Dörmann versucht den AK Zensur einzuseifen

Martin Dörmann hat dem AK Zensur geantwortet; geantwortet auf die Absage eines Gesprächstermins, den der AK Zensur absagte, weil die SPD zu dem anberaumten Termin bereits ihr Abstimmungsverhalten festgelegt hatte.

Ich möchte hier einige Passagen der Antwort kommentieren:

Uns wäre es sehr wichtig gewesen, Ihnen unsere Gründe für den gefundenen Kompromiss zum Kinderpornografiebekämpfungsgesetz persönlich zu erläutern.

Womit er sowohl zugibt, dass es nichts mehr zu ändern gab (sonst würde er nicht nur erläutern wollen) aber nicht realisiert, dass wohl der gesamte AK Zensur die Übertragung aus dem Parlament gesehen hat und insofern seine „Erklärung“ ohnehin bei uns angekommen ist.

Gleichzeitig  wollten wir aber auch Ihnen die Gelegenheit geben, Ihre Kritikpunkte nochmals vorzutragen.

Nochmal? Warum nochmal? Hat er Alzheimer? Diktiergeräte gelten als erfunden, wenn er sich einmalig vorgebrachte Argumente nicht merken kann, soll er einen Tonbandmitschnitt machen.

Wir  meinen, es gehört zu einer lebendigen Demokratie, dass man sich gegenseitig zuhört und im Gespräch bleibt, auch wenn man letztlich zu anderen Schlussfolgerungen und Bewertungen kommen mag

Er als Politiker mag es gewohnt sein seine Zeit in Meetungs zu verbringen, von denen er vorab weiss, dass es letztendlich Zeitverschwendung sein wird. Diesen Luxus können sich aber nur Politiker erlauben. Menschen die für ihr Geld arbeiten müssen, sind angehalten ihre Zeit effektiv und produktiv einzuteilen und zu nutzen.

Gerade weil das Internet für eine freie Kommunikation steht, für die Sie in besonderer Weise eintreten, gehen wir davon aus, dass wir an anderer Stelle und zu  anderer Zeit weiterhin in der Diskussion bleiben.

Ja Herr Dörmann. SIE persönlich – als auch Ihre Partei – werden GANZ gewiss in der Diskussion bleiben. Ob es in einer Art geschieht, wie es Ihnen vorschwebt, wage ich zwar sehr ernsthaft zu bezweifeln, aber wir werden voneinender lesen. Versprochen!

Das Thema Internet wird uns alle ja auch in Zukunft intensiv beschäftigen.

Ich prognostieziere, dass Sie sich in Zukunft noch sehr stark mit dem Internet beschäftigen werden. Spätestens, wenn Ihnen die vorgebrachte Volksmeinung zum Hals raushängt und Sie merken, dass „dieses Internet“ besser und tiefer informieren kann, als jedes Wahlplakat.

Wir möchten die Gelegenheit nutzen, Ihnen  unsere Einschätzung des am 18. Juni 2009 im Bundestag beschlossenen Kinderpornografiebekämpfungsgesetzes näher  zu bringen und unsere Motivation zu erläutern.

Zu Ihrer Motivation haben Sie ja anlässlich ihre Parteitages am letzten Wochenende ausgiebig Stellung genommen. Der Antrag von Jan Moenikes, Bjoern Boehing und Franziska Drohsel wurde nicht zur Abstimmung gebracht, mit dem Argument „Der Parteifuehrung geht er zu weit, da sie befuerchten, bei einer offenen Ablehnung von der konservativen Press als “Freunde der Kinderpornographen” gejagt zu werden. Die Motivation ist also bereits klassifiziert: Feigheit vor der Springerpresse. Willenloses Stimmvieh im Auftrag der Medien.

Das Kinderpornografiebekämpfungsgesetz regelt eindeutig nur die Zulässigkeit von Sperren bei Seiten mit kinderpornografischen Inhalten. Die SPD konnte bei den  Verhandlungen mit der Union am Ende durchsetzen, dass die wesentlichen Regelungen in einem Spezialgesetz  normiert werden, das ausschließlich  kinderpornografische Inhalte erfasst. Dies wird auch noch einmal in der neuen  Gesetzesbegründung festgehalten.

