Leserreporter-Sklave 2.0 beim Hamburger Abendblatt

Der Kuschelpunker (er hatte grad nichts anderes zu tun) machte mich gerade darauf aufmerksam, dass nicht nur die BILD sondern neuerdings auch das – ebenfalls zum Springer-Konzern gehördende – Hamburger Abendblatt, Leserreporter als Qualitätsjournalisten einspannt.

Bei der Aktion wird das Abendblatt von Vodafone unterstützt. Das Unternehmen stattet jeden Reporter mit Notebook und Smartphone von Samsung sowie einer Telefon- und Datenflatrate aus. Die Abendblatt-Redaktion begleitet die Stadtteilreporter mit einem speziell eingerichteten Team. Die Mitarbeiter werden Ansprechpartner für die Bürgerjournalisten sein, die Berichterstattung in den Quartieren koordinieren und den Reportern mit Rat und Tat zur Seite stehen.

(Bezahlcontent beim Abendblatt, nur erreichbar über den Zwischenschritt Google.)

Und es wird natürlich auch gelockt:

So können aus Online-Reportern schnell Abendblatt-Reporter werden.

Hat sich da mal jemand beworben? Mich würde ja wirklich mal interessieren, ob das

  1. Ein sozialversicherungspflichtig bezahlter Job ist
  2. Wie es mit Lohnfortzahlung im Krankheitsfall aussieht
  3. Kündigungsfrist?

Oder ist das ein „Pay per Zeile“-Angebot, bei dem nur das bezahlt wird, was der Abendblatt-Gott dann tatsächlich ins Blatt übernimmt.

Da „in einer Art Blog“ berichtet werden soll, schätze ich mal, dass die Bezahlung in Form von „privat nutzbarer Laptop und Telefon“ geschieht – Werbeeinnahmen des Blog wandern zu Vodafone und Springer, Samsung ist durch ausreichende Nennung als „Firmensponsor“ genügend entlohnt.

Wer weiss denn da was? Ich versuche das auch mal im Auge zu behalten.

3 Gedanken zu „Leserreporter-Sklave 2.0 beim Hamburger Abendblatt

  1. Print lernt eben von Online. Das Prinzip „Leserreporter“ haben die sich nämlich offenbar bei AOL abgekuckt. Da hat man schon 1995 fast sämlichen (zumindest deutschsprachigen, andere kann ich nicht beurteilen) Community Content von sog. „ehrenamtlichen“ „Scouts“ und „Leaders“ verantworten und von „Lotsen“/“Guides“ beblockwarten lassen. Als Gegenleistung gab es – welch ein Zufall – je nach Status die Kostenerstattung für einen ISDN-Anschluß und kostenlose Onlinezeit. (Was damals freilich, bei sechs Mark je Onlinestunde zzgl. Einwahlgebühr, gar nicht mal ein allzu schlechter Deal für angehende Onlinejunkies war.)

  2. Da muß ich an Charlie Brokers Kommentar zu Leser-Reportern denken. Sinngemäß:

    „Die Leute wollen einfach nicht auch noch in der Zeitung und im Fernsehen die gleichen Arschlöcher und Geschichten sehen die sie jeden Tag schon auf der Arbeit und in der Kneipe sehen und hören müssen“.

    Daß sich die Medien inzwischen auf ein austauschbares Niveau von Blogs herabbegeben merken die auch nicht mal mehr. Der grösste Flachflieger sind diese Video-Blogs von irgendwelche Journalisten die meinen sie wären „fresh“ wenn sie nervtötende Youtube-Clips von 16jährigen Kiddies mit Webcam nachmachen. Dabei sollte doch inzwischen jeder wissen, daß niemand so fresh ist wie die hier:

    http://www.bundeskanzlerin.de/nn_707282/Content/DE/Podcast/2010/2010-09-11-Video-Podcast/2010-09-11-video-podcast.html

  3. Pingback: Sublokalität – Fortschritt und Quatsch anderswo | killefit.net

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