Atomindustrie kauft den TÜV(?) und prüft sich quasi selbst

„If you can’t beat them buy them“ beantworte mir vor vielen Jahren Casy Cowell – der damals „mächtige“ Chef von U.S.Robotics – die Frage warum er den kleinen Hersteller Touchbase gekauft habe.

Auch die Atomindustrie scheint diesen Trick zu kennen und umzusetzen:

Sieht man dann auch noch, wer über zwei Drittel der Aktien der TÜV-Süd AG hält, dann wird einiges klarer: Es ist der TÜV Süd e.V. Er sitzt gleich mit in der Konzernzentrale. Und die Mitglieder des Vereins sind unter anderem die Energiekonzerne: Eon, Vattenfall und EnBW.

Das hat die Atomindustrie aber geschickt eingefädelt. Die kontrollieren sich somit quasi selbst. Der Bericht bei RBB beginnt mit den Vertrauen auslösenden Worten:

Die Bundesregierung will die Atomkraftwerke länger am Netz lassen. Experten warnen vor hochgefährlichen Sicherheitsdefiziten der gut 30 Jahre alten Meiler. Der TÜV betont, es werde ausreichend geprüft. Doch KONTRASTE deckt auf: An mindestens einem deutschen Atomkraftwerk wurden die Reaktordruckbehälter seit Jahrzehnten nicht ausreichend kontrolliert.

So kommt es, dass die Atomindustrie „gute“ Tests des TÜV vorlegen kann und die Bundesregierung – auch mittels massiver BestechungLobbyarbeit – überredet die Atommeiler doch länger am Netz zu lassen. Was zu Milliardenprofiten der Betreiber führt.

7 Gedanken zu „Atomindustrie kauft den TÜV(?) und prüft sich quasi selbst

  1. Der TÜV ist als Verein mal von der Wirtschaft gegründet worden und „gehört“ im Fall des Tüv Süd e.V. rund 13.500 Mitgliedern (ja auch Versorgern)… ein Blick in wikipedia hätte genügt… also entweder der TÜV betreibt in allen Branchen Klientelpolitik, aber das erscheint mir arg weit hergeholt. Vielmehr wollte der RBB wohl einfach was unterschwellig konstruieren, was man eh nicht beweisen kann…

    • Vielleicht bin ein ein wenig Oldfashioned, oder – als Hamburger – zu hanseatisch.

      Insbesondere wenn – wie in diesem Bericht – Pannen und Probleme aufgedeckt werdem, lässt sich doch ein gewisses „Gschmäckle“ nicht verleugnen. Gerade bei solch kritischen Themen.

      Und ja, Du hast recht – derzeit ist diese Information gerade auch in Wikipedia zu sehen. Allerdings gab es dort auch schon eine Löschungen dieser Information

      20:33, 18. Jul. 2010 :

      “ (Die offensichtlich einseitige Auswahl der 3 Mitglieder (von 13.500) entfernt. Es sollten entweder die Gründungsmittgl. genannt werden, oder ein repräsentativer Querschnitt der verschiedenen Branchen.) “

      11:35, 17. Jul. 2010

      (geändert da es sehr unausgewogen ist von 13500 gleichberechtigten mitgliedern 3 herauszunehmen)

      und so weiter und so weiter. Anscheinend gibt es an der Stelle Befindlichkeiten, woher diese stammen weiss ich nicht und es liegt mir fern diesbezüglich zu spekulieren.

  2. Das „Geschmäckle“ streite ich nicht ab, dennoch macht es deine Überschrift „Atomindustrie kauft den TÜV“ nicht richtiger.

    Zu wikipedia: die Auswahl der 3 geht ja wohl auf den RBB/Kontraste-Beitrag zurück…nur dass dabei die restlichen 13.500 Mitglieder nicht genannt wurden. Anhand der Website des Tüv Süd lassen sich zwar keine Mitgliederlisten ersehen, aber die Rubrik Vorstand und Gremien liest sich wie ein who is who der süddeutschen Industrie, von daher darf man davon ausgehen, dass die auch Mitglied sind.

    • WENN die Diskussion erst aufgrund des RBB-Berichtes startete, dann ist es vielleicht doch explizit erwähnenswert. Denn schliesslich ist es (sollte es sein) von allgemeinem Interesse, dass es nicht ganz auszuschliessen ist, dass die Energieversorger eventuell eine Einflussname auf die Prüfungen und Kontrollen haben könnten. Eine diesbezügliche 100%ige Unabhängigkeit kann wohl niemand bestätigen. Aber gerade bei solch kritischen Prüfungen wäre mir bedeutend wohler, wenn die Kontrolleure absolut unabhängig wären.

      Und wie erklärt man sich, dass der TÜV SÜD seine Aufgaben hinsichtlich der Kontrolle der Kernkraftwerke so schleifen lässt?

      Wer wo in welcher Position sitzt ist doch heutzutage völlig sekundär. Hauptsache ist, dass „man“ zusammenhält…

  3. Da der TÜV ja aber wohl sämtliche Arten der Energieerzeugung technisch überwacht, kann man nicht davon ausgehen, dass er ausgerechnet bei Kernkraftwerken weniger genau hinschaut. Das gleiche gilt ja auch bspw. im Automobilbereich. Bestimmte Modelle oder Herkunftsländer bekommen ja auch keine Gefälligkeitsgutachten. Genausowenig wie eine 100%ige Unabhängigkeit bewiesen werden kann, kann auch eine Abhängigkeit bewiesen werden. Also im Zweifel für den Angeklagten…

  4. .. also für mich stellt sich der Interessenkonflikt in dem sich der TÜV befindet ganz eindeutig dar .. weil die Zielsysteme einfach kollidieren .. Gewinnmaximierung einerseits .. und das Gemeinwohl also in diesem Fall die Sicherheit der Bevölkerung auf der anderen Seite .. eine Unabhänigkeit ist somit nicht mehr gegeben .. und die zuständigen Länder haben’s halt einfach nicht drauf .. das hat das im Beitrag gezeigte Interview wohl mehr als deutlich unterstrichen .. also fassen wir zusammen der TÜV und damit die Betreiber, weil sie selbigen finanzieren, können im Prinzip prüfen oder eben auch nicht wie sie wollen .. ich sag nur sauber, ich fühle mich total sicher und beruhigt .. und packe nur zur Vorsicht schonmal den Koffer … denn eins darf man bei dieser Diskussion nie vergessen .. nämlich was auf dem Spiel steht: http://www.lebenshaus-alb.de/magazin/003543.html .. und hoffentlich führt jetzt nicht wieder jemand an dass so etwas ja nur in altersschwachen russischen Kraftwerken passieren kann und nie in deutschen Anlagen .. das ist halt leider nur eine Illusion und ein Wunschgedanke .. Fakt ist, wir haben’s genau so wenig im Griff!

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