Vatertag vorgezogen? Oder: Spinnen die Vermögenden?

Es gibt Meldungen, bei denen schaue ich unwillkürlich auf den Kalender und vergewissere mich, dass nicht der erste April ist. Der Spiegel hat mich eben wieder auf den Kalender schauen lassen:

Eine Gruppe vermögender Bundesbürger will eine Zwangsabgabe für Reiche einführen. So könnten 50 Milliarden Euro für Bildung, Soziales und Ökologie zusammenkommen.

ist dort zu lesen. Und weiter:

Dieter Lehmkuhl hat zusammengestellt, auf welche Weise er in den vergangenen Jahren von seinem Vermögen profitiert hat. Zwischen 2000 und 2007, sagt der frühere Arzt, sei sein Grundeinkommen „konstant“ geblieben, sogar „leicht gesunken“. Hingegen habe sich sein Einkommen aus Kapital und sonstigem Vermögen verdoppelt, das zu versteuernde Einkommen um ein Drittel verringert, die zu zahlenden Steuern insgesamt sogar halbiert.

Dieser Satz sagt eigentlich alles aus und muss nicht weiter kommentiert werden. Ich wünsche den 23 Streitern für Gerechtigkeit viel Erfolg, glaube aber nicht dass sie auch nur irgendetwas erreichen werden – ausser Publicity. Ein wirklich lesenswerter Artikel und eine Initiative, die man im Auge behalten sollte.

Nachtrag: Die „Vermögenden“ haben auch eine eigene Webseite

20 Gedanken zu „Vatertag vorgezogen? Oder: Spinnen die Vermögenden?

  1. Ich nicht. Sie sollen mit Ihrem Geld machen was Sie wollen und ich will dasselbe mit meinem Geld machen.

    Aber wieder applaudierst Du Leuten Die anderen vorschreiben wollen was sie zu tun oder zu lassen haben….

    Wie gut das funktioniert kann man ja am Bankrott der ehemaligen DDR erkennen.

    Aber unsere Politiker arbeiten ja an einem etwas „netteren“ Bankrott..

  2. In der DDR gab es kein Privateigentum und wenn man es hatte war es der Willkür des Staates komplett ausgeliefert. Und wenn ich es mit Skandinavien vergleiche, ich will nicht in einem Staat leben wo man bevormundet wird. Ich bevorzuge Staaten in dem Privateigentum den höchsten Schutz geniesst. Ich stehe für meine Fehler mit meinem eigenen Geld ein ich laufe nicht zum Staat und sag. Gib‘ mir mal ein paar Milliarden sonst wird die Welt untergehen.

    Nichts kann mich an Skandinavien reizen. Die Länder dich ich besser finde, kann man hier nachlesen
    http://www.faz.net/s/Rub0E9EEF84AC1E4A389A8DC6C23161FE44/Doc~E3C66D5A9FB164076BFAC4DB98D6C3F5F~ATpl~Ecommon~SMed.html

    Wenn diese Leute meinen etwas gegen die „Ungerechtigkeit“ tun zu müssen, dann sollen Sie doch. Ich finde es ungerecht wie Privateigentum „verteufelt“ wird und jeden der an mein Geld will (ohne Gegenleistung und mit Zwang) ist für mich ein „Feind“. Und für mich ist der größte Feind unsere derzeitige Regierung. Sie bestehlen mich täglich, sie bürden mir Zwangsarbeit auf, sie schränken meine Vertragsfreiheit in allen erdenklichen Wegen ein.

    Was am Schlimmsten ist, sie nehmen jedem die Mittel weg für sich selber zu sorgen. Und jeder Cent der in Firmen oder Unternehmen wie Commerzbank, HRE, Deutsche Bank, Post, Bahn etc gesteckt wird macht den zu erwartenden Verlust immer untragbarer und ich möchte nicht die nächste Währungsreform erleben und das möchte ich für keinen in Deutschland weder jetzt noch in Zukunft. Nur unser derzeitigen Politiker arbeiten mit Hochdruck daran. Sie belügen uns über die Kosten der „Rettungspakete“ sie bürden uns eine Zinsdienst auf der nicht tragfähig ist.

