Hamburger Nahverkehr versucht den Teilstillstand im Berufsverkehr – Werbung für Piraten?

Schon jetzt wird man aufgefordert Sonntags und Abends ab 22:00 vorn (beim Fahrer) in die Hamburger Busse einzusteigen und seinen Fahrschein vorzuzeigen. Dies hat den Sinn Schwarzfahrer möglichst abzuschrecken und Abends ab 22:00 und Sonntags ist der Ansturm der Fahrgäste auch eher sehr übersichtlich.

Was der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) ab dem 07.03.2011 vor hat ist einfach nur Schwachsinn:

Ab 7. März heißt es für Sie auf den HVV-Buslinien im Raum Bergedorf und Harburg: Bitte vorne einsteigen und Fahrkarten vorzeigen! Das Pilotprojekt „Einstieg vorn“ ist Teil eines neuen Fahrkarten-Prüfkonzepts, mit dem der Hamburger Verkehrs­verbund die Schwarzfahrerquote senken will.

Am 7. März soll nun der ganztägige „Einstieg vorn“ zunächst als Pilotprojekt im Bergedorfer und Harburger Raum eingeführt werden.

Ich stelle mir das sehr amüsant vor. Ich fahre sowohl morgens als auch abends in äusserst vollen Bussen – teilweise Gelenkbusse mit 3 Türen. Wenn nun alle Fahrgäste vorn einsteigen sollen, wird insbesondere bei den Gelenkbussen wahrscheinlich eine etwas längere Gesamtfahrzeit kalkulieren werden müssen. Denn schon heute tut sich der normale Bus- (und Bahn) Passagier schwer, seine „Poleposition“ an der Tür aufzugeben und „nach hinten“ durch zu gehen. Das schaue ich mir gern an – bin froh, dass ich sowas wie Gleitzeit habe..

Zum Start des Projekts wird an viel genutzten Haltestellen zusätzliches Personal für Information und Unterstützung sorgen, um Sie und auch die Fahrrinnen[sic!] und Fahrer während der Testphase zu unterstützen. Dies gilt zum einen für die Buslinien im Harburger Raum, die hauptsächlich von der Hamburger Hochbahn AG und zum Teil von der KVG Stade betrieben werden, zum anderen auch für die in Bergedorf von der VHH PVG – Unternehmens­gruppe betriebenen Linien. Insgesamt werden rund 150 Servicekräfte für Fragen und Information zur Verfügung stehen.

150 Servicekräfte werden ZUSÄTZLICH eingesetzt. Bei monatlichen Kosten von 2000€ pro Person (knapp gerechnet) sind das schlappe 350.000€ pro Monat an Mehrkosten. Von meinen Kosten für die Monatskarte bezahlt, damit ich beim Busfahren etwas mehr Stress habe. Damit auch beim Umsteigen  immer wieder das Portemonaie gezückt werden und die Monatskarte rausgeflöht werden darf.

Da lob ich mir die Piratenpartei, die durch Einsparungen in Sachen „Infrastrukturmassnahmen für automobil überfüllte Städte“ die Nutzung des ÖPNV kostenfrei anbieten will – für eine saubere Stadt.

Nicht vergessen: Sonntag 20.02.2011 in Hamburg den Änderhaken setzen!

10 Gedanken zu „Hamburger Nahverkehr versucht den Teilstillstand im Berufsverkehr – Werbung für Piraten?

  1. ich war die Tage in Münster. Dort ist das üblich und funktioniert anscheinend leidlich. Aber Münster ist ein kleines bisschen kleiner als Hamburg. Hier in Hannover könnte ich mir das schon nicht vorstellen.