DAS beruhigt mich ausserordentlich. Ja, es beruhigt mich, dass es Sperrverfügungen geben wird, die NACHTRÄGLICH geprüft werden. Dieses Mittel ermöglicht es dem BKA z.B. vor der Wahl „regimekritische“ Webinhalte zu blocken. Wenn dann (nach der Wahl) ein Kontrollgremium tagt, wird es ein „Uuups, sorry da ist wohl unsere Datenbank gewürfelt“ als Antwort des BKA geben. JEDE mögliche Informationsunterdrückung ist VOR jedweder Massnahme einer richterlichen Prüfung zu unterziehen. JEDE Beschlagnahme wird – sofern nicht Gefahr im Verzuge ist – von einem Richter abgesegnet, bevor sie durchgeführt wird. Aber das Internet ist ja ein rechtsfreier Raum – zumindest was das Grundgesetz und Ihre Ansichten angeht.

Eindeutiger kann man nicht regeln, dass es sich um ein reines Präventionsgesetz in einem besonders gelagerten Fall handelt, das nicht auf andere Inhalte oder Zwecke übertragbar ist.

auch wenn Sie es noch 1.000.000 mal vorbeten. Eine Zensur wird dadurch möglich. Informieren Sie sich über tagesaktuelle Themen? Was glauben Sie, was im Iran gerade passiert? Wenn Sie jetzt sagen, dass sowas in Deutschland nie passieren wird, so halte ich entgegen: Ich hätte auch nie gedacht, dass sowohl ein Zensurinstrumentarium installiert, als auch die Gewaltenteilung in Deutschland abgeschafft wird. Aber wir lernen halt nie aus.

Leider wird in der öffentlichen Debatte selten erwähnt, dass die technische Infrastruktur für Internetsperren sich bereits im Aufbau befindet. Durch die Verträge zwischen BKA und den größten Internet-Service-Providern in Deutschland werden diese bereits verpflichtet, die Infrastruktur bereitzustellen und entsprechende Sperrungen in nächster Zeit vorzunehmen. Damit ist der Endkundenmarkt in Deutschland weitgehend abgedeckt. Nach unseren Informationen würden diese Verträge auch dann umgesetzt, wenn es kein Gesetz gäbe.

Vergessen Sie meine obige Frage, ob Sie sich auch tagesaktuell in den Medien informieren. Sie haben mit dieser Passage meine Frage ablehnend beantwortet. Denn den Medien war zu entnehmen, dass diese Verträge vorbehaltlich der Unterstützung durch eine noch zu erstellende Gesetzesgrundlage unterzeichnet wurden. Wäre es zu diesem Gesetz NICHT gekommen, wären die Verträge ungültig.

Ich teile durchaus die Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Verträge, da sie aus  unserer Sicht keinen hinreichenden Grundrechtsschutz gewährleisten. Bis es aber  möglicherweise zu einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts in dieser  Sache käme, wäre die Infrastruktur schon lange in Betrieb, ohne dass es gleichzeitig hinreichende Schutzbestimmungen für die Internetnutzer gibt, die wir nun gesetzlich regeln. Die aber wollen wir. Sie nicht?

Ich frage mich, ob Sie selbst glauben, was Sie dort schreiben… Es ist eine DIENSTANWEISUNG, dem BKA mitzuteilen, dass etwaige Sperrlisten nicht an die Provider gegeben werden. Damit wäre „die Kuh vom Eis“ und es gäbe keine Fragestellung ob und auf welcher Grundlage gefiltert wird. Denn wenn die Filterlisten leer sind, werden auch keinerlei Schutzbestimmungen für Nutzer oder Anbieter benötigt.

Vor diesem Hintergrund bitten wir Sie, Ihre bisherige Argumentation zu überdenken zumindest aber anzuerkennen, aus  welchen Motiven heraus die SPD Bundestagsfraktion dem Gesetz zugestimmt hat.

Das Thema hatten wir schon, aber Sie wiederholen sich ja gern. WIR nicht.

Selbst wenn man am Ende zu anderen Bewertungen kommt, sollte man die Pro- und  Contra-Argumente zunächst einmal fair gegenübergestellt haben.

Wenn man ein Amt inne hat, welches einen verpflichtet Schaden von der Bundesrepublik fernzuhalten, gilt es ALLE möglichen Gefahren abzuwehren. Wenn Sie auch nur ansatzweise so präventiv die Rechte der Bürger schützen, wie sie versuchen Terroristen zu jagen, wäre die Bundesrepublik einen sehr grossen Schritt weiter.

