Jahren als Leser gänzlich verloren, da ich der Meinung bin, dass weder Blog noch Leser eine Handelsware sind. Wir leben allerdings in einer freien Marktwirtschaft, also darf alles verkauft werden, solange der Verkauf nicht gegen Gesetze verstösst.

Heute wurde ich auf einen Artikel in Roberts neuem Blog aufmerksam, in dem er sich mit der Piratenpartei auseinandersetzt. Ich möchte mal so einige Aussagen Basics betrachten:

Gerade bei Netzaffiniados wie mir und vielen anderen müssten die doch einen nach dem anderen Themenschwerpunkt landen und populär verbreiten können.

Verbreitung ist so eine Sache. Es gibt ein paar Onlinemedien, die sicher zur Verbreitung der Thesen und Forderungen der Piratenpartei beitragen können. Wenn Roberts Blog – wie er gern behauptet – ein Leitmedien ist (oder war) so stelle ich fest, dass die Suche nach „Piratenpartei“ auf seinem Blog schlappe 4 Treffer erzielt.

Sind die Medien wirklich so Piratenignorant? Ich schau mal eben:

  • Stern.de 14 Treffer in den letzten 30 Tagen
  • Zeit.de 4 Treffer in den letzten 30 Tagen
  • Süddeutsche (keine zeitliche Einschränkung möglich) 154 Treffer
  • Netzpolitik.org 10 in den letzten 30 Tagen
  • Spiegel.de 10 in den letzten 30 Tagen
  • Bild.de 4 in den letzten 30 Tagen

Insofern kommen da doch einige Themen bei dem Menschen auf der Strasse an – bloss nicht bei Basic. Vielleicht sollte Robert mal neu justieren, aus welchen Medien er sich informiert.

Seltsamerweise schreibt Robert:

Komischerweise bekomme ich aber nichts mit. Nicht, weil ich mich aktiv informieren möchte, sondern weil ich im Falle der Piratenpartei gemütlich abwarte, was auf mich über mein Informationsnetzwerk zukommt. Nach dem Motto, “die gute und heiße Info wird schon zu mir kommen”.

Warum bekommt er nichts mit? Wäre er an den Netzthemen interressiert, so sollte man doch erwarten können, dass er nicht im Sessel sitzt und wartet, dass einer seiner Kollegen bei ihm anklingelt um ihn über Netzthemen zu informieren.

Garstig könnte ich den Satz

Doch wenn ich was zufällig über netzpolitische Themen mitbekomme, dann handelt es sich um die FDP, mal um die Grünen, mal kommen Themen über Blogger hoch. Aber die Piratenpartei? Von der lese ich nix.

mit der Aussage:

Für mich als Blogger sind Blogs wie Lumma, Netzpolitik oder auch Carta die Vorantreiber, Zündfunken für neue netzpolitische Themen.

verbinden und feststellen, dass eben auch Netzpolitik – allein in den letzten 30 Tagen – 10 mal über die Piraten schrieb. Schreibt Netzpolitik nur über die Boulevardthemen bei den Piraten?

Robert fragt:

Wo ist das Gravitationszentrum der Piratenpartei? Im sozialen Netz, in der Blogosphäre? Wenn ich draußen Netzaffiniados fragen würde, wüsste mir das keiner zu beantworten.

und ich wiederum frage mich, wem er diese Frage stellte. Die Mailinglisten rennen wie blöd, Liquid-Feedback, Piratenpad und andere Informationsträger quellen über vor Informationen und vor allem endlosen Diskussionen um Netzthemen.

Eine Frage von Robert kann und will ich gern beantworten, nämlich:

Warum klappt das nicht bei der Piratenpartei, dass deren Themen und Infos zu denen kommen, die sich nicht aktiv für die Piratenpartei interessieren?

Weil die Piratenpartei eine Partei zum Mitmachen ist. Die Piratenpartei ist keine Partei, die von sich aus jede Couchpotatoe erreichen kann. Um dieses zu schaffen, braucht es Menschen die mitmachen, die Themen aufnehmen, verbreiten und auch gern kritisieren. Auf keinem Fall hat die Piratenpartei die Weisheit gepachtet oder hat Geldgeber wie Maschmeyer, die Millionen für Anzeigen  sponsoren.

