Marseille in Hamburg?

Als ich das erste Mal in Marseille (per Flieger) landete, bekam ich leichte Beklemmungen, denn es patroullierte mit Schnellfeuerwaffen ausgestattes Sicherheitspersonal, etwas dass ich in dieser massiven Präsenz von anderen Flughäfen nicht kannte – und ein paar ausländische Flughäfen habe ich kennen gelernt.

Wie nun heute der TAZ zu entnehmen ist, soll in Zukunft die Bundeswehr auch im Innern angefordert und eingesetzt werden. Bundeswehr im Innern hatte bis jetzt etwas „heldenhaftes“, denn bislang half die Bundeswehr ähnlich wie THW und andere Dienste bei Hochwasser- und ähnlichen Katastrophen. Dagegen ist auch nichts einzusetzten, sondern es ist wünschenswert.

Nun aber wird es – so wie ich die Lage einschätze – eher wahrscheinlich, dass wir auch in Deutschland „oliv“ und Schnellfeuerwaffen auf Bahn- und Flughäfen antreffen werden:

Anders als von der SPD ursprünglich gefordert muss der Unglücksfall oder Anschlag nicht „unmittelbar“ drohen; es genügt, dass die Polizei Indizien für einen zukünftigen Anschlag hat. Auch die zweite von der SPD einst geforderte Einschränkung entfiel. Eigentlich sollte die Bundeswehr nur zur Abwehr von Gefahren „aus dem Luftraum und von See her“ eingesetzt werden. Jetzt ist auch der viel typischere Fall erfasst, dass Terroristen vom Boden aus agieren, also zum Beispiel einen Bahnhof in die Luft sprengen wollen.

Wenn ich mir die äusserst dünne Indizienkette in Zusammenhang mit den angeblichen kölner Terroristen anschaue, wird es nicht lange dauern, bis man am Hauptbahnhof Hamburg nicht nur die lapidare Lautsprecheransage „Der Zug hat leider Verspätung“ hört, sondern auch ein aus einer Männerkehle schallendes „Abteilung HALT“.

Ich habe noch Kontakte zu aktiven Bundeswehsoldaten. Erst wurde der Soldat „umgelernt“ für den Einsatz im „zu befriedenden“ Ausland, nun kommt noch eine Polizeiausbildung dazu. „Unmittelbarer Zwang“ gehörte bislang schon zum Ausbildungsinhalt, aber „Mann stoppen“ ist etwas anderes, als die garbe in Brusthöhe zu beginnen, damit der zweite Schuss dann den Kopf trifft.

Herr Innenminister, Sie wissen definitiv NICHT was sie tun!

Ich veruntreue und sage schlicht „Entschuldigung“

Ja, der Herr Obermann hat es leicht. Da werden Daten veruntreut und Herr Obermann hat die Chuzpe zu (laut SPON)erklären:

„Wir können uns bei unseren Kunden nur entschuldigen“, sagte er der Zeitung „Bild am Sonntag“. Er betonte: „Das Ganze ist ein sehr ärgerlicher Vorfall.“

Da wird gegen Grundzüge der Geschäftsbeziehung, nämlich dem Vertrauen in den Geschäftspartner, verstossen und Herr Obermann kann sich „nur entschuldigen“. Herr Obermann weiss ganz bestimmt, was ein NDA (non disclosure agreement) ist. In einem NDA sichern sich Firmen gegenseitig VOR einer Zusammenarbeit zu, das keine der Parteien etwaigen Insiderinformationen „nach draussen“ gibt. Wobei „draussen“ schon Firmenmitarbeiter sind, die mit der direkten Zusammenarbeit nichts zu tun haben. Vertrösse gegen NDAs sind äusserst teuer, auch dies wird Herr Obermann wissen – GANZ sicher. Dass er sich also nun hinstellt und sich „nur entschuldigen“ kann, macht mich schon ein wenig sauer, denn ich weiss wie NDAs der telekom aussehen und kann mir vorstellen welch dicker Knüppel die Telekom-Anwälte rausholen, wenn ein geschäftspartner nicht penibelst auf Daten aufpasst, die er von der telekom bekommen hat.

Aber es geht ja in diesem Fall nur um Kundendaten. Kunden? Das sind doch die Ärsche die die Gehälter von Obermännchen und Konsorten zahlen, oder?

Wäre all die Scheisse, die da bei der Telekom passiert in der politik aufgeschlagen, würde die BILD-„Zeitung“ längst den Rücktritt Obermanns fordern. da Obermann sich aber nur entschuldigt und keine Entschädigungen an die betroffenen Kunden zahlt, hat er die Großaktionäre hinter sich.

Telekom meisselt Datensätze auf Marmor…

Zumindest sollte dann der Diebstahl von 17 Millionen Datensätzen auch eine logistische Meisterleistung gewesen sein.

Aber halt! Moment mal, wieso speichert die Telekom die Daten nicht einfach auf normalen Datenspeichern (Festplatten, Tapes etc…)? Die Frage stellt sich mir, wenn ich im SPON folgenden Satz lese:

Die Telekom hat nach eigenen Angaben „alles unternommen, um die entwendeten Daten wieder zu bekommen“.

Daten WIEDERBEKOMMEN? Sind die denn tatsächlich physikalisch verschwunden? Wohl eher nicht, eher wird jemand die Datensätze kopiert haben. Dann aber wird die Telekom die Originaldaten nicht zurückbekommen, da sie ihr Haus nie verlassen haben. Also sprechen und schreiben wir eher von Kopien der Originaldaten. Und was kann man mit EDV-Daten (sowieso und generell) vortrefflich machen? Ich gebe mal einen Tipp: CTRL-C  -> CTRL-V

Richtig: Man kann sie weiter und weiter und weiter kopieren. Da sind wir im Kern des Dilemas: Daten, die einmal den „Hochsicherheitsbereich“ verlassen haben sind nicht so einfach zurück zu bekommen. Niemand weiss, wie oft die Datensätze kopiert wurden und wo all diese Kopien, oder Teile der Datensätze nun rumliegen.

Und somit gibt uns die Telekom (ein Ex-Staatsunternehmen!!) wieder ein Paradebeispiel, warum es böse zuviele Daten zu speichern und vor allem diese in zentralen Datenbanken zusammen zu fassen.

Herr Schäuble: Lesen sie hier mit? Sollten Sie, denn sie können etwas lernen!