Bankster – der Tiefpunkt der Evolution

Ich für mich habe die Theorie, dass der Mensch an sich sehr gut ohne das Universaltauschmittel „Geld“ leben könnte. Wenn – ja wenn da nicht die Beschränkung durch unsere Gene wäre.

Quasi ein Prinzip, dass im Mikrokosmos Familie normalerweise funktioniert: Jeder gibt der Gemeinschaft das, was er am besten zu geben vermag. Du gehst einkaufen und ich entsorge derweil den Tannenbaum und sauge das Wohnzimmer. Ich schreibe meiner Prinzessin keine Rechnung und Sie fakturiert dafür im Gegenzug ebenfalls nicht. Wenn meine Tochter hier ist, räumt sie den Tisch nach dem Essen ab. Schliesslich haben wir (Prinzessin und ich) eingekauft, bezahlt(….) und gekocht. Wenn man sich als gleich akzeptiert und die Leistungen nicht nach einer diffusen Wertigkeit abgerechnet werden, sondern sich jeder nach dem „jeder was er kann/mag“-Prinzip auf Gegenseitigkeit einbringt, braucht man gar kein Geld. Dieses wird nur im Aussenverhältnis benötigt.

Kommunen/Wohngemeinschaften funktionieren ebenfalls – wenn sie gut funktionieren – nach diesem Familienprinzip. Ohne dass man verwandt wäre, sieht man sich und die eingebrachte Leistung als gleichwertig an. Leider funktioniert das nur solange, bis Maslow ins Spiel kommt, denn Macht und Status werden derzeit in unserem System weniger über das Individuum, sondern vielmehr über den schnöden Mammon definiert. Wer Geld hat, stellt etwas dar. Und wenn er auch das Gruppenarschloch ist – Geld macht schön und begehrenswert. Selbst der grösste Vollhonk wird als Vorbild angesehen, wenn er über genügend Kapital verfügt.

Aber ist Geld wirklich wichtig in unserem Leben? Vor Jahren gab es mal den Sponti-Spruch „Hasch bringt besser über Zeiten ohne Geld, als es Geld über Zeiten ohne Dope tut“. In meiner Hartz-IV Zeit habe ich gelernt, das Freunde wichtiger sind als Geld. Man kann jedwede Dienstleistung für Geld erhalten: Vom Brot des Bäckers bis zur Lebensabschnitts-Prostituierten. Aber ist ein Mensch mit einem gekauften Umfeld glücklich? Oder sind es nicht gerade die Dinge die man eben nicht für Geld kaufen kann, die das Leben wirklich erfüllen: Freunde, schöne Zeit, einen Partner der wirklich  zu einem steht?

Geld ist nur für die nicht wirklich wichtigen Dinge im Leben brauchbar. Ich träume von der nächsten Evolutionsstufe des Menschen, der Zeit in der wir kein Geld mehr benötigen, weil jeder für die Gemeinschaft das tut, was im Moment gerade benötigt wird und was er am besten kann. Banker haben dann natürlich die Arschkarte – wahrscheinlich wissen sie das und stecken sich deshalb nochmal schnell die Taschen voll, bevor diese Art der Ersatzbefriedigung nicht mehr benötigt wird.

Der singende Gitarist erfreut uns in Pubs und in der Einkaufsstraße, der Bäcker gibt uns das Brot und ich repariere dem Bäcker und dem Musiker ihre Rechner oder mache Support für sie. Sicher kann es passieren, dass ich auch mal mit dem Besen die Strasse kehren muss, wenn es denn mal liegengeblieben ist. So what? Dafür wird jemand anderes die Kanalisation reinigen. Es gilt einen LKW von A nach B zu fahren? Mache ich – habe ja den entsprechenden Befähigungsnachweis. Brauche ich dafür wirklich bedrucktes Papier oder Zahlen auf einem anderen Papier, welches mir mitteilt, wie viel bedrucktes Papier ich mir abholen kann?

NEIN! Ich brauche kein Papier – höchstens um darauf zu schreiben, zu zeichnen oder damit zu basteln. Ansonsten benötige ich ausschließlich Waren und Dienstleistungen. Geld in der Form wie wir es heute kennen, benötigt die Gesellschaft nur im Außenverhältnis – was aber wenn es kein Außenverhältnis mehr gibt? Wenn das Individuum es schafft, sich als Teil der Gesellschaft zu akzeptieren und so zu agieren?

Der Mensch fing an in kleinen Gemeinschaften zu agieren – Gemeingut war der Weg des Handelns. Mit dem Außenhandel – dem Tausch mit anderen Clans oder Dörfern entstand das Bedürfnis nach einem universellen Tauschmittel. Aber war dies wirklich der Weg in die richtige Richtung? Wäre es nicht besser gewesen, anstelle des Wettbewerbs der Gesellschaften einen Wettbewerb der Fähigkeiten als Mittel zum Zweck zu initiieren. Der Stolz der aus der Vollendung des Werkes hervorgeht hat doch – letztendlich – mehr wirklichen Wert als schnöder Mammon. Mein Vater erzählt mir stolz, an welchen Häusern er mitgebaut hat – niemals erwähnt er, wie viel Geld er damit verdiente: Wirklich bleibend ist das Werk.

