Internet auf dem Kartoffelacker

Da die Firma, die mich so masslos unterbezahlt auch Breitbandanschlüsse (typischerweise ab 34Mbit und für Firmen) als Wiederverkäufer anbietet, sind wir im Breitbandatlas des Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gelistet. Allerdings nur in den Bereichen, in denen unsere Zulieferer eine Verfügbarkeit gewährleisten.

Dennoch bekommen wir immer wieder (man verzeihe mir den Ausdruck) „Bettelbriefe“ von Bürgermeistern von Kleinstgemeinden am Arsch der Heide. Entfernung zum nächsten Backbone ab 50 Kilometer aufwärts. Autobahnen, Schiffahrtsstrassen oder Wälder und Acker müssen über(oder unter)wunden werden. Wenn diese Bürgermeister nun marktübliche Hausanschlußkosten sowie eine Erschliessungspauschale von 10 bis 20.000 Euro bereitstellen können, wird es in meinem Büro laut – SEHR laut. Meine Kollegen kommen dann ins Büro und fragen: „Breitbandatlas?“, wenn sich mein Lachanfall dann gelegt hat, antworte ich mit einem (*Lachtränen aus den Augen wischend*) „Ja“.

Mal ganz ehrlich: Viele Menschen ziehen ganz bewusst in ländliche Gebiete, weil dort das Bauland so schön günstig ist und man weit ab von den Untugenden der Großstädte leben kann. Wenn dann die aufstrebenden Städter ihr Häuschen im Grünen haben, wird als erstes der Bauer verklagt, weil sein Hahn – mittels Krähen – Ruhestörung betreibt. Als nächstes wird der Morgen- und Abendliche Tross der Milchkühe von und zur Weide unterbunden. Und wenn all das geregelt ist, setzt man sich vor den Rechner und …….. Scheisse. ISDN ist zu langsam, wir wollen DSL.

Nicht das man mich falsch versteht: Ich stehe für das Recht auf Kommunikation ein. Dieses Recht haben ALLE Bürger, denn die freie Kommunikation/Information ist ein tragendes Element der Demokratie.

Aber einerseits auf „günstige Land“ ziehen, dass nur deshalb so preiswertes Bauland bereit hält WEIL die Infrastruktur eben hier und dort schwächelt, andererseits aber für kleines Geld sich diese Infrastruktur vom Steuerzahler in den Popo stecken lassen, DAS klappt nicht. Infrastrukturmassnahmen kosten Geld und diese hat von denen aufgebracht zu werden, die eben diese Infrastruktur wollen. Unidirektionales Internet via Satellit gilt als erfunden und ist nicht sooooo viel schwächer als ADSL.

Nur meine Meinung, ich lasse auch Gegenmeinungen zu 🙂

14 Gedanken zu „Internet auf dem Kartoffelacker

  1. Das „Gejammer“ beschränkt sich ja nicht nur auf die nicht existenten oder langsamen Breitbandanschlüsse.

    Auch die hohen Spritpreise werden beklagt.

    Wer sich auf dem Land ein Haus baut für den Preis einer 2-Zimmer Wohnung in der Großstadt, darf dann halt auch nicht wegen der Nachteile herumjammern.

  2. Veto! Es macht keinen Sinn, in den Städten die 28. Breitbandalternative zu installieren, wenn man es nicht einmal schafft für jeden Bundesbürger einen 2 MBit+ Anschluss liefern zu können. Gibt es kein DSL, gibt es in 95 % der Fälle auch kein HSDPA, UMTS, Kabel, Glasfaser oder andere Breitbandtechniken.

    Das mag ja marktwirtschaftlich noch Sinn machen, aber hier geht es um eine Grundbedürfnis. Das ist etwas so, als wenn ich sage, dass in der Stadt nur begrenzt Brot verfügbar sein sollte, weil die Wege in die Stadt nicht wirtschaftlich sinnvoll sind.