Wir verstehen, dass der AK Zensur in erster Linie der mehrheitlichen Meinung seiner  Mitglieder Ausdruck verleiht und deshalb unter Umständen auch zugespitzte Positionen vertreten muss.

Eines dieser Mitglieder bin ich und ja, Sie erfahren gerade, wie zugespitzt Positionen vertreten und wie sensibel Argumente interpretiert werden. Auch Sie sollten es einmal versuchen: Interpretieren und Möglichkeiten, aber vor allem auch Gefahren, identifizieren und diese abwenden. Freiheitlich-demokratisch, versteht sich.

Wir können Ihnen versichern, dass wir dabei auch die Argumente aus der Internet-Community sorgfältig abgewogen haben. Wir möchten uns deshalb noch einmal ausdrücklich und sehr herzlich für den fruchtbaren Meinungsaustausch in den letzten Wochen bedanken.

Haben Sie schon einmal eine Absage als Antwort auf  die Bewerbung auf einen Arbeitplatz erhalten? „Trotz ihrer überragenden Qualifikation und Erfahrung haben wir uns für einen anderen Bewerber entscheiden müssen“. Es ist egal wie süß eine Absage erteilt wird – sie bleibt eine Absage.

Die Argumente und Informationen, die wir von Ihnen erhalten haben, sind ganz konkret in die parlamentarischen Beratungen eingeflossen. Auch  die in der E-Petition geäußerte Kritik in Bezug auf eine fehlende Kontrolle der Sperrlisten und ein intransparentes Verfahren haben wir erfolgreich aufgegriffen.

Die Listen sind weiterhin geheim, die Rechtmässigkeit einer Sperrung KANN nachträglich kontrolliert werden. Fast möchte ich die Begrifflichkeit „süss“ konsultieren.

Der öffentliche Druck der Internet-Community ist also keinesfalls wirkungslos geblieben,

Schade, dass Sie diesen Satz nicht wahrheitsgemäss beendeten: …aber der Einfluss der Springerpresse war stärker

Zumindest dies sollte anerkannt werden, zumal Sie selbst zu diesem Erfolg beigetragen haben.

Wenn Sie uns damit unterstellen wollen, dass wir die Aushebelung so perfide unterstützen wie es Sie und Ihre Partei (die SPD) es tut, muss ich dieses leider ablehnend bescheiden. WIR weisen jegliche Mitarbeit an der Auflösung der Grundrechte und der Gewaltenteilung ab.

Die Aufnahme in die Sperrliste des BKA erfolgt nur, soweit zulässige Maßnahmen, die auf eine Löschung der Internet-Seiten mit kinderpornografischen Inhalten abzielen, keinen Erfolg  haben.

Ist das der Originaltext, wie er im Gestz festgeschrieben ist? Oder steht dort eventuell: „Die Aufnahme in die Sperrliste erfolgt nur, soweit zulässige Maßnahmen, die auf die Löschung des Telemedienangebots abzielen, nicht oder nicht in angemessener Zeit erfolgversprechend sind.“ Was ist eine angemessene Zeit? Muss die Löschung versucht werden, oder reicht es, wenn der Sachbearbeiter beim BKA erklärt „Das bringt eh nix“? Herr Dörmann, verzeihen Sie bitte, dass wir sehr genau aufpassen, was unsere Regierung tut und über was genau sie abstimmt. Gerade bei Gesetzen und Verträgen habe ich gelernt, dass jedes Wort, jede Formulierung deutlich zu beachten ist.

Beim Datenschutzbeauftragten des Bundes wird ein unabhängiges Gremium bestellt,  dessen Mitglieder mehrheitlich die Befähigung zum Richteramt haben müssen. Das Gremium kontrolliert die BKA-Liste regelmäßig und kann sie jederzeit einsehen und korrigieren, soweit die Voraussetzungen für eine Sperrung nicht vorliegen. Es wird verankert, dass gegen die Aufnahme in die Sperrliste der Verwaltungsrechtsweg  gegeben ist.

Ein resp. zwei Richter würden mir persönlich schon reichen, sofern diese VOR der Löschung eine richterliche Anordnung abzeichnen. Das ein unabhängiges Gremium anschliessend die Zusammenarbeit von BKA und Richtern überwacht hört sich gut an. Schöne Idee.

