Armutszeugnis der Bildungspolitik: Wirtschaftminister umwirbt „Gastarbeiter“

Es gibt Entwicklungen, die sind gleichermassen vorhersehbar und peinlich:

In der Bundesregierung macht sich auch Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) für die Anwerbung ausländischer Fachkräfte stark. „Das Thema, wie Deutschland für ausländische Facharbeiter endlich attraktiv wird, steht ganz oben auf meiner Agenda“, sagte Brüderle dem „Handelsblatt“. Er plane für die nächsten Monate eine Fachkräfte-Initiative.

Entnehme ich der Welt. Gleichzeitig wird es Heranwachsenden in Deutschland immer schwerer gemacht sich zu bilden:

  • Das Abitur muss – aus Kostengründen – in 12 Jahren abgelegt werden
  • Kinder von Hartz-IV Empfängern werden genötigt – aus Kostengründen – die Bildung frühzeitig abzubrechen und „Geld zu verdienen“
  • Bildungsetats werden zusammengestrichen
  • Es wird für immer schwieriger BAFÖG zu erhalten.

Eine Regierung (gelenkt von Kosten minimierenden Befindlichkeitsträgern!) die diese – und noch VIEL mehr – Steine in den Bildungsweg legt wundert sich, dass es keine Fachkräfte gibt? Das kann doch wohl nur ein blöder Witz sein, oder?

Die Welt weiter:

Neben der Reduzierung von Einkommensschwellen hält der FDP- Politiker auch ein Begrüßungsgeld der Wirtschaft für Gastarbeiter für möglich. „Es ist denkbar, dass einige Unternehmen, die es sich leisten können und dringenden Bedarf haben, ausländischen Facharbeitern eine Lockprämie zahlen“, sagte Brüderle.

Würden „Lockprämien“ vor 10 Jahren in das Bildungssystem gesteckt worden sein, hätte man jetzt diese Probleme nicht. Ich habe nichts gegen Gastarbeiter – nicht dass mich jemand falsch versteht. Ich hätte aber MEHR dafür, dass die in Deutschland lebenden Menschen eine Chance auf ein selbstbestimmtes Leben und einen angemessenen Job haben.

Perverses System, in dem wir hier leben müssen.

4 Gedanken zu „Armutszeugnis der Bildungspolitik: Wirtschaftminister umwirbt „Gastarbeiter“

  1. Ich denke, daß hier durchaus auch ein Kalkül der Wirtschaft (und der mit ihr verbandelten FDP) hinter steckt. Es ist billiger, Fachkräfte im Ausland – irgendwo in Indien, China oder Südamerika (von wem auch immer) – ausbilden zu lassen, und sie dann in Deutschland zu eher geringen Löhnen zu beschäftigen. Die Umgebungskosten – also Sprachunterricht, Intergration und Anwerbung (z.B. Brüderles Begrüßungsgeld) läßt man dabei den Staat bezahlen. Sehr praktisch.
    Vermutlich erhofft man sich von derartigen Arbeitnehmern auch eine gewisse Gefügigkeit, so daß man sie nicht nur mit niedrigen Gehältern abspeisen kann, sondern auch durch befristete Verträge knebeln sowie durch Überstunden und eher schlechten Arbeitsbedingungen ausbeuten kann.

    Daß es für die Gesellschaft besser ist, sich die Fachkräfte mittels guter Ausbildung und Förderung im eigenen Land heranzuziehen, ist unbestritten – aber ganz offensichtlich nicht im Sinne jener Kräfte, nach deren Pfeife unsere Politik tanzt.

  2. Genau dazu habe ich vor ein paar Wochen schon etwas geschrieben. Zu den Punkten da oben kann man noch hinzuziehen, dass Hartz-IV-Empfänger keine Zuschüsse für den Nachhilfeunterricht ihrer Kinder bekommen, weil das angeblich normal sei und im Regelsatz drin sein sollte. Also bitte. Das zeigt nicht nur, dass sich das Bildungswesen damit eingesteht, dass es seine einzige Aufgabe nicht allein stemmen kann, sondern auch, dass bei Gericht keiner eine Ahnung hatte, was so eine Stunde Nachhilfe im Schnitt kostet.

    Deutschland gibt OECD-weit mit am wenigsten für Bildung aus und muss sich daher kaum wundern, wenn ein Mangel in bestimmten, unbeliebteren Berufen entsteht.

  3. Da steckt ein ganz klares Kalkül hinter. Die grosse Strategie ist doch überall nur noch Lohnsenkung…. ich habe nun mehrfach gelesen daß inzwischen Fachkräfte aufgrund des Verhältnisses von Gehältern zu Lebenshaltungskosten einen Riesen Bogen um Deutschland machen .. der Fachkräftemangel ist ergo unsere eigene Schuld. Unsere Industrie ist offenbar an der Obergrenze des Geizes angekommen… mal sehen wann diese Rendite-Nazis mal einschwenken anstatt nur rumzujammern und auf den Staat zu zeigen. Wer kann haut ja auch momentan nach Kanada, Skandinavien, Schweiz oder England ab.

  4. Ups da dachte ich mal ich wäre aktuell. Nun ja manchmal ist der Reiz doch schneller 😉

    Du hast recht es ist eine Bankrotterklärung, für die Politik, für die 4 Millionen Arbeitslosen, für die Industrie oder wen auch immer die es nicht hinbekomme Ihre eigenen benötigten Leute anzulernen und zu behalten und ein ganz netter Hammer für alle Gutmenschen die meinen es muß nur genügend „umverteilt“ werden, dann wird schon alles gut….

    @Karim
    „Wer kann haut ja auch momentan nach Kanada, Skandinavien, Schweiz oder England ab.“

    Ja und warum, weil Sie in zumindest einigen der genannnten Ländern mit überschaubaren „Abgaben“ zu rechnen haben. Nun ja Skandinavien dürfte da etwas aus dem Rahmen fallen. Oder vielleicht weil Sie sich woanders nicht so durch und durch „verarscht“ vorkommen müssen.

    Für mich ist es bezeichnend, daß die Leistungswilligen und auch Fähigen abhauen… Es sagt mehr über dieses verf…. Land aus als alle salbungsvollen Sirenengesänge sämtlicher Politiker aller derzeit im Bundestag vertretenen Parteien.

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