Mal nicht mit dem Rückenmark denken

Liebe Deutsche – habt ihr sie noch alle?

Umso länger ich darüber nachdenke, komme ich zu dem Schluß dass die meisten meiner Landleute den Schuss nicht gehört haben und eigentlich völlig Plem-Plem sind.

Unser Regierung verarscht uns von vorn bis hinten, zieht uns das Geld aus der Tasche um es zu verprassen, unsere Kinder haben wenig Chancen auf eine vernünftige Bildung, im Alter wird es uns monetär dreckig gehen, unser Gesundheitssystem kollabiert,  internationale Konzerne zerstören unseren Planeten und ihr zerfleischt euch gegenseitig wegen des  Schutzes der Nichtraucher?

Ist diese Kleinkrämerei, diese Intoleranz und dieses „ich habe mehr Rechte als Du – ich bin mehr wert“-Gehabe nicht genau der Grund weshalb Kriege geführt werden? Ist diese Respektlosigkeit nicht der Grund warum sich Jugendliche gegenseitig zu Krüppeln schlagen oder sich gar töten? Ihr benehmt euch gerade wie Kindergartenkinder – aber die 1-3 Jährigen, den grösseren hat man typischerweise schon beigebracht MITeinander zu spielen.

Und was werden nicht für wunderschöne Argumente vorgebracht, warum man unbedingt in allen Kneipen und Restaurants ein vollumfangliches Rauchverbot einführen muss. Nur eines davon war in der Lage von mir nicht sofort argumentativ gekontert zu werden. Dies war SvBs „Was ist mit den Arbeitskräften“. Aber lieber Sebastian, nach etwas längerer Überlegung – ja manchmal nutze ich auch das Hirn und nicht nur das Rückenmark 🙂 – kam ich dahinter dass Menschen mit einer Sonnenallergie nicht im Strassenbau arbeiten können, und diese Arbeiter bei Asphaltierungsarbeiten die sicher nicht gesunden Aphaltdämpfe einatmen müssen. Was ist mit Friseusen, die Probleme mit den Bleich- und Färbemitteln haben? Es gibt viele Beispiele von Befindlichkeiten, die es einzelnen Bürgern unmöglich machen einen bestimmten Beruf – in einem bestimmten Umfeld – auszuüben. Wollen wir denen allen entgegen kommen? Muss die Gesellschaft dieses? Haarfärbeverbot, weil einzelne Friseurinnen Ausschlag bekommen? Nur noch Kopfsteinpflaster wegen der Ausdünstungen?

Ein Planet ohne Kriege kann es nur geben, wenn ALLE (in diesem Fall Raucher und Nichtraucher) Menschen tolerant mit einander umgehen. Die derzeitige Diskussion macht mich persönlich traurig, denn auch wir Deutschen sind weit davon entfernt geistig so entwickelt zu sein aus dem Zeitalter der Kriege rausgewachsen zu sein. Am meisten schmerzt es zu lesen, wer von meinen Bekannten sich in die Riege der Extremisten einreiht. Aber man lernt ja nie aus.

BTW: Ich bin immer noch Nichtraucher und erwarte die Beschwerden der Mieter aus dem ersten und zweiten Stock über den Gaststätten, weil sich die Raucher nach 21:00 so laut vor der Tür unterhalten.

11 Gedanken zu „Mal nicht mit dem Rückenmark denken

  1. „BTW: Ich bin immer noch Nichtraucher und erwarte die Beschwerden der Mieter aus dem ersten und zweiten Stock über den Gaststätten, weil sich die Raucher nach 21:00 so laut vor der Tür unterhalten.“

    Zu spät. Als das Rauchverbot vor ein paar Jahren eingeführt wurde, geschah genau dies. Streß wegen ruhestörenden Lärms.