Das Gesetz dient ausschließlich der Prävention. Verkehrs- und Nutzungsdaten, die aufgrund der Zugangserschwerung bei der  Umleitung auf die Stopp-Meldung anfallen, dürfen nicht für Zwecke der Strafverfolgung verwendet werden. Damit wird auch ausgeschlossen, dass sich durch Spam-Mails fehlgeleitete Nutzer/innen einem Ermittlungsverfahren ausgesetzt sehen könnten.

Und wo ist das Präventionsgesetz gegen den Missbrauch des Präventionsgesetzes?

Zudem ist keine Speicherung personenbezogener Daten bei den Internetprovidern mehr vorgesehen.

Das schreiben Sie in einem Satz ohne den direkten Bezug zu dem Sperrgesetz. Darf ich Sie also so interpretieren, dass die Vorratsdatenspeicherung, für die Herr Schäuble so gekämpft hat, mittels diesen Gesetzes abgeschafft wird? Oder haben Sie nur – wie bei dem Gesetzestext – nur unachtsam formuliert? Scheint Ihnen öfter zu passieren.

Uns ist bewusst, dass die Mitglieder des AK Zensur eine besondere Sensibilität beim Thema Internet haben.

Mir persönlich geht es AUCH um das Internet, aber vielmehr geht es mir um das Grundgesetz in der Form, wie es die Verfasser ehemals erstellt haben und die Freiheit der Menschen in diesem Lande festgeschrieben haben. Anscheinend begreifen Sie (und ihre Partei) nicht, dass es nicht vorranging um das Internet, sondern um die Rechte der Bürger in unserem Land, sowie die Gewaltenteilung geht. Mit Ihrer Argumentation „denen geht ja nur um das Internet“ simplifizieren Sie die Thematik in einem nicht zu ertragendem Masse.

Wir teilen das Ziel, das Internet als Raum der freien Kommunikation zu erhalten und zu schützen

Ist dies die Stelle, an der Sie versuchen humorig zu werden? Sorry, aber von dieser Aussage scheint mir jeder Buchstabe ausschliesslich beruhigende Motive und keine rückhaltige Überzeugung zu beinhalten.

Das Internet stärkt die Entfaltungsmöglichkeiten jedes einzelnen von uns ebenso wie die weltweite Entwicklung demokratischer Inhalte.

Der neue amerikanische Präsident hat diese nutzbringend eingesetzt. Sie und Ihre Partei werden ihre Wahrnehmung der mediale Macht des Internets – für die Demokratie – nach der anstehenden Bundestagswahl nochmals überdenken. Das erscheint mir SEHR sicher zu sein.

Deshalb kämpft die SPD auf internationaler Ebene gegen die Zensur des Internets.

Sie haben wahrlich Humor. International ja, aber in Deutschland, ach….

Und wir wollen sie auch nicht in Deutschland.

Warum installieren Sie dann Gesetze, die genau dieses forcieren können?

Wir halten es aber für falsch und völlig unangemessen, im Zusammenhang mit dem vorliegenden Gesetz von Zensur zu  reden

DIESE Aussage erscheint mir – aus Ihrer Feder – allerdings deutlich schlüssig zu sein. Wer lässt sich im Vorwahlkampf schon gern nachsagen, dass er massgeblich an der Erreichtung von Zensur mitgearbeitet hat. Das wäre mir auch peinlich und unangenehm. Mal eine Frage: Kennen Sie Google?

Niemand würde es als Zensur bezeichnen, wenn die Polizei ein kinderpornografisches Bild an einem Zeitungskiosk beschlagnahmt.

Hey, wir kommen aufeinander zu, aber: Sie begreifen nicht, dass Sie keine einzelne Zeitschrift beschlagnahmen, sondern Sie errichten einen Paravent um eben diesen Kiosk. Aber was rede ich, Sie erinnern mich einfach an James Dean: Denn Sie wissen nicht was sie tun.

Auch Sie selbst sprechen  ja nicht von Zensur, wenn Sie auf dem Löschen entsprechender Inhalte auf Internetservern bestehen.

DAS ist die Entnahme eben dieser Zeitschrift aus eben diesem Kiosk, damit diese Zeitschrift nicht weiter verbreitet wird. Dies ist heute schon mit den vorhandenen Gesetzesgrundlagen möglich. Auch ohne dieses Sperrgesetz.