    Und diesen Schrott von wegen Satelitenverbindung kannst Du auch vergessen.
    -Erstens darf nicht jede am Haus eine zusätzliche Schüssel anbringen und
    – zweitens sind die Latenzen viel zu hoch, um damit mehr zu machen als etwas rumzusurfen und
    – drittens ist es wirklich eine Alternative, wenn man 500 MB Updates macht und danach für 2 Tage auf ISDN Geschwindigkeit gedrosselt wird? Ich denke nein.

    Hier will keiner alles sofort und umsonst, aber mit DSL light kann ICH für mich schon nicht mehr vernünftig arbeiten. Mit DSL 1000 ist es schon nervig genug. Und es gibt auch genug andere Gründe, warum es eine Landflucht gibt. Man muss das durch so etwas ja nicht noch weiter voran treiben, nur weil man in der Bundesregierung nicht in der Lage ist, dort mal eine klare Linie vorzugeben, z. B. durch die Festschreibung eines Grundrechtes auf Breitband.

  3. @Oliver:

    Dein Veto – sowie deine Argumente nehme ich zur Kenntnis. Was macht mehr Spass, als kontrovers zu diskutieren? 🙂

    Es geht zuallererst um das Grundbedürfniss auf Kommunikation/Information. Sind wir uns da einig? Und um zu kommunizieren ist die Latenz zweitrangig. Bei Onlinespielen bist Du bei zuviel Latenz Opfer – das ist mir klar. Aber Onlinespiele sind ein Gimmick und haben nichts mit Information zu tun.

    Ob man eine Stallitenschüssel an seinem Haus anbringen darf…. OK, aber selbst störrischen Hausbesitzern kann man im Worst-case überreden eine Schüssel auf dem Dachboden zu installieren (JA, das geht!).

    Ebenso kann man mit GSM ausreichend kommunizieren. Webserver macht nicht zwingend Spass, aber muss dies zwingend vom Mobiltelefon aus geschehen?

    Was arbeitest Du? Du schreibst, dass Du mit einem MBit nicht ARBEITEN kannst. Solltest Du für deinen Broterwerb ein schnelleres Internet benötigen, hast Du die Standortwahl deutlich vernachlässigt, als Du deinen Firmenstandort wähltest.

    Und das mit dem Brot meinst Du nicht ernst oder? Wusstest Du, dass man mit DVDs – mittels LKW transportiert – wesentlich höhere Bandbreiten als 100Mbit erreichen kann? :))

    Ich würde (als Stadtbewohner) auch gern aus dem Fenster schaun und eine grüne Wiese vor der Tür haben, oder den Wald in Fussmarschentfernung haben. Fleisch und Gemüse in Fahrradentfernung direkt beim Bauern erwerben. Geht alles nicht: Bin Stadtmensch. Jeder Standort hat spezifische Vor- und Nachteile. Face it.

  4. Und um zu kommunizieren ist die Latenz zweitrangig … Aber Onlinespiele sind ein Gimmick und haben nichts mit Information zu tun.

    Filesharing, VOIP, andere Kommunikationen in Echtzeit, VNC oder ähnliche Techniken, Serverwartung. Auch alles Gimmicks, die keiner braucht, richtig?

    OK, aber selbst störrischen Hausbesitzern kann man im Worst-case überreden eine Schüssel auf dem Dachboden zu installieren

    Wenn die Möglichkeiten vorhanden sind, ja – sind sie aber nicht überall. Das löst auch nicht das Problem, dass es keine benutzbaren Tarife in dem Bereich gibt. Und das ist immer noch so. Lädst Du Dir 500 MB Updates (z. B. neues KDE) auf die Platte hast Du die nächsten 2 Tage maximal Modemgeschwindigkeit.

    Ebenso kann man mit GSM ausreichend kommunizieren.

