Eine andere Form von Ekelfleisch

In der ZDF Mediathek gibt es einen Bericht über „Klebefleisch“, d.h. es werden mittels des Enzyms Transglutaminase kleine Fleischstücke zusammen geklebt. Hersteller des fertigen Produktes ist der japanische Hersteller Ajinomoto, der das fertige Produkt unter dem Namen ACTIVA® Transglutaminase vertreibt.

Man kann bald wirklich nur noch Fleisch essen, das man von der Zeugung bis zum Verzehr stets von Vertrauenspersonen beobachten liess.

16 Gedanken zu „Eine andere Form von Ekelfleisch

  1. Wir (Prinzessin+ich) haben insgesamt den Fleischkonsum verringert, kaufen dafür aber nur noch beim Metzger. Der sagt uns von welchem Hof aus dem Kölner Umland das Tier stammt – dass er nicht den Namen des Tieres weiß, fehlt gerade noch. Belohnung ist ein Geschmackserlebnis und das gute Gefühl, nicht irgend eine Industriescheiße in sich rein gestopft zu haben.
    Interessant ist dabei, dass der Metzger zB bei Steaks oder Filet auch nur 2-3EUR teurer ist als der Supermarkt, dafür ist das Fleisch abgehangen, fachmännisch geschnitten und schmeckt.

    • @Jon Silva:

      Vor Jahren habe ich einmal Karbonaden bei einem klitzekleinen Landschlachter, weit ab von jeder grösseren Stadt gekauft. Abgesehen davon, dass die Auswahl eher überschaubar war (der hat eben nicht sooo viel Kundschaft), waren die Karbonaden insofern bemerkenswert, dass sie in der Pfanne NICHT 1/3 ihrer Grösse verloren. Die blieben stabil. Wenn man also vom Preis den Wasseranteil abzieht, ist das Fleisch vom Landschlachter eventuell sogar preiswerter ..

      • hehe…stimmt, kann das bestätigen. Zumal das meiste Supermarktfleisch wohl ohnehin von Milchvieh stammen dürfte – das eignet sich einfach nicht zum braten oder grillen. Den vermeintlichen Preisvorteil bezahlt man mit Wasser und miesem Geschmack. Aber Hauptsache, es ist schön rot;)

  2. Vorausgesetzt, man hat keine Allergie gegen dieses Enzym – ich gehe nicht davon aus, dass das vorkommt – wüsste ich nicht, was an der Methode so schlimm sein soll. Abgesehen vom Verkleben minderer Fleischqualität mit hoher Fleischqualität, was aber kaum die eigentliche Intention des Enzyms ist, hat der Verbraucher dadurch keinen Schaden. Und selbst für diesen Fall frage ich mich, ob denn ein Kunde für den die Hälfte seines Fleischhaufens nicht komplett anders schmeckt als der Rest, irgendeinen Grund haben sollte, wütend zu sein. Ansonsten möchte ich noch auf Herrn Harnasch verweisen, der sich dem Thema schon vor einiger Zeit als Replik auf eine andere Sendung im öffentlichen Rundfunk angenommen hat:
    http://www.cicero.de/1725.php?ress_id=34&kol_id=11064

    • @Johann:

      1) Der Link ist broken 🙁

      2) Wenn ich ein Steak kaufe, möchte ich EIN STEAK und nicht 250gr Restefleisch in Steakform. Dieses könnte man als Formfleisch aber nicht als Steak verkaufen.

      Der Schaden liegt in der Auszeichnungs-Qualität des Produktes. Und gerade diese Auszeichnungsqualität ist es, die derzeit ganz besonders im Argen liegt: In einer Zeit, in der mehr Menschen denn je an Allergien leiden (warum nur?) werden unsere Lebensmittel stets unreiner.

    • Vorausgesetzt, man hat keine Allergie gegen abgekochten Urin – ich gehe nicht davon aus, dass das vorkommt – wüsste ich nicht, was an der Methode so schlimm sein soll. Abgesehen davon, dass Urin (keimfrei!) im Bier der Verbraucher ist, hat selbiger keinen Schaden.

      Ok, bisschen an den Haaren herbei gezogen, aber Du verstehst, auf was ich hinaus will, oder?;)

      Mit „geringwertigem“ Fleisch stellt man Brühe oder Fonds her.