    In der Berliner Simon-Dach-Straße sitzen die Gäste unter der Woche bis 22:30-23 Uhr sowieso draußen, müssen dann aber des Lärmschutzes wegen rein. Die Raucher, die nun auch um 1 oder 2 Uhr in kleinen Gruppen draußen sein *müssen*, sind typischerwiese wesentlich lauter als die Masse, auf den Bierbänken. Erstere unterhalten sich nur, was zu einem murmelnden Klangteppich führt (auch nicht wirklich angenehm, wenn man schlafen muss), letztere krakelen rum, weil sie glauben, die Straße für sich zu haben.

    Irgendwas ist halt immer.

  2. Ich muss sagen, mir als (noch) Raucher ist das ganze Gesetz inhaltlich relativ egal. Geh ich halt vor die Tür, was solls? Hat sogar ein paar Vorteile weil man so schnell mit Leuten ins Gespräch kommt (man hat ja schonmal ein Thema 🙂 ). Auch der Krieg Raucher vs. Nichtraucher juckt mich kaum … die Fundis aus beiden Lagern werden immer was finden um sich darum zu kloppen.

    Allerdings zeigt dieses Beispiel mal wieder, warum eine direkte Demokratie auch kein Lösung ist: Das Volk lässt sich genau so leicht wie die Politiker von kleinen Interessengruppen manipulieren und im Anschluss dominieren ( 38% Wahlbeteiligun? Bitte was?!). Hat man ja auch schon in der Schweiz eindrucksvoll beim Minarettverbot gesehen.

    Naja … ich geh erstmal raus – eine Rauchen … is tolles Wetter da 🙂

  3. @reizzentrum: Die können ja gewinnen, wie se woll’n. Ist alles kein Problem, selbst wenn die Basis der Entscheidung im Nachhinein überraschend schmal ist.

    Laut den Aussagen des Propellermanns (der „Gesundheitsexperte“ der sogenannten SPD, der so nichtssagend ist, dass mir sein Name jedesmal nach dessen Einblendung stante pede wieder entfällt) wiegen die neu in die Kneipen strömenden Nichtraucher die Ausfälle wegen der ausbleibenden Raucher mehr als auf. Sollen sie doch sehen, wo die Einnahmen für die innere Sicherheit und das Mutterschaftsgeld (zwei der bei den letzten Tabaksteuererhöhungen angegebenen Gründe) her kommen, wenn die Steuereinahmen wegbrechen. OMG, das Ende ist nah!!!!11!!1!elf!!11!

    Von daher kann ich nur sagen: *Ich* kann vor die Tür gehen um zu rauchen oder es lassen wenn ich zu faul bin, das eine wie das andere allerdings auch nur solange, bis mir selbst das verboten wird. Dann – ja DANN – ist Polen off… ach nee, denn platzt der Mond, aba sowas von!

  4. @Auge:

    Genau DAS ist der Punkt – mir geht es gar nicht um rauchen<-nichtrauchen, sondern einfach darum, die Freiheiten ALLER Menschen weitestgehend zu erhalten. Sonst kann man gleich eine Diktatur der Masse durch die Masse errichten.

  5. Hmm, der Zaster der Tabaklobby hat seine Wirkung entfaltet. Die, die die Minderheit aktiviert haben, waren doch eher die Tabakvertreter und nicht die Nichtraucher. Die letzteren waren eher desinteressiert.

    Und irgendwie scheinen alle zu glauben, dass man Nichtwähler dem Wahlverlierer zuschlagen darf, anstatt realistischerweise davon auszugehen, daß eher die Raucher mobilisiert wurden. Denen war die Entscheidung wichtiger(!). Mit derselben Logik sollte man die Nichtwähler bei der Bundestagswahl der NPD zuschreiben 🙂

    Anyway, wer das Volk fragt, sollte es ernstnehmen. Oder dazu stehen, dass das mit der Demokratie ein zweifelhaftes Experiment ist (hihi, scnr).

    Und jetzt reden wir wieder über Bankenrettungsfonds und andere Merkeliaden, ok? Das Rauchthema langweilt 🙂

  6. @SvB:

    Da bin ich gern und immer dabei. Gerade eben z.B. über Wikileaks, Videos und Anklagen geschrieben.

