Nun schreit auch die Printmedienbranche nach Staatshilfe

Man fragt sich ja wirklich, war oder was als nächstes die Dreistigkeit besitzt die eigenen Probleme durch den Staat lösen zu lassen. Aber erstmal sind es die Printmedien, allen voran der Gruner + Jahr-Chef Bernd Kundrun, die den Staat um Hilfe in der gebeutelten Zeit anflehen: Die Umsatzsteuer/Mehrwertsteuer für Prinmedien soll abgeschafft werden. Die Welt berichtet, wie durchtrieben Kundrun dabei vorgeht. Er erklärt zwar:

Die Medienbranche sollte trotz der Probleme nicht auf Staatshilfe drängen, sagte Kundrun weiter. „Ich halte nicht viel davon, einen weiteren Rettungsschirm für die nächste Branche zu verlangen.

fügt aber dennoch – schamlos möchte man es nennen- hinzu:

Aber man sollte darüber diskutieren, die Mehrwertsteuer für Printprodukte abzuschaffen“, forderte der G+J-Chef. Dieser Satz liegt derzeit bei sieben Prozent

HALLO? Ist dass denn bitte schön keine Hilfe des Staates? OK, es werden keine Ausgaben erzeugt, wie bei den derzeitigen Geldgeschenken, aber die Mindereinahmen haben hintenrum den gleichen Effekt und Kundrus weiss das genau. Aber mit seiner Argumentation stellt er sich als „Ich nehme ja keine Kohle“ an hin, und stellt gleichzeitig seinen Hut zum Geld einwerfen bereit.

Frechheit siegt.

Totalversager müsste man sein

So einer, der die Gnade hat den Namen Mohn zu tragen und tatsächlich Erbe der Bertelmann-Gründers zu sein. Denn wer sich bei Lycos versucht hat mit Arbeit ein lebenslanges Aus- und Einkommen zu sichern, der hat verloren – zumindest wenn er zu den 500 Mitarbeitern (von 700) gehört, die jetzt aufgrund der Pleite von Lycos-Europe auf die Strasse gesetzt werden.

Wer aber nicht als Mitarbeiter, sondern – wie Christoph Mohn – als CEO (Chief Executive Officer) sein Geld verdient, der lacht sich ins Fäustchen.

Am Dienstag hat der Aufsichtsrat das Projekt Selbstzerstörung beschlossen. Das Schöne für die Eigentümer ist dabei, dass vom Börsengang im März 2000 – trotz jahrelanger Verluste – noch rund 130 Millionen Euro übrig sind. 50 Millionen werden an die Aktionäre verteilt. Auf Mohn junior, den Gründer und Vorstandschef, entfallen gemäß seines Kapitalanteils von rund zwölf Prozent somit rund fünf Millionen Euro. Auch Bertelsmann (Anteil: 20 Prozent) hat etwas von der finalen Aktion.

Schreibt die Süddeutsche. Seht ihr: SO macht man das. Eine Firma mit Karacho an die Wand fahren, und am Ende noch mit einer dicken Brieftasche nach Hause gehen. Wer die Zeche zahlt, steht auch in dem Artikel:

Manche Bertelsmann-Mitarbeiter hatten 2000, im Vertrauen auf den guten Namen Mohn, Aktien zum Ausgabekurs von 24 Euro gekauft. Inzwischen notiert das Papier bei rund 20 Cent. (Hervorhebung von mir)

Das heisst, im worst-case sind die Mitarbeiter ihr Erspartes und ihren Job los. Während sich die Mohn-Familie (und andere) die Taschen füllten:

Da beschlossen die Eigner, sich lieber die verbliebenen liquiden Mittel brüderlich zu teilen. Auch die Bertelsmann-Tocher Gruner + Jahr sowie die Hamburger Verlegerfamilie Jahr, die dank Middelhoffs Werben an Lycos Europe beteiligt sind, können sich in schwerer Zeit über eine Sonderzuweisung erfreuen.

Das den „freizusetzenden“ Mitarbeiter Jobs über die interne Bertelsmann-Jobbörse angeboten werden ist nur ein schwacher Trost, denn ganz zuletzt sind da mal eben 500 Stellen vom Arbeitsmarkt verschwunden. Die „internen“ Stellen hätten ja ansonsten mit externen, neuen Mitarbeitern besetzt werden müssen.

Christoph Mohn muss aber – Gott sei Dank – nicht darben. Selbst wenn er die 5 Millionen nur als Tagesgeld anlegt (derzeit mit ca. 4% verzinst), hat er ein Jahreseinkommen von 200.000€ – das sind immer noch 16.666,66€Im Monat. Besser als Hartz-IV. Damit kommt man – so gerade eben – hin.

Inspiriert durch Stefan Niggemeier

Immer wieder „Spass mit der Telekom“ und der Datensicherheit

Dank Fefe wurde ich auf einen Artikel in den Finanznachrichten aufmerksam, der beschreibt, wie mal wieder massiv Daten aus der Telekom rausgeflossen sind:

Danach verschafften sich dubiose Adresshändler und Callcenter offensichtlich Zugriff auf Namen, Adressen, Vertragsdaten und Bankverbindungen von mehreren tausend Festnetzkunden. Insider berichten, es würden derzeit viele zehntausend streng vertrauliche Kundenprofile auf dem Schwarzmarkt angeboten; anders als bei früheren Datenmissbrauchsfällen bei der Telekom beinhalten die Datensätze diesmal alle Bank- und Geburtsdaten. Einige Kunden beschweren sich bereits über illegale Abbuchungen von ihren Konten.

Die Originalnachricht kommt vom Stern – über NewsAktuell.

Tja, da hilft auch der beste Datenschützer nix, wenn das System selbst völlig marode ist.So wie der Stern schreibt, scheint auch der aktuelle Telekomchef Obermann mit in der Verantwortung des aktuellen Falles zu stehen.

Und DIESE Telekom soll massgeblich an DA-MAIL beteiligt werden? Um SICHERE Mail zu betreiben? Ich kann darüber nur noch lachen – zum weinen bin ich schon zu abgestumpft.