Viel Feind viel Ehr – wo stehen die Piraten eigentlich

Kaum schafft es die Piratenpartei den Achtungserfolg von 0,9% bei der Europawahl zu erringen, wird sie zur Zielscheibe diverse Befindlichkeiten.

  • Die ehemaligen Volksparteien CDU/CSU und SPD schiessen sich auf den wohl bekanntesten Piraten Jörg Tauss ein. Auch medial ist dies natürlich immer wieder ein Angriffspunkt.
  • Die konservativen Medien und Rechteverwertungsgesellschaften schiessen sich mit dem Argument „Die wollen die Künstler enteignen“ auf die Piratenpartei ein.
  • Die Linke (nicht die Partei) meint in der Person Bodo Thiesen, der sich nicht klar genug vom rechten Gedankengut abgrenzt, einen neuen wunden Punkt gefunden zu haben.
  • Neu ist Kritik an der Art des Parteitages, auf dem NICHT mittels Delegiertenstimmen entschieden wurde.

Was aber macht die Piraten aus? In meinen Augen (also so richtig subjektiv) ist gerade die Offenheit ALLER möglichen freiwilliger Diskussionsteilnehmer und aller Menschen – die sich zu einem der in der Piratenpartei thematisierten Punkte – äussern wollen ein sehr grosser Vorteil. Die Piraten sind nicht links oder rechts – sie sind Piraten. Mitten durch! Eine Linke gibt es – rechte Parteien noch viel mehr. Was die deutsche, politische Landschaft inspirieren kann ist eine Partei, die frei ist von alten Gedanken und Schablonen. Wer nicht verurteilt ist gilt als unschuldig – egal was gegen ihn vorgetragen wird. Und um es mit der Worten von Klaus Wowereit zu sagen: Und das ist auch gut so!

Das die Piraten die Kreativen um ihre Rechte bringen wollen hält sich zwar hartnäckig, wird aber dennoch nicht richtiger. Innerhalb der Piraten wird massiv an einer Lösung eben dieses Problems gearbeitet: Wie kommen Künstler an die angemessene Entlohnung ihrer Wertschöpfung. Vielleicht sollten sich gerade Künstler an dieser Stelle aktiv an der Diskussion beteiligen. Ich sehe an der Stelle auch und gerade eine Chance der Kreativen ein neues, tragbares und vor allem besseres Modell für „Schaffende“ zu formulieren, als das Modell das derzeit angewandt wird.

Was den Parteitag angeht, frage ich mich, warum scharf-links ein Problem damit hat, dass jeder Pirat sich auf dem Bundesparteitag selbst und direkt an der aktiven Gestaltung der Partei beteiligen kann „Auf dem Parteitag bestimmten ca. 9% zufällig anwesende Mitglieder das Geschehen. Jedes Delegiertensystem wäre demokratischer gewesen.“ Es waren keine „zufällig Anwesenden“, es waren aktiv mitarbeitende Bürger, die mit Interesse und persönlichem Einsatz an dem Weg der Partei mitarbeiten wollen.

Was mich z.B. beim CCC immer fasziniert hat war(aktiv kann ich es nicht mehr beurteilen), dass sich Menschen jeglicher Machart und Meinung fanden, um an ihrem gemeinsamen Zielen zu arbeiten. Aus der Satzung des CCC:

Der Chaos Computer Club ist eine galaktische Gemeinschaft von Lebewesen, unabhängig von Alter, Geschlecht und Abstammung sowie gesellschaftlicher Stellung, die sich grenzüberschreitend für Informationsfreiheit einsetzt und mit den Auswirkungen von Technologien auf die Gesellschaft sowie das einzelne Lebewesen beschäftigt und das Wissen um diese Entwicklung fördert.

Es sind die Ziele die uns einen, nicht unsere Vergangenheit.