  2. Hier in Berlin gibt es dass schon länger. Meine Erfahrung ist, dass knapp ein Drittel der Bussfahrer nicht mal mehr den Eindruck erweckt als würden sie die Karten „kontrollieren“.
    Ich frage mich ja wie sich die Entscheider das Vorstellen. Nicht nur, dass es unterschiedlicheste „normale“ Tickets gibt, hinzu kommen noch diverse Spezialtickets zu Veranstaltungen (Konzerte, Museen, …) und von Bildungseinrichtungen, etc.
    Ebenso unbegreiflich ist es mir wie man einen 0,5 cm hohen Zeitsempel auf einer „einfachen“ Fahrkarte, sehen und prüfen soll, wärend diese in rund 0,5-1,0 Meter Entfernund an einem vorbeigetragen wird. In Berlin Hängt die Gültigkeit dieser Tickets zusätzlich auch noch von der Tarifzone und Fahrrichtung ab.

    Ich habe bisher nur einmal erlebt, dass ein Busfahrer einen Jugen nicht mitnehmen wollte. Dieser hatte aber auch gar nichts vorgezeigt.

    Als Student habe ich ein Semesterticket, dass immer ein Halbes Jahr Gültig ist. Ich habe es einmal zunächst vergessen, dann darauf angelegt und den neuen Aufkleber (diese sind durch die Farbe leicht unterscheidbar) nicht benutzt. Keinem Busfahrer ist dies aufgefallen, selbst die reinen Kontrolleure, die in der U-Bahn zusteigen, haben mich mehrmals damit durchkommen lassen. Insgsammt bin ich so fast 2 Monate (etliche Busfahrten und rund 5 Kontrollen) mit dem alten Ticket gefahren. m(

  3. Ich kenne das aus Berlin und Nürnberg. Funktioniert halbwegs, sofern nicht ein ganzer Kindergarten in den Bus einsteigt. 😉

    Viel schöner in Berlin finde ich aber die Buslinie, die bei mir vor der Türe lang fährt. Die letzten dreimal, die ich mit dem Bus gefahren bin, konnte ich keinen Fahrschein kaufen, weil der Fahrer keinen verkaufen konnte.

  4. Im Vergleich zu Amsterdam ist das noch harmlos. In Amsterdam sind alle Tickets ausnahmslos RFIDs. Und diese RFIDs muss man sowohl beim Ein- als auch Aussteigen an die Terminals in den Fahrzeugen des ÖPNV ein- und ausbuchen. Oh, und wenn man das Ausbuchen vergisst klappt das Einbuchen nicht mehr. Scheisse wenn man das beim Umsteigen verpeilt. Da kommt alles zusammen was einen Datenschützer die Berge zu Haare stehen lässt: RFID eingesetzt in einem Bereich und mit einer Implementierung die das Erstellen von Bewegungsprofilen nicht nur ermöglicht sondern sogar als Funktionsprinzip umsetzt.

    BTW: Ich hatte vorher noch nie Papp-RFIDs gesehen, geschweige denn in der Hand gehalten, flexible RFIDs aus Kunststoff kannte ich, Pappe war mir neu.

  5. Ihr Glücklichen! Bei uns steigt man IMMER so ein und wehe mal nicht. Dann schallt einem die gesamte Hessische „Freundlichkeit“ entgegen. Da ist dann Schluss mit lustig.

    Richtig toll ist das, wenn der Bus proppenvoll ist und die Leute einfach nicht durchrücken.

  6. Guten Abend allerseits. Auch ich habe zu den entschiedenen Gegnern dieser „Neuerung“ gehört! Nachdem nun ein paar Monate ins Land gegangen sind und sich die Wogen wieder geglättet haben reflektiere ich selbst und frage in die Runde: und? War´s jetzt eigentlich so schlimm? Ich fahre viel ÖPNV in HH und habe mich daran gewöhnt. Eigentlich gibt es dringlichere Probleme über die zu diskutieren lohnt. Im Nachgang denke ich: typische deutsches Aufregertum.

    • @Hamburg-Fan:

      Wenn Du im Berufsverkehr Bus fährst, wirst Du sehr schnell feststellen, dass sowohl Fahrgäste als auch Busfahrer leicht bis schwer genervt sind. Denn das Ein- und Aussteigen dauert erheblich länger.

      Abgesehen davon sieht meine Abo-Monatskarte- durch das stete „rausholen, vorzeigten, einstecken“ – nach nur 2 Monaten aus wie ein gefledderter Wellensittich.

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