Auch die Grünen erklären sich selbst als unwählbar

Manchmal zähle ich Politker diverser Parteien – auf meine charmente, mir sehr eigene Art – an, wenn Sie irgendwie in dritter oder vierter Reihe in der Parteihiercharchie stehen. Heute aber schicken die Grünen gleich den Fraktionsvorsitzender der Grünen in der Bremischen Bürgerschaft (Matthias Güldner) ins Rennen. Fraktionsvorsitzender ist schliesslich jemand der – in diesem Fall – in einem Bundesland die Partei hinter sich haben sollte, denn diesen Teil einer Partei vertritt er. Und WIE das der Güldner macht, teilt er uns mittels eines Kommentars in der Welt mit, aus dem ich hier mal ein paar Aussagen betrachten möchte:

Regeln gelten überall, auch im weltweiten Netz. Die ignorante Argumentation gegen Internetsperren kommt von Menschen, die es sich in virtuellen Räumen bequem gemacht haben und übersieht die Opfer in der realen Welt.

An dieser Einleitung merkt man gleich, da spricht jemand, der weiss worum es geht: Ein Flachmann von Welt. Da drängt sich mir sofort die Frage auf, ob das der verlorene, ausgesetzte Sohn der Zensursula ist. Wer für Löschen und gegen Sperren ist, wird als Ignorant dargestellt. Da hat man eine Basis auf der man für weitere Gespräche aufsetzen kann – NICHT!

Aber wenn der (man kann es nicht oft genug wiederholen) Fraktionsvorsitzender der Grünen in der Bremischen Bürgerschaft erstmal loslegt, dann fliegen die intellektuellen Fetzen, da merkt man dass er sich zu Themen äussert, um die er sich echt bemüht hat:

Da ist zum Beispiel das Argument, die Sperren könnten umgangen werden. Da haben sich einige wohl das Hirn herausgetwittert. Genauso gut könnte die Tatsache, dass Morde begangen werden, obwohl sie verboten sind, als Argument gegen den Mordparagraphen im Strafgesetzbuch angeführt werden.

Mit dieser Aussage beweisst Güldner einmal mehr, wessen geistiges Zensurkind er ist und dass er von der eigentlichen Problematik so wirklich GAR keine Ahnung hat. In schwärzester CDU-Manier wird herumargumentiert, ohne den Realitäten in die üble Fratze zu sehen. Güldner verwechselt in einer fast naiv zu nennender Weise Ursache und Wirkung. KEINER der Zensurgegner will laschere Gesetze gegen Kinderpornografie oder gar Kindesmissbrauch. Aber wenn der Matthias erstmal loslegt, dann ist der ja nicht zu halten.

Schade, aber Güldner hat mit diesem Kommentar bewiesen, dass auch die Grünen in mittlerweile wirksamen Positionen Politiker sitzen haben, die in jedes Mikrofon reinlallen. Hauptsache der Name ist mal in der Zeitung – und wenn es nur die Welt des Springer Konzern ist. Mir wird übel bei soviel Schwarz im Grün. Geht GAR nicht.

13 Gedanken zu „Auch die Grünen erklären sich selbst als unwählbar

  1. @Tefnut:

    Ja, da scheinen die Grünen einen böse schwarzen Kern mit sdich herum zu tragen. Dass die internetaffinen Wähler der Grünen sich so – wie in den Kommentaren – äussern, stand zu erwarten. Aber die Grünen werden immer mehr zu genau denjenigen, die sie früher bekämpft haben. Alt, verkalkt und gestrig.

  2. Die Kolumne von Matthias Güldner ist sowas von ignorant, arrogant und unwissend, dass mich seit Stunden darüber aufrege.
    Ich bin Mitglied der Grünen und halte diese Partei fortschrittlich und sehr kompetent was die Thema Bürgerrechte, Datenschutz und Internet angeht. Wenn man sich das Wahlprogramm der Grünen und der Piraten anschaut, dann sieht man, dass das komplette Programm der Piraten auch im Programm der Grünen enthalten ist.
    Umso erschreckender ist so eine Kolumne eines Fraktionsvorsitzenden. Die einigermaßen schnellen Reaktionen der Partei, diese Aussagen von sich zu weisen, zeigen auch, dass dies nicht die Meinung der Partei ist. Die Grünen zeichnen sich nunmal dadurch aus, dass hier jeder zu Wort kommen kann, dass hat seine Vor- und Nachteile. Das dabei jemand in einer solchen Position so einen unüberlegten Müll produziert, ist aber trotzdem nicht zu rechtfertigen und ich bin sicher nicht der Einzige, der Matthias Güldner den Austritt bei den Grünen und den Eintritt bei der CDU nahe gelegt hat.
    Ich denke trotzdem, dass diese (ja auch meine) Partei gut aufgestellt ist in den angesprochenen Bereichen, gerade bei der Europawahl sind fähige junge Kandidaten ins Parlament eingezogen. DIe Gefahr, alt, verkalkt und gestrig zu werden besteht leider immer, aber ich denke die Grünen kämpfen dagegen besser als jede andere Partei.