  3. Ein Schlachter erzählte mir mal, dass Schweine sehr sensible Tiere seien weshalb es gerade bei ihnen wichtig sei sie vor dem Schlachten nicht zu stressen.
    Stresshormone führen zu Wassereinlagerungen und machten das Fleisch minderwertig. Relativ frisch macht es sich halt als Schrumpfen in der Pfanne bemerkbar.
    Bauern, die für sich selbst schlachten, würden also versuchen den Stress zu vermeiden, damit die Wurst hochwertig wird und lange hält.
    Daher kann der Kauf im Ökoladen, beim Metzger des Vertrauens oder einem Bauern schon sinnvoll sein und ausserdem kann man sich das gute Gefühl leisten, dass das Tier wenigstens einigermaßen vernünftig behandelt und nicht mißhandelt wurde. 😉

  4. @reizzentrum:
    zu 1: Tut mir leid, bei mir klappts :-/ Eine erkennbare Form eines Permalinks finde ich beim Cicero nicht. Unter Umständen hilft die Suche nach dem Titel des Beitrags „NDR Markt: Skandal im Sperrbezirk“ in der Suchmaschine seines Vertrauens.

    zu 2: Mag sein, dass das dir so geht. Aber mir kommt es eher so vor, als wolle der Durchschnittskunde wenn er ein Steak kauft eher gutes Fleisch haben und sucht sich einfach einen Grund, sich über etwas aufzuregen. Mir kommt es so vor, wie aus der Passage des Films „The Bucket List“, in der es sich um Kopi Luwak dreht. Ein ziemlich glücklicher Kaffee-Konsument wird geschockt mit der Mitteilung, dass sein Lieblingskaffee von Katzen verspeist, verdaut, ausgeschieden und dann abgepackt wird. Wie hoch im realen Leben der Anteil der Leute ist, die solchen Kaffee trinken und nicht wissen, wie er gewonnen wird, entzieht sich meines Wissens. Aber einem Kaffeeverkäufer vorzuschreiben, er solle seine Kunden darauf hinweisen, dass diese Kaffeebohnen einmal im Verdauungstrakt einer Katze waren und ihnen vermutlich damit den Spaß verderben – soweit würde ich nicht gehen.
    Auf das Argument mit den Allergien habe ich keine Antwort. Aber ich würde dir garantieren, dass, würden die Leute wirklich wissen, was für chemische Substanzen sie Tag für Tag ausgesetzt sind, die Häufigkeit psychosomatischer Erkrankungen rapide ansteigen würde. Eine weitreichende Kennzeichnungspflicht ohne die Verpflichtung zu einem Chemie-Lehrgang ist nicht wirklich ein Optimum.

    • @Johann:

      Wenn der Schlachter das ganze als zusammengeklebtes Gulasch verlauft, OK. Aber ein Steak ist (oder war es bis vor kurzem zumindest noch) ein zusammenhängend aus dem Tier geschnittenes Stück Fleisch. Ich möchte auch kein Lammfilet kaufen, dass im vorigen Leben ein Döner war 🙂

      • @reizzentrum:
        Wenns darum geht, dass Dönerfleisch ein anderer Teil vom Tier ist (oder gar Teile von anderen Tieren), dann bin ich hundertprozentig auf deiner Seite. Dann weiß ich zwar nicht, wass eine Kennzeichnungspflicht für Sachen wie Formfleisch bringen soll, da das ja auch jetzt schon Ettikettierungsschwindel ist, wenn man irgendwas, das nicht Lamm ist als Lamm verkauft. Jemand der das tut handelt auch jetzt illegal und wird wohl auch gegen die Kennzeichnungspflicht verstoßen.
        Liegt es aber an dem, dass zwei kleine Stücke Lammfilet – frisch, klein des Zerteilens wegen und nicht weil das etwa Reste von vorvorgestern sind – zu einem großen Stück verklebt werden, dann verstehe ich zuminest nicht, wie man so etwas schlecht finden kann. Es beeinträchtigt vermutlich nicht die Fleischqualität und senkt den Preis, da zwei Stücke, die sonst keiner haben will doch noch verkauft werden können. Wie man so etwas als Ekelfleisch bezeichnen kann, will mir beim besten Willen nicht in den Kopf.
        Aber seis drum. Sollten wir uns irgendwann über den Weg laufen, werde ich auf keinen Fall versuchen, dir Formfleisch zu verkaufen 😉
        Mahlzeit!