9 Gedanken zu „Viel Feind viel Ehr – wo stehen die Piraten eigentlich

  1. Der Einsatz der Piraten für eine offene Gesellschaft in allen Ehren, aber einen Geschichtsrevisionisten in ein Amt zu wählen ist halt einfach ein so 100%-No-Go für alle Menschen denen der Umgang mit der deutschen Vergangenheit nicht völlig egal ist. Und gerade den Piraten sollte das nicht egal sein. Schließlich ist es doch ihre Absicht Faschismus zu verhindern und nicht durch solche rechtsnationale Verschwörungsideologien auch noch zu fördern. Deswegen haben sie ja auch entsprechende Abgrenzungen in der Satzung stehen. Ist das alles nur ein Lippenbekenntnis?

  2. @Benni Bärmann:

    Hast Du dir GENAU durchgelesen und interpretiert, was Bodo AUSgesagt/geschrieben hat?

    Würdest Du diese Sätze, so sie aus dem Linken Spektrum kommen mit der gleichen Kritikhärte beurteilen?

    Ich bin beileibe nicht dem rechten Spektrum zuzuorden. Wer das behauptet muss zur Strafe alle Postings meines Blogs lesen 🙂 ABER: Es gilt „Gleiches Recht für alle“.

    Auch ich verspüre dieses „Kribbeln“, wenn ich die von Bodo gemachten Aussagen lese, aber das ist eher ein Grund einmal das persönliche Gespräch zu suchen, als dass ich aufgrund DIESER Aussagen erkläre: Mit dir kann ich an meinen Zielen nicht zusammen arbeiten.

    Vielleicht bin ich zu Konsenssuchend, aber ist das ein Fehler?

    Nachtrag: Ist die Behauptung Bodo sei ein Geschichtsrevisionist eventuell „verwertbar“? Ist es ein Angriff auf seine Person? Eine Schmähung? Wir bewegen uns ALLE auf dünnem Eis. Nur muss man dieses auch erkennen und darf nicht mit zweierlei Maß messen.

  3. Wenn ich sagen würde du hättest die Katze nicht absichtlich überfahren würde ich eine Katzenermordung leugnen. AHA!

    Jetzt mal im Ernst: Da wird viel Lärm um etwas gemacht was sich jemand einbildet zwischen den Zeilen gelesen zu haben. Punkt!

    Das ist meine Meinung. Ich bin nicht rechts und ich werde es auch nie sein!

  4. Zum Thema „Kreative enteignen“:
    Tatsächlich standen im Entwurf des Wahlprogramms einige haarsträubende Sätze. Größtenteils zeugten sie von einer völligen Unkenntnis der Kreativbranchen und der gängigen Geschäftsmodelle. Gott sei Dank sind diese Sätze am Wochenende allesamt rausgeflogen. Für Menschen, die in der Kreativbranche arbeiten waren sie untragbar.

    Aber: immernoch scheint in der Piratenpartei kaum jemand eine Ahnung zu haben, was die meisten Begriffe im Umfeld „Urheberrecht“ bedeuten. Am dramatischsten wirkt sich das in der Unkenntnis des signifikanten Unterschiedes zwischen deutschem und amerikanischem Rechtssystem. Da werden konstant Ideen und Argumente aus Amerika benutzt, die so in Deutschland gar nicht sinnvoll anwendbar sind, weil wir eine andere Rechtslage haben.

    Deswegen wirkt sich hier eine Verkürzung des Urheberschutzes direkter auf die Künstler selbst aus, als in Amerika. Und entsprechend bestürzend sind die Forderungen für Kreative und alle die mit kreativen Gütern ihr Geld verdienen. (Und das ist nicht nur die „Musikindustrie“, die so gerne als Feind stilisiert wird).

    Auf ‚carta‘ wurde mehrmals auf diese Umstände hingewiesen, in den Kommentaren gab es dazu meist nur piratentypische Ignoranz und Vorurteile gegenüber Künstlern, à la „die machen sowieso nix vernünftiges mehr“. Das ist natürlich nicht offizielle Meinung der Partei, prägt aber den Eindruck. Immer wird von den ünstlern gefordert, ihren Arsch gefälligst selbst zu retten, usw. Und auch in der politischen Debatte liest man dann immer wieder: warum machen denn Künstelr nicht bei uns mit. Sie sollen doch mal zu uns kommen und mit uns reden.

