Still und starr liegt der See

Der Tiefensee – wie es scheint, haben wir da wo man einen starken mann bräuchte, ein Früchtchen sitzen. Denn wer die Personalführung für die Bahn und den – auch in Metaphern gesprochen – stiernackigen Mehdorn beaufsichtigen muss, sollte ein breites Kreuz haben. Aber genau dieses hat der Herr Tiefensee nicht und wird nun von allen Seiten durch das Dorf getrieben. Nun tritt auch der Bundesrechnungshof dem Herrn Verkehrsminister auf die Füsse und moniert:

Der Bundesrechnungshof kritisiert demnach, dass das Ministerium bislang keine Gesamtschau der zu erwartenden Kosten erstellt habe. Von den erwarteten Kosten in Höhe von 5,3 Milliarden Euro seien nur gut vier Milliarden abgedeckt, heißt es in dem internen Bericht.

wie der Spiegel schreibt. Das der Herr Tiefensee dafür Daten von der Bahn braucht, ist eine Sache. Von einer Führungspersönlichkeit (was ein Minister sein sollte), erwarte ich aber, dass er seinen Leuten auch mal in den Arsch tritt, um Termine einzuhalten.

In einem Managmenttraining habe ich einmal etwas SEHR wichtiges und wahres gelernt: Warum bestimmt der Vorgesetzte wo es langgeht? Einzige Erklärung: Weil er die Verantwortung zu tragen hat. Keine weiteren Diskussionen. Aber dieser Verantwortung muss man sich auch stellen. Das gilt für ALLE! Und genau an der Stelle hapert es bei nahezu allen Managern und Politikern. Hier wird zu gern der Kopf eingezogen und es geht nicht um die Sache, sondern nur um Gier. Gier nach Macht, Geld, Ansehen oder was auch immer.

So langsam glaube ich wirklich an eine Intrige

und zwar, dass die Bahn-Vorstände den Verkehrsminister Tiefensee abschiessen wollen. Anscheinend haben sie auch Teile des Aufsichtsrates auf ihre Seite bekommen (naja, der soll ja auch den Vorstand kontrollieren, gut dort ein Stein im Brett zu haben). Im SPON ist zu lesen:

Bahn-Aufsichtsratschef Werner Müller habe dem verkehrspolitischen Sprecher der SPD, Uwe Beckmeyer, und SPD-Fraktionsvize Klaas Hübner mitgeteilt, dass er Tiefensee schon Ende Juni über die Bonusregelungen informiert habe. Dazu erklärte Tiefensees Sprecher Rainer Lingenthal, Müller habe Tiefensee zum ersten Mal am 20. Oktober über die Bonusregelungen informiert. „Der Minister ist im Juni weder über diese Bonuszahlungen selbst noch über Details informiert worden.“

Schon interessant, dass sowas erst eine Wochen nach der Aussage Tiefensees erklärt wird. Warum nicht sofort den Finger heben?

Sieht langsam echt so aus, als wenn die komplette Bahn-Führung abgelöst gehört – massiver Klüngelverdacht

Wie sich die Zeiten doch ändern

Gerade sagte meine Prinzessin zu mir:“Möönsch, dass muss doch stimmen, das war doch im Fernsehen“. Und mir wurde – wieder einmal – klar, wie sich doch unsere Wahrnehmung verändern muss. Früher war es so, dass die Frage „Hast Du das mit eigenen Augen gesehen?“ die Möglichkeit des Fernsehens (oder auch des Bildes) mit einschloss.

Diese Zeiten sind aber lange vorbei und wir müssen uns das immer und immer wieder vor Augen halten. „Mit eigenen Augen gesehen“ schliesst ALLE Medien aus! Dies gilt auch für dieses Blog, das Internet sowieso, Bücher und all der Schnarz.

SEHR allergisch reagiere ich persönlich auch auf den Satz:“Das timmt, ich habe es in einem Buch gelesen“. Irgendwann werde ich ein Buch schreiben, in dem ICH die Welt in nur zwei Tagen erschaffe, die eine chirurgisch einsetzbare Atomwaffe und sozialverantwortlich handelnde Manager und Politiker kreiere. Dann kann man auch diesbezüglich sagen: Stimmt alles, ich habe es in einem Buch gelesen.

PS: Meine Prinzessin meinte es ironisch!