Heise und die Geheimhaltungsstufen

Heise schreibt heute unter der Überschrift „Umsetzungsvorgaben für Web-Sperren sollen geheim bleiben“

Im Amtsblatt 16/2009 wird die Richtlinie als nur für den Dienstgebrauch verwendbare Geheimakte eingestuft. (Hervorhebung von mir)

Damit begibt sich Heise auf die Pfade, die ansonsten eher der BILD-„Zeitung“ zugeschrieben werden. Denn zwischen „Geheim“ und „Verschlussache, nur für den Dienstgebrauch“(VS-NfD) bestehen doch deutliche Unterschiede. VS-NfD bedeutet salopp eher „vertraulich“, denn „Geheim“. So müssen sich z.B. Mitarbeiter, die Zugang zu „geheimen“ Unterlagen benötigen einer Sicherheitsüberprüfung unterziehen. Dieses ist bei VS-NfD nicht erforderlich.

Was VS-NfD bedeutet kann man daraus ableiten, dass selbst die Dienstpläne der Bundeswehr typischerweise „VS-NfD“ gekennzeichnet sind. Sie hängen überall (innerhalb der Kasernen) aus, sind aber kein Material für die Presse.

Eine ganz andere Frage ist es, ob diese Klassifizierung Sinn macht. So leid es mir tut, lautet meine Antwort darauf: JA. Denn – mal ganz ehrlich – wenn die technische Umsetzung im Detail bekannt wäre, so würde es etwaigen Interessenten/Bedarfsträgern ein leichtes sein, das System zu manipulieren oder zu manipuleren.

4 Gedanken zu „Heise und die Geheimhaltungsstufen

  1. Sinn macht auch die Zensur, für den Zensor und sonst niemanden.
    Je mehr ich hier lese um so trauriger stimmt mich das.

    Grundsätzlich sollte es keine Web Sperren geben und illegales abgeschaltet werden. Sperren segmentieren das Netz und die Freiheit der Bürger.

    Bitte richten sie den Organen der Zensurfreudigen doch aus das wir Bürger von derlei Praktiken gar nichts halten.

    Ich hoffe das sie aus der Piratenpartei austreten.

  2. @don pfiff:

    Dass die Internetsperren absolut kontraproduktiv in Sachen Verhinderung von Kindesmissbrauch sind, habe ich mehrfach beschrieben und begründet.

    Oben treffe ich KEINERLEI Aussage zu Sinn/Unsinn der Internetsperre an sich, sondern äussere mich zu der technischen Umsetzung.
    Diese kann unabhängig von von der Sache selbst betrachtet werden (was ich an dieser Stelle tue).

    Und nein: Ich werde GANZ sicher nicht aus der Piratenpartei austreten.

    PS: Man sollte das lesen, was geschrieben steht und nicht das, was man lesen „möchte“… 🙂 Ich lasse mir nämlich deutlich ungern unterstellen ein Zensurbefürworter zu sein!

  3. Ich behaupte mal, dass Leute die in der Lage sind so ein System zu manipulieren, auch in der Lage sein werden herauszufinden wie es funktioniert. Security by Obscurity funktioniert selten. Ausserdem wird man sicherlich auch diese Richtlinie in Kürze bei Wikileaks finden.

  4. @sesc:

    Sicher wird es 1) Manipulationsmöglichkeiten geben und 2) wird sowohl die Beschreibung, als auch der Inhalt der Liste auf Wikileaks landen. Ich wage mal die Behauptung aufzustellen, dass genügend(!) Leute von „uns“ schon jetzt zu dem Kreis der Involvierten gehören 🙂

    Unabhängig davon wäre es – IMHO – fahrlässig eine komplette, vollumfangliche Beschreibung als „OpenSource“ zu veröffentlichen. Die technische Richtlinie würde – meiner unmassgeblichen Einschätzung nach – auch „Social-Leaks“ offenbaren, die man mit keinem Key verschlüsselt bekommt.

    Nichtsdestotrotz: Internetsperren sind sinnlos, kontrproduktiv und nicht zuletzt als Instrument sehr gefährlich! Egal, wie auch immer sie umgesetzt werden (sollen).

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