    *Kopf->Tisch* Ruf mal eine Seite wie Webnews mit GSM auf. Oder verschick mal ein PDF mit 3 MB Größe oder lad Dir ne Logdatei vom Server oder noch besser ein 1GB großes Backup einer Datenbank oder mach mal mit einem frisch installiertem Windows XP Sicherheitsupdates.

    All das ist ja auch super ungewöhnlich und die TOTALE Randerscheinung im Jahr 2009. Das Internet gibt es ja auch erst seit 2 Monaten und es war niemals abzusehen, dass es mal wichtig werden könnte.

    Was arbeitest Du?

    Softwareentwicklung

    Und das mit dem Brot meinst Du nicht ernst oder?

    Doch, wäre es wirtschaftlich nicht sinnvoll, Getreide weiter als 20 km zu transportieren, wäre sofort der Gesetzgeber da, um eine Grundversorgung zu sichern, anstatt dass gesagt wird, die können doch aufs Land ziehen oder Dosenfleisch essen.

    Wusstest Du, dass man mit DVDs – mittels LKW transportiert – wesentlich höhere Bandbreiten als 100Mbit erreichen kann?

    Ja, und jeder Bundesbürger kann auch LKWs beauftragen, um entsprechend zu antworten? Wenn die Informationen nur in eine Richtung fliessen nennt man das Fernsehen und hat nix mit Kommunikation zu tun.

    ch würde (als Stadtbewohner) auch gern aus dem Fenster schaun und eine grüne Wiese vor der Tür haben, oder den Wald in Fussmarschentfernung haben. Fleisch und Gemüse in Fahrradentfernung direkt beim Bauern erwerben.

    Zieh doch aufs Land. In Köln und Umgebung geht das übrigens auch problemlos. Man muss dann halt 20 km fahren. Das Problem ist nur, für einen Internetanschluss nutzen solche Bemühungen nichts. Es gibt nur geht oder geht nicht und man ist einer weitgehend unkontrollierten profitorientierten Telekom und einer ahnungslosen Bundesregierung unterworfen.

    Ich könnte z. B. theoretisch auch DSL 2000 haben, aber der DSL Verteiler ist voll und es ist wirtschaftlich nicht sinnvoll, diesen zu erweitern.

  5. @Oliver:

    Ich merke schon, bei dir sitzt der Frust tief. Aber Du selbst bemühst (bei deinem Brot-Beispiel) den Begriff „GRUNDversorgung“. Dieses impliziert die Versorgung mit dem NÖTIGEN.

    Bei deinen Beispielen zählt SCHNELLES Filesharing nicht zu den Notwendigkeiten. Für Serverwartunf reicht eine analoge Modemleitung – SSH und SNMP brauchen nun wirklich nicht viel Bandbreite.

    Wer VOIP nicht nutzen kann, muss halt POTs nutzen. Dafür bezahlt man mehr, dafür spart man bei der Miete. So what?

    Den KDE-Beispiel ist auch fabelhaft: Wie oft gibt es grössere Updates? Jeden Monat?

    Warum sollte ich Webnews per GSM aufrufen? Oder PDFs per GSM versenden? Gibt es dafür EINEN vernünftig-zwingenden Grund? Es ist ein Nice-to-have. Absolut. Aber man MUSS es nicht. Die Lebensqualität sinkt nicht wirklich. Oder meintest Du ANSTELLE von Internet via Satellit GSM? Ich meinte GSM für das Telefon. Für MOBILE Kommunikation.

    Jemand der im Bereich EDV arbeitet und wirklich grössere Datenmengen zu versenden/empfangen hat, muss dieses bei der Standortwahl beachten. Ich kann mich auch nicht beschweren, dass in der Innenstadt einer Grosstadt die Möglichkeit einen 4 Hektar grossen Kartoffelacker anzulegen unbezahlbar ist. Gerade als Softwareentwickler kann man seinen Wohn/Standort doch sehr flexibel wählen. Man muss sich entscheiden, was man will.

