Weinst Du noch, oder lachst Du schon?

Nachdem ich über das Thema HSH Nordbank schon bloggte, das jeden Hamburger und Schleswig-Holsteiner Bürger ca. 500€ (vom Säugling bis zum Rentner) kosten wird, lässt sich man sich auf Bundesebene natürlich nicht lumpen. Wie steht man denn da, wenn man nicht auch ein wenig Geld dorthin wirft, wo schon massiv virtuelles Geld verbrannt wurde: Hypo Real Estate heisst das Ziel. Aber der Bund lässt es nicht bei 2,3 Milliarden, sondern man denkt grosszügiger und wirft gleich 35 Milliarden in den Bunsenbrenner. Sind nochmal 437€ pro Bundesbürger,  von Neugeborenem bis Pflegeheimbewohner – von Hartz-IV Empfänger bis Milliardär.

Ist doch super. Da bin ich als Hamburger doch mal so eben mit knapp 1000€in die Miesen gerasselt ohne dafür (oder dagegen) auch nur IRGENDWAS tun zu können. Einfach so. Und sollte die Hypo real Estate mal irgendwann wieder schwarze Zahlen schreiben, werde ich dann – so als „indirekter Miteigentümer“, quasi Notaktionär – an den gewinnen beteiligt werden? Nein, GANZ sicher nicht, denn unsere Bundesregierung verschenkt mal so eben unser (mein, deins, und IHRES auch!) Geld.

Man muss – um sich ein Bild von den Kosten von 35 Milliarden zu machen – dies einmal mit dem Haushalt 2008 der deutschen Ministerien in Relation setzen:

  • 5,25 Milliarden für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (unwichtig!!)
  • 2,92 Milliarden für Gesundheit
  • 6,07 Milliarden für Wirtschaft und Technologie
  • 28,389 Milliarden für Verteidigung
  • Neuverschuldung nur 40 Milliarden
  • ABER 35 Milliarden werden einer einzelnen Bank in den Arsch gesteckt!

Quelle der Zahlen: Webseite des Bundestages

Ich prognostiziere: Der Umsatz von Brechmitteln wird deutlich zurückgehen, es gibt ja eine Realität, die einen zwingt sich zu übergeben.

Wie beknackt sind wir eigentlich

Wir (deutschen) Steuerzahler können doch echt nicht alle Latten am Zaun haben. Jahrelang packen sich die Vorstände und Aktionäre die Taschen voll, kaufen sich Häuser, Boote, Pferde und Frauen, aber wenn die Firmen (derzeit speziell die Banken) Finanzprobleme haben, wer zahlt dann die Zeche?

Wir, die Steuerzahler und zwar mehr denn je der „kleine Mann“ – nachdem der Spitzensteuersatz auf 42% gesenkt wurde. Nun wird der Hypo Real Estate auf die Beine geholfen, indem mal eben ein paar Scheinchen da rein geworfen werden.Die Bankvorstände lachen sich doch schlapp: Die haben die letzten Jahre massiv riskante Geschäfte gemacht und dadurch fette Erträge eingefahren, was dazu führte, dass sie fette Provisionen erhielten. Wer verlangt diese Provisionen nun zurück? Niemand. Die Kohle wird behalten. Und WENN dann tatsächlich mal eine dieser Nieten den Platz räumen muss, wird noch eine Abfindung bezahlt. SUPER.

Die Telekom als Lachnummer

Ich kenne nur einen Konzern in Deutschland, in dessen Vorstandsetage wohl jeder zu einem Fremdwörterbuch greifen muss, wenn er Begriffe wie Datenschutz, Persönlichkeitsrechte oder Privatssphäre buchstabieren muss: Telekom

Und ausgerechnet die Telekom, die von ziemlich vielen Menschen Persönlichkeitsprofile anhand der Gesprächsdaten erstellt hat und wohl auch Gespräche abgehörte, hat ein Problem damit, wenn der Staat ebendieses tun will.

Um die Verbindungsdaten ihrer Kunden besser zu schützen, geht das Unternehmen rechtlich gegen ihre eigene Aufsichtsbehörde vor: die Bundesnetzagentur. Von dieser fühlt sich die Telekom nämlich zum Bruch des Fernmeldegeheimnisses genötigt.

Hintergrund ist eine Weisung der Behörde. Darin wird die Telekom verpflichtet, Verkehrsdaten „unverzüglich“ auszuwerten, wenn Strafverfolgungsbehörden wissen wollen, wer genau hinter einer IP-Adresse steckt – und zwar auch dann, wenn kein richterlicher Beschluss vorliegt.

schreibt die TAZ. Ist das nicht toll? Wenn die Telekomiker die Daten selbst nutzen, um daraus einen Wettbewerbsvorteil zu erringen, dann werden die Daten ausgewertet und genutzt, aber wehe jemand Anderes möchte Einblick erlangen, DANN würde die Telekom ja laut eigener Aussage „müssen wir quasi gegen das Fernmeldegeheimnis verstoßen“. Wie lächerlich kann man sich eigentlich selbst machen?

OK, ich bin ein absoluter gegner der Voratsdatenspeicherung und Zugriff auf Verbindungsdaten OHNE richterliche Verfügung sind ein absolutes No-Go, aber was die Telekom da jetzt abzieht passt schon in die von der Telekom – damals noch als Postkonzern geprägte Begrifflichkeit „Personen mit atypischen Benutzerverhalten“, wie damals die Hacker vom Gilb genant wurden.