Wieviel Macht hat das Kapital

Bislang war es eher die Mafia, der man zutraute, dass sie Staatsanwälte und Richter manipuliert und ganze Rechtssysteme auf den Kopf stellt. Gibt es diese Art von „Mafia“ auch bei den deutschen Steuerhinterziehern?

Zumindest der Verdacht kommt auf, wenn man diesen Artikel in der Financial Times liest:“Staatsanwältin im Krieg“:

Sie hat Post-Chef Klaus Zumwinkel verhaften lassen – nun soll kurz vor Beginn des Prozesses Staatsanwältin Margrit Lichtinghagen strafversetzt werden. Der Steuerfall des Jahres verkommt zu einem Schmierenstück aus Mobbing und Intrigen.

wird der Artikel eingeleitet. Da soll eine – anscheinend – erfolgreiche Staatsanwältin, die in Wirtschaftssachen fit und agil ist, in den Bereich Jugendkriminalität versetzt werden. Machte sie den Fehler zu sehr im Bereich des Geldes zu ermitteln?

Ein Staatsanwalt sieht in der geplanten Entmachtung ein Zeichen an die Zunft: „Wer bestimmte Fälle nicht ruhen lässt, der wird gehängt.“ Selbst Anwälte der Gegenseite schütteln den Kopf, können nicht glauben, was da in Bochum vor sich geht.

schreibt die FTD weiter. Da wird der Weg doch klar: Wer könnte den Einfluss haben – und ihn geltend machen – dieses umzusetzen?

Richtig spannend ist dieser Absatz:

Ein anderer Mitarbeiter erzählt von Fällen, in denen Behördenleiter Schulte mit Personen, gegen die ein Ermittlungsverfahren wegen Korruption lief, Tennis spielte und Kontakte über den Rotary-Club unterhält. Er erzählt davon, dass es eine erhebliche Beweislast gegeben habe, das Verfahren aber eingestellt wurde. Dass der ermittelnde Staatsanwalt weggemobbt wurde.

Palermo in Deutschland und Unternehmer als ehrenwerte Gesellschaft verbunden mit dem Leiter der Staatsanwaltschaft. Na super.

Barfuss im Regen

ist eine Liedzeile eines sehr alten Songs von Michael Holm – aufgenommen ca. 1970. Also nichts, wass Ihr jüngeren meiner Zielgruppe kennen müsst. Aber der jüngste „Anschlag“ auf den amerikanischen Präsidenten erinnerte mich daran. Warum? Weil man wohl in Zukunft ausschliesslich barfuss dem US-Präsidenten gegenüber treten darf. Ich frage mich, ob die Anreise schon auf Socken erfolgen muss, oder ob es vor dem Raum in dem die Pressekonferenzen stattfinden – wie in islamischen Moscheen – einen Raum geben wird, in dem die Besucher ihr Schuhwerk deponieren können. Insofern könnte man davon ausgehen, dass dieser Ausdruck der freien Meinungsäusserung eine Annäherung der Relegionen startet 🙂

Aber ich sehe schon die nächste Gewaltmöglichkeit. Schlagzeile: „Reporter verhindert Pressetermin wegen Stinkesocken“.

Mehr dazu bei meetinx

Bevor Du heiratest, schau dir die Eltern an

Diesen Spruch schnappte ich einmal als Teenager auf. OK, die Aussage ist ungerechtfertigt, da sie beeinhaltet, dass ein Nachkomme nicht von den Fehlern der Altvorderen lernen kann. Ich gestehe, ich bin Raucher und sehr-sehr stolz darauf, dass meine beiden Töchter nicht dieser Sucht fröhnen. Die Grosse ist darüberweg und so wie die Kleine mit mir schimpft, besteht nur eine winzigste Gefahr, dass sie selbst mal irgendwann mit dem Inhalieren von Tabakrauch anfängt.

Aber DAS sollte gar nicht die Message dieses Eintrages sein. Ich kam – frag mich bitte keiner wieso – auf diesen Satz, als ich Leserbriefe der „Welt“ las. Wenn diese frontallobotomierte Leserschaft, die da online kommentiert, die Zielgruppe der Welt ist, sagt dies viel aus über die Ausrichtung dieser Zeitschrift. Denn eine Zeitschrift und ihrer Leser bilden in gewisser Weise eine Symbiose: Die Zeitschrift versucht exakt ihre Zielgruppe zu adressieren und die Zielgruppe dankt es mit dem Kauf der Zeitschrift und meist auch mit der Übernahme der Aussagen als „Wahrheit“.

Wenn ihr mal wirklich lachen wollt (oder euch gruseln), dann lest die Kommentare der Onlineausgabe der Welt: Wenn über Hartz-IV Empfänger, Menschen mit Migrationshintergrund und jedwede Bevölkerungsgruppe hergezogen wird, die man mittels des betreffenden Artikels gerade als „Opfer“ adressieren kann. Auch politische Parteien und ähnliche sind gern als Opfer auszumachen.

OK, ich gebe zu, ich tue dies hier auch gern und oft. Allerdings ist es meist auch eine Frage des Stils, wie man soetwas tut. Die Art, wie es die Welt-Leser tun, ist einfach nur …… bemerkenswert. Schaut rein und macht euch euer eigenes Bild.