Gutes wollen, Böses tun – Betrachtungen zu Internetsperren

Jeder Mensch, der Entscheidungen trifft muss sich auch mit den Folgen der Entscheidungen auseinandersetzen. Das muss muss jeder Mensch tun, jeden Tag. Wer bei Rot über eine Ampel eilt, sollte sich bewusst sein, dass dieses Verhalten Kinder zum Nachahmen reizen könnte. Also hat er eine „versteckte Mitschuld“ sollte einem der kleinen Racker beim Nachmachen etwas passieren. Kinder sind ohnehin ein Gut, dass uns stets zum Nachdenken anregen sollte. Jede Mutter und jeder Vater sollten gewohnt sein, stets die Folgen ihres handels zu prüfen, denn sie haben stets nicht nur die Verantwortung für ihr eigenes Handeln, sondern auch für die Folgen die ihre Kinder betreffen können. Einmal – im falschen Moment – geflucht und schon sprechen die – ansonsten noch nicht der dreisilbigen Sprache mächtigen – Hosenscheisser das „verdammter Mist“ nach und lächeln dabei herzerweichend. Aber ich schweife ab….

Wer Entscheidungen trifft, die auch Auswirkungen für andere Menschen haben, muss sehr gut das Für und Wider jeder Entscheidung abwägen. Er muss sehr weit in die Zukunft schauen können und jedwede Spätfolge seiner Entscheidung mit in die Überlegung einfliessen lassen: Was erreiche ich im positivem Sinne und zu welchem Preis erkaufe ich mir diesen Erfolg. Ein afrikanisches Sprichwort sagt:  „Die Tür, die Guten wie Bösen Eintritt gewährt, ist schlecht“. Es gilt also stets das Gute zu erkennen und das Böse zu verbannen.

Kindesmissbrauch in jedweder Form ist böse. Diese – meine – Meinung, nein dieses Wissen – ist unumstösslich. Kindesmissbrauch gilt es zu unterbinden – mit allen SINNVOLLEN Mitteln. Warum sollte man auch Feuer bekämpfen, in dem man das feuer ignoriert und nicht darüber spricht, dass in der Nebenstrasse ein Haus abgebrannt ist und 8 Familien alles Hab und Gut verloren haben. Man muss das Feuer löschen. Mögliche zukünftige Brandherde sichern, jedes aufkeimende Feuer identifizieren und sofort die Luft entziehen (löschen eben).

Was also sind zielorientierte Massnahmen gegen Kindesmissbrauch und Kinderpornografie – spezielle im Internet?

Als erstes möchte ich definieren, dass dokumentierter Kindesmissbrauch im Internet nur ein Symptom ist, die Ursache für traumatisierte Kinder ist der Missbrauch selbst. Umso dichter wir uns bei bei der Bekämpfung des Feuers dem Brandherd nähern um so erfolgreicher werden wir die verzehrenden Flammen löschen können. Also sollten wir den Kindesmissbrauch am Brandherd bekämpfen. Am zielorientertesten wäre es, direkt den Missbrauch zu verhindern. Um dieses zu können, muss man an die Hintermänner – also Auftraggeber der Missbrauchsdokumentationen – heran. Diese Hintermänner sind es, die mit dem Missbrauch von Kindern Geld verdienen und die das niedrigste Interesse an dem Missbrauch überhaupt haben: Geldgier. Etwaige Konsumenten – also die Verbraucher – sind (in meinen Augen) selbst Opfer. Wer sich zur – sexuellen Stimulation – Bilder oder Videos mit diesen Inhalten ansieht ist kein Verbrecher im herkömmlichen Sinne, solange er die Dokumentationen nicht in Auftrag gibt.

Was aber wird durch die Gesetzesvorlage zu Internetsperren derzeit wirklich erreicht?

