Sommerpause am Beispiel der Gewerkschaften

Früher – so zu Zeiten als jeder „Arbeiter“ grundsätzlich in der Gewerkschaft war – waren die Gewerkschaften die Speerspitze der Sozis. Wer gewerkschaftlich organisert war, wählte SPD – also alle Arbeiter und Angestellten. Denn die SPD war die Partei der arbeitenden Klasse. Daraus ergab sich, dass die Gewerkschaften natürlich die SPD unterstützten, denn diese vertrat ihre Interessen. Erinnert ihr euch an Wahlkampf vor 20 – 30 Jahren (Naja, ihr „jungen Leser eher nicht – ich spreche von den Weisspelzen^^)? Da waren SPD-Wahlkampfveranstaltungen und Gewerkschaftsversammlungen nur an der Aufschrift der „Bannerwerbung“ zu unterscheiden.

Diese Zeiten sind vorbei – die SPD leidet gerade darunter. Aber was tun eigentlich die Gewerkschaften? Diese heulen ebenso dicke Tränen, wie die SPD-Führung:

Nach dem Sieg von Schwarz-Gelb bei der Bundestagswahl befürchten die Gewerkschaften Sozialabbau.

kann man der Tagesschau entnehmen. Ach, da melden sich die Gewerkschaften zwischen Sommerpause und Winterschlaf nochmal kurz zu Wort? Und wo war deren Wahlkampf? Ich weiss schon, warum ich den Gewerkschaften nicht mehr traue.

3 Gedanken zu „Sommerpause am Beispiel der Gewerkschaften

  1. Was sind Gewerkschaften?

    Ich bin wohl zu jung und arbeite in einem ?freieren? Beruf, da muss ich mich von niemand schützen lassen.

    Hat sich vielleicht die Arbeitswelt gewandelt, dass solche Institutionen genauso überholt sind wie klassische Medien?
    Der Vergleich kommt mir in den Sinn, weil beide für sich beanspruchen, dass es den Menschen ohne sie schlechter geht.

  2. Tja… wo waren die Gewerkschaften?

    Also ich war vor kurzem auf einer Veranstaltung der IG-Metall in Frankfurt, an der 40000 bis 50000 weitere Menschen teilnahmen. Thema war u.a. die Rücknahme der Rente mit 67.
    Anschliessend wurde hierüber eine ganze halbe Minute bei der ARD berichtet. Dabei ging man natürlich nicht auf die konkreten Forderungen ein – Gott bewahre.
    Dafür haben sich wohl einige Politiker beschwert, daß man ihnen den Lolly weggenommen hat. Bzw. daß diese Versammlung von Menschen, welche tatsächlich ihren Hintern hochbekommen, um sich Gehör zu verschaffen, ja eine „reine Wahlkampfveranstaltung der Linken“ gewesen wäre.
    Das wurde dann natürlich genauso berichtet – ohne kritische Auseinandersetzung mit dem Thema.

    Man muß kein „Freund“ der Gewerkschaften sein. Ich persönlich halte auch nicht sehr viel von ihren Vorsitzenden. Was man allerdings anerkennen sollte, ist die Tatsache, daß sich unter dem Banner der Gewerkschaften sehr viele Menschen zusammenfinden, die für ihre Zukunft eintreten – und damit auch für die Zukunft derer, welche lieber nicht gewerkschaftlich organisiert sind. Das KANN man täglich beobachten, wenn man denn WILL.
    Solange jedoch die Medien schweigen, wenn sich wiedermal 50T Menschen zusammenfinden und im Gegenzug fünf Minuten über den Neuesten Hirnfurz von irgendnem Promi berichtet wird, erwarte ich auch nicht, daß sich das öffentliche Bild der Gewerkschaften verändert.

    Ich bin übrigens kein Mitglied der IG-Metall und habe den Piraten meine Zweitstimme gegeben. Aber das mußte mal raus.

  3. @keule:

    Da mein Vater so lange ich denken kann ein Gewerkschaftsmitglied war und er mir bei Beginn meiner Ausbildung sofort nahe legte doch UNBEDINGT der Gewerkschaft beizutreten, habe ich die Gewerkschaften stets verfolgt.

    Ich war schon immer eher gewerkschaftskritisch, bezweifelte dass Funktionäre im Mercedes die Interesse des Fahrrad fahrenden einfachen Menschen noch nachvollziehen können.

    Mittlerweile ist es mehr als ein Jahr her, dass mein Vater desillusioniert von der Hamburger Mai-Kundgebung berichtete: Das hat doch nix mehr mit uns Metallarbeitern zu tun – die interessieren sich mehr für den Kaffee aus Südamerika.

    Du magst recht haben, dass teilweise die Gewerkschaftsarbeit nicht bei allen (so auch nicht bei mir …) ankommt. Deshalb bin ich dir dankbar, dass Du deinen Eindruck hier wiedergibst.

    Ich versuche mir breit zu informieren (auch wenn ich manchmal sehr parteiisch/punktuell und auch manipulativ blogge) und ein weites Bild zu erhalten.

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