Demgegenüber ist eine Maßnahme, mit der der Zugang zu solchen Seiten lediglich durch eine Sperre erschwert wird, sogar die mildere Maßnahme. Auch insofern bitten wir Sie um Überprüfung Ihrer Argumentation.

An der Stelle frage ich mich lapidar, ob der wissenschaftliche Dienst des Bundestages auch Internetkurse anbietet. Rechtwissenschaft haben Sie studiert, wenden Sie Ihre Kenntnisse an, gerade was die korrekte und sehr penible Nutzung von Formulierungen angeht.

Wir möchten zum Schluss dieses Schreibens noch einmal betonen, dass wir auch für die Zukunft auf einen Dialog mit Ihnen und  der Internet-Community setzen.

Das ist schön für Sie. Sehen Sie am Horizont die beiden roten Lichter? Das sind die Lichter des Zuges der spätestens heute abgefahren ist. Machen Sie Ihren Wahlkampf allein. Im Netz erwarten Sie ab sofort deutlich mehr politische Gegner als noch vor 6 Stunden.

Die sicherlich sehr schwierigen  Themen, die mit dem Medium Internet und seiner rechtlichen Gestaltung zusammenhängen, lassen sich aus unserer Sicht nur durch Argumente, Information, Dialog und eine angemessene Abwägung unterschiedlicher Interessen und Positionen lösen.

Wer sich als so ausserordentrlich beratungsresistend wie Sie und Ihre Partei profiliert, wird sicherlich nicht das Ziel meiner Kommunkationsbemühungen sein. Oder würden Sie versuchen einem Fisch das Fliegen beizubringen? Nein, bitte beantworten Sie die letzte Frage nicht, ich befürchte ich kenne die Antwort.

85 Gedanken zu „Dörmann versucht den AK Zensur einzuseifen

  1. Pingback: Einer muss ja: Kurzmeldungen zum Abend : netzpolitik.org

  2. Dörmann hat den Knall echt nicht gehört. Typisches Politikerdenken: AK Zensur = Internetcommunity = Lobby. So wie Pharmalobby, Bauernlobby etc. Aus diesen Denkmustern kann er scheinbar nicht ausbrechen. Als wenn es uns nur um unser „Spielzeug“ Internet geht. Wird das ein Erwachen geben wenn er merkt das die Menschen die gerade extrem wütend auf Typen wie ihn sind keine Lobby sind sondern wesentlich breiter aufgestellt sind und wesentlich grundlegendere Probleme mit der aktuellen Politerkaste haben.

  3. Oh man, ich freu mich derart auf den Wahlkampf diesen Sommer. Ich freu mich auch auf die Gesichter der Politiker in den „Volksparteien“, wenn sie bermerken, mit wem sie sich angelegt haben und wie unangenehm es wird, wenn die Netzgemeinde manch einen Vorgang ins reale Leben zu deren Wahlkampfveranstaltungen trägt.
    Beindruckend fand ich an der Abstimmung, dass MdB’s wie Herr Georg Schirmbeck aus Osnabrück einfach mal gefehlt haben. Hat er mir doch hier noch zugesagt, dass er alles in seiner Macht stehende tun wird, um gegen KiPo vorzugehen: http://parkrocker.com/brief-vom-mdb-warum-ihn-das-formaljuristische-zensurverbot-unserer-verfassung-nicht-ueberzeugt/
    Da gab es dann anscheinend doch etwas wichtigeres, als gegen diese abscheulichen Taten vorzugehen. Wie der Herr wohl reagiert, wenn man im das durchgehend bis zur Wahl hier in der Stadt unter die Nase und an jede Laterne hängt… :]

  4. Danke für deine Kommentare. Ich finds nur immer wieder komisch, wie die Befürworter von einem Pro- und Kontra der Argumente reden. Das setzt doch voraus, dass sie mindestens ein Argument dafür gehabt hätten.

    *verwirrt dreinschauend*

    Naja, für die SPD habe ich mir bereits die Domain ‚projekt-10-x‘ gesichert. Fehlt nur noch ’ne gute Idee.

  5. Ja, mit kam auch die Galle hoch!

    Sehen wir die positive Seite:

    CDU/CSU : unwählbar (soviel war klar)
    SPD : unwählbar (soviel ist jetzt klar)
    Grüne : unwählbar (nicht jeder wird überrascht sein)
    FDP : naja, wer weiß

    In drei Monaten ist Bundestagswahl!

