Die Zuverlässigkeit der öffentlichen Verkehrsmittel

Wer mein Blog liest – oder mich sogar persönlich kennt/ertragen muss, weiss, dass ich seit knapp 4 Monaten in Sachen Arbeitsplatzerreichung vom Moped auf die öffentlichen Verkehrsmittel umgestiegen bin (meine Prinzessin hat eigentlich schuld – aber das ist eine andere Geschichte …).

Eine alte Volksweisheit sagt ja: Wenn einer eine Reise tut, dann kann er ‚was erleben“. Dies trift insbesondere auf den öffentlichen Nahverkehr, speziell auf Busse zu. Die Hambuger Buslinien haben eigentlich recht einfache Fahrpläne – typischerweise fahren die Busse im Berufsverkehr alle 10 Minuten. Natürlich kommt es – gerade im Berufsverkehr – dazu, dass sich ein Bus einmal verspätet. Gründe dafür gibt es mehrere. So kann die Müllabfuhr, Lieferverkehr,  oder auch „zweite Reihe Parker“ schon einmal dafür sorgen, dass ein einzelner (!) Bus sich verspätet.

Auch verschieben sich ALLE Abfahrzeiten – abhängig von der Entfernung der Einsatzhaltestelle – im Berufsverkehr. oder bei temporären Baustellen,  strassenverkehrsbedingt etwas nach hinten. Dies liegt daran, dass eine Referenzzeit genommen wird, die ein Bus zwischen den Haltestellen benötigt (inkl. Ein- und Aussteigehalt, sowie eventueller Kassiertätigkeit). In den Stosszeiten wird das Fahrzeug nun aber länger brauchen, weil eben eher noch ein Fahrkarte gelöst wird, oder auch der normale Berufsverkehr für etwas längere Fahrzeiten sorgt. Dieses Delay sorgt typischerweise dafür, dass die An- und Abfahrtszeit ALLER Busse sich etwas nach hinten verschiebt. Die Busfrequenz an der Bushaltestelle sollte in diesem Problemfall weiterhin konstant bei den im Fahrplan angegebenen 10 Minuten (+/- 1-2 Minuten) liegen.

Nun ist es mir gestern wieder passiert, dass ich auf einen Bus, der alle 10 Minuten fahren soll, eine geschlagene viertel Stunde warten musste. Dann alerdings erschienen 2 Busse derselben Buslinie direkt hintereinander an der Haltestelle, an der ich – im leichten Schneeregen – mit ca. 20 anderen potentiellen Fahrgästen wartete. Dem Gesetz der Sitzplatzwahrscheinlichkeit folgend, stieg ich in den zweiten Bus, der auch – erwartungsgemäss – ziemlich leer war.

Technikfreak wie ich bin, kenne ich mich ein wenig mit den Displays der Fahrkartenautomaten in den moderenen Bussen aus und weiss, dass in dem Display dieses gerätes abgelesen werden kann, wieviel Verspätung der Bus hat. Das ganze funktioniert mittels Streckenplan und Positioning-System. Das System weiss stets wann es wo zu sein hat und wo sich der Bus gerade befindet. Für diejenige, die im Grossraum Hamburg mit Bussen unterwegs sind (oder die, deren ÖPNV Busautomaten gleichen Musters einsetzt): In dem zweizeiligen Display wird – im Standardmodus – in der oberen Zeile, ganz rechts die Delay-Zeit angezeigt.

Zurück zum Thema: Ein Blick auf eben dieses Display zeigte mir, dass „mein Bus“ ein MINUS von 2 Minuten hatte. Dies bedeutet, dass dieser Bus zwei Minuten zu früh fuhr. Der Bordcomputer zeiugt dieses nicht nur mir – dem Fahrgast – sondern vor allem auch dem Busfahrer deutlich an.

Was ist daran böse, wenn ein Bus zu früh fährt?