Wer inhaltlich auf die Piratenpartei setzen möchte und sich fragt, warum die Piratenpartei nicht sichtbar ist, sollte sich im gleichen Atemzug die Frage stellen, was er denn dafür getan hat, dass die Piraten mit seinen individuellen Themen sichtbar werden. Dies gilt insbesondere für Menschen, die gern von sich behaupten Vervielfältiger zu sein. Wer allerdings kritisiert ohne sich inhaltlich oder publizistisch einzubringen, der sollte über die Motive seiner Kritik nachdenken – und dies am besten auch selbst tun und nicht warten, bis ihm andere die Motive erklären.

 

14 Gedanken zu „Robert Basic und die Piratenpartei

  1. Stern.de (Treffer in den letzten 30 tagen:) – 28.5. – 19:40
    Piraten: 35
    FDP: 659
    Grüne: 480
    CDU: 561

    Na also insofern muss man schon sagen, dass das thema „Piraten“ wohl signifikant weniger vorkommt, da es gerade mal 5% der Treffer erhält, die die FDP erhält (mit ähnlichem Wählerzuspruch)…

  2. Weil die Piratenpartei eine Partei zum Mitmachen ist. Die Piratenpartei ist keine Partei, die von sich aus jede Couchpotatoe erreichen kann. Um dieses zu schaffen, braucht es Menschen die mitmachen, die Themen aufnehmen, verbreiten und auch gern kritisieren. Auf keinem Fall hat die Piratenpartei die Weisheit gepachtet oder hat Geldgeber wie Maschmeyer, die Millionen für Anzeigen sponsoren.

    Ist ja auch alles gut und richtig so – aber wenn die Menschen erst gar nicht erfahren oder verstehen, dass es so ist, sondern nur meinen, die Piraten seien sowas wie die Bier-Partei, oder vielleicht Nazis, jedenfalls nichts, was sie persönlich irgendwie anginge, dann ist wohl auch was schiefgegangen. Die Menschen werden täglich mit tausenden Informationen und Werbungen bombardiert, hängen bleibt da wohl nur, was einen subjektiv emotional irgendwie gepackt hat. Und ja, auch nüchterne Themen wie Bürgerrechte und (mehr) Demokratie können „packen“ – siehe Tunesien, Ägypten, Spanien…

    • @a:

      Und aus eben diesem Grund „Medienpräsenz“ müssen diejenigen, die nicht nur die eingeschränkten Möglichkeiten des Informationsaufnehmers, sondern auch des Verteilkontens, Meinungsmacher und Vervielfältiger haben, ihren Anteil daran haben.

      Zu den heutigen Demos gegen Atomkraft würde niemand gekommen sein, wenn nicht informiert würde. Und zwar werden „Interessenten“ von Ihren Kanälen informiert. Umso mehr (potentielle) Kanäle mitmachen, umso breiter wird die Information gestreut. Die Kanäle wiederum müssen sich selbst informieren (Mailinglisten etc) um die Information streuen zu können und „die Sache“ zum Erfolg zu machen.

      • @reizzentrum:

        Aber selbst wenn das klappt, ist es noch zu begrenzt auf eine kleine Gruppe, die sich gern überschätzt. Es gibt wohl große Milieus, die davon trotzdem garnicht erreicht werden, es ist sehr an das Netz gebunden. Zeitungen, TV, Eltern auf dem Spielplatz und Kantinen zur Mittagszeit müssten freudig oder überrascht oder erbost die Forderungen der Piraten diskutieren – das tun sie bisher wohl kaum. Die Anti-AKW-Bewegung ist da ganz anders vernetzt, altmodischer.

  3. Herr Basic hat sich meiner Meinung nach schon sehr verrannt. Er merkt dat leider nicht. Oder anders gesagt, es jibt noch genug Doofis! Ist wie bei Fefe. Auch Markus von NP hat wesentlich abgebaut. Leider. Selbst DaMax fängt damit an und macht den Mitläufer. Bedenklich. Nachdenken hilft. Jeden Tag auf´s neue. Meine Meinung.

  4. Der 30-Tage-Vergleich hinkt ein wenig, weil darin der BPT und #servergate mit drin stecken. Der Vergleich mit anderen Parteien im selben Zeitraum rückt das aber etwas gerade. Und man mag von Herrn Basic halten was man will, mit der Beobachtung, das außerhalb der piratigen Twitter- und Blogosphäre da echt wenig rüberkommt hat er schlicht recht. Klar, wenn ich @piratenpartei folge oder [vorstand@www].piratenpartei.de im RSS-Feed hab, dann bekomm ich was mit. Aber welcher 08/15-Bürger hat das? Wo ist auf totem Baum von Piraten zu lesen? Welche der Online-Artikel aus Deinem 30-Tage-Vergleich habens in die Printversionen geschafft? Oder in die 20:00-Tagesschau?