    JETZT dafür sorgen, daß wir eine Alternative haben!

    http://ich.waehlepiraten.de/

  6. Pingback: Internetsperren 19.06.2009: Artikel und Kommentar « Wir sind das Volk

  7. Wirklich ein großartiger Text. Ich frage mich einfach nur wie Menschen die sich Expertenmeinungen holen diese einfach so Ignorieren können.

    Nuja als nächstes gibts die Große Sperrseiten Rigrolling Welle. Ich freu mich drauf.

  8. Wie immer abfällig die Rede von „Internet-Community“ ist. Als ob die Mitzeichner der Petition und Gegner des Gesetzes einzig virtuell existieren würden.

    Mir wäre es lieber, wenn der Großteil der argumentimmunen, inkompetenten, unwissenden, springerprostituierten „Parlaments-Community“ (= Gesetzesbefürworter) nur virtuell existierten.

    Ich stimme da nur zu, dass die SPD erstmal kräftige Probleme bekommen wird. Hier hätte sie sich positionieren können. Wer sich aber selbst zum Sklaven seines Zuhälters macht, darf sich nicht wundern, warum man bei der Wahl hinten runterfällt.

    Ich geh mal mitkotzen.

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  10. Pingback: Feder & Herd

  11. Ich bin gegen eine Dialogverweigerung. Aber Dialog macht nur dort Sinn, wo es noch Argumente auszutauschen gibt.

    Ich sehe hier vor allem die Frage der Evaluierung. Wer wird von der Bundesregierung beauftragt ?
    Wird die Methodik der Evaluation öffentlich erarbeitet und diskutiert ?

  12. Pingback: Umstrittene KiPo-Gesetzgebung mehrheitlich beschlossen » knallisworld

  13. Ich begrüße sehr, dass der Dialog mit dieser beratungsresistenten Partei „abgebrochen“ wird. Verschwendung von Zeit und Nerv.

    Etwas anderes: Da die „geheime Liste“ nicht einsehbar und überprüfbar ist, wäre es zumindest korrekt, die Bürger stets über die Anzahl der gesperrten Seiten zu informieren. Wenn sich nämlich auf der Liste plötzlich 800 Links befinden, kann man davon ausgehen, dass die gleiche „Sperrpolitik“ wie in anderen EU-Ländern angewandt wird (siehe Analyse Sperrliste).

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  15. Pingback: Unglaublich was Politiker so von sich geben auf lebensLAUF

  16. Pingback: Startschuss für das Stoppschild « partikelfernsteuerung

  17. Na ja, bis fast ganz zum Ende dachte ich nur, so weit, so ärgerlich – aber nicht überraschend. Aber dann:

    „Demgegenüber ist eine Maßnahme, mit der der Zugang zu solchen Seiten lediglich durch eine Sperre erschwert wird, sogar die mildere Maßnahme.“

    Ich wusste nicht, dass „mild“ der juristische Ausdruck für wirkungslos ist.

  18. Ich bewundere Martin Dörmann. Obwohl er wußte, dass er zerfleischt werden würde, hat er dennoch den Brief geschrieben; er hätte es ja lassen können. Hat er aber nicht, sondern er wollte seine Position und die der SPD-Fraktion nochmals darlegen. Dass er hier auf die entsprechende Reaktion treffen würde, dürfte ihm klar gewesen sein.
    Es bleibt aber immer noch Hoffnung:
    1. Vielleicht unterschreibt der Bundespräsident wegen der Unvereinbarkeit des Gesetzes mit dem Grundgesetz das Gesetz nicht.
    2. Es gibt noch die Möglichkeit der Verfassungsklage, die sehr gute Chancen hat.
    Es lohnt sich immer für Meinungsfreihet zu kämpfen.

  19. Pingback: nathanael's status on Friday, 19-Jun-09 07:19:26 UTC - Identi.ca

  20. Oh mein Gott. Das Feedback hat mich ein bisschen überwältigt. Da legt man sich ein paar Stunden schlafen und fängt sich mitten in der Nacht mal eben über 30 Kommentare. Leider muss ich nebenbei auch noch arbeiten, also ist es mir unmöglich auf jeden Kommentar einzugehen. 🙁

    Zuerst möchte ich mich für die vielen wohlwollenden Worte bedanken, da ich mich beim Schreiben ab und an fragte „Kann man das so / so deutlich formulieren?“ Ihr sagt: Ja, man kann und muss. Danke für dieses Feedback.