    Und diesen Verbrechern soll ich noch mehr Geld geben.. Das kann meine Antwort nur lauten. „Nein“.

  3. Tach,

    zunächst mal hab ich die Initiative anerkennend zur Kenntnis genommen und selbst aus verschiedenen Perspektiven in meinem Blog betrachtet.
    Die reflexartige Reaktion von Friedrich zeugt von massivem Unverständnis bezüglich Eigentum, aber auch dem aktuellen (und wiederholtem) Vorstoß zur Vermögensabgabe.
    1. Niemand will Eigentümer enteignen oder ihnen überproportional ihr Privateigentum schmälern.
    2. Die Gesellschaft ist immer die Summe ihrer Einwohner, oben wie unten, reich wie arm. Die Gesellschaft bzw. der Staat trägt Sorge für das Wohlergehen seiner Bevölkerung. Zu diesem Zweck werden Steuern erhoben.
    3. Nirgendwo auf der Welt lässt sich so entspannt mit Wohlstand leben wie hier. Korruption, Gewaltverbrechen, Stabilität und Infrastruktur sorgen für Komfort.
    4. Eigentum und Kapital ist kein Selbstzweck, welcher dem Markt entzogen werden kann, in diesem Sinne MUSS, wie auch in wirtschaftsliberalen Musterländern vollzogen, jegliche Kapitaleinkunft besteuert werden. Dass die zu zahlenden Summen bei Wohlhabenden entsprechend höher ausfallen, liegt an der Logik von Prozentualrechnung.
    5. Ich bin selbst kein „kleiner Mann“ und sehe es als gesellschaftliche Verpflichtung, meine Sonderstellung nicht in puren Egoismus ausarten zulassen und engagiere mich proaktiv. Steuern, die mich nun treffen könnten werde ich gern zahlen, DENN nichts ängstigt mich mehr, als eine marodierende Gesellschaft voller Ungerechtigkeit. Schlussendlich brauche ich eine stabile Gesellschaft um mein Eigentum zu halten oder zu mehren und so bin ich auch bereit, meinen Anteil daran zu leisten.

    Besten Gruß
    Cornelius H.

  4. @Cornelius H.:

    Ich glaube gar nicht mal, dass Friedrich so weit von Meiner Einstellung weg ist. Ich glaube nur, dass er in einer schwierigeren Situation ist als die menschen, die ich anprangere. Er sich aber angesprochen fühlt.

    Was aber auch gern vergessen wird ist das, was ich als den „Binnenmarkt“ bezeichne. Was passiert, wenn das Kapital im Binnenmarkt „zuende geht“? Oder wenn mehr verteiltes(!!) Kapital zur Verfügung steht..

  5. @Cornelius H.:

    Einen Binnenmakrt kann es nur geben, wenn die auf Nachfrageseite teilnehmenden Parteien genügend nachfrage auch finanzieren können. Viel Kapital auf Verbraucherseite ist also gut.

    Was nutzt es, wenn Luxusartikel zwar gebaut werden, aber sich keiner mehr diese Artikel leisten kann? Was nutzt Wohnraum, wenn keiner die Mieten bezahlen kann?

  6. @RZ: Die Gesetzmäßigkeit und Notwendigkeit eines funktionierenden Binnenmarktes sind mir schon bewusst. In welchem Zusammenhang aber steht dieser Einwurf, mit dem Blogpostin und dem Vermögensabgabe-Appel?
    Mehr Steuereinnahmen werden ja zwangsläufig im Binnenmarkt landen, denn das beweist Deutschlands Regierung in Serie: Gespart wird nie.
    Und hier liegt in aktueller Situation ja auch das Problem: Menschen die zuviel Geld zum Ausgeben haben entziehen mehr und mehr Geld dem Binnenmarkt, der Taler wandert nicht.

  7. @Cornelius H.:

    Den Zusmmenhang sehe ich AUCH da, dass Personen mit „minderen Einkünften“ (ob Hartz-IV oder erwerbstätig) mit diesem Kapital in die Lage versetzt werden KÖNNTEN aktiver am Kreislauf des Binnenmarktes teilzunehmen.