    Es ist nunmal tatsächlich so, das Außen- und Innenwahrnehmung stark divergieren (genauso wie Anspruch und Wirklichkeit, aber das ist eine andere Geschichte). In Sachsen bspw. gab es seit Januar auf dem einzigen mehr oder weniger offiziellen Kanal nach Außen, piraten-sachsen.de, keine fünf Beiträge. Nicht mal innerparteilich schafft man es, die programmatischen Neuerungen des LPTs zu verkünden. Wie will man da beim Bürger punkten oder auch nur bekannt(er) werden?

    • @tarzun:

      Aus eben diesem Grunde kritisiere ich Robert als „Verzehrer“, der nicht ansatzweise hilft die Ideen und Ziele der Piraten zu stützen – und sei es durch kreative Diskussion.

      Den Sprung in Print schaffen die Piraten vor allem über das Netz – wenn aber selbst „das Netz“ sich zurück hält … dann wird es schwerer. Nur deshalb schrieb ich überhaupt diesen Artikel: Wer im netz auch nur ansatzweise „piratig“ ist, sollte auch etwas dafür tun, dass Die Ideen und Ziele verbreitet werden. Wer nix mit den Piraten zu tun hat/haben will, der soll ruhig auf seiner Couch vermodern.

      • @reizzentrum: Du kannst ja meinetwegen Robert als „Verzehrer“ kritisieren, aber doch nicht alle Bürger da draußen die nicht Willens oder gar nicht in der Lage sind, die Handvoll „Kernkanäle“ (Webseite, Twitter, vielleicht noch Wiki und ne Handvoll Mailinglisten sowie Flaschenpost) zu verfolgen. Die Piraten können sich doch nicht ernsthaft hinstellen und sagen „Steht doch alles im Wiki“ und dann auch noch denken das reicht. Die Partei hat den Auftrag an der politischen Willensbildung des Volkes mitzuwirken und wenn dann jemand (das muss jetzt nicht Herr Basic sein) dann feststellt, das man außerhalb dieses Pirativersums halt schlicht mal nichts mitbekommt, was die so machen, dann sollte man IMHO dieses Problem lösen statt zu sagen „Informationen sind Holschulden“.

        • @tarzun:

          Nenene, Robert kritisiere ich weil er die schwache Aussenwirkung (zu recht, davon ab) kritisiert, er aber es in der Hand hätte seinen Anteil beizutragen es zu ändern.

          Ich kritisiere nicht „Hans Mustermann“, an den müssen wir herantreten, da sind wir uns völlig einig. Ich kritisiere nur diejenigen, die ihren Teil beitragen könnten, es aber nicht tun.

  5. @reizzentrum auch wenn ich Deine persönliche Argumentationsbasis, auf ausgeleierten A-Blogger Pfaden zu wandeln, nicht mag, eine Äußerung in der eigentlichen Sache:

    So wie andere sich das Recht herausnehmen, sich politisch zu engagieren, nehme ich mir das Recht heraus, politisch zu konsumieren. Damit spiegel ich verschriftlicht das Verhalten der meisten Bürger wider, die exakt das gleiche tun wie ich. So gesehen ist es für jede Partei unabdingbar, die Bürger zu erreichen. Und für eine derart junge Partei noch viel wichtiger.

    Wenn Du demnach argumentierst, man müsse eben auf die Piratenpartei zugehen und sich aktiv informieren, geht das am Kernproblem vorbei und verschlimmert es nur, wenn die Piraten so denken würden. Wenn die Piratenpartei nicht genug macht, um Bürger zu erreichen, obgleich man per se in der Lage sein sollte, das Netz exzellent für sich zu nutzen, besser als alle anderen Parteien, wird es schwer mit den Zielen, politisch mitzugestalten. Doch gerade das passiert anscheinend nicht. Sie machen es nicht besser, sondern meiner Meinung nach gar schlechter als die etablierten Parteien. Fast schon paradox, ausgerechnet diese Partei. Ein Umstand, der sich mittlerweile auf Basis der Kommentare als ein Organisationsproblem erklärt.

    • @Robert Basic:

      Es ist dein gutes Recht politisch nur als Verbraucher zu agieren. Nur warum schreibst Du dann einen Artikel über die PiratenPARTEI? Ist es nur der Bereich (Social) Media, der dich inspirierte?

      Ich finde es traurig, wenn Menschen sich bei wichtigen Themen – und Politik zählt für mich generell zu den wichtigen Themen – auf die Couch setzen und sagen: Bediene mich. Durch dieses politische Desinteresse konnte unser Staat doch nur so herab gewirtschaftet werden.