    Wir alle dürfen jetzt den Kopf nicht hängen lassen: Es gibt noch vieles zu tun. Seid dabei!

  21. Danke für diese Kommentierung … eine große Koalition scheint ja eine einfache Sache zu sein, da kommt es auf ein paar Prozent mehr oder weniger nicht so an … wir werden es im September ja dann sehen.

  22. Pingback: Nachgehakt

  23. Inhaltlich gut gekontert.

    Doch bitte, bitte, korrigiere die Flut an Rechtschreibfehlern! Es wirkt einfach unprofessionell, die ganzen das-dass, fehlende scharfe S (außer in den wörtlichen Zitaten aus dem Gesetzestext…), Buchstabenlücken, inkorrekte Pronomina (wie Sie/Ihnen/Ihr kleingeschrieben) …

    Wenn es wer von den „alten Medien“ aufgreift und daraus zitiert, ist der Effekt u.U. kontraproduktiv. Und das wäre doch sehr schade.

  24. Den federführenden SPD-Abgeordneten ging es doch nie um die Kippung des Gesetz. Die wollten von Anfang an wie die Union einfach nur das Thema KiPo wahlkampftechnisch ausschlachten. Bloß hatte vdL seinerzeit das Thema schon zu ihrem Hoheitsgebiet erklärt.

    Also was machen? Nehmen wir als SPD doch einfach eine Pseudo-Bürgerrechtshaltung ein ohne aber medial zu sehr in die KiPo-Ecke gedrangt zu werden (Tolles Gastspiel hir von Frau Zyries). Dann geben wir uns noch Gesprächen mit diesen „Internet-Freaks“ hin, damit die auch sehen, dass wir eine Partei mit Bürgernähe sind. Gesetz dann noch abnicken und nach der Wahl interessiert es eh keine Sau mehr…

    Ganz ehrlich: Ich denke genau so haben die sich das gedacht. Die Union benutzt die Missbrauchsopfer während die SPD es ihr mit den Netzaktivisten gleichtut.

    Traurig. Damit hat diese Partei endgültig alle Sympathien bei mir verspielt.

  25. @Michael:

    Verdammt, Du hast ja recht. Ich werde den – sehr schnell geschriebenen – Text nochmal korrigieren.

    Mein altes Problem: Beruflich muss ich sehr korrekt schreiben, dafür „rotze“ ich im Blog…. 🙂

    Nachtrag: Verdammt waren da scheissviele Fehler drinnen. Und es sind garantiert immer noch welche vorhanden.

    Anmerkung: Vergebe ab sofort Stelle an jemenden der Rechtschreibkorrektur durchführt (Meine Prinzessin hat ein Vorrecht auf diese Tätigkeit :))

  26. @Marvin
    Ich denke nicht, daß es Herr Dörrmann darum ging seine bzw. die Position seiner Fraktion darzulegen. Solange es keine Argumente für die Sperrung gibt ist das nur inhaltsloses Bla (die SPD befand sich doch sogar in einer guten Ausgangsposition, da die sog. „Internet-Community“ bereits alle Argumente mit harten Fakten widerlegt hatten und die SPD hier die gemachte Arbeit nur hätte aufgreifen müssen).
    Ich denke der Hauptgrund für dieses weitere Gesprächsangebot ist lediglich das Bestreben sich mit Hilfe des AK Zensur einen pseudo-selbstkritischen Versteher-Anstrich zu geben.
    Ich bin auch grundsätzlich dagegen Dialoge aufzukündigen aber wenn harte Fakten weder anerkannt noch widerlegt werden, dann ist ein Dialog so sinnvoll wie ein Gespräch mit einer Wand.

  27. > Wir meinen, es gehört zu einer lebendigen
    > Demokratie, dass man sich gegenseitig zuhört und
    > im Gespräch bleibt, auch wenn man letztlich zu
    > anderen Schlussfolgerungen und Bewertungen
    > kommen mag

    Super Artikel, aber hier hätte ich mir noch die Nachfrage gewünscht, wieso der Mann in der Bundestagsdebatte gestern seine eigenen Grundsätze bei Herrn Tauss nicht anwenden wollte. Ich glaube die Äußerung war „Herrn Tauss will ich hier heute wirklich nicht hören“ oder so ähnlich.

