Reden die mir Angst machen

Ich wurde gestern Abend mit einer Rede konfrontiert, die mir Angst machte:

Sie wollten einst Deutschland für die Zukunft besser regieren als in der Vergangenheit und können als Ergebnis ihrer Regierungskunst in Wirklichkeit nur feststellen, daß Deutschland und das deutsche Volk noch immer leben.

Der deutsche Bauer verelendet, der Mittelstand ruiniert, die sozialen Hoffnungen vieler Millionen Menschen vernichtet, ein Drittel aller im Erwerbsleben stehenden deutschen Männer und Frauen ohne Arbeit und damit ohne Verdienst, das Reich, die Kommunen und die Länder überschuldet, sämtliche Finanzen in Unordnung und alle Kassen leer. Was hätten sie überhaupt noch mehr zerstören können. Das schlimmste aber ist die Vernichtung des Vertrauens in unserem Volk, die Beseitigung aller Hoffnungen und aller Zuversicht.

In ihrer Angst vor dem Erwachen der Nation, haben sie die Menschen gegeneinander ausgespielt, die Stadt gegen das Land, den Angestellten gegen den Beamten, den Handarbeiter gegen den Arbeiter der Stirne, den Bayern gegen den Preußen, den Katholiken gegen den Protestanten uns so fort und umgekehrt.

Diese Rede stammt nicht von einer Oppositionellen der Jetztzeit, sondern sie stammt von Adolf Hitler. Die Zitate stammen aus dem „Appell an die Nation“ und wurde am 15. Juli 1932  anlässlich der Reichstagswahl zum 31. Juli 1932 gehalten.

Entdeckt ihr da Parallelen? Sind einige der Aussagen auch jetzt treffend? Hat unsere Regierung (diese und vorige) den Boden geschaffen, der es etwaigen Radikalen ermöglicht die Hoffnungslosen hinter sich zu sammeln.

Adolf Hitler ist an die Macht gekommen, WEIL er sowohl die Arbeits- und Hoffnungslosen als auch einige der Herren aus der Grossindustrie hinter sich versammeln konnte. Ich will ja keinem Tipps geben, wie man eine macht ergreifen könnte – vielmehr gilt es zu vermeiden dass sich gewisse Situationen wiederholen.

„Wer sich der Geschichte nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana (Original: „Those who cannot remember the past are condemned to repeat it.“

6 Gedanken zu „Reden die mir Angst machen

  1. Danke für das wachrütteln heute Morgen mit diesem Beitrag!

    Auch wenn sich Parallelen was den Inhalt der Rede damals zu der Situation jetzt förmlich aufdrängen, so denke ich nicht das sich Parallelen herleiten lassen zu dem Fortgang der Geschichte damals und dem möglichen Fortgang der Geschichte jetzt.
    Schließlich tragen wir die Erinnerung an die Folgen der damaligen Geschichte alle mit uns im Kopf.

    Wir stehen sicherlich wiedermal an einem Scheitelpunkt unserer Geschichte, aber sie wird nicht so laufen wie sie schon einmal lief.
    Ein Krieg wie damals wird heute SO nicht stattfinden können. Das glaube ich einfach nicht.
    Auch die Verfolgung anders denkender ist in diesem Maße sicherlich auch nicht mehr möglich. Da würden die Alarmglocken weltweit viel zu schnell und viel zu laut läuten.

    Es gab damals kein Internet, keine anonymen Blogs, keine so (wirtschaftlich, sozial, kommunikativ) vernetzte Welt wie heute.

    Allerdings glaube ich das Gewalt, wenn sie denn ausgeübt wird, eine ganz andere Gewalt sein wird als damals. Ob mich das nun beruhigt? Nein, ganz im Gegenteil….

  2. @Heimdall:

    Ach bitte. Ich konnte gestern nicht einschlafen, weil mir eine gewisse Parallelität nicht aus dem Kopf ging und ich den Gedanken die Du beschreibst nachging.

    Es wird nicht werden wie damals. Aber wenn nur Dinge passieren, die in diese Richtung gehen (mehr Macht für Strafverfolgungsbehörden, mehr Überwachung, weniger Bürgerrechte…) dann ist es schon böse genug.

