Helmut Kohl, zum Geburtstag eines Parteispendernverschleierers

Es ist ja etwas dran, dass man sich immer an „das Gute“ erinnert. Sonst würde wohl kein Medium heute über den Geburtstag des Altkanzlers Kohl berichten, denn was ist mit den kriminellen  Machenschaften des Altkanzlers?

Erinnert sich noch jemand an die Bimbes-Folgen?

Wenn jedes der bundesweit rund 630.000 CDU- Mitglieder zehn Mark zahle, könnten die eventuellen finanziellen Belastungen der Union in Folge der Parteispendenaffäre aufgefangen werden

Da wird sich doch jedes CDU-Mitglied gern dran erinnern.

Parteispenden werden nun mal nicht genannt, auch wenn Kohl als Kanzler das Parteispendengesetz selbst unterschrieb.  HALLO? Gesetze, die man selbst unterschreibt, an die muss man sich nicht halten? Was für ein widerlicher Mensch muss man sein um so zu agieren?

Den CDU-Ehrenvorsitz kann er sich deshalb Abschminken – zumindest 2000 war das so. Es soll ja jetzt Stimmen geben, die das Vergessen besser praktizieren als wir hier im Reizzentrum: Hier wird nix vergessen. Hier kann eine Tat durch absitzen oder ableisten einer Strafe gesühnt sein, das wird sogar akzeptiert. Unschuldig ist man deshalb aber noch lange nicht.

Und wie gering die Schuld Kohl an den Verfehlungen gewesen ist, kann man aus der Summe ablesen, die gezahlt wurde damit das Verfahren wegen „geringer Schuld“ eingestellt wurde: 300.000 DM. Stolze Summe für „gering“.

OK, Helmut Kohl ist ein alter, kranker Mann, der im Leben auch Schweres mitmachen musste. Aber ihn nur durch die rosarote Brille als „Kanzler der Einheit“ zu sehen ist mir absolut unmöglich (auch weil Kohl selbst wenig damit zu tun hatte. Vielmehr waren es die Allierten die das ermöglichten). Zu viele Menschen leiden noch heute unter dem Kohl-Syndrom. Den Begriff  Kohl Kinder trägt eine ganzen Generation als Stigma mit sich herum. Die Kohlkinder sind diejenigen, für die alles käuflich ist und sich Werte ausschliesslich über Kontoauszügen und Banknoten definieren.

Und der dafür Verantwortliche wird gefeiert? Es ist schon eine Leistung des kollektiven Vergessens wenn grosse Teile eines Volkes freiwillig und ohne Not den Geburtstag eines Despoten feiern.

4 Gedanken zu „Helmut Kohl, zum Geburtstag eines Parteispendernverschleierers

  1. Du siehst das mal wieder alles so unversöhnlich. Vielleicht feiert das Volk auch nur, dass es sein Achtzigster ist *gg* Das macht ein Comeback unwahrscheinlich.

    Was die Einheit angeht, hast Du meines Erachtens unrecht. Kohl hat die sofortige Einheit angetrieben, den Umtausch 1:1, die beitragsfreie Rentenversicherung etc. etc. Er hatte die (Wahn?-)Vorstellung, dass es sich die Russen wohl sonst nochmal anders überlegen.

    Die Alliierten sehe ich da eher weniger. Gorbatschow war mutig. Die Ungarn waren mutig. Die Polen vorher sowieso. Und Kohl war stur. Wer die Entwicklungen gut findet, muss ihn schon auch feiern dafür.

    Ich meine aber, das mit der Einheit war überstürzt. Das gleiche gilt auch vor 140 Jahren, beim Anschluß von Bayern ans Reich inklusive 70er-Krieg. *gg*

  2. @SvB:

    Vor allem was Bayern angeht, gebe ich dir – natürlich – uneingeschränkt recht *gg*

    Ich sehe die Einheit VIEL mehr als eine Errungenschaft der Montagsdemos auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Ausserdem war die gesamte bundesdeutsche Politik (und der Einfluss der USA!) vor der Vereinigung sicher auch recht förderlich.

    Wäre die UDSSR damals nicht so „schwach“ gewesen, hätte es die Einheit niemals gegeben. Gorbatschow hat da – IMHO – deutlich mehr dazu beigetragen als Kohl. Aber die ganze Geschichte ist ein schönes Beispiel für Chaostheorie mit VIELEN Faktoren.

  3. Ok, ich habe mich missverständlich ausgedrückt: Die Befreiung der DDR von russischer Hegemonie und sogenannter sozialistischer Diktatur war sicher nicht Kohls Verdienst.

    Aber der Anschluß an den Westen, die Fusion, einfach als „Beitritt“ bezeichnet, das war sehr wohl etwas, das Kohl angetrieben hat. Und etwas, von dem ich bis heute nicht weiss, ob das so eine gute Idee war. Vieles, was es in der DDR an Positivem gegeben hat, wurde brachial niedergewalzt, zerstört, auseinandergerissen. Himmelschreiende Ungerechtigkeiten wie die Nichtanerkennung von Examina der Leute, die VOR dem Mauerfall über Ungarn gekommen ist (und nicht zwei Tage länger gewartet haben), und generöse Geldgeschenke andererseits, die in den Taschen goldkettchenbehänger Bausparkassen-Powervertriebler gelandet sind. Also wieder im Westen. Das hätte es alles nicht gebraucht, wenn man den Leuten drüben die Möglichkeit und die Verpflichtung gelassen hätte, im eigenen Land aufzuräumen.

    Wie gesagt, Kohl hatte halt Angst, dass es sich die Russen anders überlegen und deshalb die Einheit forciert. Wäre ich damals an der Regierung gewesen (oder z.B. Oskar Lafontaine, der meine Meinung hier teilt), wäre alles anders gekommen. Und wir werden nie erfahren, ob es besser gewesen wäre …

  4. @SvB:

    Und so werden wir uns wieder einig 🙂

    Erinnerst Du dich an die Hoffnung dass z.B. so einige Einflüsse des Sozialwesens übernommen werden könnten? Das jede(r) Deutsche die Möglichkeit hat zu arbeiten, weil die Kinderbetreuung kein Problem ist?

    Es war halt eine Übernahme und keine Vereinigung

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