        • @Johann:

          Beantworte mir eine Frage:

          Wenn der Verbraucher mit einer Technologie beschissen werden kann, wird es dann auch geldgierige Menschen geben, die genau das tun: Den Verbraucher bescheissen?

          Ich würde den Fall in einem anderen Licht sehen, wenn „Klebefleisch“ als ein solches bezeichnet würde – was ja anscheinend nicht der Fall ist. (Warum wohl?) Denn dann könnte ich zwischen preiswerterem(!!!) Klebesteak und dem teureren „wie gewachsen“ Steak entscheiden.

          • Wenn der Verbraucher mit einer Technologie beschissen werden kann, wird es dann auch geldgierige Menschen geben, die genau das tun: Den Verbraucher bescheissen?
            Denke ich schon. Allerdings ändert da eine Kennzeichnungspflicht nichts daran.

            Denn dann könnte ich zwischen preiswerterem(!!!) Klebesteak und dem teureren “wie gewachsen” Steak entscheiden.
            …und die IMO auch endlich unterscheiden.
            Vielleicht ist ne Kennzeichnung wirklich nicht schlecht. Ich habe aber Unbehagen, wenn ich weiß, dass sich hunderte Europaparlamentarier sich mit Steuergeldern zu einer zusätzlichen Richtline zusammenraufen für solchen Krimskrams. IANAL, aber eine freiwillige Beschriftung „kein Formfleisch“ dürfte jetzt auch schon möglich und rechtlich bindend sein, also nicht bei Formfleisch angebracht werden.
            Jup, ich bin pro optionaler Formfleischkennzeichnung. Bei Analogkäse übrigens auch. =)

            Und einen hab ich noch um dich zu schocken. Ich weiß nichtmehr wo ich das letztens gesehen habe, aber da ging es darum, Fleischimitat aus Milch herzustellen. Die auf der Straße aufgegabelten Verkoster bevorzugten sogar das Imitat dem Original.

  5. @Jon Silva:

    Mit der „niederen Fleischqualität“ war die im Beitrag erwähnte Hühnerbrust im Vergleich zur Perlhuhnbrust gemeint.

    Und sollte mir mein Wirt regelmäßig ins Bier pinkeln (oder der Koch in die Suppe spucken, wie man öfter hört) – warum auch immer – dann sollte er mir das besser nicht mitteilen. Denn egal ob das Bier, welches ich bei ihm trinke jetzt gut schmeckt, weil es keinen Urin enthält, oder weil es Urin enthält: Es schmeckt mir.

  6. naja, alle ekeln sich, aber vegetarier wird trotzdem keiner! Jedoch hat das Ganze ein gutes Anhängsel: Man setzt wieder auf lokale Produkte… Find ich gut! Hab ich schon mal auf den Film *we feed the world verwiesen*? Seeeehr aufschlussreich in diesem Zusammenhang!! (zu finden auf youtube in 7 parts…)

    • also ich zumindest ekele mich nicht vor Fleisch – nur vor diesem Industrie-Frankenstein-Fleisch. Und lokal + saisonal ist ohnehin sinnvoll, weil man genau die Nährstoffe bekommt, die man zur jeweiligen Jahreszeit braucht. Gerade bei Gemüse merkt man auch deutlich, dass zB eine ordentlich an der Pflanze gereifte Tomate aus dem Rheinland oder deutscher Spargel besser schmeckt als die Gewächshausware aus NL oder Belgien bzw. Spargel aus Spanien oder Griechenland. Kurze Transportwege entlasten die Umwelt zusätzlich.
      Den Film kenn‘ ich…:)

  7. Da sieht man mal wieder, wie weit uns die oft unterschätzten Chinesen voraus sind. Wer den eigenen Hund im Garten schlachtet und verzehrt hat kurze Transportwege und weiß fast immer was das Tier zu Lebzeiten verzehrt hat.

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