  28. der typ behauptet, auch die spd sei gegen zensur und argumentiert ernsthaft damit, dass sperren ein milderes zensur-instrument als löschen sei. ist dem mann klar, dass diese dummdreiste aussage nicht nur grotesk ist, sondern auch meilenweit am diskussionsthema vorbei geht?!

  29. Pingback: eXanima » SPD vs. AK Zensur

  30. Eine passende Antwort, danke.

    Allerdings hoffe ich, dass die „Macht“ des Internets auf das Wahlverhalten des Durschnitts-SPD- oder -CDU-Wählers wird nicht zu hoch eingeschätzt wird.

  31. @David Kuttnick:

    Gern geschehen. Es ist nun an UNS, den Bürgern dieses Landes dafür zu sorgen, dass wir den „Normalwähler“ erreichen und den Nichtwähler motivieren.

    Es ist an der Zeit, dass sich etwas DEUTLICH in unserem Land und Machtsystem, an den Selbstverständlichkeiten der politischen Landschaft, ändert.

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  34. Spannend, dass ausgerechnet Herr Dörmann schreibt:
    „Wir meinen, es gehört zu einer lebendigen Demokratie, dass man sich gegenseitig zuhört und im Gespräch bleibt, auch wenn man letztlich zu anderen Schlussfolgerungen und Bewertungen kommen mag“

    Denn wer wollte die Zwischenfrage des Parteikollegen Tauss lieber nicht zulassen gestern?

  35. Echt unglaublich, zu was sich die Politiker hinreissen lassen. Aber so ist das wohl, schliesslich geht die Antwort ja nur an „dieses Internet“ (von dem jetzt alle reden?). Unglaublich, wie wenig Ahnung die Leute haben und wie sie sich die Welt schön reden, wenn ein weiteres Gesetz abgenickt wurde und die Freiheit in Deutschland mit Füssen getreten wird.

    Ich glaub, mir würden da gar keine passenden Antworten einfallen, wenn mir jemand so etwas antworten würde. Danke für die Kommentierung. 🙂

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  38. wurde der Text schon AUSGEDRUCKT und Dörmann zugestellt? 😀

    Ich meine irgendwie hab ich ja fast sowas erwartet er war ja bei dem ersten Gespräch schon so unglaublich Merkbefreit.

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  53. Dieser Brief ist eine echte Farce.

    Vor allem sein Bild mit dem Kiosk zeigt, daß er unsere Probleme mit diesem Gesetz bzw. der Vorgehensweise »gegen« dokumentierte Kindesmißhandlung im Internet in keiner Weise verstanden hat oder verstehen will. Mit dem Gesetz wird ja nur ein Zettel mit dem Stoppschild vor die sog. KiPo-Zeitung gestellt anstelle sie vom Kiosk zu entfernen (wie du auch schon schriebst).

    Die dann folgende Argmumentation, daß das Stoppschild ja keine so große Zensur sei wie die Löschung ist einfach nur blamabel. Will er uns sagen, wir sollen ihm dankbar sein, daß er nichts gegen illigale Inhalte unternimmt und eine nicht funktionierende Sperre aufbaut?

    Auch das »Wir müssen jetzt ein Gesetz für die sowieso schon von BKA und Provider beschlossenen Sperren machen«-Argument ist einfach unfassbar.

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  55. Feine Auseinanderbrezelung.
    es war mir eine Freude den Text kommentiert zu sehen.

    Schade nur das die Fülle an Textzeichen aus dem Internet das durchschnittliche Politikerhirn in die Überhitzung treiben wird.

    Mehr als 10 Zeilen lesen die ja nicht, da sie wichtigere Aufgaben haben…z.B. die Rechte und Freiheiten der Bürger verteidigen.

    Wer Ironie findet, darf sie behalten 😉

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  58. Wenn ihr denkt, dass der Depp von der SPD schon faktenresistent ist, dann kommt nun ein noch größerer..
    Laschet will Altersgrenzen für das Internet
    Die typische Masche, nur diesmal wieder mt „jugendschutz“

    http://www.derwesten.de/nachrichten/2009/6/24/news-123592788/detail.html

    Herrlich..
    Soll er sich doch bitte auf den Marktplatz stellen, und fordern, dass es Altersgrenzen für Zeitungen, Reden mit freunden, und Musik/Fernsehn brauch..
    Aber beim „bösen medium“ Internet kann man mit sowas ja kommen..

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