  1. Es wird ein Bettuch vor den Missbrauch gehängt (wenn ich das nicht sehe, passiert es nicht).
  2. Es werden Konsumenten kriminalisiert!
  3. Etwaige Web-basierende Geschäftsmodelle werden auf andere (nicht gesperrte) Plattformen verlagert.
  4. Es wird ein anderer (schwerer zu kontrollierender!) Vertriebsweg als das Web zum Handel etabliert
  5. Das BKA bekommt Befugnisse, die weit über die im Grundgesetz verankerte Gewaltenteilung hinausgehen.
  6. Die Server mit den Dokumentationen bleiben im Netz weiterhin erreichbar!!! (bewusst drei Ausruffezeichen!)
  7. Es wird ein Instrumentarium legalisiert, dass die unkontrollierbare Möglichkeit bietet, jedwede Informationen „unerreichbar“ zu machen

Was sollte erreicht werden?

  1. Es sollten Kinder geschützt werden, der Missbrauch eingeschränkt oder gar ganz unterbunden werden.

Nun komme ich an dieser Stelle wieder auf den Eingangspunkt: Was wird erreicht – und zu welchem Preis?

Wird Missbrauch auch nur der eines einzigen Kindes durch die Massnahmen der Frau von der Leyen unterbunden? NEIN. Vielmehr werden Kollateralschäden mit unvoraussehbaren Folgen in Kauf genommen. SEHR viele Server mit gesetzeswidrigen Inhalten können problemlos durch einfache Kontaktaufnahme mit den Serverbetreibern (welches meist normale, legale Rechenzentren sind) vom Netz genommen werden. Durch dieses Vorgehen sind die Inhalte wirklich vom Netz und nicht nur hinter einem Vorhang versteckt. Man könnte über die Logfiles der Server den Weg der Inhalte zu den produzierenden Personen versuchen herauszufinden. All dies wird von Frau von der Leyen nicht als Weg angedacht. Warum nur? Es muss einen Grund geben, warum man nicht wirklich sinnvoll und zielorientiert gegen den Missbrauch von Kindern vorgeht, sondern mit Nebelwerfern den Blick der Wähler verschleiert.

Ich unterstelle, dass Frau von der Leyen intelligent ist. Aber gerade DANN sollte sie – zumindest über ihre Berater – informiert sein, wie wenig mit diesen Sperren erreicht werden kann und auch welche Gefahren in diesen lauern.

Nachtrag: Aber ich will nicht nur kritisieren, sondern auch Lösungswege aufzeigen, die das Problem „Dokumentation von Kindesmissbrauch“ wirklich lösen können.

15 Gedanken zu „Gutes wollen, Böses tun – Betrachtungen zu Internetsperren

  1. Pingback: gesinnungslos » Artikelsammlung zum Thema Internet Zenzur

  2. Pingback: Hugelgupf » Blog Archiv » Linksammlung: KiPo-Netzsperren-Diskussion [UPDATE 26 08.05.09]

  3. Pingback: E-Mail Aufruf zur Petitionsteilnahme! – zum kopieren freigegeben « Habt ihr nichts anderes zu tun?

  4. Pingback: Zensursula « Fahnenfluechtling

  5. Das ist auch eine sehr einseitige Meinung von dir. Die Hauptkonsumenten beziehen ihre Stimulation durch Bilder und Videos, die sie durch das Web erhalten. Die Idee ist schlicht, dass das Blockieren der Inhalte im Web dazu führt, dass es für die Vertreiber dieser Inhalte nicht mehr lokrativ wird die entsprechenden Videos und Bilder im Web zu vertreiben. Das führt dazu, dass weniger Kinder missbraucht werden.

  6. @Impietatis:

    Es wird – durch die Massnahmen von Zensurulla – höchstens ein Umsatzrückgang im Promillebereich realisiert werden können.

    Wer an diese Inhalte heranmöchte nutzt einfach einen alternativen Nameserver und schon ist jegliche Sperre umgangen. Die Inhalte gehören vom Netz und die Verbreiter strafrechtlich verfolgt. Das Aufspannen von – mit leichtesten Mitteln! umgehbaren – Abdeckungen ist nutzlos.

    Fast möchte ich die Meinung vertreten, dass wer so halbherzig gegen die Inhalte vorgeht, möchte dass diese im Netz erreichbar bleiben.