Banker allerdings (und nun kommen wir wieder zum Titel des Postings) schaffen nichts – nichts zum anfassen. Sie mehren nur Papierschnipsel. Jeder Müllkutscher kann mit ein wenig Stolz  sagen:“ Ich habe jahrelang dafür gesorgt, dass dieser Stadtteil nicht im Müll erstickte“. Jeder Mechatroniker (Ex KFZ-Mechaniker) verhilft den Fahrern der stinkenden Kisten zu ein wenig mehr Stabilität und Sicherheit ihrer Verkehrsmittel. Verkäuferinnen beim Aldi/Lidl/Rewe (wo auch immer) verteilen die Lebensmittel an Nachfrager mit Bedürfnissen.  Auch Reinigungskräfte dürfen mit Stolz von sich behaupten Büros, Treppenhäuser und andere Räume „behaglich“ erhalten zu haben. Banker leben aber ausschließlich von und für das eigentlich  unnötige bedruckte Papier (resp. dessen Gegenwert).

Ich träume davon, dass die Menschheit sich irgendwann einmal die Frage stellt, wie sie all das bedruckte – ehemals angebetete – Papier entsorgen kann, ohne dabei eine negative CO²-Bilanz zu erstellen.

8 Gedanken zu „Bankster – der Tiefpunkt der Evolution

  1. „Aber war dies wirklich der Weg in die richtige Richtung? “

    Ja, ein universelels Tauschmittel zu haben ist unglaublich praktisch.

    „Wäre es nicht besser gewesen, anstelle des Wettbewerbs der Gesellschaften einen Wettbewerb der Fähigkeiten als Mittel“

    Du bist leider falsch gewickelt. Es gibt Wettbewerb aber du kanns keinen zwingen mit Dir zu tauschen. Du kannst mir dieses und jenes bieten und ich sage nein dann hast Du halt Pech gehabt. Wir kommen nur ins Geschäft wenn wir beide etwas haben was wir gegen etwas anderes tauschen wollen. In einem Marktsystem mit einem universellen Tauschmittel können wir unsere Handelspartner „aussuchen“ im Tauchhandel ohne Zwichenmedium nicht. Wenn Du Butter hast und ich Brote dann sind wir sicher keine Wettbewerber. Du gibst mir x kg Butter ich dir y kg Brot. Ohne Geld müsste ich verdammt lange suchen um genau den zu finden der mit mir Butter tauschen will. Mit Geld ist das einfacher. Nur wir stehen nicht im Wettbewerb, Du kannst ohne Brot nicht überleben ich nicht ohne Butter, wir handeln (FREIWILLIG) und haben auf einmal beide ein schönes Butterbrot. Also ist Deine Mail daneben, Wettbwerb gibt es aber niemand kann Dich zwingen (außer natürlich unser Staat) mit ihm zu handeln.

    Niemand kann Dich zwingen für Ihn zu arbeiten, außer natürlich die ach so tolle Bürokratie. Dein freiwillger Handelspartner ist keine Gefahr für Dich aber die Ansprüche von Bürokraten, Politkern, Schmarotzern, Erpressern, Gutmenschen sind es.

    Die wollen nämlich Deine Leistung für umsonst und dafür benutzen Sie perfidesten Gutsprech.

  2. @Friedrich:

    Warum solltest Du verdammt lang suchen um Butter zu finden? Warum nicht die logistische Infrastruktur aufrecht erhalten – nur ohne Bezahlung der einzelnen Leistungen. Wir beide geben unsere Produkte weiterhin an den Großhändler, welcher sie an die Lieferkette verteilt.

    Es geht mit unseren derzeitigen Genmustern sicher nicht, denn derzeit wollen wir „immer mehr“.. Status und Einfluss sind für uns hohe Ziele – können wir nichts (oder nur wenig) dagegen machen.

    Aber überlege mal wie die Welt aussehen würde, wenn die westliche Welt keine Kriege um Ressourcen führen müsste. Wenn wir dem Irak unsere Produkte einfach kostenfrei liefern würden und er uns im Gegenzug freiwillig Öl geben würde. Weil wir beide davon profitieren.

    Was wäre, wenn jeder freiwillig etwas für die (Welt)Gemeinschaft tun würde? Wenn wir alle das Wohl aller und nicht mehr nur unser eigenes Wohl im Auge hätten?

  3. Leider hat jeder nur sein eignes Wohl im Auge bzw. das Wohl der Personen, die für Ihn einen gewissen Wert darstellen, Freunde, Familie, enge Handelspartner.

