Das BKA pressemitteilt sich aus dem Debakel (Versuch 1)

Wie ich hier beschrieb (und die Frankfurter zitierte), hat das BKA massiv auf Daten der Telekom zugegriffen. Sowas lässt das BKA natürlich ungern auf sich sitzen und hat nun per Pressemitteilung versucht zu erklären, was nach dem September 2001 da passierte.

1. Die Rasterfahndungsmaßnahmen im Nachgang der Terroranschläge vom 11.September 2001 wurden auf der Grundlage der jeweiligen landesgesetzlichen Regelungen in den Ländern durchgeführt. Das BKA war seinerzeit lediglich beauftragt, in seiner Funktion als Zentralstelle der Polizeien des Bundes und der Länder (§ 2 BKAG) unterstützend tätig zu werden. Das BKA selbst hat keine Rasterfahndung durchgeführt.

Liest sich so: „Wir selbst sind gar nicht schuld – wir haben nur geholfen.“

2. Das BKA hat bei seiner im Jahre 2001 aus Gründen der Gefahrenabwehr an die Deutsche Telekom AG gerichtete Anfrage folgende Kriterien zugrunde gelegt: Männliches Geschlecht, Alter 18-40 Jahre. Zu berücksichtigen waren Datenbestände ab dem 01.10.1996.

Achso, nur alle 18-40 Jahre alten männlichen Bewohner der Bundesrepublik. DAS ist natürlich ein sehr überschaubarer Personenkreis. Höchstens 10 Millionen Personen deren Datensätze da zur Verfügung gestellt wurden. Von einer Rasterfahndung kann da natürlich KEINE Rede sein!

3. In Anbetracht des Umstandes, dass die Daten bereits im Jahre 2003 gelöscht wurden, liegen beim BKA keine Informationen mehr zum Umfang der damals von der Deutschen Telekom AG mitgeteilten Daten vor.

Wir haben auch nirgendwo dokumentiert was da eigentlich passierte – auch haben wir keine Unterlagen aus denen man Informationen über den Umfang des Datenaustausches recherchieren könnte. Sprich: „*Zungerausstreck* April-April“

4. Eine Benachrichtigung der Betroffenen ist nicht erfolgt, da es seinerzeit keinen Datenabgleich gegeben hat. Im Übrigen hätte die Pflicht zur Benachrichtigung nach Bundesdatenschutzgesetz beim betroffenen Unternehmen gelegen.

Natürlich hat es beim BKA keinen „Datenabgleich gegeben, wenn – siehe Punkt 1 – die Daten abzugreifen. Wenn da genügend Dienststellen zwischen erhebender Institution und dem durchführenden Organ liegen (am Ende die NSA/CIA?), bekommt eh keiner mehr mit, was da genau passiert ist. Sowas nennt man auch Verschleierungstaktik. Kennt man von der Feldwäsche – muss nur durch genügend viele Hände gehen.

Der ABSOLUTE Hammer ist aber die Feststellung, dass das betroffene Unternehmen (hier wohl die Telekom gemeint) Kunden informieren soll. Wenn die Zugriffe mittels §112 TKG erfolgt sind

Der Verpflichtete hat durch technische und organisatorische Maßnahmen sicherzustellen, dass ihm Abrufe nicht zur Kenntnis gelangen können.

soll die Telekom also Kunden über Vorgänge informieren, von denen sie keine Kenntnis haben darf. Ich schätze mal Kristallkugeln werden sich in Zukunft prima verkaufen.

ENTWEDER ist diese Pressemitteilung durch einen Praktikanten geschrieben worden, oder in diesen Vorgängen gibt es noch ganz viel zu recherchieren, nicht zuletzt in die Richtung, was dieser Staat mit uns Bürgern so alles machen kann. Aber wir vertrauen dem Staat ja, ja doll!

Der elektrische Reporter erklärt den Nerd

Und wir (zumindest ich) treffen bei dem elektrischen Reporter ein paar „alte“ Bekannte wieder, die dort zu Wort kommen.

