Wie der liberale Rösler den Begriff Freiheit definiert

Freiheit ist für die FDP immer dann wunderbar, wenn sie einem selbst zum Vorteil gereicht. Eine Gleichheit im Begriff Freiheit sucht man anscheinend bei der FDP vergebens. Jüngstes Beispiel ist der Versuch des frisch gebackenen FDP-Vorsitzenden Rösler sich über die Pressefreiheit hinweg zu setzen.

Es geht um die Ablichtung seiner Kinder anlässlich des FDP-Parteitages in Rostock. Tagesspiegel:

Sowohl von Fotografen als auch Printjournalisten verlangte sie, vorab eine Erklärung zu unterschreiben, mit der die Berichterstatter „auf alle bildlichen Darstellungen“ der Kinder des neuen Parteichefs Philipp Rösler und „die Veröffentlichung solcher Darstellungen“ verzichten sollten. Das Recht der Kinder habe absoluten Vorrang, hieß es zur Begründung. Sollte dem Wunsch nicht entsprochen werden, drohte die FDP mit rechtlichen Schritten.

Die Kinder Rösler haben das absolute Recht auf Privatsphäre. Schliesslich ist nur ihr Vater eine Person des öffentlichen Lebens – und diese Position hat er sich selbst gewählt. Wenn aber eine Person des öffentlichen Lebens den Schutz seiner Kinder aufhebt, dadurch, dass er seine Kinder – durch Mitnahme auf eine öffentliche Veranstaltung – in die Öffentlichkeit hebt, so verwirkt er eben dieses Recht auf Privatsphäre.

Rösler hat seine Kinder dann am Ende doch nicht mit zu der Veranstaltung genommen, womit er den Persönlichkeitsschutz aufrecht erhielt.  Aber:

Ob der neue Vorsitzende Rösler seine Töchter künftig zu öffentlichen Terminen mitnimmt, steht nach FDP-Angaben noch nicht fest. Jedoch behält sich die Partei vor, auch künftig ähnliche Erklärungen von Journalisten zu verlangen. Der Protest der Berichterstatter dürfte garantiert sein. Die Vorstandsmitglieder der Bundespressekonferenz wollen bei ihrer Sitzung über den Fall und mögliche Konsequenzen diskutieren.

Ja, so sind sie, unsere FDPler: Immer schon den Begriff Freiheit so hinbiegen, wie es einem am besten passt.

4 Gedanken zu „Wie der liberale Rösler den Begriff Freiheit definiert

  1. Lassen wir mal die Parteimitgliedschaft des Herrn Rösler beiseite, stellen wir uns vor, er sei Pirat, dann wird es unemotionaler.

    Dann fällt sofort auf, daß es nicht gerecht sein kann, daß Eltern Rechte ihrer Kinder „verwirken“, wie Du schreibst. Rösler kümmert sich hier also um ein Recht seiner Kinder. Das halte ich für väterlich und sinnvoll.

    Ob es auch sinnvoll ist, die Kinder mitzunehmen, steht auf einem ganz anderen Blatt, aber man muss das getrennt betrachten. Und wenn ich es mir so recht überlege, nehme ich meine Kinder gelegentlich auch mit zur Arbeit. Sie wollen wissen, was der Papa macht. Und wenn ich ein paar Tage nicht daheim bin, habe ich verständlicherweise Sehnsucht nach meiner Familie, und hoffentlich vice versa. Unterstellen wir Herrn Rösler, daß er ein liebevoller Familienvater ist.

    Und dann kümmern wir uns wieder um die, die es verdienen, dass man draufdrischt. Bei Rösler bin ich mir da noch nicht so sicher. Du schon? 🙂

    • @SvB:

      Sorry lieber SvB, aber als Vater muss ich mich manchmal auch zurück nehmen um die Rechte meiner Kinder zu schützen.

      Rösler hat – am Ende – so gehandelt, wie es sinnvoll ist und ALLE ihr Recht wahren können: Die Kinder wurden am Veranstaltungsort betreut (er hatte sie in der Nähe), aber sie waren eben NICHT „Teil der Veranstaltung“.

      Und was die Piraten angeht: Auf die Dresche ich – mit Wonne! – noch viel eleganter ein, als auf FDPler.

  2. Was haben Kinder auf einer solchen Veranstaltung verloren? Will der ach so tolle Herr Rösler einen auf Schönwetter bzw toller Vater machen?

    Scheinheiliger Wichtigtuer …..

  3. Diese Sache mit den Journalisten kann man nur als schlechten Witz auffassen. Wenn man seine Kinder mitnimmt auf einer Veranstaltung und da noch eine zentrale Rolle einimmt, dann muß man mit Fotografen rechnen.

    Soll er doch seine Kinder nicht mitnehmen, dann gibt’s davon eben auch keine Fotos.

    Bl… FDP

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