    Und diese Spackos, die am Wochenende (und es zeichnet sich ja ab, dass es tatsächlich „Alternative“ waren) diesen Explosivkörper geworfen haben, trugen ihren Teil dazu bei.

  3. @reizzentrum:

    Dacor! Wenn es wirklich so war das irgendein Idiot dort „Öl ins Feuer“ des zunehmenden Überwachung- und Polizeistaates gegossen hat, gehört er geteert und gefedert den Strafverfolgungsbehörden ausgeliefert.

    Aber schau mal, Du und ich, wir haben schon wachsame Augen bekommen für das was gerade abgeht. Und ich behaupte mal, das du in deinem Umfeld mehr und mehr Personen findest die ebenfalls „aufwachen“ so wie viele andere in meinem Umfeld auch.

    Jetzt muss dem Aufwachen noch das Handeln folgen um die Geschichte nicht zu wiederholen. Aber auch da bin ich zuversichtlich. Ich versuche es zumindest krampfhaft.

  4. @Heimdall:

    Dann versuche es weiter – gib nie auf und lasse nicht nach. So wie ich „am Ball“ (haha) bleibe.

    Das Problem ist nur, dass damals (so zu meiner Schulzeit) fast alle auf der kritischen Linie gingen. Und heute? Alles eingeschlafen vor dem Fernseher.

    Demos wie Brokdorf bekommst Du doch heute nicht mehr auf die Beine gestellt und WENN, dann kommen diese pubertierenden Spinner und nutzen die Veranstaltung um auf ihre nicht therapierbare Persönlichkeitsstörung hinzuweisen.

  5. Hmm… mal im Ernst, der Parallelen gibt es viel zu viele als daß man nicht langsam mal Angst bekommen sollte. Nicht nur die wirtschaftliche Situation und die Verschuldung, die überhitzten Börsen mit Erholung nach dem ersten Crash, das verhärten des öffentlichen Diskurses oder die immer massivere antikommunistische Stimmung inklusive breitem Parteienboykott der vermeintlichen Kommis.

    Wir erleben Geschichte aktuell absolut wieder. Und was Deutschlands lernen aus der Geschichte angeht halte ich das für gigantische Augenwischerei.
    Ich finde das Verhältnis zur Geschichte absurd… man verbietet Symbole und „Leugnungen“, erklärt den Holocaust als Singularität, macht Nazideutschland zu einer satanischen Episode und stilisiert Hitler zu einem Dämonen auf.
    Unter der Oberfläche brodelt es eh und wie damals ist die Gefahr eben nicht das extreme Lager sondern die Mitte der Gesellschaft. Vor lauter Paranoia über Links- und Rechtsextremisten inklusive Propagandalügen die Zahlen übertreiben und aus Rauchbomben Splittergranaten machen scheint es den meisten nicht klar zu sein daß der Mythos vom Linksruck der Gesellschaft ein Witz ist, während unsere Eliten immer hemmungsloser zu sozialdarwinistischenr Ideologie neigen und selbst vor klaren Parallelen zur Eugenik nicht mehr zurückschrecken….

    Obs nun Sarrazins aktuelles Highlight ist das indirekt Sterilisierung von Migranten und Hartz IV Empfängern impliziert (ansonsten hat er wie immer keine Lösung oder umfassende Analyse geboten) oder Henkels Idee, daß die schwarze Unterschicht schuld an der Immo- und Finanzkrise ist oder Westerwelles Pauschalverurteilung von Sozialmißbrauch mit falschen Zahlen aus der Bild-Zeitung. Und daß der grösste Hetzer und Spalter noch SPD Mitglied ist macht den Treppenwitz noch grösser und daß alle wieder „Wer hat uns verraten rufen“ ist nur eine von hunderten Parallelen.
    Nee, man muß schon ziemlich betäubt sein um nicht zu sehen wohin der Hase hoppelt.

    Man beachte auch, daß die Wiederholung des Milgram Experiment heute noch üblere Ergebnisse hervorgebracht hat als damals. Wenns hart auf hart kommt wird es in Deutschland wieder extrem böse werden, da habe ich keine Zweifel.

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