    Derzeit bekommt ein gewisser Personenkreis einfach – in meinen Augen – zu viel Geld, während andere zu wenig erhalten. Die Frage ist: Wer wird konsumieren (direkt den Kreislauf anregen) und wer wird investieren? Oder gar Kapital dem direkten Kreislauf entziehen, da das „Überschußkapital“ als Anlage geparkt wird?

  8. Ich sehe schon, wir sind gänzlich einer Meinung. Erwerbstätigkeit in einer 40-Stunden-Woche muss gesetzlich fixiert zu einem monatlichen Netto von mindestens 1.400 Euro führen.
    Hartz IV muss zügig auf menschenwürdige Maße erhöht werden, mit klarer Unterscheidung zwischen arbeitsfähig/-willig und außer Stande für Erwerbstätigkeit (solche Zustände muss ein zivilisierter Staat (er-)tragen. Schrittweise sollte ein bedingungsloses Grundeinkommen in Höhe von 800 Euro für Jedermann eingeführt werden. Und anders als immer kritisiert, ist dies auch kinderleicht finanziert. Der Staat forciert eine konstante Geldentwertung, sprich Inflation, in Höhe von jährlich 5% (druckt also Geld nach). Die Inflation gleicht er bei seinen Empfängern aus, so dass die Kaufkraft „unten“ erhalten bleibt.
    Oben allerdings, wird fortan zweimal überlegt, ob man Geld parkt und eine Entwertung riskiert oder eben investiert, konsumiert und sein Geld in den Handelsstrom bringt.
    Abgefangene Inflation würde ad hoc jegliche Steuererhöhung erübrigen, da der Staat wieder alles lenkt. Und Reichtum lohnt sich nur wenn man auch wirklich etwas tut.

  9. @Cornelius: „Ich glaube gar nicht mal, dass Friedrich so weit von Meiner Einstellung weg ist. Ich glaube nur, dass er in einer schwierigeren Situation ist als die menschen, die ich anprangere.“

    Versteh‘ ich nicht. Meine Situation ist genauso schwierig oder nicht schwierig wie für alle die derzeit stillschweigend „enteignet“ werden.
    a) durch Inflation
    b) durch Schulden die irgendwann zurückbezahlt werden müssen oder aber in einer Währungsreform enden.

    Wenn es nicht offensichlich ist, daß mehr Geld keine Kur für zuviel Geld ist dann erübrigt sich jede Diskussion.

    Und ich verwehre mich ganz einfach dagegen, daß mir irgendwelche Leute vorschreiben wollen (und das im „Wissen um Ihre moralische Überlegenheit“,) wie ich mein Geld auszugeben habe. Ich habe ganz klar geschrieben. „Wenn diese Leute das für richtig halten“ sollen sie doch machen.

    Ich halte davon nichts und will nicht, also wo nehmen sich diese Leute das Recht heraus mir vorschreiben zu wollen: „Ich muß aber“

    Ich habe auch in einem anderne Thread geschrieben ich bin für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Es darf dann aber kein weiterer Cent wegen irgdendwelcher sozialen „Wohltaten“ ausgegeben werden. Also wenn Grundeinkommen dann
    a) keine Rentenversicherungszahlungen mehr
    b) keine Arbeitslosenversicherungszahlungen mehr

    Und zusätzlich ein einfaches Steuerrecht.

  10. @Friedrich:

    Ich unterstelle einmal, dass Du in einer schizophrenen Situation steckst. Auf der einen Seite bist Du vermögend, aber noch nicht vermögend genug, als dass dir weiteres Kapital abgezogen werden kann, ohne dir „Schmerzen“ zu verursachen.

    An die „Kleinen“ (auch die kleinen Vermögenden) denke ich doch gar nicht. Solltest Du aber mehr als 50.000€ Monatseinkommen haben, verstehe ich deine Argumentation nicht 🙂

    Denn ganz zum Schluss ist JEDE Form von Steuern und Gebühren eine „Enteignung“. Auch die, dir ausschliesslich vom Endkunden bezahlt werden, wie die Einkommens- oder die Mehrwertsteuer.