  3. @Nico:

    Ja Nico, es tut schon weh – oder? Aber Du musst dich damit abfinden, dass die Grünen eben NICHT die Ziele der Piraten teilen. Bewiesen haben sie es durch das Abstimmverhalten bezüglich des Zensurgesetzes. 15 Anwesende haben sich Enthalten, das ist ein Drittel der anwesenden Grünen, die also NICHT dagegen waren.

    Dazu die Aussagen eines Landtagsfraktionsvorsitzenden….

    Erinnerst Du dich an Münte? Dass es unfair wäre eine Partei an den Wahlversprechen zu messen? Sowas erwarte ich bald auch von einem Mitglied der Grünen. Vielleicht habt ihr mehr Schillys in euren Reihen als euch lieb ist.

    Sowas tut weh. Aber als Mitglied der Grünen würde ich an der Stelle mal die rosarote Brille abnehmen und mich den Realitäten stellen: Die Grünen sind nicht mehr wirklich besser als die SPD. Sorry, ist so.

  4. Der eigentliche GAU des Herrn Güldner ist doch, dass er den Kommentar „ohne Not“, „aus der politischen Opposition heraus“, „in Wahlkampfzeiten“ verfasst hat.
    Aber als praktizierender Kinderschützer (Consultant bei „save the children“) vferliert man bei dem Thema wohl leicht den Bezug zur Wirklichkeit.
    Im ak-zensur wiki gibt es schon die erste Parodie:
    wiki.ak-zensur.de/index.php/Hier_gibt_es_eine_Parodie

  5. @rz
    Zitat:
    „Denn er zeigt, was in den Grünen WIRKLICH drinnen steckt.“

    Ich würde „WIRKLICH“ durch „AUCH“ ersetzen.
    Er (Güldner) ist ja genau so wenig „die Grünen“ wie Bodo „die Piraten“ oder Wiefelspütz „die SPD“ ist 😉

  6. @Stefan:

    Ach der alte Bodo, da wird er wieder heran gezogen. Aber so ganz korrekt müsste man ja sagen das „ehemalige“ Problem. Denn die Piraten haben ihn nicht nur aller Ämter enthoben, sondern auch ein Parteiausschlußverfahren initiiert. Ausserdem ist Bodo kein Fraktionsvorsitzender gewesen.

    Wenn SPD und Grüne sich intern mit den „Problemen“ Wiefelspütz und Güldner genau so beschäftigen wie die Piraten mit Thiessen, dann darfst Du die drei Namen wieder in einer Reihe nennen. Ansonsten sehe ich da deutlich mehr Konsequenz bei den Piraten als bei den anderen Parteien.

  7. Ich wollte mit dem Bodo nicht Piraten bashen.

    Trotzdem gibt es wohl in jeder Partei Leute, die eine Minoritätenmeinung vertreten.

    Ich frage mich bis heute z.B. was ein Clement in der SPD zu suchen hatte. Oder ob Frau Leutheuser-usw. heute noch einmal bei einer FDP Entscheidung wie der beim Lauschangriff zurücktreten würde.

    Hat sich sa was verändert? Nur noch mehr Machtgeilheit in der Politik? Aber das Thema hatten wir ja auch schon 😉

  8. @Stefan:

    Vielleicht sollte man den politisch Aktiven die Parteienwanderung vereinfachen. Ein Parteibuch mit auswechselbarer Frontklappe wäre eine Idee.

    Denn der Otto Schily hat es von der Mitbegründung(!) der Grünen ja auch schon zu SPD geschafft und alle warten nur darauf, dass er zur CDU wechselt und Schäuble ablöst.

    Der CCC ist da lernfähiger als die politischen Parteien. Innerhalb des CCCs hat man frühzeitig bemerkt, dass zu viele Meinungssager die Richtung verwässern und deshalb werden Statements des Clubs nur durch die Sprecher gemacht.

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