  7. @reizzentrum:
    Ich bin der Meinung, dass die wenigsten Kinder aufgrund von Profitsucht missbraucht werden. Aber wenn das Blockieren der Seiten dazu führt, dass bereits weniger Kinder missbraucht werden, bin ich bereits zufrieden. Jeder kleine Erfolg ist bereits ein Fortschritt in diesem Zusammenhang.
    Die Frage ist nur, ob man dafür Grundfreiheiten wie die demokratische Gewaltenteilung aufgeben kann und die BKA zur Willkür bevollmächtigen kann. Eine Demokratie bedeutet, dass das Wohl der MEHRHEIT gesichert wird und nicht die Interessen weniger über die Interessen der Mehrheit gestellt werden!

  8. @Impietatis:

    Es werden durch das lieblose Abdecken der Dokumentation kaum Kindern geschont, weil der Missbrauch viel früher stattfindet und die Sperren kaum einen wirklichen Konsumenten des Drecks aufhalten wird.

    Wenn aber ein „spürbare Erfolg schaffender Weg“ NICHT gegangen wird (was ein Abklemmen der Server wäre), sondern nur der Weg des kleinsten Erfolges in Verbindung mit der Einrichtung eines potentialen Zensurwerkzeuges einhergeht, dann werde ich als „Bürger mit Sachverstand“ echt sauer.

    WENN Frau von der leyen glaubhaft an Wegen zum Beenden des Leids interessiert wäre, würde Sie die Energie in ein Gremium stecken, dass den Beamten von BKA und vor allem LKA hilft, die Server runter zu fahren. Es ist Anscheinspolitik, die hier gefahren wird. Der Erfolge werden zum überwiegenden Teil statistischer Natur sein, zumal allein die Zugriffe der Suchmaschinen den absolut grössten Anteil einnehmen werden.

    Beispiel gefällig? Auf 7482 „normale“ Besucherzugriffe kommen bei mir auf diesem Blog 69469 Zugriffe von Suchmaschinen.

    Somit wird sich Frau vdL – sollte sie ihre Internetsperre erhalten – selbst bei einer kompletten Unwirksamkeit der Zugriffssperrung für Menschen, immer noch genügend Zugriffe auf die Stoppseite erhalten, um es als Erfolg auszuweisen.

  9. Pingback: schaubude

  10. Kinderpornos gab es schon vor dem Internet. Die Täter werden einfach wieder andere Wege finden. Der Markt ist da und will bedient werden.
    Und ich habe schlicht und ergreifend was gegen Verallgemeinerungen. Das man mich als potentiellen Kinderschänder/Terroristen/wasauchimmer einstuft, nur weil ich mich im www bewege, macht mich ziemlich stinkig.
    Und das man peu á peu das GG aushebelt, macht mich wirklich wütend. Was kommt als nächstes? Das Reboot der Notstandsgesetze? Schließlich sind wir ja laut Dr. S. im Krieg mit den Terroisten.

  11. Dem Artikel und den Kommentaren ist wenig hinzuzufügen.

    Nur eine Korrektur: Soll es in dem Satz „Mögliche zukünftige Brandherde sichern, jedes aufkeimende Feuer identifizieren und sofort die Lust entziehen (löschen eben).“ wirklich „Lust“ heissen? Oder eher Luft?

    VieIleicht mal korrigieren.

    Grüße

  12. STOP STOP STOP 1933 – 1945 STOP STOP

    KEINE politische Zensur

    freie Zeitung
    freies Internet
    freies Fernsehen
    freie Meinungsbildung
    freie Menschen

    BILDUNG für Bundestagabgeordnete und Regierung

  13. Ein weiteres Problem liegt in der schwierigen straftrechtlichen Verfolgung, wenn die betreibenden Server auf den Malediven oder sonstwo liegen. Nur internationale Zusammenarbeit kann das Problem wirklich lösen. Doch ich befürchte, da es hier nicht um Wirtschaftsinteressen geht wird sich da (lange Zeit) nichts tun.

    • @LennartHH:

      Was schätzt Du wieviele der Server auf den Malediven stehen und mittels Trommelstrecke an das Internet angebunden sind? Die Server stehen zumeist in Ländern in denen sehr wohl etwas getan werden könnte, wenn man KiPo nicht für politische Ziele missbrauchen würde. Ich unterstelle den zuständigen Behörden mittlerweile, dass mit Absicht kaum wirksam gegen die besagten Server vorgegangen wird.

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