      Ich hielt dich – bis zu dem obigen Kommentar – für jemanden, der durch die (virtuelle) Welt zieht, sich interessante und/oder verbreitenswerte Themen sucht und dazu seinen Kommentar abgibt. Aus eben diesem Grunde konnte ich dein „Es kommt bei mir nichts an“ nicht verstehen. Nun fürchte ich zu verstehen und .. naja.

      Ich habe ein ähnliches Phänomen vor vielen Jahren beim CCC erlebt. Es war ein SEHR kleiner Kreis von Aktiven, der alles machte. In dem Moment an dem Mitbestimmung und Vielfalt eingefordert wurden, wurde es enger. Insbesondere die eben offene, flache Struktur der Piraten, die uns hoffentlich vor einem „Westerwelle mit Dreispitz“ schützt, macht dieses Lichtgestalt-Marketing unmöglich. Ein Grund mehr, dass sich diejenigen, die sich für Piratenthemen interessieren, aktiv versuchen zu informieren.

      Auch über die wahren Gründe bezüglich der Vorgänge in Spanien (#spanishrevolution) wird der konsumierende Deutsche nicht von den Medien aufgeklärt. Ist dies Schuld der Demonstranten? Oder mag dies auch an einem Machtgefüge liegen, dass gewisse informelle Tendenzen auch mal durch Ignoranz versucht zu unterdrücken?

  6. die Sinnfrage zu stellen, warum man über etwas bloggt, liegt doch auf der Hand. Weil man sich xyz interessiert. Dabei ist es völlig unerheblich, ob man Teil des betrachteten Objekts ist oder nicht. Stelle ich demnach eine These auf, dass die Piratenpartei mit Agendasetting im Netz anscheinend Probleme hat, kann das weder mit mangelnden Engagement des Rests von 99,99% der Wähler erklärt werden (ich rede nicht von Wahlbeteiligung noch Stimmanteilen der Piraten) noch mit der Sinnfrage, warum ich darüber blogge. Vor Engagement kommt das Verbreiten der Heilsbotschaften (überspitzt ausgedrückt), um Menschen für Etwas zu interessieren, sie zu erreichen, sie letztlich gar zu Engagierten oder eine Stufe davor wenigstens zu Wasserträgern im Netz zu machen (liker, retweeter, reblogger, sharer, …). Das festzustellen, dass die Piratenpartei im Grunde das Netz potentiell gesehen am besten für sich nutzen kann, ohne finanziell sich zu verausgaben, ist eigentlich keine Kunst. Das kann jeder schreiben, so wie ich es als Außenstehender gemacht habe. Und damit das aufgezeigt habe, was eigentlich nicht klar ist: Das Potential wäre auf Basis der Mitglieder da, die ich für extrem netzaffin und wissenstechnisch für geeignet halte, aber es wird fatalerweise nicht auf die Straße gebracht. Welcher Mechanismus dafür verantwortlich ist, halte ich für extrem spannend. Offensichtlich hat es viel damit zu tun, dass Wissen und Netzaffinität nicht reichen. Eine Mannschaft aus den besten Individualspielern gewinnt kein Spiel, wenn sie nicht als Team agieren können.

    Was lernen politisch Engagierte daraus? Ich denke sehr viel. Die Piratenpartei könnte ein Lehrstück dafür sein, dass man das Netz ideal mit geringsten finanziellen Ressourcen vorzüglich nutzen könnte. Das ist noch nicht passiert (These!). Und es ist ein Lehrstück, dass ohne abgestimmten Plan, Koordination und fokussiertes Team Potentiale nicht abgerufen werden können (sich herauskristallisiertes Kernproblem aus der These heraus: Organisatorik). Auf der anderen Seite baut sich ein Wählerpotential auf, das über das Netz theoretisch abrufbar wäre, da die Wähler über das Netz lernen, immer besser zu kommunizieren. Es geht dabei nicht nur um Informieren, sondern auch um bewerten und gar beteiligen (S21 ist nur ein Beispiel von vielen, die in den letzten fünf Jahre eine deutliche Sprache sprechen, dass der Bürger stärkere Mitmachpotentiale über das Netz aufgebaut hat). Jede Partei, die lernt, mit dem Netz umzugehen, wird Vorteile gewinnen. Für mich als Bürger und Interessierter an Netztrends eine in der Tat neue Form und Chance, Politik zu transportieren. Und Anlass genug, die im Grunde am besten geeignete Partei zu betrachten.

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