  6. Hi, du vergisst bei der ganzen Sache das man früher den Hausbau nicht unbedingt nach der Internetversorgung gewählt hat und sein Eigenheim deswegen nicht gleich aufgeben will. Außerdem ist es ja auch so das Webseiten und Internetdienste immer anspruchsvoller werden und schwache Leitungen vernachlässigt werden. Ich habe sogar mal bei einem T-Punkt Laden einen Angestellten getroffen der verblüfft war das es noch Gegenden gibt die kein DSL haben. Und die Alternativen sind wirklich für die Katz, ich hatte selbst mal einen EDGE Mobilfunktarif der mir wenigstens eine Flat bieten konnte und eine Bandbreite von ca. 15 kB. Nur war diese schon Verschwunden als ein paar andere Leute ebenfalls diesen Dienst nutzten. Letztendlich installierte ich mir ein eigenes Richtfunksystem das mir eine 2 mBit Versorgung brachte. Und mit Richtfunk könnte der Großteil der DSL freien Gebiete versorgt werden, ohne ein Vermögen zu kosten. Und das mit der Grundversorgung wurde zum Beispiel in der Schweiz gesetzlich festgelegt und das bis zum Jahr 2010 (Wenn ich mich jetzt richtig erinnere). Nicht wie diese wertlosen vorderwahlversprechen unserer Regierung.

  7. @Siegfried:

    Sicher ist man nie vor Entwicklungen sicher, die man sich anders vorgestellt hätte. Parallelen gibt es in der Stadtentwicklung aber auch. Schwupp-di-bupp setzen Sie dir einen Sportplatz, Kindergarten oder etwas anderes – die „Ruhe“ Beeinträchtigendes vor die Tür. Und der Wert der Immobilie sinkt auch gleich mit.

    Ich habe vor einem Jahr ca. 2 Monate ohne DSL leben müssen (Kabelprobleme) und habe mit ISDN gelebt. Das ist nicht lustig, aber besser als nix. Zum „normalen“ surfen mailen etc reicht es. Und 1Mbit ist eigentlich auch OK. VIEL mehr bekommt man ja heute auch nicht wirklich durch die Leitungen (abhängig vom Routing und der Gegenstelle). Insofern ist Sky-DSL eine bezahlbare Alternative.

    Richtfunk ist sicher auch eine Alternative, aber dafür brauchst Du auch wieder eine gegenstelle in Sichtweite, die angebunden ist. Relaystationen sind sehr kompliziert zu erreichten (Stromversorgung)

  8. Wenn es doch bloß das Gejammer um die hohen Spritpreise wären … Die Fahrtkosten, wenn ich denn Pendeln muß, kann ich mir auch noch auf der Steuerkarte als Freibetrag eintragen lassen. Wenn das Verfassungsgericht die geändete Fahrtkostenregelung nicht wieder einkassiert hätte, wäre mein kurzer Arbeitsweg wieder mal mein Privatvergnügen. Wenn ich meine höhere Stadtwohnungsmiete in meiner Steuererklärung als aussergewöhnliche Belastung geltend machen will, kann ich mir lebhaft das dümmliche Grinsen und Kopfschütteln meines Steuersachbearbeiters vorstellen, bevor er es streicht.

  9. @Zollo:

    Hauptsache man hat etwas zu jammern 🙂

    Ungünstig ist nur, dass schwer zu definieren ist, was als Breitband-Zugang zu bewerten ist. Manche wollen ja 16Mbit für lau. Ob das aber GRUNDversorgung ist, wage ich – wie bereits ausgeführt – deutlich zu bezweifeln.

    Würde ich auf dem Land wohnen würde ich mir eine Sat-Schüssel aufstellen (das Geld habe ich durch die günstigere Miete innerhalb von 3 Monaten wieder drinnen) und würde mir fürs „Grobe“ einen V-Server bei irgendeinem Hoster holen. Thema durch.

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