Moral der Politiker

Moral ist etwas sehr individuelles. Jeder Mensch hat seine eigenen Ansichten und bewertet unterschiedlich, dies ist gut und zeichnet eine freie Gesellschaft aus. Allerdings habe ich ein Problem mit der Moral der Politiker.

Schon die Hamburger Grünen haben mir sehr deutlich aufgezeigt, dass Politiker für die Machtoption jedwede Moralvorstellungen sausen lassen (Mit uns wird es Moorburg nicht geben). Gestern nun hatte ich einen kleinen Wortwechsel mit Philipp Tacer (Stadtrat Düsseldorf), welcher darauf hinauslief dass Herr Tacer folgende Aussage formulierte:

SPD-Umweltministerin Hendricks und SPD-Bundestagsfraktion haben sich klar geäußert und fordern Autoindustrie zur Hardware-Nachrüstung auf deren Kosten auf. Union und Merkel blockieren. Ich empfehle daher, in deren Richtung zu kritisieren!

Stets kann man ja nichts an den politischen Fehlentscheidungen tun, weil man ja keine Mehrheit hat und immer ist es „der Andere“. Vielleicht sollten wir einfach alle man diesen imaginären Anderen wählen. Oder an die Wand stellen. Es ist erbärmlich, wie sich erwachsene Menschen aus der Verantwortung für ihr Handeln herauswinden.
Mal GANZ ehrlich: Wenn mir etwas so richtig gegen den Strich geht, stehe ich auf und erkläre „Dann mach doch deinen Scheiß allein“. Aber ich bin ja auch kein Politiker.

Ich bin kein Guru, kein Übermensch oder großes Vorbild. Kann ich nicht sein, dafür habe auch ich zu viele Fehler (fragt mal meine Töchter…). Aber ich habe Prinzipien, welchen ich versuche treu zu sein. Ich sollte (das muss 1987 gewesen sein, ich war als Controller für eine Videothekenkette tätig) einmal einem jungen Mädchen Abends um 23:00 die fristlose Kündigung aussprechen, für einen Fehler den der Vorgänger der jungen Frau zu verantworten hatte. Mir wurde der Auftrag zum Aussprechen der Kündigung um eben 23:00 telefonisch vom Inhaber übermittelt. Ich sprach die Kündigung NICHT aus, sondern kündigte selbst meine (gut bezahlte) Anstellung (als Scheinselbstständiger…). Ich stand von einem auf den anderen Tag ohne Einkommen „auf der Strasse“, hatte aber ein gutes Gewissen.

Warum ich dies erzähle? Ganz einfach: Weil es das Bedürfnis meinen Prinzipien treu zu sein ist, die mich in diesem Moment handeln ließ. Ob ich heute (in einem quasi unvermittelbaren Alter) noch so agieren würde? Ich weiß es nicht – und meine Frau hofft wahrscheinlich dass ich dies nicht tue.. :). Aber es geht. Mann kann sich gegen Dinge stemmen, die sich mit dem eigenen Gewissen nicht vereinbaren lassen.

Politiker könnte mal wieder nach ihrem Gewissen – und nicht dem Fraktionszwang unterliegend – abstimmen. Fraktionen könnten aufgelöst, Koalitionen gar nicht erst eingegangen werden. Wir erleben derzeit, dass in der politischen Landschaft die Selbstlüge (dann können wir wenigstens mitreden) die Moral der Politiker auffrisst.

Herr Tacer schreibt in einem anderen Tweet:

Schlicht falsch. Wenn zu wenig Bürger SPD wählen (was ja seine Gründe haben wird), kann man die SPD hinterher aber nicht dafür kritisieren, dass sie ihr Programm nicht zu 100% umsetzen kann.

Tja, was war denn nun zuerst? Die Aufgabe der Werte der Partei (von dem Programm will ich gar nicht reden) oder das Abwenden der Wähler? Ich muss mal eben kurz den guten. alten Willy Brandt zitieren:

Es hat keinen Sinn, eine Mehrheit für die Sozialdemokraten zu erringen, wenn der Preis dafür ist, kein Sozialdemokrat mehr zu sein.

Aber was ist von Willy Brandt in der SPD schon über geblieben? Außer einer sprachlosen Figur im Eingangsbereich. Vielleicht sollten Politiker wieder eigene Werte leben und vermitteln. Den Bürgern ein Vorbild sein – auch wenn es mal Schmerzen bereiten oder persönliche Einkommensbußen bedeutet.

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