Dann fangen wir gleich, später, irgendwann, nie mal an

Der Spiegel berichtet über den G8 Gipfel und die weitreichenden (im wahrsten  Sinne des Wortes!) Entscheidungen, die dort getroffen wurde:

„Wir wollen mit allen Parteien in der UNFCC (Uno-Klimarahmenkonvention) die Vision teilen, (…), das Ziel einer Reduzierung der CO2-Emissionen um mindestens 50 Prozent bis 2050 zu erreichen.“

Na toll! Bis 2050! Und was passiert bis dahin? Bis dahin werden sich weiterhin die weltweit agierenden Konzerne die Rosinenstandorte herauspicken und dort produzieren, wo die Umweltzertörung steuerlich begünstigt ist, weil ja Arbeitsplätze geschaffen werden. Natürlich nur um der Menschheit (aka Aktionäre) etwas Gutes zu tun.

Es wird debatiert, Kaffee (Sake?) getrunken und man lässt sich vom Wahl-Volk feiern, da man (unwirksame) Entscheidungen getroffen hat.

Segen des Oligopols

Was kaum einer weiss: Ich habe früher einmal in der EDV-Distribution gearbeitet – fieses Geschäft: Vor knapp 20 Jahren konnte man in dem Bereich noch Geld verdienen, mittlerweile wird mit (Verkaufs!)Margen von 2% gearbeitetm, wenn man Produkte nicht nur einfach durchreicht und auf Boni des herstellers setzt (Zielerreichung, Werbekostenzuschüsse etc.). Das Problem in dem Bereich EDV-Distribution ist offensichtlich, dass es keinen Regulierer gibt, wie bei der Energiewirtschaft:

Dank der Bundesnetzagentur dürfen die Übertragungsnetzbetreiber bei neuen Leitungen anstelle von 7,91% nun 9,29% (vor Steuern) verdienen. Bei Altleitungen sind es immerhin noch 7,56% statt 6,5%. Das sind Mehreinnahmen 270 bis 300 Millionen Euro pro Jahr.
Der Hintergrund der „Erlaubnis mehr Geld zu verdienen“ is, dass die Energieversorger/Übertragungsnetzbetreiber dringenst zum einen ihr marodes Netz moderniesieren müssen, was sicherlich urplötzlich als erforderlich auftaucht. Die letzten Jahre hat man das Geld lieber den Vorständern und Aktionären (wem gehörten die Energieversorger nochmal?) in den feisten Popo gesteckt, als die Basis des eigenen Geschäfts am laufen zu halten. Ausserdem müssen die Übertragungsnetzbetreiber Leitungen in Nord-Süd Richtung ausbauen um den Strom der Windkraftanlagen ins bayrische Hinterland zu tragen.

Tolles Gefühl ein Mono- oder Oligopol zu haben. Man stelle sich vor, ein Bauern würden nicht regelmässig sein technisches Gerät erneuern (als normale Betriebskosten – Rücklagen etc) um dann zu erklären „Alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse werden mal eben teurer, ich brauche einen neuen Trecker“. Aber die Herren der Energiewirtschaft werden gepampert und ihre unternehmerischen Fehlentscheidungen der Vergangenheit mal eben per Bundesnetzagentur geradegebogen. Und wer zahlt es? Na klar: Menschen wie du und ich, die Verbraucher.

Hilfe für die Bundeskanzlerin

Laut Spiegel-Online fordert die deutsche Bundeskanzlerin:

angesichts der Rekordpreise für Öl und Benzin mehr Durchschaubarkeit auf den Energiemärkten. Am Rande des G-8-Gipfels im japanischen Toyako sagte Merkel, wichtig sei, Angebot und Nachfrage besser in Einklang zu bringen. „Im Mittelpunkt steht die Frage: Wie kommen wir zu einer besseren Prognose?“

Liebe Frau Bundeskanzlerin,

Prognosen sind eine Sache von Fachleuten, aber leider auch etwas, das gern unter Verschluss gehalten wird, wenn es gewissen Interessen zuwider läuft. Was kann ein Entscheider tun, um sich nicht auf falschen Informationen (Prognosen) aufzusitzen? Na, erstmal diejenigen nicht zu Wort kommen lassen, bei denen man von vornherein davon ausgehen kann, das sie mit der gestellten Prognose eigene Ziele verbinden (Prüfe deine Quellen!). Ausserdem steht es jedem frei, sich vertrauenswürdige, fachkundige Personen in einem Beraterstab zusammenzufassen. Ein(e) Bundeskanzler(in) hat für sowas zum Beispiel seine/ihre Minister. Frau Merkel, ihr Lieblingssatz

„Wir brauchen Standards“

wird ihnen da nicht helfen, denn gerade im Bereich Informationssichtung und -bewertung gibt es eher keine Standards. Denn jeder Problemkreis muss als ein eigenes System erkannt und bewertet werden. Aber das wissen Sie – liebe Bundeskanzlerin – sicherlich, denn zu ihrer Aufgabe  gehört es ja schliesslich sich zu vielfältigen eine Meinung als Entscheidungsgrundlage zu bilden. Oder bewerten Sie das Thema Menschenrechte nach dem gleichen Standard wie das Thema „Gammelfleisch“?

Wie auch immer: Sie scheinen massive Probleme mit der Qualität ihrer Informationsbeschaffer zu haben.