  11. Falsche Analyse, auch wenn mir etwas agezogen würde käme ich über die Runde, aber es geht darum DAS MIR NICHTS ABGEZOGEN wird. Es geht darum ob ich FREIWILLIG abgebe oder „gezwungen“ werden soll. Ich versuch‘ es Dir noch einmal klar zu sagen. Wenn diese Leute Ihr Geld abgeben wollen, dann sollen Sie es bitte tun. Aber mir vorschreiben zu wollen, ich hätte es genauso zu machen lehne ich ab. Egal ob ich das „verkraften“ könnte oder nicht.

    Ich hoffe damit ist es klar. Ich will entscheiden können was mit meinem Geld geschieht und wie ich es einsetze, und ich spreche jedem der mir sagen will, es anders zu machen. Geh dahin wo der Pfeffer wächst.

    Ist das jetzt angekommen?

    Und Du hast es völlig erfasst:
    „Denn ganz zum Schluss ist JEDE Form von Steuern und Gebühren eine “Enteignung”. Auch die, dir ausschliesslich vom Endkunden bezahlt werden, wie die Einkommens- oder die Mehrwertsteuer.“

    Genau. Und das möchte ich endlich mal in einem „geordneten“ Rahmen sehen. Es gibt da viel zu viele Extraparagraphen die nur Steuerberater, Steuerbürger und Steuerbeamte beschäftigen. Das nenne ich „Ineffizenz“.

  12. ich denke da etwas anders. Fast alle Leute dich ich kenne sind gerne bereit für die Vorteile die sich in Deutschland bieten ANGEMESSEN zu bezahlen. Nur diese Angemessenheit wird von der Staatsseite zu sehr zu deren Gunsten ausgenutzt. Und das allergrößte Problem sind alle möglichen Sonderparagraphen, so daß jeder meint alle anderen profitieren nur man selber nicht. Wenn wir eine breitere Bemessungsgrundlage hätten und dafür einen nominal niedrigen Steuersatz mit WENIGER AUSNAHMEN wären wahrscheinlich die Meisten doch eher zufrieden.

    Derzeit geht die Argumentation. Weil der und die da Geld hat kann Sie/Er die Steurlücken besser ausnutzen. Nun warum macht er/sie es wohl? Der Anreiz ist viel größer wenn man statt der Hälfte nur 1/3 „zwangsabgeben“ muß und natürlich kann man da auch etwas in Steuerberater investieren. Dabei wird aber auch vergessen, nur weil investiert wird kann auch etwas produziert werden….

  13. @Friedrich:

    Was das Thema „Produktion benötigt Kapital“ angeht, bin ich bei dir. ABER: Man sollte unterscheiden zwischen Unternehmenskapital und -besteuerung sowie Einkommensbesteuerung.

    Aber wir beide werden diese Problematik garantiert nicht lösen können. Und WENN wir gefragt werden würden, kämen wir nicht zu Wort, da uns das Geschrei der Lobbyisten übertönen würde.

  14. Kann ich nicht erkennen. Ob Investionen von Firmen oder Einzelpersonen „vorgenommen“ werden spielt doch gar keine Rolle (außer natürlich im Steuer(un)recht). Und ohne genügend sparen ist investieren auch nicht drin. Aber das wir ja nur bona-fide Geld haben spielt das ja keine Rolle

  15. @Friedrich:

    Ich unterscheide sehr wohl zwischen Investitionen und Konsum bei Einzelpersonen, da „verkonsumiertes“ Kapital direkt dem Geldkreislauf zu Gute kommt, was bei Investitionen nicht zwingend der Fall ist (Kunst, Aktien etc.).

    Aber auch bei Unternehmen ist in Sachen Investition nicht alles Gold was glänzt, denn die Anschaffung von Maschinen ( was teilweise zum Abbau von Arbeitsplätzen führt) KANN auch dazu führen, dass diese Investitionen nur sewhr indirekt (internationaler Wettbewerb) die eigenen Volkswirtschaft stützen.

    Generell ist unser System in dem Moment problembehaftet, in dem immer weniger („geldwerte“) Arbeit durch Menschen erledigt wird. Dann fehlt auf der Einnahmeseite einfach ein bisschen was, was kompensiert werden muss.

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