Nerds sind das wandelnde Klischee des gesellschaftlichen Außenseiters: schüchtern und unattraktiv verbringen sie die meiste Zeit vor ihrem Computer und pflegen soziale Kontakte allerhöchstens über die Tastatur. Doch die vermeintlichen Außenseiter haben der Gesellschaft längst ihren Stempel aufgedrückt. Von der E-Mail-Kultur bis zur Wikipedia: Das digitale Zeitalter ruht auf einem Nerd-gebauten Fundament. Der Elektrische Reporter begibt sich auf die Suche nach der Subkultur der Technophilen – und stellt die Frage, ob wir im Gleichschritt mit der Verbreitung des Internets nicht alle irgendwie zu Nerds werden.

httpv://www.youtube.com/watch?v=WPdVUxp9Im4

Pocher zu Sat1: Rückschlag oder Fortschritt?

Über Geschmack lässt sich bekanntlich trefflich (nicht!) streiten. Umso mehr reizt mich die Überschrift der FAZ: „Rückschlag für die ARD – Das Erste ohne Pocher“ doch mal meinen Senf dazu zu geben:

Pocher, jemand der einmal erfrischend frech daher kam – damals, der sich auf seiner eigenen Webseite immer noch als „Nachwuchsentertainer“ beschreibt. Pocher, der am 26.06.2009 in Hamburg mal gerade eben Open-Air im Stadtpark auftritt. Ein Platz an dem entweder (sehr schöne!) Konzerte von alten Helden stattfinden, die keine Hallen mehr füllen, oder eben Nachwuchsstars die keine wirkliche Halle füllen.

Pocher geht nun also wieder nach Haus, zur Sendergruppe prosiebensat1, zurück. Bei Pro7 fing er im „grossen“ Fernsehen an, bei Sat1 wird – so wie ich das abschätze – sein Ende eingeläutet.

Die persönliche  „Entwicklung“ Pocher lässt sich auch an seinen Auszeichnungen nachvollziehen (Quelle Wikipedia)

  • 2004, Goldener Bravo Otto in der Kategorie „Comedy“ (Ja, als Bravo-Star darf man ruhig anfangen)
  • 2005: Deutscher Comedypreis für „Beste Comedy-Show“ (Hey, da macht sich jemand, aber dann?)
  • 2005: Goldener Bravo Otto in der Kategorie „Comedy“
  • 2005: Jetix Kids Award in der Kategorie „Coolster TV-Star“ (Boah ey, ist der kewl…)
  • 2006: Goldener Bravo Otto in der Kategorie „Comedy“
  • 2006: Radio Regenbogen Comedy Award (lässt irgendwie schon nach)
  • und ich 2008: Preis der beleidigten Zuschauer

In meinen Augen hätte Pocher bei Harald Schmidt die Chance gehabt sich freizuschwimmen und in den Bereich intelligenter grober Unfug vorzustossen, leider hat er es nicht geschafft, sich das Prädikat intelligent zu erarbeiten, so dass er als der Pausenclown neben Harald Schmidt stand und letztendlich nur von den Schreiberlingen des Ex-Meisters (Sorry Harald, aber auch Du hast nachgelassen) profitiert hat.

Über Pocher mögen pubertierende Schulhof-Rowdys lachen können, die mit Pispers, Krömer (und sehr-sehr viele Anderen!), noch nichts anfangen können. Auf dem Schulhof macht man sich über Schwache lustig und grenzt sie aus – genau auf dieser Linie schafft es Pocher immer wieder eine zweifelhafte Aufmerksamkeit zu erheischen. Aber ist es Comedy, Klamauk oder eher bewusst inzenierte Schadenfreude auf die Pocher (genauso wie Stafan Raab) setzt?

Für mich ist Pocher wieder da gelandet, wo er hingehört: In den Bereich Fernsehunterhaltung, der sich (über Werbung) selbst finanzieren muss, der es nicht verdient hat bildungsauftragfinanziert seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Schlussendlich ist der Gang ein Fortschritt für die GEZ-Gebührenzahler und ein Rückschlag für Pocher. Nicht mehr.