    In einem so komlexen System wie wir es jetzt haben, gibt es aber viel zu viele Personen, denen man nicht eine solch hohe Wertschätzung zu teil werden lässt (PS: es gibt immer Leute die man nicht mag, das soll nicht verstanden werden, dass jemand besser ist oder mehr Wert ist als jemand anderes) . Das müsste sich dann erstmal radikal ändern, denn sonst wirds nix mit *teilen*

    Ich muss Friedrich uneingeschränkt zustimmen.
    Dazu kommt, für einen nicht unerheblichen Teil der Gesellschaft würde es ohne Geld keine Arbeit geben, weil man ihre imaterielle Wertschöpfung nicht in materielle Umwandeln kann, ohne das dabei alle glücklich sind. ( Es kann aber auch meine Vorstellung übersteigen )

    Beispiele zu Nahrungsmitteln sehen einfach aus, doch wie lässt sich schon ein so *simpler* Prozess, des backens eines Brotes, in wirklich alle Arbeiten teilen?
    Es wären eine Menge Tauschgeschäfte notwendig um an alle Zutaten, Geräte und Personal zu kommen. Ich glaub da würde keiner den Überblick behalten, wenn man nicht alle Teile auf ein gemeinsames Mass bringen kann … GELD.

    Hypothetisch, wenn alles klar geht, würde ich vermuten, dass die Menschheit irgendwann an Misstrauen zu Grunde ginge. Vereinzelte Menschen würden anfangen, die Dinge in Frage zustellen, die vielleicht seid 10-20 Generationen gemacht werden, aber niemand sich mehr daran erinnert wieso 😉

  4. @Nachtgold:

    Natürlich müsste sich das Selbstverständnis des/der Menschen erstmal radikal ändern. Nicht umsonst schrieb ich, dass wir in unseren Genen gefangen sind 🙂

    Du schreibst von materieller und imaterieller Wertschöpfung und dem Glück der „Gesellschaft“. Warum sollte der Maler/Musiker, der Menschen durch seine Werke Glück schenkt, nicht das Glück empfangen sich bei der Ausgabestelle Brot, Butter und anderes aushändigen zu lassen?

    Das grundsätzliche Problem scheint mir in unterschiedlichen Fakten begründet zu sein: Das Bedürfnis sich über andere zu stellen, die Neigung Einzelner sich als Entnehmer aber nicht als Einbringer am gleichwertigen System zu beteiligen und nicht zuletzt die Definition der Werte an sich.

    Selbst derjenige, der sich als Initiator und Organisator eines Prozesses – oder als Erfinder einer Technologie – einbringt, schöpft den gleichen Wert wie die Kindergärtnerin oder der Sporttrainer. Sie alle geben der Gemeinschaft das was sie am besten können.

    Es müssen eben nur alle mitmachen – ohne Neid, Missgunst und Machtgelüste.

  5. Warum soll man auf etwas so praktisches wie Geld verzichten. Du müsstes wissen wo Geld keine Rolle spielt ist Mißwirtschaft vorprogrammiert. Und wo Mißwirtschaft herscht ist FUD nicht weit. Schau‘ dich um und du siehst es überall.

  6. @Friedrich:

    In meiner Beziehung (Minikosmos) z.B. spielt Geld keine Rolle. Müssen die Prinzessin und ich uns nun Gedanken machen? Muss sich mein Freundeskreis auf Misswirtschaft prüfen lassen, wenn man sich gegenseitig kostenfrei hilft?

    Wie gesagt: Der Mensch von heute – mit seinen „Genfehlern“ – ist nicht in der Lage (nicht sozialverantwortlich genug) ohne Geld agieren. Aber was spricht gegen Gedankenspiele – basierend auf ausgeprägterem Sozialverhalten?

  7. Der Grundfehler bei den Antworten (Friedrich, Nachtgold) auf das utopische Gedankenspiel von reizzentrum ist, dass nur noch die aktuelle sachzwanggetriebene Realität als Sammlung von Spielregeln gedanklich akzeptiert wird.

    Im historischen Vorfeld hatten „Aussteiger“ auch noch die Alternative der Allmende, die heute aufgrund von Generalaneignung fast vollständig verschwunden ist – wobei die Legitimation dieser Aneignung – und ihre Historie – überhaupt nicht mehr hinterfragt wird.

    D.h. alle Ressourcen, die einer Ausbeutung offen stehen, sind heute private property und jeder Nutzer hat sich den Regeln des Eigners zu unterwerfen.

    Heute werden ja Leute, die den üblichen Tauschhandel verlassen und bspw. im Wald ihren Lebensmittelpunkt suchen, daselbst vertrieben, weil er irgendwem „gehört“, oder auch, weil Amtsautoritäten ein Entweichen aus der Gesellschaft in Form derartiger Einsiedelei als deviant empfinden und verfolgen.

    Wenn jemand nach der Möglichkeit sucht, sich den Zwängen des Tauschhandels zu entziehen – erst damit entstünde die Möglichkeit der Wahl tatsächlich – steht dies heute gar nicht zur Debatte.

    Und erst mit dieser Möglichkeit wären wir wieder bei der freien Entscheidung in dem Sinne, wie ich reizzentrum verstanden habe.

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