    Gegenfrage:
    Wieso redet ihr nicht mal mit den Künstlern?
    Wieso watscht ihr die GEMA immer ab, anstatt sie mal differenziert in ihren Vor- und Nachteilen zu betrachten?
    Wieso nutzt ihr nicht den Wissenschatz Internet, den ihr so wacker verteidigt und verschafft euch einen Überblick über die vielen einzelnen Wirtschaftszweige, die von einer Urheberechtsänderung betroffen wären und die alle nach unterschiedlichsten Organisationsprinzipien funktionieren?

  5. @RJonathan:

    Zuerst: Ich spreche NICHT für die Piratenpartei – jetzt nicht und auch in der Vergangenheit. (Siehe auch Impressum!)

    Ich persönlich habe auch schon mit Künstlern gesprochen, leider sind viele Schaffende aber genau so unbeleckt wie Du es den Piraten vorwirfst. Die Idee sich GEMEINSAM an einen Tisch zu setzen, halte ich für äusserst sinnvoll und produktiv.

    Ich persönlich bin GANZ sicher kein Ansprechpartner in Sachen Urheberrecht, dass weiss ich und handle danach. Was ich aber – als Bürger – sehe ist, dass sehr häufig einzelne Künstler von der Wirtschaft „verbraten“ werden. Siehe z.B. die Castingshows und andere.

  6. Okay. Dann gehen diese Fragen natürlich auch nicht an Dich. Habe das hier gepostet, weil du geschrieben hast: „Teile der konservativen Medien“ oder so.

    Was in Casingshows passiert, hat nichts mit Urheberrechten zu tun. Urheberrechte hat nur, wer Werke schafft – also komponiert/schreibt/filmt/fotografiert. Das Singen ist eine Wiedergabe eines komponierten und getexteten Werkes. Die Songs schreibt ja in der Regel Bohlen. Und der verdient tatsächlich sehr gut daran. Aber wenn man Bohlen ans Bein pissen will, was ich keinen schlechten Impuls finde, kann man nicht einfach die Bedingungen für alle Künstler ändern, weil dass dann auch die kleinen und kulturell Wertvollen betrifft.

  7. @RJonathan:

    Kein Problem – ich habe mich nicht angegangen gefühlt 🙂

    Ich weiss, dass diese Problematik sehr vielseitig und tiefgreifend ist. Deshalb sprach ich sie nur an. Ich kann nur zu Einzelthemen eine Stellung beziehen wie: „Wie lange sollten Rechte erhalten sein“, „Welche Werke sind überhaupt – und warum – schützenswert“. Aber auch an den Stellen brauche ich hier und da Rat und hole mir diesen tatsächlich bei den Betroffenen. Allerdings kenne ich nur „kleinere“ Künstler und Bands 🙂

  8. nochmal zu Urheber-, Verwertungs-, Nutzungsrechte.

    Ich bin da zwar auch kein Spezialist aber immerhin Betroffener.
    Wer über die Künstlersozialkasse versichert ist lebt zu einem Prozentsatz, der vergleichbar ist mit dem der vorinstallierten Betriebssysteme aus Redmond auf neu gekauften Rechnern, unter dem Hartz4 Satz.

    Diese Künstler und Publizisten hätten bestimmt nichts dagegen, wenn das ganze System nicht nur reformiert sondern revolutioniert würde.

    Nach 20 Jahren digitalen Kopierens wäre es mal langsam an der Zeit. Vorschläge dafür gibt es schon mehr als genug.

  9. @stefan:

    Ihr – die Künstler – wurdet und werdet doch genauso verarscht wie wir Kunden. Mit Einführung der CDs hiess es: Alles wird billiger. Stimmt auch – aber nur für die Produzenten. Weder die Künstler noch die Konsumenten haben von der neuen Technologie profitiert.

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