  1. Etwaige Fahrgäste, die „pünktlich“ an der Bushaltestelle erscheinen, sehen nur noch die Rücklichter. Was dazu führt, dass
  2. der nächste Bus mehr Fahrgäste mitnehmen muss (Warteschlange 10 Minuten -> 12 Minuten) und damit typischerweise auch ein Verspätung erarbeitet

Ich will damit nicht alle Busfahrer „bashen“. Sie haben einen Job, um den ich sie nicht beneide. Schichtdienstarbeit – inkl. Wochenend- und Nachtarbeit mit – teilweise – unfreundlichen Fahrgästen, stets auf Achse, wahscheinlich irgendwann Rückenprobleme, warm/kalt im Winter (Tür auf / Heizung). Dennoch möchte ich so manchem Bussfahrer mal gehörig meine Meinung blasen, weil wegen seiner Unpünktlichkeit (wir reden hier ausschliesslich über zu frühes fahren, nicht über „umständehalber“ erarbeitete Verspätung) stehengelassene Fahrgäste ihre Anschlusslinien nicht bekommen und auch anstelle von höchstens 9,99 Minuten auf einmal eine Viertelstunde im Schneeregen stehen müssen.

Wenn wir schon mal beim Frustablassen sind: Wieso schafft man es am Bahnhof Harburg-Rathaus eigentlich NIE etwas anderes zu sehen als die Rückleuchten des Busses, den man eigentlich nutzen möchte? Warum wartet der Bus nicht auf die Fahrgäste, die mit der S-Bahn ankommen, so dass man eine durschnittliche Wartezeit von 6-8 Minuten hat. Nach meinem Verständnis sollten die Busse – im abendlichen Berufsverkehr – die mit den Bahnen  ankommenden Fahrgäste „lokal verteilen“. Aber da hat die HHA seit Jahren ein Problem mit der Feinabstimmung.

3 Gedanken zu „Die Zuverlässigkeit der öffentlichen Verkehrsmittel

  1. Also so habe ich das ehrlich gesagt noch nie gesehen. ^^ Und ich fahr ja auch schon ein bisschen länger =>
    Aber wenn ein Bus zu früh kommt, kann er wohl nichts dafür, glaube ich.
    Einmal, Bushaltestelle AK Hamburg, stand ein Bus, in dem ich saß, mindestens 5 Minuten da und der Fahrer hat Zeitung gelesen. Ich wollte zur Schule. Ich denk nur so: Soll ich zu Fuß gehen?!

    Aber naja, was solls.

  2. @NankaBlitza:

    Tja, Nanka, so sieht man mal wieder, dass Lesen (auch meines Blogs) den Horizont erweitert 🙂

    Und ja, der Bus(fahrer) kann etwas dafür, wenn er zu früh an der Haltestelle losfährt. Sein System zeigt ihm ja an, dass er zu früh ist. Einfach ein wenig Zeitung lesen, warten und damit dann wieder pünktlich (nicht zu früh) an der nächsten Haltestelle auftauchen….

  3. Ich fahre schon seit 2006 und habe mir eben ein Auto geleistet. Was mir da alles so im Bus passiert ist, davon könnte ich ein Buch schreiben. Da war der Busfahrer, der 5 Minuten zu spät abfuhr, weil er eifrig SMS verschickt. Als er dann endlich losfuhr, simste er während (!) der Fahrt munter weiter. Oder der Kollege, der ebenfalls 5 Minuten zu spät abfuhr, es aber dennoch schaffte, 6 Minuten vor der Zeit anzukommen, da er einfach alle roten Ampeln ignorierte. Dann gab es noch die netten Kontrolleure, die mich in Bus 1 nach der Karte befragten, mit mir in Bus 2 umstiegen, wartet, bis ich alles wieder eingepackt hatte, nur um mich dann erneut nach der Fahrkarte zu bitten (O-Ton: „Das ist Vorschrift so.“). Oder wie wär’s mit dem Fahrer, der mich beinahe überrollt hätte, nur weil er nicht gesehen hatte, dass er beim Rechtsabbiegen auch auf die Fußgänger achten muss, die gleicheitig grün haben.
    Die Linie 27 in Richtung Billstedt hat gerade von 13 – 14 Uhr mit massiven Verspätungen zu kämpfen. Dazu fühlt man sich, einmal im Bus drinnen, wie in einem Viehtransporter. Bekannt ist das dem HVV (weiß ich, weil ich mehrere Busfahrer befragt habe), aber getan wird nichts. Die Linie sollte eigentlich im 10 Minuten Takt bedient werden, man kann aber auch schon mal bis zu 25 Minuten auf den Bus warten. Ach ja… Danke HVV, dass ihr mich in meiner Entscheidung bestätigt habt, mir ein Auto zu kaufen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.