    Mir geht es hier vor allem um Toleranz – scheiss drauf welches Beispiel ich nutze um Teilen meiner Umwelt Intoleranz vorzuwerfen 🙂

    Wie war das nochmal: Würden Wahlen wirklich etwas ändern könne, wären sie längst verboten?

    Das waren jetzt drei unzusammenhängende Brocken und ich gehe wieder weg von Rechner – ich muss mich auf morgen vorbereiten. 🙂

  7. Das mit den Bedienungen, die sich doch einfach einen anderen Jobs suchen sollen, ist übrigens krass. Ich bitte Dich in aller Freundschaft, das nochmal zu überdenken.

    In der Zwischenzeit durchforste ich die Mails meiner Mitarbeiter, um die Gewerkschaftsmitglieder zu entlarven. Wen’s stört, der soll sich doch einen anderen Job suchen. (Sorry! Satire! Noch dazu Polemik!)

    Und was auch immer morgen ist: Ich drück Dir sicherheitshalber die Daumen 🙂

  8. @SvB:

    Wenn ich mich um einen Kellnerjob in einer Kneipe bewerbe in der geraucht wird, so weiss ich dass ich dort in schlechter Luft arbeite. Wenn ein ein Stück Bauland in der Einflugschneise eines Flughafens kaufe, weiss ich dass dort Fluglärm herrscht. Und wenn ich aufs land ziehe, weiss ich dass dort Hähne krähen und Kühe muhen.

    Ich weiss vorher worauf ich mich einlasse. Sich dann anschliessend darüber auszulassen, dass in anderen Kneipen kein Rauch ist, anderes Bauland keinen Fluglärm und die Stadt keinen Tierlärm hat, halte ich für sehr arm.

    Sorry, was ist mit einer Zugehfrau, die eine Tierhaarallergie hat? Muss Familie Seipenbusch den Hund weggeben, damit die Zugehfrau die Stelle antreten kann?

    Ich bin inhaltlich bei dir, wenn eine Nichtraucherkneipe zu einer Raucherkneipe gemacht werden soll. (Ei-Henne Prinzip). DANN sollte man das Personal geflissentlich in die Entscheidung einbinden. Aber andersrum?

    Und nein, ich bin weder mit Philipp Fürchtegott Reemtsma noch mit der Erbengemeinschaft Herz familär noch geschäftlich (Aktien) verbandelt. Ausserdem rauche ich nicht und besitze auch keinen gastronomischen Betrieb. 🙂

    Ich möchte bloss, dass die Menschen Freiheiten haben, Fehler machen können (und das Inhalieren von Tabakqualm IST ein Fehler – bei anderen Dingen kann man drüber reden …). Was bleibt denn über wenn wir nur noch „vernünftige“ Dinge tun? Das Leben wäre scheisslangweilig.

  9. Ein wunderbarer Blogeintrag, der widerspiegelt in was für einem Umfeld wir leben. Ich hab persönlich (auch als Raucher) absolut kein Problem damit auf andere Rücksicht zu nehmen. Ich genieße auch die Vorteile, draußen zu rauchen. So stinken nämlich meine Haare/Kleidung nicht mehr (stark) nach Rauch. Als man damals noch drinnen rauchen durfte, war der Gestank am nächsten Morgen, der dir am ganzen Körper haftete echt unerträglich – und das sogar für einen Raucher. Das ist auch der Grund weshalb nicht bei mir im Haus geraucht wird.
    Aber gut, das war ja nur ein Beispiel.
    Wie du schon sagtest sollte da auch von beiden Seiten Toleranz kommen. Mir ist es schon passiert, das eine (sperrlich Bekannte) Nichtraucherin zu uns in die Rauchergruppe stieß und sich über den Rauch beschwerte. Sowas geht dann aber auch nicht, wenn man schon Rücksicht nimmt und nach draußen geht.
    Hach, wie man sich über sowas immer wieder aufregen kann 😉

    Aber netter Blogeintrag! Es sollten mal mehr Leute so auf den Tisch hauen wie du! 🙂

    LG,
    Chris

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